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"Dishonored: Der Tod des Outsiders" im Test: Stealthpunk 2.1

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"Dishonored: Der Tod des Outsiders" schickt eine neue magische Meuchelmörderin durch die blutige Steampunk-Welt der "Dishonored"-Reihe. Wir haben den Standalone-DLC zu "Dishonored 2" auf der Xbox One durchgespielt und verraten im Test, ob sich der Ausflug lohnt.

Die Stealth-Action-Reihe "Dishonored" von Entwickler Arkane Studios und Publisher Bethesda hat sich seit 2012 einen festen Platz im Herzen von Hobby-Schleichern erobert. Der stimmungsvolle Mix aus Meuchler-Action, Magie, Entscheidungsfreiheit im Gameplay und Steampunk-Atmosphäre lockte die Spieler zuletzt 2016 in  "Dishonored 2" in die pittoreske Stadt Karnaca. Hierhin kehren wir auch in" Dishonored: Der Tod des Outsiders" zurück, allerdings nur für eine vergleichsweise kurze Stippvisite: Der jüngste "Dishonored"-Teil ist ein Standalone-DLC, der auch ohne das Hauptspiel "Dishonored 2" funktioniert und mit moderatem Preis, aber eben auch moderater Spielzeit daherkommt: Nach sechs bis zehn Stunden dürften die allermeisten Spieler den Abspann gesehen haben, wobei sich der Aufenthalt nach Belieben verlängern lässt – dazu später mehr. Zunächst die wichtigste Frage: Wozu das alles?

Story: Der Outsider muss sterben!

Die Handlung von "Dishonored: Der Tod des Outsiders" ist schnell erzählt und steckt im Grunde schon komplett im Titel: Der Outsider, das gottgleiche Wesen, das den Protagonisten der "Dishonored"-Reihe magische Kräfte verleiht, soll ermordet werden. Das wünscht sich Daud, seines Zeichens alternder Assassinen-Veteran und ehemalige Spielfigur im "Dishonored"-DLC "The Knife of Dunwall", der in dem übernatürlichen Jungen mit den schwarzen Augen eine Quelle des Bösen ausgemacht haben will. Den mörderischen Auftrag ausführen soll Dauds Ziehtochter Billie Lurk, die in den Vorgängerspielen bereits unter dem Namen Meagan Foster eine größere Nebenrolle als Kapitänin des Schiffs Dreadful Wale spielte. In ihre Haut schlüpfen wir und machen uns in der Ego-Perspektive an die Arbeit ...

Story-Kurzfassung: Unser Mentor Daud will, dass wir... fullscreen
Story-Kurzfassung: Unser Mentor Daud will, dass wir...
...den Outsider töten. fullscreen
...den Outsider töten.
Story-Kurzfassung: Unser Mentor Daud will, dass wir...
...den Outsider töten.

Wer auf eine vielschichtige, tiefgehende Story hofft, dem kann an dieser Stelle bereits von "Dishonored: Der Tod des Outsiders" abgeraten werden. Die Geschichte, die zwischen den fünf Missionen mit gezeichneten Zwischensequenzen weitererzählt wird, entfaltet sich äußerst linear und vorhersehbar. Die Hauptcharaktere Billie und Daud und selbst der mysteriöse Outsider bleiben blass und typenhaft, ihre Motivationen sind nur mäßig gut nachvollziehbar und tatsächlich weitgehend egal. Emotionale Bindung? Fehlanzeige.

Schicke Grafik und stimmige Ästhetik

Reizvoller ist da schon die Hintergrundgeschichte der "Dishonored"-Welt, die wieder mit einem stylish inszenierten Steampunk-Design aufwartet und grafisch toll in Szene gesetzt wird – auch wenn sich hier seit dem bereits etwas hölzern aussehenden "Dishonored 2" technisch nicht viel getan hat. Wer mag, kann jede Menge Hintergrundinformationen zum "Dishonored"-Universum in verstreuten Briefen, Dokumenten, Zeitungen und mehr entdecken, was Kennern der Vorgängerspiele einige Aha-Momente beschert. Wer die Reihe erst jetzt kennenlernt, kann sich über den Lesestoff immerhin ein paar Eckpfeiler der Ästhetik rund um Walfang, Rattenplagen, Kulte und magische Knochenartefakte zusammenreimen.

Der Schauplatz Karnaca ist malerisch umgesetzt. fullscreen
Der Schauplatz Karnaca ist malerisch umgesetzt.
Ob auf der Straße,... fullscreen
Ob auf der Straße,...
...in schicken Salons... fullscreen
...in schicken Salons...
...oder in schummrigen Katakomben: Die Atmosphäre von "Dishonored: Der Tod des Outsiders" überzeugt. fullscreen
...oder in schummrigen Katakomben: Die Atmosphäre von "Dishonored: Der Tod des Outsiders" überzeugt.
Der Schauplatz Karnaca ist malerisch umgesetzt.
Ob auf der Straße,...
...in schicken Salons...
...oder in schummrigen Katakomben: Die Atmosphäre von "Dishonored: Der Tod des Outsiders" überzeugt.

