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Die Xbox One S im Test: Endlich vollendet

Mit der Xbox One S hat Microsoft die Konsole endlich zur Vollendung gebracht.
Mit der Xbox One S hat Microsoft die Konsole endlich zur Vollendung gebracht. (©TURN ON 2016)

Gelingt es Microsoft mit der Xbox One S, die Fehler der originalen Xbox One auszubügeln? Im Test haben wir uns die Konsole genau angeschaut und versucht, die Frage zu beantworten, für wen das S-Modell eigentlich gedacht ist. 

Die Xbox One ist noch keine drei Jahre alt und hat trotzdem bereits eine bewegte Geschichte hinter sich. So geriet der Launch der Konsole im Jahre 2013 für Microsoft zu einem echten PR-Desaster. Dabei waren das Always-Online-Konzept und das unnötige Bundle mit dem ungeliebten Kinect-Sensor nur die Spitze des Eisbergs. Was danach folgte war der Rauswurf von Xbox-Chef Don Mattrick durch Microsoft und eine umfangreiche Kurskorrektur, die nun mit der neuen Xbox One S, endlich zu ihrem Ende gekommen ist.

Frisch in Schale geworfen

Dabei ist die Xbox One S selbst eigentlich nicht viel mehr als ein Facelift-Modell zur originalen Xbox One. Microsoft hat sich allerdings praktisch aller Kritikpunkte angenommen, die am Originalmodell vorhanden waren. So ist die Xbox One S ganze 40 Prozent kleiner als ihr Vorgänger und beinhaltet trotzdem die gleiche Technik. Trotz des kompakteren Gehäuses schafft es Microsoft zudem endlich, auch das Netzteil in der Konsole unterzubringen und liefert kein externes Gehäuse mit. Dafür kann man die Entwickler der neuen Konsole durchaus loben, aber man muss es nicht übertreiben. Die PlayStation 4 hatte das Netzteil trotz des schlanken Gehäuses von Anfang an integriert.

Die Xbox One S präsentiert sich in einem schlanken und schicken Gehäuse. fullscreen
Die Xbox One S präsentiert sich in einem schlanken und schicken Gehäuse. (©TURN ON 2016)
Im Vergleich zum Originalmodell ist sie um 40 Prozent geschrumpft. fullscreen
Im Vergleich zum Originalmodell ist sie um 40 Prozent geschrumpft. (©TURN ON 2016)
Das kantige Design erinnert ein wenig an die PlayStation 2. fullscreen
Das kantige Design erinnert ein wenig an die PlayStation 2. (©TURN ON 2016)
Auf der Rückseite sind wieder allerlei Anschlüsse vorhanden. fullscreen
Auf der Rückseite sind wieder allerlei Anschlüsse vorhanden. (©TURN ON 2016)

Besondere Erwähnung verdient allerdings das Design, denn mit der Xbox One S liefert Microsoft nicht nur eine kleinere, sondern auch eine viel schönere Konsole ab. Der typische Spielzeug-Look, der den meisten Konsolen anhängt, findet sich hier nicht. Stattdessen gibt es ein schlichtes, aber schickes Design, das wohl in jedem modernen Wohnzimmer eine gute Figur machen dürfte. Mit ihrer kantigen Form erinnert die One S übrigens am ehesten an die gute alte PS2, wenn auch nur entfernt.

Am Gehäuse selbst lassen sich einige weitere Neuerungen entdecken. So ist der Einschalt-Button endlich ein echter Button und kein Touchscreen-Feld mehr und auch der vordere USB-Anschluss befindet sich nicht mehr seitlich am Gehäuse, sondern tatsächlich an der Front – es kann so einfach sein. Ach ja, aufstellen lässt sich die Box jetzt übrigens ebenfalls. Den passenden Standfuß liefert Microsoft vorbildlicher Weise gleich mit.

Der Controller wurde nochmals optimiert

Das Gamepad der Xbox One gilt nach wie vor als der beste Controller für Konsolen und Computer und schlägt in Form und Verarbeitung sogar die ebenfalls hervorragenden Pads von PlayStation 4 und Xbox 360. Trotzdem hat Microsoft auch hier nochmal Hand angelegt. Formtechnisch wurde dabei glücklicherweise alles beim Alten belassen. Neu ist jedoch die leicht geriffelte Rückseite, die für einen besseren Halt bei längeren Spiele-Sessions sorgen soll.

