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"Batman: The Telltale Series" im Test: Ein Comic zum Spielen

Telltale spendiert Batman ein eigenes Episoden-Adventure.
Telltale spendiert Batman ein eigenes Episoden-Adventure. (©Screenshot Warner Bros./ TURN ON 2016)

Nach "The Walking Dead" und "Game of Thrones" schickt Telltale nun Batman in ein Videospiel-Adventure. Im Test verraten wir, warum "Batman: The Telltale Series" auf jeden Fall einen Blick wert ist.

Batman ist wieder da und begibt sich im neuesten Adventure-Game von Telltale erneut auf Verbrecherjagd in Gotham City. Dass das Spiel selbst den Namen "Batman: The Telltale Series" und damit den Entwickler schon im Titel trägt, sagt dabei einiges darüber aus, welches Standing sich die Adventure-Experten in den vergangenen Jahren erarbeitet haben. Großes Kritikerlob konnte das Studio vor allem für seine Umsetzung von "The Walking Dead" einheimsen, während sich bei der Videospiel-Umsetzung von "Game of Thrones" zuletzt auch kritische Stimmen zu Wort meldeten.

Batman im Episodenformat

Nun ist also Batman an der Reihe und erneut wählt Telltale ein Episoden-Format, um seine Geschichte zu erzählen. Die insgesamt fünf geplanten Episoden des Spiels sollen im Abstand von wenigen Monaten für PC, Xbox One, PS4, Xbox 360, PS3, Android und iOS veröffentlicht werden. Für unseren Test stand uns zum jetzigen Zeitpunkt natürlich nur die erste Episode zur Verfügung, die wir in der PC-Version gespielt haben.

 Alle Entscheidungen des Spielers sollen später Konsequenzen haben. fullscreen
Alle Entscheidungen des Spielers sollen später Konsequenzen haben. (©Screenshot Warner Bros./ TURN ON 2016)

Wer bereits frühere Telltale-Adventures wie "The Walking Dead" oder "The Wolf Among Us" gespielt hat, dürfte sich in "Batman: The Telltale Series" sofort zu Hause fühlen. Erneut setzen die Entwickler auf die bewährten Gameplay-Mechaniken aus Dialogen, Erkundungen und Quick Time-Events. Großartige Neuerungen werden, zumindest in der ersten Episode, nicht geboten.

Die Fledermaus in der Quick-Time-Hölle

Leider schafft es Telltale, den Einstieg in das Spiel komplett zu versemmeln. So sind gleich die ersten fünf bis zehn Minuten gefüllt mit Quick-Time-Events, in denen es nur darum geht, eine bestimmte Taste zur rechten Zeit zu drücken. Während sich der Spieler mit dieser lästigen und völlig anspruchslosen Aufgabe herumschlagen muss, führen Batman und Catwoman auf dem Bildschirm eine ansehnliche Kampf-Choreografie auf. Eine Herausforderung für den Spieler bietet dieses Tasten-Drücken wie schon in "Game of Thrones" überhaupt nicht, zumal es in manchen Fällen scheinbar überhaupt keinen Unterschied macht, ob ein Button nun rechtzeitig gedrückt wird oder nicht. In puncto Spieldesign ist dieser Einstand ganz schwach.

 Jetzt schnell nach rechts drücken – der Einstieg ist ein Quick-Time-Albtraum. fullscreen
Jetzt schnell nach rechts drücken – der Einstieg ist ein Quick-Time-Albtraum. (©Screenshot Warner Bros./ TURN ON 2016)

Als Adventure hervorragend

Doch glücklicherweise gelingt es den Entwicklern, dieses misslungene Intro relativ schnell vergessen zu machen. Nachdem wir diese Quick-Time-Hölle überstanden haben, entfaltet sich "Batman: The Telltale Series" nämlich tatsächlich als echtes Adventure-Game und präsentiert dem Spieler eine überraschend komplexe und spannend erzählte Geschichte, die wie schon in früheren Telltale-Spielen vor allem von den hervorragend geschriebenen Dialogen lebt.

 Bruce Wayne verstrickt sich in einer gefährlichen Intrige. fullscreen
Bruce Wayne verstrickt sich in einer gefährlichen Intrige. (©Screenshot Warner Bros./ TURN ON 2016)

Die meiste Zeit steuern wir als Spieler allerdings nicht Batman, sondern dessen wahres "Ich" Bruce Wayne. Dieser veranstaltet gleich zu Beginn des Spiels eine Spenden-Kampagne für Gothams Staatsanwalt Harvey Dent (Fans vor allem bekannt als späterer Bösewicht Two Face), der sich für das Amt des Bürgermeisters bewirbt. Gemeinsam wollen Harvey und Bruce dem organisierten Verbrechen in der Stadt den Kampf ansagen und die korrupte Stadtelite aus dem Rathaus jagen. Schnell muss Bruce allerdings feststellen, dass er sich dabei in ein gefährliches Netz von politischen Intrigen begibt, das schließlich auch ihn selbst und die Integrität seiner Familie zu bedrohen scheint.