Gameplay: Bewährtes "Dishonored"-Prinzip, leicht verschlankt

Im Kontrast zur schon etwas enttäuschend linearen Handlung steht das Gameplay: Bei der Suche nach dem Outsider und einer Möglichkeit, für dessen Ableben zu sorgen, stehen Billie Lurk regelmäßig mehrere Wege durch die exzellent designten Levels offen. Bricht sie übers Dach oder durch die Kanalisation in eine Bank ein? Besorgt sie sich vorher durch einen riskanten Raubzug noch ein Schlafmittel, um die Wachen auszuschalten, oder widmet sie sich ihnen in klassischer Assassinen-Manier?

Wie ihre Vorgänger aus anderen "Dishonored"-Spielen hat Billie – neben einem Messer, einer Fernwaffe und hilfreichen Accessoires wie Minen oder Granaten – dazu auch Zugriff auf übersinnliche Kräfte. Davon gibt es in "Der Tod des Outsiders" allerdings nur drei: Mit "Weitblick" verlassen wir zum Auskundschaften den Körper der Spielfigur und fliegen frei herum; "Platztausch" ist eine Art Teleport, bei dem wir aber vorher einen Endpunkt setzen und die Fähigkeit daher auch zur Flucht einsetzen können und "Trugbild" lässt uns für eine kurze Zeit das Aussehen eines NPCs annehmen. Die Magiefähigkeiten lassen sich teilweise auch kombinieren – etwa, wenn wir uns mit "Weitblick" umschauen und zugleich einen Teleportpunkt setzen –, was sich positiv auf den Spielfluss auswirkt und zum Knobeln anregt. Alle drei Skills sind außerdem wenig konfrontativ und begünstigen eine heimliche Vorgehensweise.

Mit ihrer "Platztausch"-Fähigkeit kann Billie Lurk Fallen umgehen... fullscreen
Mit ihrer "Platztausch"-Fähigkeit kann Billie Lurk Fallen umgehen...
...oder unzugängliche Orte erreichen. fullscreen
...oder unzugängliche Orte erreichen.
Mit "Weitsicht" erkunden wir die Gegend und markieren Gegner. fullscreen
Mit "Weitsicht" erkunden wir die Gegend und markieren Gegner.
Ratten flüstern Billie kryptische Hinweise zu. fullscreen
Ratten flüstern Billie kryptische Hinweise zu.
Mit ihrer "Platztausch"-Fähigkeit kann Billie Lurk Fallen umgehen...
...oder unzugängliche Orte erreichen.
Mit "Weitsicht" erkunden wir die Gegend und markieren Gegner.
Ratten flüstern Billie kryptische Hinweise zu.

"Dishonored" funktioniert auch ohne Chaos-System

Billie kann – wie in "Dishonored" üblich – als unsichtbarer Schatten oder meuchelnde Todesfee durch die Straßen Karancas ziehen, wobei ihr Vorgehen diesmal weniger Konsequenzen als in den Vorgängerteilen hat. Das Chaos-System ist nämlich Geschichte: Wer zu viele Gegner meuchelte, erhöhte bislang seinen Chaos-Wert und bekam später im Spiel die Auswirkungen und Konsequenzen zu spüren – bis hin zu unterschiedlichen Spielenden. Zwei verschiedene Auflösungen der Story gibt es auch diesmal, sie werden aber durch eine singuläre Entscheidung am Spielende herbeigeführt.

Dass wir uns den Weg auch mal ohne große Gewissensbisse freikämpfen können, wenn eine akribisch geplante Ablenkungs-Aktion zum wiederholten Mal misslingt, sorgt tatsächlich für weniger Frust. Den Ladebildschirm bekommen wir aber auch so noch in schöner Regelmäßigkeit zu sehen, denn Fehlschläge sind häufig und die Wachen auch auf leichtem Schwierigkeitsgrad aufgeweckt, misstrauisch und Billie gerade am Anfang zahlen- und kräftemäßig überlegen. Apropos Kämpfe: In denen geht es natürlich ausnehmend blutig zur Sache und mit herumfliegenden Körperteilen geht "Dishonored: Der Tod des Outsides" ebenfalls nicht gerade sparsam um. Für Pazifisten und Menschen mit schwachem Magen ist das Spiel also definitiv nichts.

Idealerweise überraschen wir unsere Gegner lautlos von hinten. fullscreen
Idealerweise überraschen wir unsere Gegner lautlos von hinten.
Zur Not gibt's aber auch Granaten. fullscreen
Zur Not gibt's aber auch Granaten.
Manche Gegner sind mechanisch,... fullscreen
Manche Gegner sind mechanisch,...
...andere nicht von dieser Welt. fullscreen
...andere nicht von dieser Welt.
Idealerweise überraschen wir unsere Gegner lautlos von hinten.
Zur Not gibt's aber auch Granaten.
Manche Gegner sind mechanisch,...
...andere nicht von dieser Welt.

