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"Ghost Recon Breakpoint" angespielt: An der Technik zerbrochen?

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In "Ghost Recon Breakpoint" steht mal wieder alles auf dem Spiel. So mögen wir es doch!

Wir kennen das doch alle: Da dreht der ehemals beste Kumpel auf einmal ein bisschen durch, gründet eine paramilitärische Einsatztruppe und bringt mal eben eine ganze Insel in seine Gewalt – nervig! So geschehen in Ubisofts Taktikgeballer "Ghost Recon Breakpoint", das ich schon anspielen konnte. Hier liest Du, was mich überzeugt hat – aber auch, wo ich ein ganz großes Problem sehe.

Tom Clancy und Ubisoft, da haben sich zwei gefunden. Der amerikanische Bestseller-Autor mit Militarismus-Fetisch gibt seinen Namen auch posthum nur zu gerne für Spiele des französischen Publishers her. Nun geht die beliebte "Ghost Recon"-Reihe mit dem Ableger "Breakpoint" weiter. Auf den ersten Blick sind die Unterschiede zum Vorgänger "Wildlands" aus dem Jahr 2017 nur minimal, aber "Breakpoint" ist mehr als ein lauer Aufguss und entwickelt die Reihe sinnig weiter. Wäre da nicht die katastrophale Technik. Aber der Reihe nach.

Vier gewinnt! Oder einer. Oder keiner.

Alleine oder im Vierspieler-Koop-Modus kämpfen wir auf der fiktiven Inselgruppe Auroa ums Überleben, die Waffe immer im Anschlag. Besonders schön für überzeugte Solisten wie mich: Auf Wunsch übernehmen Bots die Rollen von menschlichen Mitspielern. Aber klar: Am meisten Spaß macht der Einsatz, wenn meine Kumpels mit dabei sind. Ich bastele mir also im rudimentären Charaktereditor meine blonde Superkillerin zusammen (denn wenn ich schon die nächsten 40 Stunden auf den Polygon-Hintern einer Videospielfigur starre, soll es doch bitte wenigstens der einer schönen Frau sein, verklag mich) und ziehe in die Schlacht.

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Für Dich ist es ein Actionspektakel. für die Ghosts ist es ein normaler Mittwoch.

Das Zusammenspiel mit Deinen Teamkameraden wird vor allem dann wichtig, wenn Du einen der schwer gesicherten Rebellenstützpunkte einnehmen willst. Natürlich kannst Du jederzeit auf Taktik und Finesse pfeifen und aus vollen Rohren ballernd stumpf nach vorne rennen. Dann droht aber schon bald der Game-Over-Screen. Cleverer ist es, vorher das Terrain in Ruhe auszukundschaften und feindliche Soldaten bequem auf dem Screen zu markieren, etwa mittels einer handlichen Aufklärungsdrohne, die jeder Ghost-Soldat immer im Gepäck hat.

Meine besten Momente in "Breakpoint" hatte ich, wenn unser sorgsam ausgeklügelter Plan ("Also, ich verstecke mich als Scharfschütze da oben, du schleichst Dich von hinten an und auf mein Zeichen öffnet ihr das Tor, okay?") schon nach wenigen Sekunden den Bach runterging. Das hektische Improvisieren, während man von zwei Dutzend wütenden Söldnern unter Beschuss genommen wird, sorgt für einen erhöhten Adrenalinpegel und schweißt zusammen. Immerhin würde ein Ghost einen Kameraden nie im Stich lassen – oder etwa doch?

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"Gottverdammtnochmal, Kevin, ich hab dir gesagt, lass die Finger vom Jägermeister!"

Gestern ein Geist, heute ein Wolf

Colonal Cole D. Walker sieht das anders. So heißt der Mann, dessen kleine Privat-Armee uns das Leben schwer macht. Walker war selber mal ein Ghost, ist aber abtrünnig geworden und hat sich mit seiner neuen Gang, den Wolves, das Archipel Auroa unter den Nagel gerissen. Damit kontrolliert er die Heimat des High-Tech-Konzerns Skell Technology – und der hat Zugriff auf einige extrem mächtige Waffen ...

Schauspieler Jon Bernthal verkörpert den Verräter Walker mit seiner ureigenen Mischung aus Härte und einem Anflug von Verletzlichkeit. Du kennst ihn wahrscheinlich als Shane aus den frühen "The Walking Dead"-Staffeln und als Marvels "Punisher". Dort lieferte er kraftvolle Performances ab,  in "Breakpoint" war davon aber leider nicht viel zu sehen. Grimmige Mienen, geknurrte Befehle, unrechtmäßige Erschießungen und moralische Selbstzweifel, alles immer eine Spur zu steif und zu künstlich, um wirklich mitreißend zu wirken. Kurz: Die Zwischensequenzen in "Ghost Recon Breakpoint" sind nicht gerade oscarverdächtig.

Gut möglich, dass Bernthal noch ein paar absolute Weltklasse-Szenen hat und sich einen Platz auf der Liste der besten Gaming-Bösewichte erspielt. Auf mich hat er beim Anspielen aber noch keinen großen Eindruck hinterlassen.

