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"Devil May Cry 5" im Test: Trotz alter Leiden höllisch gut

Jackpot! Mit dem Action-Knaller "Devil May Cry 5" gelingt Capcom der nächste große Hit.
Jackpot! Mit dem Action-Knaller "Devil May Cry 5" gelingt Capcom der nächste große Hit.

In "Devil May Cry 5" setzt Entwickler Capcom erneut auf die großen Stärken der Serie: Geballte Action, eindrucksvolle Combos und coole Sprüche. Serien-Neuling V sorgt mit seinem einzigartigen Kampfstil zudem für frischen Wind. Die lahme Story, die seit jeher die Schwäche der Serie ist, konnte Capcom allerdings auch diesmal nicht ausbügeln. Was "DmC 5" sonst so kann? Unser Test verrät's!

Das Erfolgsrezept von "Devil May Cry" ist so einfach wie genial: Die Dämonenjäger Dante und Nero ziehen mit fetten Knarren und Schwertern gegen die Ausgeburten der Hölle in den Kampf, um die Zerstörung der Menschheit zu verhindern. Und weil Style in der Serie traditionell groß geschrieben wird, haben die beiden immer einen coolen Spruch auf Lager, den sie ihren Gegnern vor den Latz knallen. Die beiden haben aber nicht nur eine große Klappe, sondern auch ein paar richtig krasse Moves im Repertoire, mit denen sie das dämonische Gesindel stilgerecht zerlegen.

Diese Formel hat in den bisherigen Teilen immer ganz gut funktioniert. Für den fünften Teil hat sich Capcom nun einige größere Neuerungen einfallen lassen. Reicht das für den Smokin'-Sexy-Style-Rang?

Story: Wieder die belanglose, alte Leier

Reden wir aber zunächst über einen der größten Schwachpunkte von "Devil May Cry 5": die Story. Die ist seit jeher die Crux der Serie und sogar ich als Hardcore-Fan der Reihe muss zugeben, dass mich die Handlung nie vom Hocker gerissen hat.

Auch im aktuellen Ableger ist die Geschichte wieder einmal vollkommen belanglos: Ein nie zuvor erwähnter Dämonenkönig namens Urizen taucht wie aus dem Nichts auf und pflanzt den Baum Qliphoth, der den Menschen das Leben aussaugt und seine Macht stärkt. Zuvor hat er sich noch Neros dämonischen Arm einverleibt, was sein Power-Level locker auf über 9000 pusht. Im Kampf gegen den Obermotz muss sich das Helden-Trio aus Dante, Nero und V deshalb zunächst geschlagen geben, sucht daraufhin aber einen Weg, um die Zerstörung der Menschheit doch noch abzuwenden. So weit, so Klischee.

Der Dämonenkönig Urizen erscheint wie aus dem Nichts. fullscreen
Der Dämonenkönig Urizen erscheint wie aus dem Nichts.
Um seine Macht zu stärken, stiehlt er Neros Arm. fullscreen
Um seine Macht zu stärken, stiehlt er Neros Arm.
Schließlich ist Urizen so mächtig, dass das Trio ihn zunächst nicht aufhalten kann. fullscreen
Schließlich ist Urizen so mächtig, dass das Trio ihn zunächst nicht aufhalten kann.
Der Dämonenkönig Urizen erscheint wie aus dem Nichts.
Um seine Macht zu stärken, stiehlt er Neros Arm.
Schließlich ist Urizen so mächtig, dass das Trio ihn zunächst nicht aufhalten kann.

Die Erzählstränge, die fröhlich zwischen Vergangenheit und Gegenwart hin und her springen, sind zwar ganz interessant, dienen aber eher als Mittel zum Zweck für den Charakterwechsel. Wie gewohnt, bleibt die Handlung auch in "Devil May Cry 5" oberflächlich und belanglos. Dabei wären Neros verlorener Arm und die Einführung von V tolle Angelpunkte gewesen, um eine kreative Handlung zu stricken. Die mechanischen Prothesen namens Devil Breaker, die Nero auf Anhieb beherrscht und die seinem Dämonenarm in Nichts nachstehen, machen den Verlust des Arms leider vollkommen unbedeutend. Und mit V stößt zwar ein interessanter Charakter zum Dämonenjäger-Duo, dessen Potential aber nicht voll ausgeschöpft wird.