Der Controller wurde minimal überarbeitet. fullscreen
Der Controller wurde minimal überarbeitet. (©TURN ON 2016)
Noch immer ist er hervorragend verarbeitet. fullscreen
Noch immer ist er hervorragend verarbeitet. (©TURN ON 2016)
Den Kopfhöreranschluss an der Unterseite gibt es aber schon länger. fullscreen
Den Kopfhöreranschluss an der Unterseite gibt es aber schon länger. (©TURN ON 2016)

Neues unter der Haube

Im Inneren tut sich nicht so viel. Die Xbox One S arbeitet immer noch mit dem gleichen Prozessor und der gleichen GPU wie das Original – und spielt deshalb auch die gleichen Spiele in der gleichen Qualität ab. Lediglich das Fertigungsverfahren der CPU wurde vom 28 nm-Prozess auf das 16 nm-Verfahren umgestellt, wodurch der Chip nun kleiner ausfällt. Bei der GPU wurde die Taktung minimal von 853 auf 914 MHz erhöht, während es in der Fertigungstechnik keinerlei Unterschiede gibt. Dennoch wurde auch hier ein wenig herumoptimiert, sodass der Bootvorgang schneller, die Framerate stabiler und die Lüftergeräusche leiser sind, als zuvor.

Ausgetauscht wurde das Blu-ray-Laufwerk, das nun auch Ultra HD-Blu-rays abspielt. Damit ist die Xbox One S der derzeit wohl günstigste und attraktivste 4K-Blu-ray Player auf dem Markt. Dank passender Decoder kann die neue Box zudem auch Videostreams aus dem Netz in 4K wiedergeben. Anbieter wie Netflix oder Amazon Prime Instant Video dürften ihre Apps in Zukunft sicherlich für entsprechende Inhalte aktualisieren. Überhaupt ist und bleibt die Xbox One auch in der neuen Inkarnation ein hervorragender Media-Player für das Heimkino, der mit verschiedensten Offline- und Online-Medien klarkommt.

 Ein paar Neuerungen finden sich auch im Inneren der Konsole. fullscreen
Ein paar Neuerungen finden sich auch im Inneren der Konsole. (©TURN ON 2016)

Für wen ist die Xbox One S gedacht?

Ist die Xbox One S also eine bessere Konsole als die Xbox One? Auf jeden Fall. Lohnt sich der Umstieg, wenn man mit dem Originalmodell zufrieden ist? Nur in den seltensten Fällen. Wer jedoch noch keine Xbox One sein Eigen nennt und über den Einstieg nachdenkt, ist gut beraten, zum neuen S-Modell zu greifen. Wer einen 4K-Fernseher zu Hause hat und einen passenden Media-Player sucht, sollte sich die neue Konsole sogar unbedingt näher anschauen. Alle anderen können ganz beruhigt bleiben und auf die Xbox Scorpio warten, die Ende 2017 auf den Markt kommen soll.

Fazit: Eine bessere Konsole

Knapp drei Jahre nach ihrem Launch hat Microsoft die Xbox One nun endgültig in allen Bereichen generalüberholt. Was die strategische Ausrichtung der Box und das Software-Grundgerüst anbelangt, war dies ja schon zuvor Schritt für Schritt geschehen – etwa was dem Umstieg auf Windows 10 und die Abwärtskompatibilität anbelangt. Die Xbox One S vollendet diesen Wandel, indem endlich auch sämtliche Schwachstellen am Gehäuse beseitigt werden.

Insgesamt ist die One S damit heute eine wesentlich bessere Konsole als die originale One zu ihrem Launch Ende 2014 und eine echte Empfehlung für Gamer, die nicht nur nach einem Videospielegerät für das Wohnzimmer, sondern auch nach einem der besten Media-Player suchen. Wer bisher auf den passenden Moment gewartet hat, sich eine Microsoft-Konsole zuzulegen, bekommt ihn mit der Xbox One S auf dem Silbertablett serviert. Ein Wermutstropfen bleibt jedoch die Ankündigung des Herstellers, bereits im nächsten Jahr mit der Xbox Scorpio einen "echten" Nachfolger zur One zu liefern. Somit ist die Xbox One S zwar eine hervorragende Konsole, aber trotzdem nicht mehr als ein Zwischenschritt.

Meinung des Autors
Hätte Microsoft die Xbox One S in dieser Form bereits 2014 auf den Markt gebracht – ich bin mir sicher, sie wäre vom Start weg ein absoluter Hit geworden. Endlich hat die Box nicht nur die Software-Features, die eine tolle Konsole ausmachen, sondern auch den dazu passenden Formfaktor. Kurz gesagt: Die Xbox One S ist toll, sie kommt nur vermutlich zu spät, um der PS4 ihren Platz als Klassenprimus noch streitig zu machen. Trotzdem machen die Bemühungen von Microsoft Mut für die Zukunft, denn anstatt sich von einem missglückten Produktstart unterkriegen zu lassen, haben die Redmonder auf die Kritik der Kunden gehört und eine in jeder Hinsicht bessere Xbox gebaut. Diese Einstellung könnte sich mit einer neuen Generation noch auszahlen – vor allem natürlich für die Gamer. Und wer weiß? Vielleicht werde ich als glücklicher PC-Spieler ja irgendwann auch wieder ins Konsolen-Lager wechseln.
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