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"Project Cars 2" im Test: Wer auch mal bremst, gewinnt

Mit "Project Cars 2" legt das Studio Slightly Mad die Realismus-Latte hoch.
Mit "Project Cars 2" legt das Studio Slightly Mad die Realismus-Latte hoch.

Realistischer ist wohl nur, tatsächlich am Steuer zu sitzen: "Project Cars 2" ist das bisher wahrscheinlich wirklichkeitsnahste Rennspiel überhaupt. Das hat aber auch seine Tücken. Wer hier nicht volle Kontrolle beweist, bleibt zurück. Wir haben das heiß erwartete Sequel getestet.

Spaßraser nehmen jetzt die  Beine in die Hand und laufen davon, anstatt loszufahren: "Project Cars 2" ist wie sein Vorgänger eine Rennspielsimulation, bei der die Betonung überdeutlich auf "Simulation" liegt. Krachige Crash-Duelle und Querbeet-Ausflüge ins Kiesbett werden hier beinhart bestraft. Für die Runde zwischendurch ist das Spiel genauso ungeeignet wie für blindwütige Highspeed-Adrenalinjunkies.

Aber bevor es überhaupt auf die Piste geht, gilt es, sich durch unzählige Optionen zu wälzen. So gibt es etwa allein 17 Wetteroptionen für das zu fahrende Rennwochenende. Bock auf Nebeltour? Schneesturm? Kräftige Regenschauer, am besten bei einer Nachtfahrt? Nichts leichter als das in "PC2". Aber in welchen Abständen soll denn das Wetter (bis zu viermal pro Runde) wechseln? Ja, auch das lässt sich kontrollieren und justieren. Aber ein gewisses Maß an Realismus ist auch hier zu spüren: Schneefahrten wird es etwa nicht in arabischen Wüstenstädten geben.

Wer mag, kann sich mit den Wettereinstellungen in "Project Cars 2" schön dreckig machen. fullscreen
Wer mag, kann sich mit den Wettereinstellungen in "Project Cars 2" schön dreckig machen.

Dann noch Rundenzahl, Rundenzeit, stehender oder fliegender Start wählen und es geht auf die Piste fürs Training, Qualifying oder Rennen. Womit? Das ist quasi offen, Hauptsache es hat einen Motor. Formel-1-Flitzer, Tourenwagen, Rallyekarosse oder sogar Prototypen und Karts stehen zur Wahl – modelliert nach realen und fiktiven Vorbildern. Aber Vorsicht bei der Wagenwahl: Nicht jedes Gefährt ist für jede Strecke geeignet und zu abstruse Entscheidungen bringen entsprechende Herausforderungen mit sich. Daher ist die große Auswahl zwar verlockend, aber auch tückisch. Das "Project Cars 2"-Credo sollte für jeden Spieler dem Raser entsprechend lauten: Immer realistisch bleiben.

Masse mit Klasse

Wer es geschafft hat, sich für eines der rund 180 Fahrzeuge in 50 Klassen zu entscheiden, darf sogar in Rennen gegen andere Wagentypen und/oder online gegen andere Spieler antreten: Multi-Class-Veranstaltungen sind das Zauberwort. Die rund 60 Strecken sind eine amtliche Nummer, die lange Motivation verspricht. Auch diese sind den verschiedenen Klassen entlehnt, der Hockenheimring und Silverstone sind ebenso vertreten wie A-nach-B-Straßenstrecken und Nascar-Pisten.

"Project Cars 2" besticht mit Vielfalt bei der Autowahl. Vom Oldtimer-Rennwagen... fullscreen
"Project Cars 2" besticht mit Vielfalt bei der Autowahl. Vom Oldtimer-Rennwagen...
...über Karts... fullscreen
...über Karts...
...bis zu Tourenwagen ist alles dabei. fullscreen
...bis zu Tourenwagen ist alles dabei.
"Project Cars 2" besticht mit Vielfalt bei der Autowahl. Vom Oldtimer-Rennwagen...
...über Karts...
...bis zu Tourenwagen ist alles dabei.

