menu
Highlight

"Close to the Sun" angespielt: Neues Horrorgame im "Bioshock"-Stil

"Close to the Sun" soll uns mal wieder eine richtige Gänsehaut verschaffen. Ob's klappt...?
"Close to the Sun" soll uns mal wieder eine richtige Gänsehaut verschaffen. Ob's klappt...?

Bei brandneuen Horrorspielen werde ich direkt hellhörig. Und wenn dieses neue Horrorgame noch aussieht wie ein geistiger Nachfolger zu "Bioshock", bin ich kaum noch zu halten! Ich habe "Close to the Sun" angespielt und verrate Dir hier meine Eindrücke.

Sprechen wir den sprichwörtlichen Elefanten im Raum doch direkt an: Ja, "Close to the Sun" ähnelt dem legendären "Bioshock" aus dem Jahr 2007 frappierend – was natürlich am ikonischen Art-déco-Grafikstil liegt. Darüber hinaus haben die beiden Titel aber nur wenig Gemeinsamkeiten, denn bei "Close to the Sun" handelt es sich um ein storybasiertes Erkundungsspiel mit Horror-Elementen – und mit Nikola Tesla.

Close to the Sun fullscreen
Erfinder, Anführer, Menschenfreund: Nikola Tesla findet sich selber ganz schön geil.

Willkommen auf dem Traumschiff! Ihr Kapitän: Nikola Tesla.

Die Story von "Close to the Sun" versetzt reale existierende Personen der Geschichte in eine alternative Was-wäre-wenn-Version des 19. Jahrhunderts. Nikola Tesla, umtriebiger Erfinder und Intimfeind des geschäftstüchtigen Thomas Edison, hat ein gigantisches Schiff mit dem Namen Helios bauen lassen. Auf dieses Schiff lädt er alle Forscher, Intellektuellen und Künstler ein, die damals Rang und Namen hatten – von der englischen Königin Victoria bis hin zu Mark Twain, dem Autor der "Tom Sawyer"-Bücher.

In "Close to the Sun" spielst Du leider weder Tesla selber noch einen seiner prominenten Gäste, sondern die Journalistin Rose. Die sucht ihre Schwester Ada, die an Bord der Helios ging und seitdem verschollen ist. Wo ist Ada? Warum ist keine Menschenseele auf dem Schiff zu sehen und ist der nette Nikola Tesla in Wahrheit ein selbstverliebter Geck mit Mega-Ego? Das wirst Du während einer Spielzeit von etwa sechs Stunden herausfinden.

Close to the Sun fullscreen
Sind Teslas mysteriöse Experimente mit Elektrizität der Auslöser für diese Phänomene?

Es ist eines dieser Wegrenn-Spiele ...

Die italienischen Entwickler vom Studio Storm in a Teacup machen beim Anspieltermin in Hamburg keinen Hehl daraus, welche Vorbilder für "Close to the Sun" Pate standen: Die optische Nähe zu "Bioshock" hatten wir ja bereits angesprochen, das Gameplay setzt aber nahezu ausschließlich auf das methodische Erkunden der Umgebung und auf nicht allzu anspruchsvolle Puzzles. Heißt: Du sammelst jede Menge Dokumente ein, die die Geschichte von "Close to the Sun" nach und nach enthüllen, legst aber auch schon mal einen Schalter um oder öffnest Zahlenschlösser mit speziellen Codes.

Hier geht es nicht um krasse Schockeffekte oder blutige Kämpfe, daher triffst Du während der Erkundung der Helios nur selten auf Gegner. Und sollte Dich doch mal ein Psychopath aus dem Dunkel anspringen, ist Flucht Deine beste (und eigentlich auch einzige) Verteidigung: Wie in den Genrevertretern "Outlast", "SOMA" oder dem immer etwas unterschätzten "Layers of Fear" findet Deine Figur keinerlei Waffen oder andere Möglichkeiten, um sich zu wehren. "Abhauen und verstecken" lautet also das Motto.

Close to the Sun fullscreen
Und mindestens einmal muss man auch durch Flammen rennen, das gehört einfach dazu.

Übrigens war in unserer Vorabversion genau dieses Wegrenn-System noch nicht ganz ausbalanciert. Ein messerschwingender Irrer verfolgte mich hartnäckig und war dabei so schnell, dass er mich mit Leichtigkeit erwischt hat, weil ich nicht auf Anhieb die absolut perfekte Fluchtroute fand – den unausweichlichen Game-Over-Screen sah ich dreimal in Folge, was ich recht streng fand. Laut den Entwicklern wird diese Gameplay-Mechanik bis zum Release aber noch überarbeitet.

Close to the Sun fullscreen
Messer im Rücken kann nicht entzücken: Die irren Insassen des Schiffs machen kurzen Prozess.

Alles nett – aber auch nicht mehr?

Leider war unsere Anspiel-Session mit "Close to the Sun" viel zu schnell vorbei. Ich konnte weder die Stealth-Funktion richtig antesten noch erfuhr ich wirklich wesentliche Story-Details. Für einen Ersteindruck reicht es trotzdem:

"Close to the Sun" wirkt sympathisch handgemacht und punktet mit toller Atmosphäre, wirklich begeistert bin ich aber nicht. Dafür vermisse ich dann doch ein paar frische Ideen, die den Titel aus der nahezu unüberschaubaren Masse der Mitbewerber herausheben. Rumlaufen, sich auf die Stimmung einlassen, ab und zu mal ein paar Dokumente oder Collectibles finden und sich immer wieder mal vor Feinden verstecken – das haben wir alles schon in unzähligen anderen Spielen gemacht, der große Aha-Effekt ist schon längt verpufft.

Close to the Sun fullscreen
Tja, wenn man mal wieder die Stromrechnung nicht rechtzeitig bezahlt.

Zumal das extrem erfolgreiche "Resident Evil 2"-Remake momentan zeigt, dass es eine ganz eigene Form von Terror ist, ständig zu wenig Munition für seine Waffe zu haben. Dieses Element der Item-Paranoia ("Oh Gott, soll ich jetzt schießen oder die Munition lieber sparen?") fehlt in "Close to the Sun" völlig, was den spielerisch eher flachen Eindruck noch verstärkt.

Gefühlt kommt "Close to the Sun" daher gute drei Jahre zu spät. Es könnte noch mit einer wirklich cleveren und überraschenden Story überzeugen, aber auch hier hat die Konkurrenz bereits vorgelegt: Die ethischen, philosophischen und moralischen Zwickmühlen, in die Dich etwa ein "SOMA" gebracht hat, wurden in meinen Augen bis heute nicht übertroffen.

Close to the Sun fullscreen
Zeitreisen. Oder irgendwas mit Dimensionen. Wir sind unsere eigene Schwester in der Zukunft oder sowas. Wetten...?

Ich lasse mich aber gerne eines Besseren belehren, wenn "Close to the Sun" fertig ist. Erscheinen soll es noch in diesem Jahr für PC, PS4 und Xbox One.

Kommentar schreiben
Relevante Themen:

Neueste Artikel bei Play

close
Bitte Suchbegriff eingeben