"Fortnite: Rette die Welt" im Test: Funktioniert der wilde Genre-Mix?

"Fortnite: Rette die Welt" mischt Tower-Defense, Survival und Action.
"Fortnite: Rette die Welt" mischt Tower-Defense, Survival und Action. (©Epic Games 2018)
Kai Lewendoski Steuert die Heizung zuhause übers Smartphone, die Musik in der Wohnung kommt vom Home Server.

Die Hintergrundgeschichte von "Fortnite" ist schnell erzählt: Weltweit kam plötzlich ein Sturm mit violetten Wolken auf, 98 Prozent der Weltbevölkerung verschwanden – und die Zombies kamen. In dem Genremix aus Survival, Tower Defense und Third-Person-Shooter kämpfen die Überlebenden gegen die Monster. Wir wollten wissen: Macht das Spaß?

Fortnite Battle Royale
Dieser Test behandelt ausschließlich das ursprüngliche "Fortnite: Rette die Welt". Alle Infos zur populären Free-to-Play-Variante "Fortnite: Battle Royale", die erst später hinzu kam, findest Du hier.

Wenn der Spruch "Gut Ding will Weile haben" stimmt, müsste "Fortnite" ein ziemlich gutes Spiel geworden sein. Angekündigt wurde der Titel von Epic Games im Jahr 2011, der Release erfolgte erst 2017. Sechs Jahre Entwicklungszeit sind selbst für die manchmal eher gemütliche Gamesbranche eine lange Zeit.

"Fortnite" jetzt Early Access, später kostenlos

Seit 25. Juli ist das Spiel als sogenannter Early-Access-Release erhältlich. Das bedeutet: Es ist schon geplant, dass der Titel später kostenlos verfügbar wird, aber solange das Spiel nicht fertig ist, müssen die Spieler Geld bezahlen. Dafür bekommen Sie dann beispielsweise Items, Waffen und Ingame-Währung und können auch bei der Fertigstellung des Games mitwirken.  Es gibt vier verschiedene Pakete, die zwischen 40 und 150 Euro kosten.

Aber es gibt an dem Modell auch Kritik. Dass das Spiel unfertig ist, lässt sich auch nach unserem Test absolut nicht bestätigen. Hier und da gibt es vielleicht kleinere Fehler bei der Grafik und die Sprachausgabe ist noch zu womöglich unter fünf Prozent auf Englisch. Aber ansonsten macht das Game auch technisch einen absolut runden Eindruck. Das betrifft bislang auch die Server, die allem Anschein nach so großzügig dimensioniert sind, dass sie ohne Murren auch den ersten großen Ansturm bewältigt haben. Das ist bei anderen Titeln, die dann aber schon offiziell fertig sind, keineswegs immer der Fall. Der Vorwurf steht im Raum, dass die Macher aus dem Reiz des Early-Access-Modells einen finanziellen Nutzen ziehen wollen. Und das, obwohl das Spiel lange fertiggestellt ist und später Geld im Ingame-Shop mit Mikrotransaktionen verdient werden soll. Besonders transparent wirkt der Vorgang insgesamt jedenfalls nicht.

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Wenn man in "Fortnite" etwa Autos zerlegt ... (©Epic Games 2017)
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... kann man die Rohstoffe daraus einsammeln ... (©Epic Games 2017)
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... und dann Mauern errichten, um ... (©Epic Games 2017)
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... seine Basis aufzubauen. (©Epic Games 2017)
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Unreal Engine 4: Das Spiel läuft rund und sieht gut aus

Die Tatsache, dass das Spiel wirklich rund läuft, ist im Grunde ja positiv. Die neue Unreal Engine 4 besorgt die Grafik im Comic-Stil, wie etwa auch bei "Borderlands" – die wirklich gut aussieht. Die Figuren, Landschaften und Menüs sind liebevoll gezeichnet und vor allem die Charaktere wirken alle sehr stimmig. Bei den Zombies dagegen regiert etwas die Eintönigkeit, aber das ist auch gewollt.