Für "Devil May Cry 6" wünsche ich mir jetzt schon ein bisschen mehr Tiefgang.

Gameplay: Abwechselung pur – drei Charaktere, drei Kampfstile

Beim Gameplay macht "Devil May Cry 5" hingegen wieder (fast) alles richtig. Die stylischen Combos von Dante, Nero und V werden zwar über die gleichen Tastenkombinationen ausgeführt, ihre Kampfstile unterscheiden sich jedoch wie Tag und Nacht.

Mit der Funktion "Automatische Hilfe" implementiert Capcom auch ein Feature, das es Anfängern ermöglicht, durch das wiederholte Drücken der gleichen Taste atemberaubende Combos auszuführen. Unerfahrene Dämonenjäger müssen hier also keine Hemmschwelle befürchten. Gerade das Erlernen und Kombinieren der verschiedenen Fertigkeiten bereitet aber besonders viel Spaß und Du wirst die automatische Hilfe schon nach kurzer Zeit nicht mehr benötigen.

Neuzugang V spielt sich komplett anders als seine Kollegen Dante und Nero. fullscreen
Neuzugang V spielt sich komplett anders als seine Kollegen Dante und Nero.
Wenn er im Devil Trigger seine Golem beschwört, ist richtig Action auf dem Bildschirm. fullscreen
Wenn er im Devil Trigger seine Golem beschwört, ist richtig Action auf dem Bildschirm.
Obwohl V im Kampf nicht sehr aktiv ist, lässt er es sich nicht nehmen, manche Gegner persönlich zurück in die Hölle zu schicken. fullscreen
Obwohl V im Kampf nicht sehr aktiv ist, lässt er es sich nicht nehmen, manche Gegner persönlich zurück in die Hölle zu schicken.
Neuzugang V spielt sich komplett anders als seine Kollegen Dante und Nero.
Wenn er im Devil Trigger seine Golem beschwört, ist richtig Action auf dem Bildschirm.
Obwohl V im Kampf nicht sehr aktiv ist, lässt er es sich nicht nehmen, manche Gegner persönlich zurück in die Hölle zu schicken.

Der neue Charakter V spielt sich erstaunlich abwechlungsreich und ist in Kampfstil wie Charakter ein echter Gegenpol zu Dante und Nero. Im Kampf wird die emotionsarme und ruhige Persönlichkeit von zwei beschworenen Dämonen unterstützt: einem Vogel für den Fernkampf und einem Panther für den Nahkampf. Im Devil Trigger, dem Dämonen-Modus von V, kann er außerdem noch einen Golem beschwören, der völlig autonom kämpft und der stärkste der Dämonen ist. Obwohl V von der Statur eher zerbrechlich wirkt, lässt er es sich aber nicht nehmen, den Kreaturen aus der Hölle mit seinem Gehstock den Todesstoß zu versetzen – echt stylisch und typisch "Devil May Cry"!

Nero ist auch ohne seinen dämonischen Arm ein ernstzunehmender Gegner. fullscreen
Nero ist auch ohne seinen dämonischen Arm ein ernstzunehmender Gegner.
Mit den Devil Bringern verfügt er über mächtige Cyborg-Arme mit verschiedenen Fähigkeiten. fullscreen
Mit den Devil Bringern verfügt er über mächtige Cyborg-Arme mit verschiedenen Fähigkeiten.
Der Kill des letzten Gegners wird immer über eine Zeitlupenfunktion in Szene gesetzt. fullscreen
Der Kill des letzten Gegners wird immer über eine Zeitlupenfunktion in Szene gesetzt.
Nero ist auch ohne seinen dämonischen Arm ein ernstzunehmender Gegner.
Mit den Devil Bringern verfügt er über mächtige Cyborg-Arme mit verschiedenen Fähigkeiten.
Der Kill des letzten Gegners wird immer über eine Zeitlupenfunktion in Szene gesetzt.

