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Die PS4 an der Leine: Nacon Revolution Pro Controller im Test

Der Nacon Revolution Pro: Gute Alternative zum DualShock-Controller für PS4?
Der Nacon Revolution Pro: Gute Alternative zum DualShock-Controller für PS4? (©TURN ON 2017)

Mit dem Nacon Revolution Pro ist ein offizieller Pro-Controller für die PlayStation 4 erschienen. Vollständig konfigurierbare Bedienelemente, bessere Analog-Sticks und hochwertige Haptik sollen den Revolution Pro zu einer echten Alternative für Profi-Gamer machen – unser Test zeigt, was der neue PS4-Controller taugt.

Wer als eingefleischter PlayStation-4-Fan mal den Elite Controller der Xbox One in den Händen hielt, wird zugeben müssen, dass ein Äquivalent von Sony überfällig ist. Dafür muss man kein Teil der eSports-Szene sein – als "Vielspieler" wünscht man sich die Möglichkeit zum Upgrade des stark beanspruchten DualShock-Controllers der PS4, ohne gleich tief für einen der berüchtigten Scuf-eSports-Controller in die Tasche greifen zu müssen. Diese Lücke will der Nacon Revolution Pro nun füllen. Ebenso wie den Razer Raiju lizenziert Sony die Pro-Controller nur, einen eigenen Premium-Dualshock wollen die Japaner offenbar vorerst nicht verwirklichen.

Entwickelt wurde der Nacon Revolution Pro laut Hersteller in Zusammenarbeit mit eSports-Profis, er soll vor allem im Wettbewerb für mehr Effizienz sorgen. Ich selbst bin zwar kein professioneller Gamer, wünsche mir aber schon länger eine Alternative zum Standard. Vor allem, wenn man viel Zeit mit seinem Controller verbringt, wäre nichts gegen etwas zusätzlichen Komfort und ein paar Extra-Features einzuwenden. Im Gegensatz zu vielen Gamern ziehe ich den DualShock dem Xbox Controller allein schon aus Gewöhnung vor, der Elite Controller hat mich jedoch beeindruckt. Vor allem den flexiblen Austausch der Bedienelemente durch die Magnetteile würde ich mir auch an der PS4 wünschen. Auf den Nacon Revolution Pro war ich also entsprechend gespannt – für die 110 Euro, die der PS4-Controller etwa kostet, sind schließlich einige Zusatzfeatures zu erwarten.

Liegt gut in der Hand: Der Nacon Revolution Pro für PS4. fullscreen
Liegt gut in der Hand: Der Nacon Revolution Pro für PS4. (©Screenshot / TURN ON 2017)
Alle Tasten sind groß und gut erreichbar. fullscreen
Alle Tasten sind groß und gut erreichbar. (©Screenshot / TURN ON 2017)
Der linke Analog-Stick ist konkav... fullscreen
Der linke Analog-Stick ist konkav... (©Screenshot / TURN ON 2017)
...der rechte Stick ist konvex und lässt sich über die Software stark individualisieren. fullscreen
...der rechte Stick ist konvex und lässt sich über die Software stark individualisieren. (©Screenshot / TURN ON 2017)
Nicht ohne Kabel: Rückschritt oder Vorteil? fullscreen
Nicht ohne Kabel: Rückschritt oder Vorteil? (©Screenshot / TURN ON 2017)
Das Touch-Pad ist mit den PlayStation-Zeichen verziert. fullscreen
Das Touch-Pad ist mit den PlayStation-Zeichen verziert. (©Screenshot / TURN ON 2017)
In die Fächer in den Griffen können Gewichte eingeschoben werden. fullscreen
In die Fächer in den Griffen können Gewichte eingeschoben werden. (©Screenshot / TURN ON 2017)