Gar nicht eintönig ist das Gameplay, das einen wilden und bunten Genremix aus Zombie-Survival, Tower Defense wie etwa in "Stronghold" und gepflegtem Third-Person-Geballere darstellt, mit jeder Menge strategischer Elemente. Also in etwa "Plants vs. Zombies" aus der Ego-Perspektive. Der Spieler hat eine eigene Basis, die er ausbauen  muss, um sie gegen künftige Angriffe zu schützen. Dazu kann er als Hauptbaustoffe Stein, Holz und Metall verwenden. Das "Abbauen" geht beispielsweise, indem herumstehende Autos per Spitzhacke zerlegt werden. Oder man fällt Bäume und hackt Stein. Hat man einen gewissen Vorrat an Baustoffen gebunkert, kann man mit dem Bauen loslegen. Es gibt Pläne für Böden und Decken, für Wände oder auch Dächer, es lassen sich Türen und Treppen einbauen – das geht alles leicht von der Hand und macht auch richtig Spaß. Später kann die Basis noch mit allerlei Abwehrfallen und anderen Gimmicks wie Heilpads verbessert werden. Das ist auch nötig, denn die Attacken der Zombies werden immer aggressiver, je stärker die Basis ist.

Bis zu vier Spieler in einer Koop-Mission auf Zufallskarten

Gebaut werden muss auch immer wieder in den Missionen, die man zusammen mit anderen, zufällig ausgewählten Spielern startet. Das Matchmaking funktioniert prima – übrigens auch beim Verteidigen der eigenen Heimatbasis. Bis zu vier Spielern starten in einer Koop-Mission auf einer per Zufall erschaffenen Karte. Dort kann dann alles zerlegt und in Baustoffe verwandelt werden. Es gilt verschiedene Aufgaben zu erledigen, wie etwa Überlebende zu retten und bestimmte Gegenstände zu finden. Man muss aus den erbeuteten Teilen neue Munition craften und wenn alle Mini-Quests erledigt sind, wird auch in den Missionen meistens eine Basis gebaut und dann gegen die wütenden Angriffe der Monster gemeinsam verteidigt.

Stichwort Monster: Es gibt sozusagen den Basis-Untoten, aber die Variationsbreite nimmt im Spielverlauf natürlich zu. Einige Zombies schleudern Knochen, andere werfen Bomben, es gibt dicke Dinger, die jede Menge Schaden einstecken können und allerlei andere Kontrahenten. In den ersten 30 bis 40 Missionen sah es aber nicht so aus, als würde es wirklich lebensgefährliche Gegner geben und der Schwierigkeitsgrad merklich ansteigen. Gemeinsam ist es praktisch nie ein wirkliches Problem, der Zombie-Gefahr zu widerstehen. Das dürfte sich im weiteren Verlauf ändern, die eigene Basis zu verteidigen ist aber auch anfangs dann eine kleine Hürde, wenn man erstens keinen zusätzlichen Verteidiger findet und zweitens die Munition ausgeht. Der Munitionsmangel ist in der Tat ein etwas nerviges Problem, das schnell auftaucht.

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Vor den Missionen tut man sich mit drei Mitspielern zusammen ... (©Epic Games 2017)
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... und dann geht es ans Sammeln von Items ... (©Epic Games 2017)
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... wobei man aber von dicken Zombies gestört wird ... (©Epic Games 2017)
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... die dann die Basis angreifen. (©Epic Games 2017)
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Manche Fahrzeuge von Überlebenden dürfen nicht zerstört werden. (©Epic Games 2017)
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Tonnen von Pistolen, Gewehren, Macheten & Äxten

