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"Mittelerde: Schatten des Krieges" im Test: Talion ist wieder da

Mittelerde: Schatten des Krieges
Talion im Test: Wie schlägt sich "Mittelerde: Schatten des Krieges"?

Obwohl in Sachen "Herr der Ringe" eigentlich alle wichtigen Geschichten erzählt sind, wollen die Fans immer weiter Nachschub. Den gibt es jetzt in Form von "Mittelerde: Schatten des Krieges", in dem erneut der untote Waldläufer Talion an der Seite des Elbenschmieds Celebrimbor um das Schicksal Mittelerdes kämpft. Ob sich das Mitkämpfen lohnt, verrät unser Test.

Zeitlich angesiedelt ist der Nachfolger von "Mittelerde: Mordors Schatten" wieder zwischen den Ereignissen von "Der Hobbit" und "Der Herr der Ringe". Dazwischen klafft im Mittelerde-Universum eine Lücke von etwa 70 Jahren, wo so einiges an Story hineinpasst. Dass aber die Geschichte insgesamt nicht viel mit dem Tolkien-Kanon zu tun hat und alle möglichen Figuren, Monster und Gestalten wild durcheinanderwirbelt, sei als Warnung gleich erwähnt. Vertreter der "reinen Lehre" des "Herrn der Ringe" werden sich vermutlich mit Grausen abwenden.

Duo Infernale: Talion und Elben-Geist Celebrimbor

Grundidee von "Mittelerde: Schatten des Krieges" ist erneut die Symbiose zwischen dem Waldläufer Talion und dem Elbenschmied Celebrimbor, der die Ringe der Macht im Schicksalsberg hergestellt hat. Dafür wurde er vom dunklen Herrscher Sauron betrogen, dann hingerichtet und wandelt nun als bleicher Geist mit dem Krieger Talion durch Mittelerde. Celebrimbor dürstet es nach Rache – klar.

Zusammen schmieden die beiden zu Beginn des Spiels einen neuen einen Ring der Macht, mit dem Celebrimbor dann zum hellen und guten Herrscher werden will. Allerdings ist da erstens noch Sauron im Weg mit seinen Ork-Armeen, den Ringgeistern, Drachen und natürlich einem Feuerdämon, dem Balrog. Zweitens gibt es weitere Interessenten an der Weltherrschaft – wie etwa Kankra. Die schwarze Ekel-Spinne ist in Wirklichkeit eine attraktive junge Frau in einem knappen schwarzen Abendkleid. Jedenfalls kann sie sich in diese menschliche Gestalt verwandeln. Sie schnappt sich Celebrimbor, der von Talion nur gegen Herausgabe des gerade geschmiedeten Rings befreit werden kann. Und dann geht die wilde Geschichte erst so richtig los.

Nemesis-System: Ork-Hauptleute durch Gedankenkontrolle beherrschen

Kernfeature von "Mittelerde: Schatten des Krieges" ist das Nemesis-System: Durch Gedankenkontrolle kann Talion nicht nur Informationen über das Hauptleutesystem der Orks aus bestimmten Opfern heraussaugen, er kann das System auch für seine Zwecke nutzen. So bringt er Ork-Kommandeure unter seine Führung und kann mit deren Hilfe nach und nach Festungen erobern, um die Herrschaft an sich zu reißen. Die Krieger, die er dafür auf seine Seite ziehen muss, zeichnen sich dabei durch sehr abwechslungsreich gestaltete Fähigkeiten aus: Der eine kann Flammen werfen, andere kommen immer mit reichlich kampfeswilliger Begleitung oder töten ihre Gegner prinzipiell nicht – beleidigen diese aber dafür tödlich.

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Auch alte Bekannte wie etwa Gollum sind mit von der Partie.
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Kankra hat sich deutlich zum Besseren verändert, was man ...
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... über den Geist Celebrimbor nicht gerade sagen kann.
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Idril dagegen sieht zwar skeptisch aber gut aus, und ...
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... Talion mit dem frisch geschmiedeten Ring sowieso.
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Da jedes Gebiet im Spiel von einer Festung beherrscht wird, muss der Spieler im Verlauf der Geschichte diese Burgen übernehmen, um selber Herrscher werden zu können. Wer es klug anstellt, macht sich nicht selbst auf die riskante Jagd auf die Ork-Offiziere, sondern schickt seine Untergebenen vor. Attentate, Spionage, Meuchelmorde und Belagerungen – alles ist möglich. Wer eine Festung eingenommen hat, schützt diese beispielsweise mit stärkeren Mauern vor den Gegenangriffen durch Saurons Armeen.

