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"Hitman" angespielt: Wie schlägt sich Agent 47 im Test?

Hitman
Hitman (©Square Enix 2016)

Nachdem der letzte echte Teil der "Hitman"-Serie schon 2012 erschien, wurde es Zeit für ein Reboot: Mit neuen Aufträgen mordet sich Agent 47 wieder durch die mafiösen Welten der Schönen, Reichen – und Bösen. Der Spieler muss seinen modernen Assassinen durch komplexe Level lenken und dabei möglichst unentdeckt töten.

Das Reboot der Serie "Hitman" startet beim Beginn der Geschichte: Agent 47 wird von seinem Auftraggeber der Agency auf seine Tauglichkeit getestet. Es gibt im Grunde drei Tutorial-Level in der Trainingseinrichtung der Geheimbehörde, die vor dem eigentlichen Spiel zu absolvieren sind. Zuerst geht es auf eine Jacht, auf der halbseiden und größenwahnsinnig das Killer-Ziel Kalvin Ritter mit den anwesenden Frauen flirtet. Da der Weg über die Gangway für einen Killer natürlich versperrt ist, müssen wir den Eingang für die Mechaniker nehmen, wo das Auto des Jacht-Besitzers parkt. Da unser Killer bereits vorher einen einsamen Mechaniker hinterrücks erledigt und in einen abgeschlossenen Raum geschleppt hat, kommt er an dessen Kollegen dank Verkleidung als Mechaniker problemlos vorbei. Über die Küche, wo der Koch in der Tiefkühltruhe landet, geht es dann zum Oberdeck, wo eine wilde Party im Gange ist. Um nicht aufzufallen, stellen wir Agent 47 an die Bar, wo er sein Opfer in aller Ruhe beobachten kann.

Das Trainingsgelände ist aus Holz nachgebaut

Der Auftrag wird erledigt, indem sich der gedungene Mörder vorbei an der Wachen auf die Brücke schleicht und dort nicht nur sein Ziel, sondern auch dessen Gesprächspartner erledigt – bevor dieser laut schreiend wegrennt. Von der Jacht mit heiler Haut wieder herunterzukommen, ist kein Problem – und der Auftrag ist erfolgreich abgeschlossen. Um das Training erfolgreich zu absolvieren, soll der erste Auftrag noch einmal im freien Modus durchgespielt werden, danach folgt eine weitere Trainingsmission, bei der es um einen russischen Schachspieler geht. Das Trainingsgelände ist übrigens als solches gut zu erkennen, denn die Umgebung besteht sichtbar aus Holzkulissen – liebevoll und witzig gemacht.

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Im jetzt zum Spielstart veröffentlichten Umfang ist in "Hitman" außer dem Tutorial noch der Level Paris enthalten. Dort sind auf einer Modeschau die finsteren Besitzer der veranstaltenden Modefirma das Ziel des Attentäters. Im Gegensatz zu den überschaubaren Trainings-Schauplätzen ist dieser Level wirklich riesig geraten. Überall stehen gefühlt Hunderte Gäste und bilden ein dichtes Getümmel. Wachleute, Models und Stylisten runden die ziemlich echt wirkende Szenerie ab. Theoretisch ist es möglich, mit jeder dieser vom Computer gesteuerten Figuren zu interagieren. Zumindest kann man jeden KI-Charakter ohnmächtig würgen oder töten – um sich seine Klamotten zu schnappen und sich zu verkleiden. Andere Level gibt es in "Hitman" bislang nicht, diese folgen etwa im Monatsabstand. Im Laufe des Jahres sollen für das Spiel insgesamt sieben Episoden auf den Markt kommen. Als Hersteller Square Enix diese Nachricht vor ein paar Wochen verkündete, war die Überraschung zunächst groß.