Das Arsenal an Waffenskizzen selbst ist gigantisch groß, zumal dann, wenn man ein Gründerpaket besitzt. Es gibt Tonnen von verschiedenen Pistolen, Gewehren, Macheten, Äxten und anderem wie etwa Fallen – alles kann man herstellen, sofern man die Ausgangsstoffe gefunden oder gesammelt hat. Für jede Waffenskizze stehen – wie für praktisch alle anderen Dinge im Spiel – gefühlt unendliche Möglichkeiten zum Aufrüsten zur Verfügung. Die Punkte dafür verdient man sich in den Missionen – oder kauft Lootboxen im Shop. "Fortnite" ist nicht das Game, das besonders zurückhaltend mit den Einsatzmöglichkeiten für XP-Punkte umgeht. Es gibt Skillbäume, Forschung, man kann Helden und Überlebende hochleveln – überall sind Figuren und Gegenstände die wie XP-Vampire einen unstillbaren Durst nach Erfahrungspunkten haben. Man hält dem Spieler ständig quasi eine leckere XP-Möhre vor die Nase, nach dem Motto: "Wenn Du hier noch ein paar Punkte draufpackst, dann bekommst Du aber die richtige Monsterwumme." Klar, dass es danach immer noch eine bessere Knarre gibt.

Momentan stört die XP-Gier des Games, zumal mit Gründerpaket ausgestattet, eher wenig. Später, wenn mit dem dann kostenlosen Spiel weiter gutes Geld verdient soll, kann der Hersteller jederzeit leicht die XP-Daumenschrauben anziehen und alles etwas "teurer" machen. Die einzelnen Spieler spüren das vielleicht zunächst gar nicht – und wenn, dann erst am Ende des Monats beim Blick auf den Kontoauszug. Es wird entscheidend sein, ob es hierbei eine gewisse Transparenz gibt, an der es bislang etwas mangelt.

"Fortnite" zu Beginn verwirrend – weil so viel drinsteckt

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Die Menüs im Spiel sind für Einsteiger zu Beginn ebenso ... (©Epic Games 2017)
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... verwirrend, wie auch der sehr ... (©Epic Games 2017)
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...komplexe Talentbaum, der regelmäßig mit XP gefüttert werden will. (©Epic Games 2017)
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Nicht besonders transparent, sondern eher verwirrend, sind die Menüs und die Punktvergabe. Es ist einfach auch sehr viel an Informationen, die einem das Spiel schon zu Beginn um die Ohren pfeffert. Das soll jetzt keine Kritik sein, "Fortnite" ist eben auch sehr, sehr umfangreich, was sich auch in der Spielerführung niederschlägt. Man muss damit rechnen – und sollte sich davon nicht abschrecken lassen – dass man zu Beginn nicht alles kapiert, was da passiert. Den wirklich großen Spielspaß, der aus dem Genremix resultiert und aus der liebenswerten Optik, stört das wenig. Einfach immer auf "weiter" klicken, bringt einen schon ans Ziel – und im Zweifel ist das die nächste Mission.

Genremix funktioniert super – bitte das Spiel nicht ruinieren, Epic!

Die Massen an Loot, der umfangreiche Talentbaum und vor allem die Möglichkeit einen eigene Basis zu bauen, bieten eine ziemlich mächtige Motivation. Der Genremix aus Tower Defense mit starken strategischen Elementen, die Third-Person-Ballerei mit Rollenspielcharakter und das Survival-Feeling – alles das funktioniert im Test nahtlos auch zusammen super. Die Spielwelt wirkt stimmig, das Spiel macht insgesamt einen absolut ausgereiften Eindruck und ist alles andere als unfertig. Ein tolles Game, das einen immer wieder vor den Bildschirm lockt. Es wird die Frage sein, wie sich das XP-Balancing später gestaltet und ob die Preispolitik transparenter wird und es auch bleibt. Die Verlockungen aus dem erfolgreichen Start mit schnell verkauften 500.000 Exemplaren eine Gelddruckmaschine zu machen und an den XP-Preisen zu drehen, sind sicher groß. Das würde das Spiel dann aber ruinieren. Also bitte nicht, Epic Games!

TURN-ON-Score: 4,5/5

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