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Ist die PS4 Pro eine 4K-Mogelpackung?

Wie viel 4K steckt wirklich in der PS4 Pro?
Wie viel 4K steckt wirklich in der PS4 Pro? (©YouTube / Sony 2016)

Mit der PlayStation 4 Pro hat Sony eine neue Power-Konsole angekündigt, die erstmals auch 4K-Auflösungen für Games unterstützen soll. Doch was verbirgt sich hinter dem Marketing und wie 4K-tauglich ist die PS4 Pro wirklich?

Am Mittwochabend hat Sony den Schleier über seiner neuen PlayStation endlich gelüftet. Das ehemals mit dem Codenamen PS4 Neo betitelte Gerät heißt nun PS4 Pro, soll am 10. November in den Handel kommen und wird vom Hersteller als 4K-Gaming- und Entertainment-Maschine beworben. Demonstriert wurde dies auf dem Event mit einigen beeindruckenden Gameplay-Videos. Doch einige Zweifel bleiben: Wie viel 4K steckt tatsächlich in der neuen Sony-Konsole?

Videostreams in nativem 4K

Fakt ist: Die PlayStation 4 Pro ist in der Lage, Videosignale in Ultra HD-Auflösung von 3840 x 2160 Pixeln an den angeschlossenen Fernseher auszugeben. Ganz konkret soll die Konsole in Zukunft in der Lage sein, entsprechende Videostreams von Netflix und YouTube auf 4K-TVs auszuspielen. Amazon Prime Instant Video wäre theoretisch eine weitere App, die in Zukunft 4K-Filme und Serien auf der PS4 Pro anbieten könnte. Auch der erweiterte Farbraum mit High Dynamic Range (HDR) soll von der Sony-Konsole unterstützt werden.

Die PS4 Pro unterstützt keine 4K-Blu-rays

Doch das war es dann leider auch schon: Anders als beispielsweise mit der Xbox One S wird es mit der PlayStation 4 Pro nämlich nicht möglich sein, 4K-Blu-rays abzuspielen, da ein entsprechendes Laufwerk fehlt. Für viele Gamer mag das zunächst als ein nachrangiges Detail erscheinen, denn sie wollen mit ihrer Konsole schließlich spielen und keine Filme schauen. Für Besitzer von 4K-TVs, die nun schon seit Jahren auf Filme in nativer Ultra HD-Auflösung warten, könnte das jedoch schlicht und ergreifend ein K.O.-Kriterium sein.

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Die Xbox One S spielt auch 4K-Blu-rays ab. (©TURN ON 2016)

Auch in Bezug auf Sonys eigene Produktstrategie ergibt der Verzicht auf ein 4K-Blu-ray-Laufwerk nur bedingt Sinn. Klar, man möchte die Kosten für die PS4 Pro gering halten. Gleichzeitig gehört Sony aber zu den Unternehmen, die gerade richtig viel Geld in die Produktion von Ultra HD-Blu-rays investieren. Warum bietet man dann nicht auch einen bezahlbaren Player in Form einer neuen PlayStation an und überlässt diesen Markt stattdessen Microsoft oder Samsung?

Echte 4K-Grafik gibt es auch mit der PS4 Pro nicht

Aber kommen wir mal auf das 4K-Gaming zu sprechen, denn das dürfte schließlich die meisten User interessieren. Wie schon erwähnt, kann die PS4 Pro die Signale in 4K-Auflösung an den TV weitergeben. Ob die Spiele aber auch nativ in 4K berechnet werden oder ob die Konsole diese nur künstlich hochskaliert, steht auf einem ganz anderen Blatt. Vermutlich werden Titel wie "Horizon: Zero Dawn" oder "Days Gone", wie sie auf dem Event am Mittwoch gezeigt wurden, mit vollen Details auch auf der PS4 Pro "nur" in 1080p oder in 1440p berechnet und anschließend auf die 4K-Auflösung hochskaliert. Der Fernseher erhält dann zwar ein 4K-Signal von der Konsole, aber eben keine native 4K-Grafik.