Nebenmissionen und angenehm reduziertes Charaktersystem

Auch ohne Chaos-System gibt es aber noch einen Bonus für gewaltfreies Durchspielen – nämlich in der Statistik am Ende jeder Mission. Hier lesen wir nach Abschluss eines Auftrags auch nach, wie viele Nebenmissionen wir erfolgreich absolviert haben. Die bringen ein gutes Zusatzgeld ein und stehen in "Dishonored: Der Tod des Outsiders" zentral an einem schwarzen Brett im Schwarzmarkt, wo wir auch Verbesserungen an unseren Waffen und der Spielfigur vornehmen können. Allerdings erfordern die Mini-Quests oft gehörige Umwege und erzwingen sogar manchmal einen Spielstil, in dem wir uns bloß nicht entdecken lassen dürfen. Das hebt den Knobelfaktor und gibt einen Anreiz, Level mehrmals zu versuchen, sich genau umzusehen und die Spielzeit damit in die Länge zu ziehen. Die zahlreichen Knochenartefakte, die passive Boni geben und wieder über die weitläufigen Spielareale verstreut sind, laden ebenfalls zur wiederholten Schatzsuche ein. Craften können wir die magischen Anhänger ebenfalls, das ist aber wohl nur auf der höchsten Schwierigkeitsstufe wirklich notwendig.

Gesundheitstränke (rot) und Betäubungsmittelflaschen helfen in brenzligen Situationen. fullscreen
Gesundheitstränke (rot) und Betäubungsmittelflaschen helfen in brenzligen Situationen.
Wie in vorigen "Dishonored"-Teilen lassen sich wieder Kunstschätze erbeuten. fullscreen
Wie in vorigen "Dishonored"-Teilen lassen sich wieder Kunstschätze erbeuten.
Im Schwarzmarkt verbessern wir das Inventar und Billie Lurks Fähigkeiten. fullscreen
Im Schwarzmarkt verbessern wir das Inventar und Billie Lurks Fähigkeiten.
Gesundheitstränke (rot) und Betäubungsmittelflaschen helfen in brenzligen Situationen.
Wie in vorigen "Dishonored"-Teilen lassen sich wieder Kunstschätze erbeuten.
Im Schwarzmarkt verbessern wir das Inventar und Billie Lurks Fähigkeiten.

Verschwunden sind dagegen Talentbäume und Manatränke, die aber – ebenfalls in Anbetracht der übersichtlichen Spielzeit – nicht vermisst werden. Dass Billie Lurks Zauberenergie sich von allein recht schnell regeneriert und sich dadurch eher nach einem kurzen Cooldown für ihre Fähigkeiten anfühlt, gibt dem Geschehen sogar einen frischen Fluss. Wer das Game schließlich durchgezockt hat, darf sich anschließend im "Neue Kräfte+"-Modus noch einmal mit drei Kräften aus "Dishonored 2" durch die Levels schlagen – ein nettes Zugeständnis an die Tradition, in der das Spiel trotz seiner dezenten Abweichungen im Gameplay deutlich steht.

Fazit: Launiger Kurztrip nach Karnaca

"Dishonored: Der Tod des Outsiders" ist ein rundes Paket: Das Spiel bietet spannendes Stealth-Gameplay in einer hinreißend inszenierten Welt, Billie Lurks neue Fähigkeiten laden zum ausgiebigen Taktieren und Experimentieren ein, die akribisch gestalteten Levels lassen sich über viele verschiedenen Wege lösen. Durch den in vier Stufen einstellbaren Schwierigkeitsgrad kommen hier Gamer jeder Fasson auf ihre Kosten, wobei bereits die leichteste Stufe durchaus knifflig und gelegentlich frustrierend sein kann. Die verhältnismäßig kurze Spielzeit ist da verschmerzbar, zumal "Dishonored: Der Tod des Outsiders" durch versteckte Objekte und den "Neue Kräfte+"-Modus viel Wiederspielwert bietet.

Schade ist allerdings, dass das Game sein Story-Potenzial nicht ausreizt: Handlung und Figuren sind eindimensional und wenig fesselnd, zum Durchspielen motiviert so einzig und allein die gelungene Umsetzung im Gameplay in Kombination mit der hübschen Ästhetik und stimmigen Atmosphäre. Wem das reicht, der kann aber bedenkenlos zugreifen.

Dishonored: Der Tod des Outsiders
Dishonored: Der Tod des Outsiders
  • Datenblatt
  • Release-Datum
    15. September 2017
  • Genre
    Action-Adventure
  • Plattform
    PC, PS4, Xbox One
  • Publisher
    Bethesda Softworks
  • Entwickler
    Arkane Studios
  • USK
    18
TURN ON Score:
3,6von 5
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