Unboxing: Das ist im Karton

Bei Lieferung liegt dem eigentlichen Controller einiges an Zubehör bei: Zuerst mal ein Stoffbeutel für den späteren Transport mit eingenähtem Zusatzfach – leider kein luxuriöses Hardcase wie beim Elite Controller oder dem deutlich teureren Razer Raiju, aber immerhin. Auch im Karton: ein Reinigungstuch und das 3 Meter lange geflochtene Verbindungskabel, mit dem der Controller an die PS4 angeschlossen werden muss. Ja, muss. Der Nacon Revolution Pro ist ausschließlich kabelgebunden verwendbar. Ein richtiger Grund hierfür wird von Nacon nicht genannt – wohlwollend formuliert könnte man niedrigere Latenz oder Unabhängigkeit von Akkulaufzeiten ins Feld führen.

Ohne den verbauten Akku ist der Controller zudem erstaunlich leicht, aber keine Sorge: Ebenfalls mitgeliefert werden sechs kleine Gewichte, mit deren Hilfe der Nacon Revolution Pro Controller ganz nach Wunsch ausbalanciert werden kann. Mit einem beiliegenden Tool – sollte dies verloren gehen, kann auch ein Schlitzschraubendreher genutzt werden – lässt sich in jedem der beiden Griffe ein Fach öffnen. Nun kann eine beliebige Kombination der Gewichte eingeschoben werden, um dem PS4-Controller das Wunschgewicht zu verpassen. Dabei handelt es sich um eine tolle Funktion, die ich persönlich aber wahrscheinlich lediglich einmal verwenden würde und dann nie wieder. Das Gewicht des Standard-DualShock hat mich jedoch auch nie gestört, das mag jeder anders sehen.

 Es sind jeweils zwei Gewichte von 10, 14 und 17 Gramm enthalten. In die Schienen im Griff können je zwei davon eingelegt werden. fullscreen
Es sind jeweils zwei Gewichte von 10, 14 und 17 Gramm enthalten. In die Schienen im Griff können je zwei davon eingelegt werden. (© 2017)

Liegt gut in der Hand: Greifbare Verbesserung

Darüber hinaus lassen sich leider keine Bedienelemente austauschen. Das rückt natürlich die Haltbarkeit des Nacon Revolution Pro in den Fokus – darüber lässt sich allerdings erst nach einem Langzeit-Test Genaueres sagen. Mein erster Eindruck der Analog-Sticks war positiv: Die 46-Grad-Amplitude verbessert das Spielgefühl deutlich, auch wenn mir nicht klar wurde, warum die Köpfe der Sticks sowohl in Größe als auch in ihrer Haptik unterschiedlich sind – der Linke konkav, der Rechte konvex. Das Material der vergrößerten Buttons, der riesigen Schultertasten und des 8-Wege-Steuerkreuzes fühlen sich für mich leider fast etwas billig an. Insgesamt liegt der Nacon Revolution Pro aber sehr gut in der Hand, durch das leicht angepasste Layout kommen Erinnerungen an den Xbox One-Controller auf. Einzig die Share-Taste ist durch die neue Anordnung ein wenig verdeckt und daher etwas schlechter zu erreichen. Haptisch macht die leicht aufgeraute Oberfläche des Controllers tatsächlich etwas her und ist eine klare Verbesserung zum Original.

Die größten Unterschiede finden sich jedoch an der Unterseite des Nacon Revolution Pro: Vier zusätzliche Buttons, eine Auswahltaste und ein Schalter machen den Controller für kompetitive Gamer besonders interessant. Im Normalbetrieb befindet sich das Gerät im "Pro Control Mode", was am blau leuchtenden Ring um den rechten Stick erkennbar ist. Mit einem der unteren Schalter stellen wir auf den "Advanced Mode" um: Nun können wir auf veränderte Eigenschaften des rechten Sticks und auf beliebige Makros der vier Zusatztasten zurückgreifen, der Ring leuchtet rot. Mit der Profil-Taste kann jetzt zwischen vier zuvor festgelegten Profilen, etwa für unterschiedliche Games umgeschaltet werden.