Entwickler werden für die PS4 Pro jedoch die Wahl haben: Entweder sie lassen Spiele wie bisher in 1080p berechnen und können dann ordentlich mehr Effekte und eine bessere Framerate bieten als auf der normalen PS4, oder sie lassen in 4K berechnen, müssen dann jedoch Abstriche bei der grundlegenden Grafikqualität machen. Wie das aussehen kann, zeigt Crystal Dynamics laut IGN für das Spiel "Rise oft the Tomb Raider". Das soll drei verschiedene Grafikeinstellungen unterstützen, aus denen der Spieler wählen kann:

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Auflösung, Framerate oder Effekte: Die PS4 Pro stellt Spieler vor die Wahl. (©Crystal Dynamics 2015)

  • 1080p30: Gleiche Auflösung und Framerate wie bei der normalen PS4, aber bessere Effekte
  • 1080p40-60: Verbesserte Framerate auf 40 bis 60 Bilder pro Sekunde, aber gleiche Auflösung und Effekte wie bei der normalen PS4
  • 2160p30: Verbesserte Auflösung, aber gleiche Framerate und Effekte wie bei der normalen PS4

Der Gamer selbst hat also die Wahl, ob er Auflösung, Framerate oder Effekte eines Spiels verbessern möchte. Alles gleichzeitig wird vermutlich nicht möglich sein, da dafür selbst die verbesserte Grafikleistung der Konsole nicht ausreicht.

4K bleibt bei der PS4 Pro ein zweischneidiges Schwert

Ob die PlayStation 4 Pro überhaupt echtes 4K-Gaming mit 60 Frames pro Sekunde unterstützt wie einige aktuelle Gaming-PCs, ist bislang noch nicht ersichtlich. Vermutlich werden die meisten sogenannten 4K-Games nur hochskaliertes Full HD oder QHD bieten. Damit werden sie zwar immer noch um einiges besser aussehen als auf der normalen PS4, bis zum nativen 4K-Gaming ist es jedoch immer noch ein gutes Stück hin.

Wann ist 4K wirklich 4K?

So ganz kann die PlayStation 4 Pro dem Anspruch an eine 4K-Konsole nicht gerecht werden. Das fängt beim fehlenden Laufwerk für 4K-Blu-rays an und hört dabei auf, dass die Pro wohl Spiele nur in hochskaliertem 4K ausgeben wird. Trotzdem wird sie Videostreams von Netflix und Co. in echter Ultra HD-Auflösung und mit HDR unterstützen und viele Spiele werden dank der höheren Grafikpower besser aussehen als auf der normalen PS4.

Vorerst bleibt jedoch viel Spekulation. Wie viel 4K und bessere Grafik die neue Konsole wirklich bietet, werden wir natürlich erst nach einem Test wissen. Kritisch ist jedoch, dass Sony einfach mit Marketing-Begriffen wie 4K und HDR um sich wirft, ohne den Kunden zu erklären, was sich nun eigentlich dahinter verbirgt. Manch ein Käufer könnte so enttäuscht werden, wie begrenzt der 4K-Support der PS4 Pro am Ende wirklich ist.

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Die wahren Fähigkeiten der PlayStation 4 Pro bleiben vorerst ein Rätsel. (©Sony 2016)

Ein Wort noch zum angekündigten HDR-Upgrade für die alte PlayStation 4 via Software-Update: HDR funktioniert auf allen bisherigen Geräten nur über einen HDMI 2.0a-Port. Die PlayStation 4 verfügt jedoch nur über eine HDMI 1.4-Schnittstelle und ist damit von Haus aus überhaupt nicht HDR-fähig. Denkbar ist, dass Sony einen Weg gefunden hat, die HDMI-Schnittstelle selbst auf 2.0a zu updaten – zumindest in einigen Fällen soll das möglich sein. Sollte das jedoch nicht der Fall sein, dann bleibt zu vermuten, dass es sich bei dem angekündigten HDR-Update nicht um echtes HDR handelt, sondern um eine Ersatz-Technologie. Auch hier würden wir uns etwas mehr Klarheit vom Hersteller wünschen.

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