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"Dawn of War 3" im Test: Ambitionierter "StarCraft 2"-Konkurrent

Die Infanterie und Fahrzeuge der Blood Ravens sind zumeist gute Allrounder
Die Infanterie und Fahrzeuge der Blood Ravens sind zumeist gute Allrounder

Mit "Dawn of War 3" greift Relic Entertainment das Schicksal von Gabriel Angelos und seinen Blood Ravens wieder auf – acht Jahre nach Erscheinen des Vorgängers. Unser Test verrät, ob dem Echtzeitstrategie-Titel das ambitionierte Vorhaben gelingt, die Stärken der beiden vorherigen Teile zu kombinieren.

Singleplayer-Modus: Ein Krieg, drei Perspektiven

Im 41. Jahrtausend gibt es nur Krieg – in "Dawn of War 3" hat er den Planeten Cyprus erreicht. Dem Haus der Ritter von Varlock droht die Auslöschung, als eine Streitmacht der Orks eine großangelegte Invasion startet. Hoffnung zeichnet sich ab, als der Space-Marine-Orden der Blood Ravens gegen den Willen der Inquisition in die Schlacht eingreift. Das zumindest ist der Ausgangspunkt der Singleplayer-Kampagne, die wieder mit knackigen Gefechten, Intrigen und einigen Überraschungen aufwartet. Neu ist dabei die Erzählweise, die die Macher an den Tag legen.

Anders als bei den Vorgängern – abgesehen von dem Add-On "Winter Assault" für "Dawn of War" – wechseln wir nach fast jeder Mission die Fraktion. Wir erleben das Geschehen damit nur zum Teil aus Sicht der Blood Ravens unter der Führung des Ordensmeisters Gabriel Angelos. Immer wieder spielen wir auch Missionen mit den Orks und ihrem neuen Waaaghboss Gorgutz sowie den Eldar, die unter dem Befehl ihrer Runenprophetin Macha auf dem Planeten kämpfen. Das ermöglicht einerseits eine ganz besondere und verschachtelte Sicht auf die Ereignisse auf Cyprus. Andererseits dürfte dieser Kompromiss nicht jeden Spieler überzeugen, da jeder sich primär für nur ein oder zwei Fraktionen interessieren dürfte.

Stimmige Intros kündigen Missionen an – auch wenn sie nicht komplett animiert sind. fullscreen
Stimmige Intros kündigen Missionen an – auch wenn sie nicht komplett animiert sind.
Das Briefing der Missionen ist etwas nüchtern gestaltet. fullscreen
Das Briefing der Missionen ist etwas nüchtern gestaltet.
Das Briefing der Missionen ist etwas nüchtern gestaltet. fullscreen
Das Briefing der Missionen ist etwas nüchtern gestaltet.
In der Kampagnen lernen wir in den ersten Missionen grundlegende Taktikten – etwa das Tarnen – kennen. fullscreen
In der Kampagnen lernen wir in den ersten Missionen grundlegende Taktikten – etwa das Tarnen – kennen.
Die Imperiale Armee hat nur in der Kampagne Gastauftritte. fullscreen
Die Imperiale Armee hat nur in der Kampagne Gastauftritte.
Stimmige Intros kündigen Missionen an – auch wenn sie nicht komplett animiert sind.
Das Briefing der Missionen ist etwas nüchtern gestaltet.
Das Briefing der Missionen ist etwas nüchtern gestaltet.
In der Kampagnen lernen wir in den ersten Missionen grundlegende Taktikten – etwa das Tarnen – kennen.
Die Imperiale Armee hat nur in der Kampagne Gastauftritte.

Der Umfang der Kampagne ist mit 17 Missionen sehr ordentlich. Deren Dauer liegt – natürlich auch abhängig vom Schwierigkeitsgrad – bei jeweils etwa 20 bis 50 Minuten. Die Einsätze sind mehrstufig aufgebaut, sodass wir mit dem Erreichen von Missionszielen weitere Areale der Karte zugänglich machen. Meist beginnen wir mit einer Handvoll Trupps und einer Elite-Einheit, was uns ausreichend Zeit für das Micromanagement gibt – denn alle Elite-Einheiten und viele Truppen haben Sonderfähigkeiten. Diese reichen von Granaten und dem Einsatz von Sprungmodulen bis hin zu Teleportmöglichkeiten und mächtigen Nahkampfangriffen.

Später nimmt der Basisbau eine zunehmend wichtigere Rolle ein, und einzelne Einheiten rücken immer mehr in den Hintergrund. Stattdessen beherrschen größere Truppenverbände und ein ständiger Nachschub das Schlachtgeschehen. Im Kampagnenverlauf gibt es aber auch mehrere Missionen, in denen wir mit einem festen Kontingent an Trupps auskommen müssen.

