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"Adr1ft" für die Oculus Rift angespielt: Verloren im Weltall

ADR1FT
ADR1FT (©Three One Zero/505 Games 2016)

Das Weltraum-Survival-Spiel "Adr1ft" ist eines der ersten Games, die es für die VR-Brille Oculus Rift geben wird. Wie gut die Illusion eines virtuellen Weltraumabenteuers wirklich ist und ob es sich lohnt, dafür eine VR-Brille für 800 Euro zu kaufen, konnten wir vorab in London in einem ersten Test ausprobieren.

Nach einem kurzen Tutorial sind wir schon mitten im Chaos. Wir sind eine Astronautin. Allein. Auf einer zerstörten Station im All. Anscheinend sind wir die Einzige, die eine riesige Katastrophe im Jahr 2037 überlebt hat. Doch nicht nur das! Auch unser Raumanzug ist kaputt! Lange können wir so nicht überleben. Jede Bewegung verbraucht viel Sauerstoff, also hangeln wir uns von Sauerstoff-Flasche zu Sauerstoff-Flasche, die irgendwo in den Überbleibseln der Station herumschweben. Vielleicht schaffen wir es irgendwie, die Evakuierungskapsel zu reparieren? Das ist zumindest das Ziel. Um es zu erreichen, wird der Spieler aber ganz schön schwitzen, denn das Sauerstoff-Problem hat es wirklich in sich.

Wunderschöne Grafik

"Adr1ft" erlebt ihr in der Ego-Perspektive. Im Weltall gibt es keine Gravitation, also schwebt alles um euch herum. Bewegen könnt ihr euch nur durch den im Anzug eingebauten Antrieb, der euch in alle Richtungen schubst, sich zur Mitte hin ausrichten lässt und mit einem Turbo auch einen stärkeren Schubs auslöst. Die Grafik sieht am PC dabei richtig gut aus. Spätestens wenn man zum ersten Mal die zerstörte Raumstation verlässt und die Erde von oben mit allen Details sieht, macht sich ein "Wow"-Gefühl breit. Auch der Detailgrad der Station, die Gegenstände und die Einrichtung haben mir sehr gut gefallen.

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Die Grafik von "Adr1ft" macht ordentlich was her. (©Three One Zero/505 Games 2016)

Es geht vor allem ums Erkunden

Wir machen uns also auf die Suche nach Dingen, die uns beim Reparieren helfen können, und stoßen währenddessen auf Bilder und Logbücher, die uns die Geschichte nach und nach zusammenpuzzeln. Damit erfahren wir, was eigentlich genau passiert ist, wo unsere Team-Mitglieder sind und was ihnen zugestoßen ist. Eine Waffe haben wir nicht. Nur unsere Hände, die ab und zu später im Spiel ein Werkzeug benutzen können. Denn zum Glück können wir unseren Anzug stückweise verbessern, sodass wir immer ein bisschen länger mit einer Ration Sauerstoff überleben.

Beim Event in London konnte ich das Spiel zuerst am normalen PC in der Steam-Version zocken. Ihr solltet euch darauf einstellen, dass es hauptsächlich ein Exploration-Game ist, bei dem es vor allem ums Erkunden geht. Der Survival-Aspekt ist auch etwas schmal, da sich zumindest zu Beginn alles nur um die Sauerstoff-Flaschen dreht. So verbringe ich etwa 30 Minuten nur damit, irgendwo herumzuschweben und nach diesen Flaschen zu suchen, um ein wenig voranzukommen. Das ist im ersten Test ziemlich nervig und frustrierend, weil der Sauerstoff sehr schnell verbraucht ist und ich nicht immer an die vorbeischwebenden Flaschen heran komme, mich wieder umdrehen muss und durch die Bewegungen weiteren Sauerstoff verliere.