Auch bei Nero hat Capcom in "Devil May Cry 5" Hand angelegt (oder besser gesagt: Arm abgelegt ...): Trotz der neuen Armprothese spielt sich der Held ähnlich wie im Vorgänger. Neben Schwert- und Gunplay ist das Heranziehen der Gegner mit dem Cyborg-Arm eines der wichtigsten Elemente von Neros Kampfstil. Besonders cool ist, dass ihm mehrere Arme mit unterschiedliche Fähigkeiten zur Verfügung stehen. Per Knopfdruck verteilt er so entweder harte Schläge, feuert Energiestrahlen ab oder manipuliert die Zeit. Zusammen mit Pistole und Schwert lassen sich so beeindruckende Combos zaubern und es macht echt Spaß, neue Kombinationen auszutüfteln.

Obwohl Dante mittlerweile nicht mehr der Jüngste ist, hat er sein Handwerk nicht verlernt. fullscreen
Obwohl Dante mittlerweile nicht mehr der Jüngste ist, hat er sein Handwerk nicht verlernt.
Wenn er sich in einen Teufel verwandelt, schlottern selbst hart gesottenen Dämomen die Knie. fullscreen
Wenn er sich in einen Teufel verwandelt, schlottern selbst hart gesottenen Dämomen die Knie.
Mit diesen nervigen Geistern plagt sich Dante schon seit Beginn der Serie herum. fullscreen
Mit diesen nervigen Geistern plagt sich Dante schon seit Beginn der Serie herum.
Obwohl Dante mittlerweile nicht mehr der Jüngste ist, hat er sein Handwerk nicht verlernt.
Wenn er sich in einen Teufel verwandelt, schlottern selbst hart gesottenen Dämomen die Knie.
Mit diesen nervigen Geistern plagt sich Dante schon seit Beginn der Serie herum.

Den alten Haudegen Dante wirst Du erst relativ spät im Spiel zu Gesicht bekommen, was wahrscheinlich damit zusammenhängt, dass sein Kampfstil am komplexesten ist. Er kann während des Kampfes seine Nah- und Fernkampfwaffen in Sekundenschnelle wechseln, was schon eine kleine Herausforderung ist. Dazu kommen dann noch vier Kampfstile, die jeweils verschiedene Fähigkeiten des Dämonenjägers ins Rampenlicht rücken. Somit spielt sich Dante meiner Meinung nach zwar am komplexesten, bringt aber auch den meisten Spaß. Beim Arsenal gesellen sich zu den bewährten Schießeisen und Schwertern noch ein paar Überraschungen – etwa das Motorrad für den Nahkampf.

Insgesamt bieten die drei Charaktere viel Abwechslung und die Combos flutschen nur so von der Hand. Ich war beim Zocken richtig motiviert, endlose Combo-Ketten vom Stapel zu lassen und mir den Triple-S-Rang zu verdienen. Der aggressive Industrial-Soundtrack sorgt während der Kämpfe noch für einen zusätzlichen Adrenalin-Kick. Die Steuerung ist gewohnt präzise und ohne Verzögerung. Beim Gameplay zeigt sich "Devil May Cry 5" also wieder von seiner besten Seite.

Leveldesign: Schlauchige Level mit nervigen Leerläufen

Eine weitere kleine Schwäche von "Devil May Cry 5" liegt im Design der Level, die typischerweise ungefähr so verlaufen: Laufen, kämpfen, laufen, kämpfen, laufen, Endboss. Das wird nach kurzer Zeit recht öde. Zwischenbosse lockern das Muster zwar etwas auf, insgesamt bleibt das Leveldesign aber monoton und vorhersehbar. Die langen Laufpassagen durch Korridore,  die die Kampfschauplätze wie Schläuche miteinander verbinden, haben mich immer wieder aus dem Action-Flow herausgerissen.

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Die hitzigen Kämpfe werden leider häufig durch nervige Lauf- oder Sprungpassagen unterbrochen.

Grundsätzlich finde ich es gar nicht so schlimm, dass ich zwischen den Kämpfen ein wenig rumlaufen muss, aber häufig passiert da eben einfach gar nichts. "Devil May Cry 5" lebt von der Action und längere Leerläufe bremsen den Spielfluss unnötig aus. Teilweise erscheint zwischen den fetten Fights auch mal der eine oder andere Gegner auf dem Weg, aber das passiert leider viel zu selten.