Kampfsystem: Eine Mischung aus "Batman" und "Assassin's Creed"

Um sich gegen die Häscher Saurons zu wehren, muss der Spieler das etwa aus den "Batman: Arkham"-Spielen und "Assassin's Creed" bekannte Kampfsystem beherrschen. Es gibt zwar keine hochkomplexen Kombos, aber jeder besondere Gegner erfordert Spezialangriffe, die erst einmal richtig sitzen müssen. Ein Riesen-Troll etwa will erst mit einem gezielten Superangriff auf seinen Schädel etwas betäubt werden um dann per Kletterattacke den finalen Schlag auf die kahle Rübe zu bekommen. Hängt Talion an einem Sims, kann er zu neugierige Ork-Nasen, die darüber hinweg lugen, packen und abstechen.

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Wie immer: Die Orks sind keine angenehmen Zeitgenossen.

Die Kampfanimationen sind schlicht Weltklasse, die Finishing Moves  sind herrlich martialisch und es sieht furchterregend aus, wenn Talion seinen Gegnern erst die letzten Informationen ab- und dann deren leeren Schädel zerquetscht. Aber: Beim Kämpfen und auch beim Springen fällt schnell auf, dass die Grafik zwar perfekt aussieht, die Steuerung aber alles andere als das ist. Oft genug macht Talion eine Ausweichrolle statt zu springen und es werden häufig Tastenhilfen und-tipps eingeblendet, die sehr oft viel zu spät kommen – also wenn die Aktion dazu längst vorbei ist. Es ist zudem nicht immer ganz klar, wohin und wie weit man mit dem Helden springen kann. Merkwürdig sieht es auch aus, wenn Ork-Reittiere hinter Talion eine Leiter hochjagen. In diesen Momenten wirkt das Spiel so, als hätten die Entwickler einfach zu viele Freiheiten gehabt.

Steuerung: Gelegentlich extrem unpräzise

Bei manchen Kämpfen macht sich die unpräzise Steuerung besonders negativ bemerkbar – etwa, wenn man auf einen Gegner draufspringt, statt ihm auszuweichen oder statt eines Finishing Moves plötzlich Gesundheit saugt (womöglich noch bei einem Feind, der dagegen immun ist). Hier könnten die Entwickler sicher beim Timing noch eine Menge verbessern. Vielleicht reicht dafür ja ein Patch.

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Zu Beginn der Saga wird ein neuer Ring geschmiedet ...
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...und zwar natürlich wieder im Schicksalsberg.
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Talion folgt auf der Suche nach dem Ring auch geheimnisvollen Spuren, die ...
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... ihn ins damals noch prächtige Minas Ithil führen, ...
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... wo er sich nicht hängen lässt, auch wenn es so aussieht.
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Die Spieler können dagegen den Held Talion verbessern. Es gibt 34 Fähigkeiten, die freizuschalten sind, und für jeden Skill auch noch bis zu drei Upgrades. Da steckt einiges an Möglichkeiten drin: Verbesserte Kampffähigkeiten, Raubvogel-Blick aus der Luft, das Schleichen wird noch leiser und die Treffsicherheit mit dem Bogen besser. Stichwort Schleichen: Ist in der Regel ganz nett, aber meistens nicht wirklich nötig. Wird man entdeckt, kann man sich meistens durch die Kontrahenten durchprügeln oder irgendwo raufhechten.

Ork-Gegner sind dümmlich – aber das ist ziemlich lustig

Verstecken geht auch: Sobald man aus dem Blickfeld der nicht gerade überintelligenten Orks verschwunden ist, haben die Talion meist nach Sekunden vergessen – ein bisschen wie Hunde, die den Knochen vergessen, sobald sie ihn nicht mehr sehen oder riechen können. Dabei labern die Schergen Saurons ständig dummes Zeug, klopfen Sprüche und führen Gespräche, deren absichtliche Dämlichkeit ziemlich komisch ist und wegen ihrer Vielfalt jede Menge Abwechslung bietet. Kostprobe gefällig?

  • Ork 1: "Was war das"?
  • Ork 2: "Ich habe nichts gehört, Du bist nur nervös."
  • Ork 1: "Berühmte letzte Worte."

Oder:

  • Ork 1: "Ob Menschen auch Festmähler wie unsere feiern?"
  • Ork 2: "Bestimmt nicht wie unsere, die knabbern höchstens nur an Keksen und gratulieren sich zu einem weiteren überstandenen Tag in Mordor."

Überflüssig zu erwähnen, dass die Sprecher alle professionell sind, die Einsätze sitzen und die Texte witzig und passend sind. Für die Stimmung im Spiel machen diese Dialoge, die eigentlich nie langweilig werden, eine Menge aus.

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Garantiert nicht langweilig: Auch der Balrog muss besiegt werden.

Waffen lassen sich mit Edelsteinen aufrüsten

Im Kampf gegen die Orks sammelt man natürlich auch Waffen, Erfahrungspunkte und andere wertvolle Dinge wie etwa Juwelen auf. Mit den Edelsteinen lassen sich, nachdem man sie dafür per Sockel vorbereitet hat, Waffen aufbrezeln und etwa mit mehr Durchschlagskraft bei bestimmten Feinden ausstatten. Ansonsten sind in Mordor überall Artefakte, Runen und Erinnerungen verborgen, von denen jede eine Geschichte erzählt oder eine Belohnung einbringt. Das Waffen-System erinnert etwas an "Diablo", man kann Talion auch mit legendären Set-Gegenständen aufrüsten.