Allerdings bleib "Dawn of War 3" beim Missionsdesign leider immer etwas blass, im direkten Vergleich schneidet "StarCraft 2" hier besser ab. Das trifft nicht nur auf die Abwechslung der Einsätze zu, sondern auch auf die Missionsbriefings und Debriefings zu, die eher nüchtern gehalten sind. Auch sehr schade und zum Bedauern vieler deutscher Fans: "Dawn of War 3" gibt es nur mit englischer, wenn auch sehr gelungener Sprachausgabe. Die Benutzeroberflächen und Untertitel sind immerhin größtenteils gut und passend eingedeutscht.

Von Space Marines, Orks und Eldar

"Dawn of War 3" gibt es nur für den PC. fullscreen
"Dawn of War 3" gibt es nur für den PC.
"Dawn of War 3" gibt es nur für den PC. fullscreen
"Dawn of War 3" gibt es nur für den PC.
"Dawn of War 3" gibt es nur für den PC. fullscreen
"Dawn of War 3" gibt es nur für den PC.
"Dawn of War 3" gibt es nur für den PC.
"Dawn of War 3" gibt es nur für den PC.
"Dawn of War 3" gibt es nur für den PC.

Auch wenn viele Fans auf mehr gehofft haben – im Multiplayermodus von "Dawn of War 3" stehen nur Space Marines, Orks und Eldar zur Auswahl. Wie schon bei den Vorgängern ist aber davon auszugehen, dass weitere Fraktionen, etwa das Chaos mitsamt den Verräterlegionen, mit Add-ons nachgeliefert werden. Dafür sind die mitgelieferten Fraktionen wieder sehr unterschiedlich in puncto Einheiten und Sonderfähigkeiten.

Am bekanntesten dürften sicherlich die Space Marines sein, die im Singleplayer-Modus als Orden der Blood Ravens auf den Plan treten. Sie sind gut ausgerüstete und robuste Allrounder und kämpfen im Namen des Imperators der Menschheit. Ihre Sonderfähigkeit ist die Unterstützung aus dem Orbit. Sie können immer wieder bis zu drei Einheiten via Landungskapseln an beliebige Punkte auf die Karte bringen. Zudem können sie eine Standarte im Kampfgetümmel aufstellen, die temporär Boni verleiht, oder sogar das mächtige Orbitalbombardement hervorrufen.

Die Orks setzen auf Masse und auf brachiale Gewalt, gerne im Nahkampf – zudem können mehrere ihrer Einheiten gegnerische Truppen verlangsamen. Interessant ist, dass sich fast jede Einheit durch die Sonderressource Schrott aufwerten lässt. Diese wird etwa von Waagh-Türmen generiert, zudem hinterlassen zerstörte Fahrzeuge Schrotthaufen. Wenn Ballaboyz diese plündern, wird der Trupp dauerhaft mit Granaten ausgestattet. Die Baueinheiten der Orks – die Gretchin – können mit Schrott sogar Fahrzeuge konstruieren.

Wer auf schnelle und wohlüberlegte Angriffe steht, dürfte sich mit dieser Spielweise bei den Eldar wohlfühlen. Ihre Einheiten sind zwar etwas zerbrechlicher, besitzen aber auch wiederaufladbare Schilde und können gut austeilen. Zudem punkten sie mit ihrer Mobilität: In der Nähe von Warptoren erhalten sie einen Bonus auf ihre Bewegungsgeschwindigkeit. Zudem können Gebäude auf der Karte hin- und herteleportiert werden.

Rudimentärer Basisbau und schnelle Gefechte

Fans der Reihe dürfte klar sein, dass "Dawn of War 3" ein schweres Erbe antritt: Der vor acht Jahren erschienene Vorgänger verabschiedete sich vom klassischen Basisbau aus "Dawn of War" und übernahm stattdessen das Squad- und Ressourcensystem von "Company of Heroes" – was viele Fans übel nahmen.

Wahrscheinlich deshalb hat Relic Entertainment den Basisbau nun wieder zurückgebracht, wenn auch nur in einer sehr rudimentären Form. Jedes Volk besitzt neben einem Hauptgebäude für Bau- und grundlegende Kampfeinheiten einen weiteren Gebäudetyp für fortgeschrittene Infanterieeinheiten, eines für Fahrzeuge und eines für Truppenupgrades. Daneben haben die Eldar ihre Warptore und die Orks ihre Waaagh-Türme, die Einheiten in der näheren Umgebung Boni verleihen.

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Ressourcen-Punkte sind üblicherweise heiß umkämpft.