Batman oder Bruce Wayne?

Spannend ist "Batman: The Telltale Series" vor allem deshalb, weil es den Mann hinter der Maske als verletzlichen Menschen zeigt, der zwar viel Geld, Macht und Idealismus mitbringt, sich dem Sumpf aus Korruption aber trotzdem nicht entziehen kann. Der Spieler wird in Dialogen immer wieder vor knifflige Entscheidungen gestellt: Gibt man dem vermeintlichen Gangsterboss Falcone die Hand oder verweigert Bruce den Handschlag? Entscheidet man sich für ein kritisches Statement gegenüber der Presse oder schweigt man lieber? Alle Entscheidungen sollen in späteren Episoden des Spiels noch Auswirkungen haben und schließlich zu unterschiedlichen Enden führen.

 Als Batman leisten wir echte Detektivarbeit. fullscreen
Als Batman leisten wir echte Detektivarbeit. (©Screenshot Warner Bros./ TURN ON 2016)

Als Batman hat der Spieler später die Aufgabe, das Netz aus Intrigen zu entwirren, in dem sich Bruce Wayne immer mehr zu verheddern scheint. Dabei setzt das Spiel zum Glück nicht auf weitere Quick-Time-Events, sondern auf Erkunden und Kombinieren – also klassische Adventure-Kost. So besuchen wir Tatorte und versuchen anhand der Spuren vor Ort den Tathergang zu rekonstruieren. Hier webt Telltale gekonnt einige neue Spielelemente in seine bewährte Formel ein.

Grafik und Sound

Grafisch wird mal wieder Standardkost geboten. So setzten die Entwickler erneut auf die gleiche Engine, die auch schon in früheren Spielen zum Einsatz kamen. Diese wirkt zwar mittlerweile recht angestaubt, passt durch ihren comichaften Stil jedoch perfekt zu Batman. Tatsächlich wirkt "Batman: The Telltale Series" beinahe wie ein spielbarer Comic. Beim Sound gibt es hingegen überhaupt nichts zu meckern. Die englischen Sprecher machen einen hervorragenden Job und werden auf Wunsch von deutschen Untertiteln begleitet.

 "Batman: The Telltale Series" wirkt wie ein spielbarer Comic. fullscreen
"Batman: The Telltale Series" wirkt wie ein spielbarer Comic. (©Screenshot Warner Bros./ TURN ON 2016)

Fazit: Für Fans Pflicht

Nach dem missratenen Einstieg entpuppt sich "Batman: The Telltale Series" als erstaunlich gutes Adventure-Game, in dem Dialoge und Erkundungen die Hauptzutaten sind. Die erstaunlich komplexe und hervorragend umgesetzte Story schafft es spielend leicht, den Gamer in ihren Bann zu ziehen und ihn dann für längere Zeit an den Monitor zu fesseln. Immer wieder wird man als Spieler vor knifflige Entscheidungen gestellt und viele Szenen regen zum Nachdenken an. Batman selbst darf zudem in einem Videospiel endlich auch mal echte Detektivarbeit leisten und sich nicht nur mit Schurken prügeln. Zudem zaubert das Spiel zu jeder Zeit echte Batman-Atmosphäre auf das Display und ist damit für Fans praktisch eine Pflichtveranstaltung.

Bugs oder Abstürze sind uns in der PC-Version übrigens nicht untergekommen. Diese flutschte von Anfang bis Ende butterweich über den Monitor. Auch mit der ebenfalls getesteten Xbox One-Variante gab es keinerlei Probleme.

Alles in allem macht die erste Episode von "Batman: The Telltale Series" Lust auf mehr. Bleibt nur zu hoffen, dass der Anteil an Quick-Time-Passagen auch in den späteren Episoden auf einem möglichst niedrigen Niveau bleibt. Diese wirkten im Test nämlich als einziges Element störend. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte warten, bis alle Episoden draußen sind. Dann wird es "Batman: The Telltale Series" nämlich auch in einer schicken Box geben.

Meinung des Autors
Nach "Game of Thrones" hatte ich eigentlich keine Lust mehr auf ein weiteres Telltale-Spiel. Zu ausgelutscht und vorhersehbar war die Formel mittlerweile für mich. Mit "Batman: The Telltale Series" haben es die Entwickler jedoch geschafft, mich wieder richtig zu fesseln. Klar: Spielerisch ist das immer noch ganz seichte Kost und auch grafisch hinkt das Spiel mindestens eine Generation hinterher, aber Story und Atmosphäre machen das im Handumdrehen vergessen. Bitte, bitte Telltale, lasst den Quick-Time-Unsinn in Zukunft weg und gebt mir mehr echte Adventure-Kost. In dieser Form nehme ich die nämlich mit Kusshand entgegen.
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