Die Präsentation ist derweil eher schlicht und sehr aufs Wesentliche konzentriert. "Project Cars 2" richtet sich ohne Zweifel an pragmatische E-Sportler, die effektiv zu ihrem Rennen finden wollen und keinen Schnickschnack benötigen. Für große Show- und Wow-Effekte ist da eher die Konkurrenz zu konsultieren. Selbst die Rennkarriere in den wahlweise normalen oder kurzen Meisterschaften ist ein nüchternes Abhaken der einzelnen Rennen, nicht mal Siegesfeiern gibt es. Die Befriedigung einer exzellent gefahrenen Zeit muss reichen. Wer sich fortwährend gut schlägt, dem winkt höchstens der Job als exklusiver Fahrer für eine favorisierte Marke oder der Zugang zu exklusiven Events.

Simulation top, Präsentation naja

Das Fahrgefühl auf der Piste sucht aber seinesgleichen. Selbst die Tankfüllung und der Reifenzustand wirken sich merklich auf Kurvenlage, Beschleunigung etc. aus. Für den Spieler gilt das Gleiche wie für die gesteuerten Boliden: Warmwerden ist das A und O einer erfolgreichen Runde. Dabei lässt sich die Aggressivität der computergesteuerten Gegner regulieren, was teilweise auch nötig ist: Allzu oft verursacht die Konkurrenz dämliche Kollisionen oder fährt in unmöglichem Tempo sogar durch Haarnadelkurven. Mit der künstlichen Intelligenz ist es wie mit einem Würfelspiel: Man weiß nie so genau, was man bekommt.

Die KI macht gelegentlich Probleme, ist aber justierbar. fullscreen
Die KI macht gelegentlich Probleme, ist aber justierbar.
"Project Cars 2"-Screenshot fullscreen
"Project Cars 2"-Screenshot
Die KI macht gelegentlich Probleme, ist aber justierbar.
"Project Cars 2"-Screenshot

Einige Fahrhilfen gibt es dann aber dennoch für ungeübte oder lernresistente Spieler, die nicht ihren Job oder die Schule schmeißen wollen, um in "PC2" Licht zu sehen. Ein virtueller Mechaniker kann auf Wunsch das Feintuning übernehmen, wenn die Lieblingskarre an hakeligen Stellen noch nicht richtig eingestellt ist – ein praktisches Feature.

Technisch macht "Project Cars 2" in der getesteten PS4-Version derweil eine weitestgehend sehr gute Figur. Besonders die Autos überzeugen optisch durch teilweise superrealistische Modelle, das war auch schon im Vorgänger so. Die Strecken gehen meistens auch in Ordnung, hätten aber ein paar Details mehr vertragen können. Gelegentlich blitzen auf den Stadtkursen auch Bauten in der Entfernung auf, diese Pop-up-Fehler stören aber insgesamt nur wenig. Letztlich gibt es sicher insgesamt schönere und atmosphärische Rennspiele, aber bei "PC 2" geht es eben auch hier um die Konzentration auf das Wesentliche: das Rennen.

Fazit: "Project Cars 2" besticht mit Umfang & Realismus

Eine schier endlose Vielfalt an Einstellungen und absolut realistisches Fahrgefühl in den völlig verschiedenen Rennklassen machen "Project Cars 2" zum königlichen Allrounder in der Simulationsklasse. Die magere Präsentation und die manchmal wirre künstliche Intelligenz sorgen für etwas Abzug in der A-Note. Wer aber dank ausdauernden Trainings am liebsten auf die Jagd nach Bestzeiten geht, wird hier ohne Frage glücklich.

Project Cars 2
Project Cars 2
  • Datenblatt
  • Release-Datum
    22.09.2017
  • Genre
    Rennsimulation
  • Plattform
    PS4, Xbox One, PC
  • Publisher
    Bandai Namco
  • Entwickler
    Slightly Mad
  • USK
    0
TURN ON Score:
4,0von 5
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