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"F1 2019" im Test: Wie der Vorgänger – aber mit mehr Drama

"F1 2019" kopiert in weiten Teilen den Vorgänger.
"F1 2019" kopiert in weiten Teilen den Vorgänger.

In "F1 2019" erweitert Codemasters den hervorragenden Karriere-Modus der Vorgänger erstmals um eine echte Story. Wie gut das funktioniert und ob sich ansonsten am Gameplay noch etwas getan hat, verrät unser Test.

Die "F1"-Spiele von Codemasters zu testen und zu bewerten ist selbst für mich als Fan mittlerweile kein leichtes Unterfangen mehr. Einerseits zählt die Reihe spätestens seit 2017 zum absolut besten, was das Racing-Genre zu bieten hat, andererseits hat sich spielerisch in den vergangenen Jahren nicht mehr besonders viel getan. Und so war ich aufgrund der vorab veröffentlichten Informationen skeptisch, in Bezug auf "F1 2019".

Was ist "F1 2019"?

Für alle, die mit der "F1"-Reihe noch nicht viel anfangen können: Es geht natürlich um die Formel 1. Das Spiel bietet alle Fahrer, Wagen und Rennstrecken der aktuellen Saison. Die Rennen lassen sich sowohl On- als auch und Offline fahren – entweder einzeln oder als ganze Saison.

Das eigentliche Herzstück der Reihe ist jedoch bereits seit "F1 2016" der hervorragende Karrieremodus, in dem Spieler über einen Zeitraum von zehn Jahren ihre eigene Rennfahrer-Karriere absolvieren können. Wie in der echten Formel 1 wird dieser Modus garniert mit Rivalitäten auf der Strecke, der Weiterentwicklung der Fahrzeuge und natürlich auch mit Teamwechseln.

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In "F1 2019" starten Spieler ihre eigene Formel-1-Karriere.

Spätestens seit dem 2017er Spiel muss dieser Karrieremodus als Goldstandard innerhalb des Rennspiel-Genres angesehen werden. Keine andere Reihe vermittelt meiner Meinung nach besser das Gefühl, wirklich Teil eines Racing-Wettbewerbs zu sein. Und weil sich daran bis heute nichts Wesentliches mehr verändert hat, verlinke ich an dieser Stelle einfach mal meinen Artikel zu "F1 2017".

Erstmals ist auch die Formel 2 dabei

Ein bisschen wirkt es auf mich so, als würden die Entwickler bei Codemasters mittlerweile selbst davor zurückschrecken, das Grundgerüst des eigenen Spiels zu verändern – vielleicht aus Angst, dabei mehr kaputt zu machen, als zu verbessern. Und so konzentriert man sich bei den Neuerungen vor allem darauf, mehr Inhalte abseits der eigentlichen Formel-1-Rennen zu bieten.

So gibt es nun zum einen erstmals auch die Formel 2 mitsamt ihren Teams, Fahrern und Strecken (die aber identisch zur Formel 1 sind). Spieler, die das möchten, können sich also auch in der Nachwuchsserie beweisen, die sich in Sachen Reglement und Austragungsmodus ein wenig von der Formel 1 entscheidet. So gibt es zu jedem Event zwei Rennen, wobei die Startaufstellung des zweiten Durchlaufs die umgekehrte Zielplatzierung des ersten Rennens ist.

Eine Rennfahrer-Karriere mit reichlich Drama

Ihre eigentliche Berechtigung findet die Formel 2 jedoch als Teil des erweiterten Karriere-Modus. Dieser startet in "F1 2019" nämlich auf Wunsch in der Formel 1, wo man sich als Nachwuchspilot sein Cockpit für ein Formel-1-Team verdienen muss. Dabei ließen sich die Entwickler augenscheinlich ein wenig vom Story-Modus der FIFA-Reihe inspirieren.

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Die fiktiven Rennfahrer Likas Weber (links) und Devon Buttler (rechts).

