Test

"FIFA 17" im Test: Neue Referenz oder nur lauer Aufguss?

FIFA 17
FIFA 17 (©EA 2016)

"FIFA 17" auf der PS4 im Test: Die Fußball-Referenz von EA geht in eine neue Runde. Wenngleich die spielerischen Änderungen nicht gravierend sind, haben die Entwickler dem Spiel dennoch neues Leben einhauchen können – dafür sorgt die neue Frostbite-Engine. Vor allem aber auch der Storymodus "The Journey" – im Test klären wir, ob "FIFA 17" ein Volltreffer ist.

Kein September ohne ein neues FIFA-Spiel: "FIFA 17" ist endlich da, EA will mit dem neuen Game einmal mehr seine Vorherrschaft bei Fußballvideospielen unterstreichen. Ob das gelingt, klärt dieser Test. Zunächst einmal die zwei größten Neuerungen: Der Wechsel auf die von "Battlefield" bekannte Engine Frostbite sorgte schon im Vorfeld für einige überraschte Gesichter. Die zweite große Neuheit: Zum ersten Mal enthält "FIFA 17" einen richtigen Storymodus – hierbei schlüpfst Du in die Rolle des ambitionierten Nachwuchs-Kickers Alex Hunter.

Grafik: Die neue Frostbite-Engine punktet

"FIFA 17" vertraut auf die Frostbite-Engine, die in Spielen wie "Battlefield" zum Einsatz kommt. Und der Wechsel hat sich gelohnt: Nie sah FIFA schöner aus, nie waren die Lichteffekte besser. Auch die Spielergesichter sehen einen Tick besser aus als in "FIFA 16" – und schon im Vorjahr leisteten die Entwickler diesbezüglich gute Arbeit. Vor allem Top-Spieler wie Ronaldo oder Messi profitieren von der Frostbite-Engine. Nach wie vor bleibt ein Manko: So toll die bekannten Ballkünstler auch aussehen, so viel Nachholbedarf besteht bei eher unbekannteren Spielern. Generell gilt: Je unbekannter der Fußballer, desto schwer wird es, diesen zu identifizieren. Das trübt den ansonsten ausgezeichneten grafischen Eindruck ein wenig, aber nicht entscheidend.

fullscreen
Bessere Lichteffekte dank der neuen Frostbite-Engine. (©EA 2016)

Geht es um Stimmung, um Atmosphäre, um Präsentation – dann spielt FIFA ohnehin seit jeher in einer eigenen Liga. Der aktuelle Ableger macht da keine Ausnahme. Im Gegenteil: Wohl nie war die Atmosphäre dichter als im aktuellen Teil. Das fängt bei der stimmungsvollen Präsentation vor dem Anpfiff an, vor allem die Sicht auf das Stadion ist verheißungsvoll, und hört bei emotionsgeladenen Zuschauergesängen auf. Im Hintergrund des Kommentatoren-Duos ist sogar regelmäßig der Stadionsprecher zu hören – mehr Liebe zum Detail geht kaum. Okay, die Zuschauer sind grafisch einmal mehr kein Wunderwerk.

Neuer Storymodus: Darum ist "The Journey" so gut

fullscreen
Die Story um Alex Hunter beginnt im Alter von 10 Jahren. (©Screenshot TURN ON/EA 2016)

Doch EA hat nicht nur bei der Präsentation während der eigentlichen Begegnungen gute Arbeit geleistet, sondern vor allem auch beim neuen Storymodus "The Journey". Erstmalig können FIFA-Zocker eine echte Geschichte erleben. Anders als der gewöhnliche Karrieremodus liegt hier der Fokus auf Präsentation, Emotion und der Geschichte an sich. Darum geht es: Alex Hunter ist ein hoffnungsvoller Nachwuchs-Kicker, der bereits im Kindesalter davon träumt, einmal Profifußballer zu werden. Erzählt wird die Story in aufwendigen Zwischensequenzen, die sich sehen lassen können.

fullscreen
Alex Hunter hat es geschafft: Der erste Einsatz in der Premier League. (©Screenshot TURN ON/EA 2016)

Nachdem Du als Alex Hunter im Alter von 10 Jahren den entscheidenden Elfer zum Sieg versenkst, heuerst Du Jahre später bei einem Verein der englischen Premier League an. Hier musst Du im Training und in den Spielen beweisen, dass Du in die Startelf Deines Klubs gehörst. Denn: Gesetzt bist Du zum Start Deiner Profikarriere natürlich nicht. In jedem Training und in jedem Spiel sammelst Du Punkte, ähnlich wie bei Rollenspielen, und wirst so mit der Zeit immer stärker. Im Laufe der Story triffst Du Entscheidungen, die eigentliche Geschichte verläuft aber grundsätzlich linear. Verlierst Du wichtige Spiele, musst Du erneut ran. Alle weiteren Informationen zu "The Journey" erhältst Du hier.