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Im Spiel ist man ständig auf der Suche nach rettenden Sauerstoff-Flaschen. (©Three One Zero/505 Games 2016)

Außerdem habe ich keine Ahnung, wo ich hin muss. Das ist auch so gewollt, denn schließlich sind wir eine Astronautin, die allein und nahezu verloren im Weltall schwebt. Es gibt zwar eine Minimap, doch die hilft bei der Orientierung wenig, da wir durch die Schwerelosigkeit eigentlich nie merken, wo gerade oben und unten ist. Zum Glück gibt es eine Funktion, die die nahe Umgebung scannt und uns so mit Symbolen die Gegenstände hervorhebt, mit denen wir interagieren können. Das sind dann zum Beispiel Sauerstoff-Flaschen, Computer-Terminals oder digitale Logbücher. Alle Gegenstände, die wir einmal in Bewegung setzen, fliegen durch die fehlende Gravitation immer weiter und hören nicht auf, sich zu drehen. Das gilt übrigens auch für unseren Charakter. Geben wir Schub, würde sie ewig weiter treiben.

Ein VR-Erlebnis der extremen Art

Danach konnten wir das Spiel noch in der virtuellen Realität ausprobieren. Auch wenn die Grafik bei der normalen PC-Ansicht schärfer und besser aussieht, hat es viel Charme, sich komplett in eine Raumstation zu begeben. Besonders viel Wert scheinen die Entwickler hier auf die Korrektheit der physikalischen Umstände gelegt zu haben. Wenn wir in der VR sind, sehen wir beispielsweise die Umrisse unseres Helms am Rand – eben so, als wäre die VR-Brille auf unserem Kopf eigentlich der Helm. Bewegen wir den Kopf, sehen wir das Innere des Helms und unsere körperliche Drehung, sodass wir ein anderes Sichtfeld haben. Durch solche Details wird der Eindruck der Schwerelosigkeit verstärkt.

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Den Faktor Motion Sickness sollte man bei VR-Spielen nicht unterschätzen. (©Three One Zero/505 Games 2016)

Die Simulation wird zwar nur über unsere Augen aufgenommen, suggeriert aber doch sehr stark, dass wir nicht auf dem Boden der Tatsachen stehen. Ich wusste, dass ich auf einem Stuhl sitze und einen Controller in der Hand halte, doch irgendwie waren schon die kleinsten Drehbewegungen des Charakters so stark, dass ich dachte, den Boden unter den Füßen zu verlieren. Der eigene Körper muss durch den visuellen Input ganz schön viel ausgleichen. Bei mir hat das leider gar nicht funktioniert und mir ist extrem schwindlig geworden – und das, obwohl ich noch nie Probleme mit Motion Sickness hatte. VR ist eben doch noch einmal etwas ganz anderes. Das Gefühl, das ich beim Spielen mit der Brille bekam, ist vergleichbar mit dem Eindruck des Fallens kurz vor dem Einschlafen, wenn man manchmal extrem zusammenzuckt, weil man sich festhalten möchte. Es war sehr unangenehm. Anderen Kollegen vor Ort hat es nicht so viel ausgemacht. Bevor ihr also die 699 Euro in die Oculus Rift steckt, solltet ihr unbedingt ausprobieren, wie euer Körper auf die VR reagiert.

Fazit

Das Spiel erinnerte ein bisschen an die Filme "Gravity" und "Interstellar". Wer diese Streifen mochte, wird sich auch für "Adr1ft" begeistern können! Doch vergesst nicht, dass dieses Spiel ein ganz anderes Gameplay in den Vordergrund stellt als andere Games. Es geht ums Entdecken und Schweben. Ums Überleben und beeindruckt sein. Beeindruckt bin ich auf jeden Fall, aber ich hätte mir vom Gameplay wenigstens noch Rätsel oder richtige Aufgaben gewünscht.

"Adr1ft" erscheint am 28. März gleichzeitig für PC und die VR-Brille Oculus Rift. Auch wenn das Spiel zunächst exklusiv für die Oculus Rift erscheint, muss das nicht heißen, dass es nie eine Version für die HTC Vive und Co. geben wird. Die Entwickler betonten, dass sie während der gesamten Entstehung des Spiels eng mit Oculus zusammengearbeitet haben und sie deshalb als Partner unterstützen möchten – ob das so bleibe, würde sich später zeigen. Versionen für die Playstation 4 und die Xbox One sollen später im Jahr ebenfalls folgen.

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