Denn in der Formel 2 werden wir neben den tatsächlichen Fahrern auch mit zwei fiktionalen Mitstreitern konfrontiert: Unserem Teamkollegen Lukas Weber und unserem schärfsten Konkurrenten Devon Buttler, der im Rennen auch schon mal zu unfairen Mittel greift. Beide werden in Cutscenes vorgestellt und wechseln am Ende der Saison gemeinsam mit uns in die Formel 1 – begleiten uns also über die gesamte Karriere.

Keine komplette F2-Saison in der Karriere

Anders als erwartet, absolviert man als Spieler im Rahmen des Karriere-Modus keine komplette Saison in der Formel 2. Die Formel 2 mitsamt der Etablierung der fiktiven Fahrer Lukas Weber und Devon Buttler dient lediglich als spielbares Intro, bei dem man nur in bestimmten Schlüsselmomenten selbst das Lenkrad ergreift, um die Story über Entscheidungen und Leistungen auf der Strecke voranzubringen.

In meinem Fall wechselte ich zum Formel-1-Rennstall Alfa Romeo, während mein alter Buddy Lukas einen Vertrag bei Williams bekam und Devon bei Torro Rosso anheuerte – drei Rookies in drei Hinterbänkler-Teams. Die Fahrer George Russel (Williams), Lando Norris (McLaren) und Alexander Albon (Torro Rosso) wechseln übrigens genau wie in der Realität ebenfalls mit in die Formel 1, sodass sich im virtuellen Fahrerfeld von "F1 2019" dann insgesamt sechs Neulinge aus der Formel 2 tummeln. Ein bisschen kommt man sich vor, wie die Abschlussklasse von 2018, die dann im Jahre 2019 die erwachsene Formel-1-Welt aufmischt.

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Als ersten Formel-1-Rennstall habe ich mich für Alfa Romeo entschieden.

Erzählerisch bemüht sich das Spiel in der weiteren Karriere, den Weg der fiktiven Fahrer analog zur Karriereentwicklung des Spielers zu beleuchten. Das passiert aber nur recht dezent am Rande und lenkt nicht vom eigentlichen Kern-Gameplay ab.

Im Kern ist "F1 2019" ein Re-Skin von "F1 2018"

Und hier liegt leider der Hund ein wenig begraben: Der erweiterte Karrieremodus von "F1 2019" kann nämlich nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir es fast eins zu eins mit dem gleichen Spiel wie im letzten Jahr zu tun haben. Selbstverständlich wurden Fahrzeuge und Fahrer auf den aktuellen Stand gebracht, aber bei den Strecken herrscht Stillstand. Im Rennkalender stehen dieses Jahr exakt die gleichen 21 Kurse wie im Vorjahr, die auch eins zu eins aus dem letzten Spiel übernommen wurden.

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Die Menüs wurden ohne Umschweife aus "F1 2018" übernommen.

Menüs und Gameplay-Mechaniken im Karrieremodus wurden ebenfalls eins zu eins aus dem Vorgänger übernommen. Schon nach sehr kurzer Zeit kann auch der Story-Modus nicht mehr übertünchen, dass wir es grundsätzlich mit dem gleichen Spiel zu tun haben, wie im letzten Jahr.

Minimale Tweaks an Gameplay und Grafik

Lediglich ein paar nette kleine Tweaks sind offenbar mit ins Spiel geflossen. So hatte ich direkt im ersten Rennen der Saison mit einem fahrerisch unverschuldeten Defekt am Heckflügel zu kämpfen und musste meinen Wagen außerplanmäßig in der Box reparieren lassen – etwas, dass es in den Vorgängerspielen so definitiv nicht gab.

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Zufällige Defekte im Rennen sind neu.

Immerhin hat sich das Fahrverhalten der Boliden nach meinem Gefühl minimal geändert. Dies dürfte wohl vor allem an den neuen Frontflügeln liegen, die das Formel-1-Reglement in diesem Jahr vorschreibt. Sie sollen vor allem das Überholen erleichtern und haben den netten Nebeneffekt, dass sich die Wagen in den Kurven etwas stabiler bewegen.

Verbessert wurde auch das Kollisionsverhalten der Fahrzeuge, wenn diese auf der Strecke aneinandergeraten. Crashes, die sich übrigens auch schon mal KI-Fahrer untereinander leisten, wirken dadurch realistischer.