Große Komplexität und wahnsinnig viele Details

Aber noch einmal zu Paris und der Mission "Showstopper": Auf der Sanguine Fashion Show gilt es, den Oligarchen Viktor Novikov und dessen Frau Dalia Margolis auszuschalten. Das Modelabel ist nur Tarnung für die gefährliche geheimdienstliche Agententätigkeit des üblen Pärchens. Die beiden gehören zum Spionagenetzwerk IAGO, das für viele Security-Leaks mit schlimmen Folgen verantwortlich ist. Der Paris-Level zeigt, wohin die Reise mit "Hitman" geht: Große Komplexität, wahnsinnig viele Details und noch mehr Möglichkeiten, einen Auftrag zu erledigen. Dass man sich in dem riesigen Areal zunächst verläuft, ist fast unvermeidlich. Und den richtigen Weg zu finden, sein Opfer zu töten, ist auch nicht gerade einfach.

Denn die KI-Wachen sind in der Regel extrem streng und wachsam – und überaus misstrauisch. Zwar scheinen manche mal zum Optiker zu müssen, weil deren Sichtweite doch begrenzt ist. Das ist natürlich vom Spieldesign her nötig, wirkt aber auch bei "Hitman" wieder seltsam. Hat Dich die Wache aber erst einmal auf dem Kieker, gibt es dagegen fast kein Entrinnen mehr. In den Nahkampf zu gehen ist selten ratsam, da meist drei bis vier andere Wachleute heraneilen – und bei denen sitzt die Knarre überaus locker. Der beste Weg ist immer noch, sich ans Ziel heranzuschleichen, Deckung zu suchen, leise zu sein und die Kontrahenten abzulenken.

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Großartig ist die gesamte Präsentation von "Hitman" im Test. Bis auf den leicht sterilen Look, der aber auch serientypisch ist, wirken die Locations wahnsinnig echt. Auf einem "Hitman"-Event Mitte März durften Journalisten bereits die nächste Location anspielen: die italienische Stadt Sapienza. Dieser Einsatzort sieht wirklich richtig bombastisch aus – soviel darf und kann man jetzt schon verraten. Man muss die komplette Stadt durchstreifen und hat unzählige Side-Quests zu erledigen, die Agent 47 aber jeweils dem Ziel immer etwas näher bringen. Was die Entwickler von IO Interactive hier hingezaubert haben, ist teils absolut atemberaubend. Und auch die dann folgende Location Marrakesch ist mit dem dortigen Basar riesig und ein absoluter Hammer.

Röntgenblick geht durch die Wände

Die extrem komplexen und großen Spiel-Orte laden geradezu dazu ein, sich dort zu verlaufen und zu verlieren. Die Interaktionsmöglichkeiten nach dem Sandbox-Prinzip sind riesig. Manchmal wünscht man sich Hilfestellung beim Test, wenn man so gar nicht weiß, wie es weitergehen soll. Immerhin haben die Entwickler den Instinkt eingebaut, eine Art Röntgenblick, der durch alle Wände hindurch das Ziel und die Gegner anzeigt.

In Sachen Gameplay erwartet den Spieler gewohnte, aber keineswegs langweilige Kost. Klar, es geht wieder darum, sich an seine Opfer heranzupirschen und dann von hinten zum Drosselgriff anzusetzen. Man hat die Wahl, ob der Kontrahent einfach irgendwo sicher verstaut wird, dass keiner den leblosen Körper sehen kann. Oder aber man kann auch den Genickbruch anwenden, der das Opfer dann dauerhaft aus dem Verkehr zieht. Als Waffe kann fast alles benutzt werden: ein Schraubenschlüssel, eine Schere oder Fässer, die man dem Opfer auf den Schädel krachen lassen kann.

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Der Attentäter wartet auf sein Ziel. (© 2016)

An Kritikpunkten ist beim Anspielen in unserem Test kaum etwas aufgefallen. Grafikfehler lassen sich durch Korrektur der Einstellungen leicht beseitigen, die KI scheint überall zu funktionieren. Manchmal wirken manche KI-Figuren etwas stereotyp – aber das ist Klagen auf hohem Niveau. Die Steuerung funktioniert per Pad wie auch per Tastatur und Maus tadellos und die Animationen wirken manchmal ein wenig steif – aber auch das ist man von der Serie gewohnt. Unterm Strich erwartet den Spieler eine Art riesiges, belebtes actionreiches grafisch prächtiges Spiel mit unglaublich vielen Möglichkeiten und Variationen, das auch eine hohe Wiederspielbarkeit bringt. "Hitman" kommt für PS4, Xbox One und Windows 10 auf den Markt.

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