Anpassung im Überfluss: Die Software

Um diese Funktionen überhaupt ausschöpfen zu können, muss der Controller per Software konfiguriert werden. Leider gibt es keine App, mit der man das direkt auf der PlayStation 4 erledigen kann. Stattdessen steht eine PC-Software zum Download zur Verfügung. Etwas merkwürdig: Die Software ist ausschließlich für Windows vorhanden, wer etwa einen Mac besitzt, schaut in die Röhre. PC-User haben über das Programm allerdings ungeahnte Möglichkeiten: Neben beliebigen Makros kann so gut wie jede Tastenfunktion verändert, Vibrationsstärke für beide Handgriffe separat konfiguriert sowie Totzonen und Reaktionskurven der Schultertasten haargenau definiert werden. Auch die Einstellungen für den rechten Analog-Stick können präzise verändert werden. Warum das nicht auch für den linken Stick gilt, bleibt zwar ein Rätsel, trotzdem ist der Funktionsumfang hier insgesamt auffallend groß. Zusätzlich lassen sich auch Profile für einige Spiele, zum Beispiel "Destiny", von Nacon herunterladen.

Die Software lässt präzise Einstellungen der Trigger zu. fullscreen
Die Software lässt präzise Einstellungen der Trigger zu. (©Screenshot / TURN ON 2017)
Die Ansprechkurven des rechten Sticks können beliebig verändert werden. fullscreen
Die Ansprechkurven des rechten Sticks können beliebig verändert werden. (©Screenshot / TURN ON 2017)
Fast sämtliche Tastenfunktionen lassen sich verändern. fullscreen
Fast sämtliche Tastenfunktionen lassen sich verändern. (©Screenshot / TURN ON 2017)
Leider funktioniert die Software nur unter Windows. fullscreen
Leider funktioniert die Software nur unter Windows. (©Screenshot / TURN ON 2017)

Nur für Pros: eSports hat wohl nichts auf der Wohnzimmercouch zu suchen

So viel vorweg: Aus meinem Traum von einem Controller-Upgrade für den leicht gehobenen Anspruch wird auch mit dem Nacon Revolution Pro nichts. Der Überfluss an Einstellungsmöglichkeiten in Sachen Präzision macht im Test schnell klar: Das Gerät ist, wie der Name schon sagt, ein echter "Pro"-Controller. Für mich, der sich in erster Linie etwas mehr Komfort und bessere Haptik wünscht, ist der Nacon Revolution Pro schon allein wegen des Kabels nicht geeignet. Offenbar hat eSports auf der Wohnzimmercouch nichts zu suchen, denn für mein Anwendungsszenario kommt kabelgebundenes Gaming nicht infrage – zumal ich mit Latenz durch Bluetooth noch nie Probleme hatte.

Außerdem wichtig: Die PlayStation 4 lässt sich mit diesem Controller nicht einschalten, offenbar ist diese essenzielle Funktion einfach nicht per USB durchführbar. Ebenso ist die Verlagerung der LED-Leiste auf die Oberseite des Nacon Revolution Pro zwar ein nettes Design-Element, für Nutzer des PlayStation-VR-Headsets ist der Controller dadurch aber nutzlos. Schließlich erkennt die PlayStation Kamera das Steuergerät über die Lichtleiste. Dass die Bedienelemente trotz des gehobenen Preises nicht austauschbar sind, ist ein weiterer Punkt auf der Negativ-Liste. Gamer, die jedoch regelmäßig und ernsthaft Spiele wie "Street Fighter", "Destiny" oder "Fifa" auf der PlayStation 4 zocken und sich durch den Nacon Revolution Pro Vorteile im kompetitiven Spiel erhoffen, jedoch die hohen Preise der bekannten Scuf-Controller scheuen, sollten sich diese Alternative auf jeden Fall ansehen.

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