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Immerhin: So öde wie Kit Harrington als Gegenspieler in "Call of Duty" kann Bernthal gar nicht sein.

Ich bin ein Ghost, holt mich hier raus!

Es gibt einen Skilltree, über den ich immer neue Fertigkeiten freischalte, ein simples Crafting-System, eine integrierte PvP-Arena für 4-gegen-4-Gefechte und nach Release natürlich jede Menge Updates, Events und frische Inhalte – "Ghost Recon Breakpoint" liest sich wie ein Best of aller Actionspiele der letzten fünf Jahre. Und tatsächlich, mit atemberaubenden Innovationen kann der Ubisoft-Titel nicht punkten. Dafür aber mit einer toll inszenierten Spielwelt.

Auroa ist nicht nur um ein Vielfaches größer als das nachgestellte Bolivien aus "Wildlands",  es bietet auch mehr Abwechslung. Im Laufe der Story kämpfst Du Dich durch den dichten Dschungel, erklimmst verschneite Berggipfel oder genießt das Panorama am funkelnden Sandstrand. Und ich muss zugeben, dass mich die detaillierte Welt am meisten begeistert hat – zumindest das, was ich von ihr sehen konnte. Der Urwald wirkt, wie ein digitaler Urwald wirken muss: geheimnisvoll und bedrohlich und üppig; man kann die schwüle Dschungel-Luft förmlich atmen, spürt den Matsch an den Beinen, hört die Insekten summen.

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Die Spielwelt muss sich lebendig anfühlen – hier punktet "Ghost Recon Breakpoint".

Ich habe mich beim Anspielen auch direkt verlaufen. Während mein Squad fröhlich pfeifend im Helikopter zum nächsten Einsatz aufbrach, rannte ich planlos durchs Unterholz, weil ich dachte, ich könnte vielleicht eine Abkürzung nehmen. Erfolglos versuchte ich, steile Felswände zu erklimmen und mir meinen Weg durchs Dickicht zu bahnen, was meinen Stamina-Balken alle paar Sekunden auf null brachte. Die Folge: Ich musste notgedrungen einen langen Fußmarsch zum nächsten Questmarker unternehmen.

Das hat mich aber nicht geärgert, im Gegenteil: Die Unberechenbarkeit und Lebendigkeit des virtuellen Dschungels haben mir imponiert. Immerhin befinden sich meine Ghosts hier in Feindesland, der Dschungel ist nun mal kein Spielplatz – und wer unbedachte Ausflüge unternimmt, geht im schlimmsten Fall eben verloren. Ich freue mich sehr darauf, auch die weiteren Gebiete von "Ghost Recon Breakpoint" zu erkunden.

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So viel zu beschießen, so wenig Zeit.

Die Technik ist der Bruchpunkt

So könnte ich dieses Preview auf einer positiven Note beenden – wäre da nicht die katastrophale Technik. Die Version, die ich anspielen konnte, war voller Bugs und Fehler. Mehrmals blieb meine blonde Soldatenkönigin in der Levelarchitektur hängen, Leichen schwebten ein paar Meter über dem Boden, die Waffen in den Händen meiner Mitspieler wurden plötzlich unsichtbar. Kollegen berichteten von einem Disco-Boden (die Bodentexturen flackerten auf einmal wie blöd), einer ist sogar komplett aus dem Level ins Nichts gestürzt. Das darf bei einem AAA-Spiel eines renommierten Herstellers einfach nicht passieren.

Ich habe nachgefragt: Die Anspielversion war angeblich acht Wochen alt. Das stimmte vielleicht, vielleicht auch nicht. Wieso zeigt uns Ubisoft eine derart veraltete, technisch unsaubere Fassung, wenn es mittlerweile einen neueren Code gibt? Immerhin läuft heute ab 12 Uhr die offene Beta. Und wenn die nicht auf einer aktuelleren Version basiert, gehe ich freiwillig ins Dschungelcamp. Den Satz "Das wird noch verbessert" habe ich schon so oft gehört. Und je näher ein Anspieltermin am eigentlichen Release liegt, desto skeptischer werde ich – ein paar Tage vor dem Verkaufsdatum ist der Drops gelutscht, Leute, da wird nichts mehr verbessert.

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Schließlich ist so ein Videospiel ein bisschen komplexer als ... das da.

Ich hoffe wirklich, dass Ubisoft die letzten paar Wochen genutzt hat, "Ghost Recon Breakpoint" auf Vordermann zu bringen und die zahlreichen Technik-Schnitzer zu beheben. Wäre nämlich echt schade, wenn der nächste Blockbuster in halbfertiger Ruckel-Zuckel-Fassung auf den Markt käme und Käufer der ersten Stunde die Angeschmierten sind. Denn trotz des ganzen Macho-Gehabes, das die Tom-Clancy-Spiele nun mal ausmacht, habe ich große Lust auf "Breakpoint" – und sei es nur wegen der wunderschönen Spielwelt.

Drücken wir die Daumen, dass die Serie nicht ihren persönlichen Bruchpunkt erreicht hat.

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Dieses Symbolbild lassen wir mal unkommentiert.

Release
"Ghost Recon Breakpoint" erscheint am 4. Oktober 2019 für PC, PS4 und Xbox One.

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