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"GreedFall" will nicht einmalig sein – und ist gerade deshalb gut

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Keine Experimente, dafür gelungen: "GreedFall" ist angenehm bescheiden.

Neue Gameplay-Mechaniken, nie zuvor gesehener Detailreichtum oder grenzenlose Freiheit – drei Features, die man in "GreedFall" vergebens sucht. Trotzdem habe ich mit dem Action-Rollenspiel Spaß, weil Erwartungen und Realität hier endlich mal nicht weit auseinander liegen.

Dem Vergleich mit BioWare-Games wie "Dragon Age" muss sich "GreedFall" in so gut wie jedem Spielbericht stellen. Kein Wunder: Das Rollenspiel des französischen Entwicklers Spiders streut Salz in eine Wunde, die von Singleplayer-Fans schon länger beklagt wird. Spätestens, seit BioWare sich mit "Anthem" reichlich verhoben hat, steht das Einzelspieler-RPG als solches scheinbar mal wieder ganz oben auf der Liste der bedrohten Spielegenres – zumindest im Triple-A-Bereich. Gut, dass kleinere Games wie "GreedFall" hier in die Bresche springen.

Vermittler zwischen den Welten – nicht neu und trotzdem interessant

In einer magischen Fantasy-Welt bricht mein Spielcharakter auf, um als Diplomat einen geheimnisvollen neuen Kontinent zu erforschen und dort hoffentlich ein Heilmittel für eine schreckliche Seuche namens Malichor zu finden. Verschiedene Fraktionen kämpfen in der neuen Welt um ihre Interessen – darunter religiöse Fanatiker, skrupellose Wissenschaftler und eingeborene Völker. Als friedliebender Vermittler oder eigennütziger Lobbyist löse ich Konflikte, mal im Gespräch, mal im Kampf. Nichts daran ist einzigartig für ein Spiel, nicht mal das koloniale Setting um einen mysteriösen unentdeckten Kontinent erscheint sonderlich originell.

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Skillbasierte Dialogbäume? Check!

Dafür fühle ich mich in "GreedFall" in Sachen Gameplay direkt zuhause: Hier gibt es einen übersichtlichen Charaktereditor mit drei Klassen zur Auswahl, ein noch übersichtlicheres Kampfsystem mit taktischer Pause, sowie verschiedene Begleit-Figuren, für die ich Loyalitäts-Quests erledige, um sie dann auf Wunsch hart anzuflirten. In der Spielwelt Tír Fradí, die in mehrere Open-World-Gebiete portioniert ist, erledige ich Erkundungen, vermittle zwischen streitlustigen NPCs und bekämpfe Unrecht und Wildgetier auch mal mit Waffengewalt.

Wiedersehen mit bekannten Rollenspiel-Elementen

Zum Lösen von Missionen, Nebenquests und Kampagnen-Aufgaben stehen fast immer unterschiedliche Lösungswege zur Auswahl. Um das Lagerhaus einer Fraktion zu untersuchen, kann ich mich etwa an den Wachen vorbeischleichen, mich als einer der ihren verkleiden oder das Warenlager mit gezogenen Waffen stürmen. Dabei immer im Blick: mein jeweiliger Ruf bei den unterschiedlichen Fraktionen.

Klingt alles bekannt? Allerdings: "GreedFall" bedient sich an allem, was seit Jahren zum Standardpaket eines soliden Rollenspiels gehört. Gut so!

Es mag daran liegen, dass ich als Spieleredakteur berufsbedingt etwas abgestumpft bin, aber mir dämmert, manchmal liegt ein Hauch Vollendung in der Einfachheit. Die Werbeversprechen der Publisher klingen mir in den Ohren: Millionen von Waffenvariationen ("Borderlands 3"), unzählige Herausforderungen ("Ghost Recon Breakpoint"), völlige Freiheit bei Spielentscheidungen ("The Outer Worlds")! Das alles braucht es aber manchmal gar nicht, damit ein Game Spaß bringt. Und wenn ich mich an anderer Stelle darüber beschwere, dass ein Spiel nichts wirklich Neues liefert (wie etwa beim VR-Shooter "Blood & Truth"), dann liegt das daran, dass mir das in der Bewerbung zumindest augenscheinlich versprochen wurde.

Das Highlight von "GreedFall": Keine Fetch-Quests

"GreedFall" schlägt da eindeutig leisere Töne an. Trotzdem handelt es sich bei dem Rollenspiel nicht um Meterware, im Gegenteil: Hier stehen Charakterentwicklung und die Geschichte im Vordergrund und dafür wurde viel Mühe investiert.

Ein Indikator dafür: Es gibt in der gesamten Kampagne mit ihren etwa 80 Quests und rund 35 Stunden Spielzeit keine einzige Fetch-Quest, wie Games Radar hervorhebt. Laut Spider-Geschäftsführerin Jehanne Rousseau gibt es zwar durchaus Missionen, bei denen ein Gegenstand gebaut oder gefunden werden soll. Aber: "Das Ganze wird sehr stark von der Erzählung gestützt und wird jedes Mal Sinn ergeben".

Klischeehafte Dialoge, störende Bugs und ungenaue Kampfsteuerung gibt es auch hier, und "GreedFall" ist wohl auch kein Anwärter auf den Titel "Game des Jahres". Aber es ist ein Spiel, das eben mal nicht zu viel will und bei dem es mir ganz einfach Spaß bringt, die Charaktere und ihre Welt kennenzulernen.

Manchmal braucht es gar nicht mehr, um ein Game zum Geheimtipp zu machen.

Release

"GreedFall" ist am 10. September 2019 für PC, PS4 und Xbox One erschienen.

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