Zur Ressourcengewinnung errichten alle Fraktionen Horchposten an vorgegeben Punkten auf der Karte, mit denen sich Anforderungspunkte, Energie und neuerdings Elite-Punkte zum Herbeirufen von Elite-Einheiten abbauen lassen. Diese Horchposten sind die einzigen Gebäude mit einem Abwehrgeschütz, das zumindest in der Anfangsphase einer Partie gegen einzelne Trupps austeilen kann.

Das strategische Befestigen von Engpässen ist somit nur mit dem Abstellen einzelner Einheitenverbänden möglich, auch wenn das nur bedingt sinnvoll ist. In vielen Partien dürften Spieler daher mit Sicherheit auf vorgeschobene Vorposten aus einzelnen Produktionsgebäuden setzen, um in der Nähe der Front neue Einheiten zu bauen oder die Verluste einzelner Trupps zu ersetzen.

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Auf den Karten sind Stellungen verteilt, die mittels Schildgenerator die Auswirkung von Feindbeschuss reduzieren.

Schädel und Erfahrung für mehr Einheiten und Doktrinen

Eine weitere Neuerung von "Dawn of War 3" sind die Schädelpunkte, die wir als Belohnung für absolvierte Einzelspielermissionen und ausgetragene Multiplayer-Gefechte erhalten. Mit ihnen lassen sich in unserem Spielerprofil weitere Elite-Einheiten freischalten, da zum Spielstart nur ein Drittel von ihnen zur Verfügung steht.

Diese Sondereinheiten steigen zudem über die Einsätze bis zu zehn Stufen auf, wodurch wir auch Zugriff auf Armeedoktrinen erhalten. Von diesen haben wir mit der Zeit mehrere zu Auswahl, die verschiedene Boni spendieren. Zum Beispiel gibt Gabriel Angelos den Landungskapseln der Blood Ravens die Fähigkeit, beim Aufschlag auf der Planetenoberfläche nahestehende Einheiten zu heilen.

Das ist natürlich ein legitimer Ansatz, um über die Einsätze und die Gefechte hinaus ein "Haben will"-Gefühl zu befriedigen. Allerdings war das Prinzip bei "Dawn of War 2" mit dem Sammeln von besonderen Waffen und Ausrüstungsgegenständen deutlich spannender und motivierender, auch wenn dies nur für den Singleplayer-Modus zutraf. In "Dawn of War 3" wirkt dieses Prinzip leider etwas sehr bevormundend, auch wenn man alle Eliteeinheiten "seiner" Lieblingsfraktion schon nach wenigen Stunden freigeschaltet hat.

Multiplayer-Modus: Mit Elite-Einheiten gegen Energiekerne

Insbesondere der Multiplayer-Modus von "Dawn of War 3" sah sich früh mit dem Vorwurf konfrontiert, zu sehr dem MOBA-Prinzip zu folgen. Denn noch stärker als bei den Vorgängern stehen einzigartige Eliteeinheiten im Mittelpunkt der Kämpfe. Von ihnen gibt es pro Fraktion neun an der Zahl, drei suchen wir uns zu Beginn einer Partie drei aus – etwa Stormboyz, Terminatoren, Warpspinnen oder sogar mächtige Phantomlords und Imperiale Ritter. Um sie auf das Schlachtfeld zu rufen, müssen wir ausreichend Elite-Punkte gesammelt haben. Diese erhalten wir mit voranschreitender Zeit, durch bestimmte Aktionen oder die Einnahme von Ressourcenpunkten.

Zu Beginn einer Multiplayer-Partie wählen wir drei Elite-Einheiten aus. fullscreen
Zu Beginn einer Multiplayer-Partie wählen wir drei Elite-Einheiten aus.
Der gewohnte Army-Painter erlaubt optische Anpassungen unserer Fraktionen. fullscreen
Der gewohnte Army-Painter erlaubt optische Anpassungen unserer Fraktionen.
Zu Beginn einer Multiplayer-Partie wählen wir drei Elite-Einheiten aus.
Der gewohnte Army-Painter erlaubt optische Anpassungen unserer Fraktionen.

Die Wahl der Elite-Einheiten zum Spielbeginn will überlegt und der eigenen Spielweise angepasst sein. Setze ich auf günstige Elite-Einheiten, die früh ins Spiel gebracht werden können und ordentlich Druck beim Gegner aufbauen? Oder möchte ich lieber auf die mächtigen und teuren Elite-Einheiten einsetzen, die aber auch erst deutlich später mitmischen? Mit ihren Sonderfähigkeiten und der großen Zahl an Lebenspunkten mischen die Elite-Einheiten das Geschehen ordentlich auf. Allerdings sind sie nicht übermächtig und können mit einem größeren Aufgebot an passenden Truppen auch schnell in die Knie gezwungen werden.