Eine gute Ausrüstung ist auch notwendig, denn überall in Mordor lauern hinter jeder Ecke Gegner. Schnell stellt sich eine gewisse Atemlosigkeit ein: Das Spiel brennt pausenlos ein Actionfeuerwerk ab, Sparflamme gibt's nicht. Das ist auf der einen Seite natürlich sehr abwechslungsreich, von Rhythmus und Komposition des Spannungsfadens her aber auf die Dauer ein wenig eintönig.

Grafik: So schön war Mittelerde selten

Absolut alles andere als eintönig ist die Spielwelt, die teilweise schlicht großartig gelungen ist. Die Stadt Minas Ithil ist atemberaubend, ebenso Minas Morgul, wo der Hexenkönig seinen Sitz hat. In Minas Ithil gibt es Paläste. Türme, riesige Treppen, Hallen – Wahnsinn! Unter der Erde, wo die Orks ihre Höhlen graben, erhellen Fackeln das Geschehen, die hölzernen Festungen sehen klasse aus und die diversen Monster, die es im Original alle nicht gibt, sowieso.

Wie schon zu Beginn erwähnt, müssen Tolkien-Puristen bei "Mittelerde: Schatten des Krieges" ganz stark sein. Neben frei erfundenen Gestalten und Monstern werden auch die historischen Abläufe fröhlich gemischt und Kankra tritt als verruchte Femme Fatale auf. Keine Frage, Tolkien rotiert im Grab.

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Beim Kämpfen mit den Orks im Wald ...
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... muss Talion sein ganzes Geschick einsetzen, wie auch ...
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... später in der Stadt und in ...
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... den Ork-Höhlen. Wenn die Fieslinge zu unvorsichtig sind, ...
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... dann zieht Talion sie herunter und sticht sie ab, ...
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... wofür er mit Waffen und Juwelen belohnt wird.
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Wer sich davon nicht stören lässt, bekommt ein optisch faszinierendes Spiel mit einer insgesamt perfekten Präsentation. Dennoch wirkt es manchmal etwas seelenlos – vielleicht auch, weil man merkt, dass so viele Elemente aus anderen Spielen zusammengeborgt sind. So liebevoll die tumben Orks gezeichnet werden, so seltsam wirkt es, dass man keine Tür in Minas Ithil öffnen kann und auch keine Tür offen steht. Talion hechtet zwar wie ein Superturner über die Dächer und klettert wie Spider-Man die Wände hoch. Es erschließt sich aber nicht immer wirklich, warum das in Mittelerde stattfinden muss. Mit dem "Herrn der Ringe" haben sowohl Story als auch Gameplay stellenweise wenig zu tun, sodass das Spiel und die Welt manchmal nicht richtig miteinander stimmig wirken. Im Grunde hätte es eine Mischung aus "Batman", "Assassin's Creed" und "Spider-Man" ja auch getan – wobei dann natürlich die bekannte Story-Marke gefehlt hätte.

Fazit: Umfangreiches, bildschönes Spiel mit mäßiger Steuerung

Das ist aber Meckern auf einem sehr hohen Niveau. "Mittelerde: Schatten des Krieges" ist sehr groß, sehr lang und sieht teils zum Weinen schön aus. Es kommen auch bekannte Figuren vor – etwa Gollum und man bekommt (Achtung, Spoiler!) sogar Saurons Gesicht zu sehen. Die Orks und ihre dümmlich-witzigen Gespräche sorgen alleine schon für tolle Atmosphäre, die Aufträge und die Gegner sind abwechslungsreich und mitunter hammerhart, sodass "Mittelerde: Schatten des Krieges" unterm Strich ein toller Actiontitel mit nur leichten Schwächen ist.

Neben der erwähnten Steuerung ist da vor allem auch das neue Lootbox-System zu nennen, ohne das sich anscheinend kein Hersteller mehr traut, einen Titel ins Rennen zu schicken. Anscheinend will man sich bei einem Misserfolg immer noch die Möglichkeit offen halten, den Titel schnell in ein Free-to-Play-Spiel umzubauen. Aber egal: "Mittelerde: Schatten des Krieges" hat viele gute Seiten und bietet massig Spielspaß. Nur für eingefleischte Tolkien-Fans mag es manchmal ein wenig zu viel des Guten sein.

Mittelerde: Schatten des Krieges
Mittelerde: Schatten des Krieges
  • Datenblatt
  • Release-Datum
    10.10.2017
  • Genre
    Action-RPG
  • Plattform
    PS4, Xbox One, PC
  • Publisher
    Warner Bros. Interactive Entertainment
  • Entwickler
    Monolith
  • USK
    16
TURN ON Score:
4,3von 5
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