fullscreen
"The Journey" kann auch witzig sein: Alex stellt erstmalig im Flieger einen Sitz nach hinten. (©Screenshot TURN ON/EA 2016)

Die englische Sprachausgabe weiß zu überzeugen, deutsche Untertitel helfen beim Verstehen der Geschichte. Will man etwas an der Singleplayer-Kampagne aussetzen, dann am ehesten, dass "The Journey" einzig und allein auf die Premier League beschränkt ist. Eine Auswahl aus den wichtigsten europäischen Ligen wäre wünschenswert gewesen – ein Feature für "FIFA 18"? Auch, dass die Spielfigur des Alex Hunter in keinster Weise modifiziert werden kann, ist schade. Dennoch konnte "The Journey" positiv überraschen. Die Spielzeit von rund 16 Stunden ist mehr als ausreichend. Die Kampagne wurde ja nicht zulasten anderer Spielmodi eingeführt. Deswegen verdient EA hier großes Lob.

Nur leichte Gameplay-Optimierungen

Doch was hat sich eigentlich an der Spieldynamik verändert? Im Vergleich zu "FIFA 16" spielt sich auch der neue Titel nicht großartig anders. Noch immer ist "FIFA", anders als in früheren Jahren, eher Simulation als Action-Gekicke. Die Geschwindigkeit ist dennoch mehr als ausreichend hoch. Wer in der jüngeren Vergangenheit einmal "FIFA" gespielt, ist sofort wieder drin. Getan hat sich vor allem etwas bei den Standardsituationen.

Nie konnten Ecken präziser geschossen werden. Beim Elfmeterschießen bestimmst Du ebenfalls präzise Schussstärke, Anlauf und Richtung – was im Test erstaunlich gut funktioniert. War früher oftmals viel Glück mit dabei, so lässt sich der Elfer jetzt gezielter einnetzen. Kleinere Aussetzer gibt es bei der KI, nicht immer laufen sich Mitspieler gut frei, gerade bei Kontern kann man mitunter nur darauf hoffen, dass überhaupt jemand mitkommt. Hat man es bis in den Strafraum geschafft, gleichen sich die Abschlüsse oftmals – wenn man erst einmal den Dreh raus hat.

fullscreen
Ecken lassen sich in "FIFA 17" deutlich präziser schießen. (©EA 2016)

Fazit: "FIFA 17" ist die Fußball-Referenz

Spielerisch hat sich bei "FIFA 17" im Vergleich zu "FIFA 16" nicht wahnsinnig viel getan. Hier und da wurde an Kleinigkeiten gefeilt, die grundsätzliche Spieldynamik bleibt aber größtenteils unverändert. Die Verbesserungen liegen im Detail, erfinden das Gameplay aber nicht neu. Wer generell das Gameplay der PES-Konkurrenz bevorzugt, wird seine Meinung auch für "FIFA 17" nicht ändern. Der Wechsel der Grafik-Engine hat sich ausgezahlt, eine visuelle Explosion darf man aber nicht erwarten.

Der neue Storymodus "The Journey" ist ein echtes Highlight in "FIFA 17". Wer nicht immer nur online gegen andere Gamer antreten will, bekommt mit der Kampagne rund um Alex Hunter viel Abwechslung geboten. Mit 16 Stunden Spielzeit ist der neue Modus zudem recht umfangreich ausgefallen. EA marschiert damit in die richtige Richtung und es bleibt zu hoffen, dass die Entwickler dem Storymodus auch künftig treu bleiben.

Kurzum: Wer die FIFA-Reihe mag, wird auch "FIFA 17" lieben. Spielerisch besteht zwar nach wie vor Luft nach oben, aber jedem Geschmack kann man es ohnehin nicht recht machen. Während der eine ein schnelles Spiel bevorzugt, präferiert der andere wiederum ein taktischeres Gameplay. Klar ist aber auch: Die KI ist verbesserungswürdig – und das dürfte auch die kommenden Jahre so bleiben. Den meisten Spaß machen eben die Partien Mensch gegen Mensch. Und "FIFA 17" mit seinen umfangreichen Online-Modi punktet hier auf voller Linie. "FIFA 17" ist nicht perfekt, aber doch zurecht die Referenz bei Fußballspielen.

Artikel-Themen

Weitere Artikel zum Thema

close
Bitte Suchbegriff eingeben