Eine weitere Neuerung von "Dawn of War 3" sind die Siegbedingungen. Wir müssen nicht etwa alle feindlichen Gebäude vernichten oder die meisten Siegpunkte erlangen: Ziel ist nun die Zerstörung des gegnerischen Energiekerns. Dieser kann aber erst beschädigt werden, wenn zuvor mindestens ein Schildgenerator sowie das dazugehörige Verteidigungsgeschütz ausgeschaltet sind. Dieser Ansatz ist ganz nett, doch dürfte er sehr schnell recht monoton werden – schon zu Beginn einer Partie sind diese zu umkämpfenden Punkte eingezeichnet und nehmen den Verlauf der Schlacht somit vorweg.

Im späteren Verlauf der Einsätze gibt es mächtige Einheiten wie den Imperial Knight. fullscreen
Im späteren Verlauf der Einsätze gibt es mächtige Einheiten wie den Imperial Knight.
Das Ziel: Das Zerstören des feindlichen Energiekerns, hier mit Hilfe des Orbitalbombardements der Space Marines. fullscreen
Das Ziel: Das Zerstören des feindlichen Energiekerns, hier mit Hilfe des Orbitalbombardements der Space Marines.
Im späteren Verlauf der Einsätze gibt es mächtige Einheiten wie den Imperial Knight.
Das Ziel: Das Zerstören des feindlichen Energiekerns, hier mit Hilfe des Orbitalbombardements der Space Marines.

Anders als bei den vorherigen Teilen können die Trupps nicht mehr so stark individualisiert werden, wie es durch viele verschiedene Waffen-Upgrades, Anführern oder Erfahrungsstufen möglich war. In Verbindung mit dem rudimentären Basisbau und dem hohen Truppenlimit verlaufen die Partien dafür sehr temporeich und aggressiv. Die durchschnittliche Spieldauer lag bei uns im Test bei etwa 20 bis 50 Minuten. Etwa alle zehn Minuten steigt dabei die sogenannte Eskalationsstufe auf bis maximal Level vier. Dadurch werden die Ressourcenraten der Horchposten sowie Trefferpunkte der Missionsgebäude für alle Spieler schrittweise erhöht – ebenso werden in den früheren Phasen anteilig die Baukosten von gefallenen Einheiten erstattet.

Ein ganz großes Manko im Multiplayer-Modus von "Dawn of War 3" ist die Zahl der mitgelieferten Karten, auf der wir unsere Kämpfe wahlweise mit menschlichen oder von der KI gesteuerten Mitspielern austragen. Zum Release liefert Relic Entertainment nur acht Maps mit – jeweils drei Maps für Kämpfe 1vs1 und 3vs2 sowie zwei Maps für 2vs2. Wenn "Dawn of War 3" hier nicht den Anschluss an etwa "StarCraft 2" verlieren will, muss Relic Entertainment sowohl bei den Spielmodi als auch bei der Zahl an Maps unbedingt nachliefern.

Fazit: Temporeiche RTS-Titel mit Ausbaupotenzial

Nach vielen Spielstunden bleibt am Ende des Tests ein durchwachsener Eindruck von "Dawn of War 3", der sich auch in den Steam-Bewertungen widerspiegelt. In den ersten Tagen nach Release haben lediglich rund 56 Prozent der Spieler das Spiel positiv bewertet. Relic Entertainment hat ein solides Grundgerüst geschaffen, das aber unbedingt Feintuning durch weitere Maps und Multiplayermodi benötigt, um Spieler langfristig zu begeistern. Weitere Völker und zusätzliche Kampagnen werden natürlich herbeigesehnt, aber ist hier verständlich, dass diese erst potenziell mit Add-Ons dazu kommen werden. Der Einsatz der Elite-Einheiten und der reduzierte Basisbau sind ein Kompromiss aus den Stärken der beiden Vorgänger, der gefallen oder nicht gefallen mag. Hier sollte sich jeder Spieler ein eigenes Urteil bilden, ob "Dawn of War 3" ein würdiger Nachfolger ist.

Warhammer 40K: Dawn of War 3
Warhammer 40K: Dawn of War 3
  • Datenblatt
  • Release-Datum
    2017
  • Genre
    Echtzeitstrategie
  • Plattform
    PC
  • Publisher
    Sega
  • Entwickler
    Relic Games
  • Systemanforderung (min.)
    tbd
  • Systemanforderung (empfohlen)
    tbd
  • USK
    tbd
TURN ON Score:
3,5von 5
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