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Im Gedränge kommt es schnell zu Remplern. Die Fahrzeuge reagieren darauf nun realistischer.

Grafisch wurde im Vergleich zu "F1 2018" zumindest ein wenig an einigen 3D-Modellen der Fahrer und vor allem an den Lichteffekten geschraubt. Insbesondere die Nachtrennen sehen nun deutlich realistischer und stimmungsvoller aus.

Historische Formel-1-Wagen

Bereits seit 2017 sind auch historische Rennwagen ein Teil der "F1"-Reihe. Wer möchte, kann also im Rahmen spezieller Herausforderungen unter anderem den 1976er Ferrari von Niki Lauda fahren oder im abgefahren MP4-23 Platz nehmen, mit dem Lewis Hamilton 2008 zu seinem ersten WM-Titel fuhr. Im Vergleich zum Vorgänger hat Codemasters die Anzahl der historischen Fahrzeuge nochmals erweitert. Eine echte historische Formel-1-Saison lässt sich aber nach wie vor nicht bestreiten.

Ausgebaute Online-Features

Wer wissen möchte, wohin diesmal offenbar ein Großteil der Entwicklungszeit von Codemasters geflossen ist, findet die Antwort in den Online-Features. Es wird deutlich, dass die Reihe mittlerweile auch im eSports-Bereich eine gewisse Relevanz hat. Die offizielle Formel-1-eSports-Liga wird unter anderem mit einem News-Feed ins Spiel integriert, über den Fans das Geschehen verfolgen können.

Außerdem haben Spieler in "F1 2019" endlich die Möglichkeit, auch eigene Online-Ligen zu erstellen. Und ganz wichtig: Erstmals gibt es die Option, für den Online-Modus einen eigenen Rennwagen zu designen.

"F1 2019" ist immer noch Spitze, bietet aber wenig Neues

"Never change a running System!" Dieser Spruch trifft in der echten Formel 1 eindeutig auf Lewis Hamilton und Mercedes zu, die aktuell auf dem Weg zu einem weiteren Weltmeistertitel sind. Er lässt sich aber auch auf die "F1"-Serie von Codemasters anwenden. Die Briten haben das Kern-Gameplay ihrer Reihe im Laufe der Jahre so weit perfektioniert, das größere Änderungen offenbar eher als Gefahr, denn als Chance gesehen werden.

Und so ist "F1 2019" im Kern auch das gleiche Spiel wie "F1 2018". Das ist einerseits gut, weil es im Bereich der Racing-Simulationen immer noch den Goldstandard darstellt, macht es andererseits aber weniger interessant für Spieler, die bereits den Vorgänger besitzen.

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"F1 2019" bietet sehr gute aber gewohnte Racing-Kost.

Entschädigung gibt es in Form von mehr Content, wie der Formel-2-Weltmeisterschaft und mehr historischen Rennwagen. Das sind aber nicht mehr als nette Beigaben.  Da wirken die kleinen Gameplay-Tweaks, wie zufällige Defekte und realistischere Crashs, fast noch bedeutsamer, weil sie mehr Einfluss auf das eigentliche Spielgefühl haben.

Fazit

Wer also mit "F1 2018" noch immer glücklich ist, braucht "F1 2019" zum Vollpreis nicht wirklich und kann getrost warten, bis es etwas günstiger geworden ist. Wer den Vorgänger allerdings nicht hat und allgemein auf tolle Rennsimulationen steht, dem kann ich das neue Spiel hingegen bedenkenlos empfehlen.

Das hat mir gut gefallen Das hat mir weniger gefallen
+ Toller Karriere-Modus - Spielerischer Stillstand
+ Sehr gutes Fahrgefühl - Wirkt wie ein DLC zum Vorgänger
+ Authentisches F1-Gefühl

 

F1 2019
F1 2019
  • Datenblatt
  • Genre
    Rennsimulation
  • Plattform
    PC, PS4, Xbox One
  • Release-Datum
    21. Juni 2019
  • Entwickler (Publisher)
    Codemasters (Codemasters)
TURN ON Score:
4,4von 5
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