Grafik: Hochauflösend, flüssig, geil

Bei der Grafik hatte Capcom viel versprochen: "Devil May Cry 5" soll mit 60 FPS und 4K-Auflösung laufen und dazu noch fotorealistische Grafik bieten. Und soweit ich das mit meinen Augen beurteilen kann, scheinen die Entwickler Wort gehalten zu haben: Das Spiel sieht bombastisch aus! Die Level, die in der Welt der Menschen spielen, kommen der Realität ziemlich nah und sind sehr detailliert. Die Dämonenwelt kann sich ebenfalls sehen lassen: Schleimbedeckte Tentakel, Blutströme, pulsierende Adern, rote Geschwüre – richtig schön widerlich und stimmungsvoll. Einziger Kritikpunkt ist hier, dass sich die Gebiete alle zu sehr ähneln.

Auch beim Gegnerdesign weiß "Devil May Cry 5" zu überzeugen. Von ekligen, dämonischen Insekten über mutierte Echsen bis hin zu Sensenmännern  ist wieder die Crème de la Crème der Höllenbrut vertreten. Als Serienkenner habe ich mich natürlich besonders über die alten Gegnertypen wie den Geist mit der Schere gefreut. Die Monster sind in den Kämpfen stets gut gemischt und es kommt nie Langeweile auf.

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Boom, Headshot! In "Devil May Cry 5" wird Coolness groß geschrieben.

Garniert wird die spektakuläre Grafik mit einem Effektfeuerwerk der Extraklasse. In den Kämpfen ist auf dem Bildschirm optisch immer die Hölle los, das Geschehen bleibt trotzdem meistens übersichtlich. Besonders beeindruckend ist, dass das Spiel durchgehend flüssig läuft. In der gestesten Version für die Xbox One X konnte ich selbst in den heißesten Gefechten keine größeren Ruckler feststellen. Capcom scheint hier alles aus der RE Engine rausgeholt zu haben und sein Versprechen von 60 FPS bei 4K-Auflösung einzuhalten. Optisch ist "Devil May Cry 5" damit vom Feinsten.

Fazit

"Devil May Cry 5" macht genau da weiter, wo der Vorgänger aufhörte. Die extrem auf Coolness und Style getrimmte Formel überzeugt noch immer, das Spiel könnte allerdings um Längen besser sein, wenn Capcom es endlich schaffen würde, das Action-Spektakel in eine packende Geschichte zu verfrachten.

Ansonsten gibt es aber nichts zu meckern. Die coolen Sprüche von Nero und Dante hatte ich schon echt vermisst. Die Einführung von V, der einen starken Kontrast zu Dante und Nero darstellt, bringt frischen Wind in Capcoms Traditionsreihe. Auch Neros Cyborg-Arm ist eine willkommene Veränderung, durch die das Game an Abwechslung gewinnt. Das Gameplay strotzt nur so vor Action, was weiterhin die größte Stärke der Reihe ist.

Optisch hat "DmC" definitiv noch einmal richtig zugelegt und sieht einfach richtig geil aus – anders kann ich es gar nicht beschreiben. Jetzt nur noch ein bisschen mehr Vielfalt und Abwechslung beim Design der Spielwelt und "Devil May Cry 5" wäre nahezu perfekt. So ist es "nur" sehr, sehr gut – aber das ist ja eigentlich mehr als genug.

Hierfür gibt es den SSS-Rang Hierfür leider nur ein D
+ gewohnt gutes Combo-System - lahme Story
+ meisterlich inszenierte Action - Level ähneln sich – sowohl im Aufbau als auch im Aussehen
+ V spielt sich sehr abwechlungsreich
+ größere Combo-Vielfalt durch verschiedene Cyborg-Arme
+ hochauflösende Grafik bei 60 FPS

TURN-ON-Wertung: 4,3/5

Devil May Cry 5
Devil May Cry 5
  • Datenblatt
  • Genre
    Action-Adventure
  • Plattformen
    PS4, Xbox One, PC
  • Release
    8. März 2019
  • Entwickler (Publisher)
    Capcom (Capcom)
TURN ON Score:
4,3von 5
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