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"Horizon Zero Dawn" für PC: Die beste Version, aber nicht perfekt

"Horizon Zero Dawn" ist jetzt auch auf Windows-Rechnern spielbar.
"Horizon Zero Dawn" ist jetzt auch auf Windows-Rechnern spielbar. Bild: © Sony Computer Entertainment Europe 2017

Dreieinhalb Jahre nach dem PS4-Release ist "Horizon Zero Dawn" auch auf dem PC spielbar. Die Portierung des Open-World-Rollenspiels liefert das ab, was sich Fans erhofft hatten: das vollumfängliche "Horizon"-Erlebnis inklusive DLC "The Frozen Wilds" mit noch schönerer Optik sowie besserer Performance. Ohne Makel ist sie aber nicht.

Nach "Death Stranding" bringt Sony in kurzer Folge sein zweites ehemaliges PS4-Exklusivspiel auf den PC: "Horizon Zero Dawn" teilt sich mit Hideo Kojimas Paketboten-Epos die Programmierumgebung (Engine) namens "Decima", die das für "Horizon" verantwortliche Studio Guerrilla Games selbst entworfen hat. "Death Stranding" büßte im gelungenen PC-Port nichts von seiner Schönheit ein, also ist Ähnliches auch vom Open-World-Abenteuer der Jägerin Aloy in einer Welt voller Roboter-Tiere zu erwarten – oder?

Ja. Das Spiel erfüllt in der Windows-Version die Erwartungen – wenn auch mit Abstrichen.

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Mit Aloy durch Maschinenland – flüssig wie nie

Beginnen wir mit dem Positiven und hier vor allem mit der Feststellung, dass "Horizon Zero Dawn" auf einem entsprechend ausgestatteten PC das flüssigere, schönere Spielerlebnis im Vergleich zur PS4-Version bietet. Das sollte nicht überraschen, trotzdem ist es ein gutes Gefühl, erstmals die Steuerung über Aloy zu übernehmen und sie in 60 Bildern pro Sekunde durchs Tutorial zu manövrieren – die PS4-Version ist bekanntlich auf 30 FPS festgesetzt. Auch mit der PS4-Rate ist das Spiel ohne Zweifel gut spielbar, wer die PC-Version testweise auf 30 Bilder herunterschraubt, will aber zu den 60 FPS zurück.

Testsystem
Wir haben "Horizon Zero Dawn" für diesen Test auf einem PC mit den folgenden Specs gespielt:

  • CPU: Intel i7-10700
  • GPU: Nvidia GeForce 1660 Super
  • Arbeitsspeicher: 16 GB RAM
  • Speicher: Samsung 970 EVO NVMe M.2 SSD
  • Monitor-Auflösung: 1920 x 1080 Pixel
  • Eingabegeräte: Maus/Tastatur, Xbox-One-Controller

Viele Einstellmöglichkeiten für Grafik & Performance

Sicher, um die flüssige Bildrate zu erreichen, ist erst einmal ein System notwendig, das sie überhaupt stemmen kann. Immerhin bietet "Horizon Zero Dawn" auf dem PC reichlich Einstellmöglichkeiten, um die Grafik und Performance auf den eigenen Rechner zu optimieren. Praktisch: Es gibt ein Grafik-Preset namens "Original", das das Aussehen der PS4-Version nachbildet und der Voreinstellung "Mittel" entspricht. Von dieser Grundlage aus lassen sich einzelne Einstellungen dann verändern und nach oben oder unten anpassen.

Neben der "Original"-Voreinstellung gibt es drei weitere Presets:

  • "Leistung bevorzugen" entspricht im Grunde" Niedrig" und schraubt die Optik im Vergleich zur PS4-Version zurück.
  • "Qualität bevorzugen" setzt Einstellungen wie Detailgrad, Schatten und Kantenglättung im Vergleich zur PS4-Version hoch.
  • "Ultimative Qualität" dreht die Grafikeinstellungen aufs Maximum.
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Zu allen Einstellungen des Grafikmenüs gibt es erklärende Tipps. Bild: © Sony/Screenshot TURN ON 2020

Wirklich hässlich ist "Horizon Zero Dawn" in keiner der Voreinstellungen. Klar, das niedrigste Preset offenbart ein paar raue Kanten, vor allem bei Charaktermodellen und Begrünung. Alles vom "Original"-Preset aufwärts ist aber absolut annehmbar und auf der PS4 sieht das Spiel ja auch gut aus. Teils stellt sich sogar die Frage, ob manche Einstellungen überhaupt Verbesserungen bringen – dazu mehr im zweiten Teil dieses Reviews.

Breitbild, HDR & FOV-Slider bringen ein tolles Panorama

Zusätzlich zum Grafik-Feintuning erlaubt die PC-Version das Einstellen der Auflösung bis auf 4K (bei unterstützten Monitoren) und das manuelle Festsetzen auf bestimmte Framerates. Theoretisch ist die Bildrate unbegrenzt, eine V-Sync-Funktion ist eingebaut. HDR und Breitbild-Support bis zu einem Seitenverhältnis von 32:9 schenken Besitzern entsprechender Bildschirme ein tolles Panorama der Postapokalypse des Spiels. Wer mehr von der Natur sehen will, kann außerdem die Blickfeld-Breite ("field of view" oder "FOV") einstellen – also wie weit die Kamera von Aloy entfernt sein soll.

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Breitbild lässt sich auch auf einem 16:9-Monitor einstellen, bringt dann aber breite schwarze Balken mit sich. Bild: © Sony/Screenshot TURN ON 2020

Bogenschießen mit der Maus: Nie wieder ohne!

Ein eher haptischer und Präzisions-Vorteil der PC-Version ist die Möglichkeit, das Spiel mit Maus und Tastatur zu spielen. Die Controller-Steuerung ist für das Laufen durch die Landschaft zwar immer noch erste Wahl, speziell das Zielen mit Pfeil und Bogen geht aber mit den PC-Eingabegeräten unendlich viel leichter von der Hand.

Im Verbund mit dem flüssigeren Bild wirken die Kämpfe gegen Roboter-Tiere rasanter, gleichzeitig kann ich schneller reagieren und Manöver durchziehen, die mir auf dem PS4-Controller nie gelungen wären. Wer Maus und Tastatur nutzt, bekommt auf jeden Fall eine ausgereifte Übersetzung der Steuerung.

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Endlich Scharfschützin: Mit Maus und Tastatur sitzen deutlich mehr Pfeile als mit Controller. Bild: © Sony Computer Entertainment Europe 2017

Zwischenfazit: Ein zufriedenstellender PC-Port – aber ...

Reichlich Einstellmöglichkeiten bei der Optik, flüssiges Spielerlebnis, gute Steuerung – alles perfekt beim PC-Port von "Horizon Zero Dawn" also? Nun, nicht ganz. Die Version hat Optimierungsschwächen, die vor allem Spieler mit älteren Systemen spüren dürften – oder Besitzer einer High-End-Maschine, denen es auf jeden kleinen Pixel und jedes Quäntchen Leistung ankommt.

Für alle, die einen halbwegs modernen Gaming-PC mit mindestens einer Grafikkarte der Mittelklasse haben und "Horizon Zero Dawn" in HD-Auflösung mit 60 Bildern pro Sekunde und schöner als auf der PS4 spielen wollen, gilt das Zwischenfazit: Der Port liefert.

Wo "Horizon Zero Dawn" auf dem PC strauchelt

Ich will ehrlich sein: Ich bin kein PC-Hardware-Profi. Detaillierte Performance-Analysen, Pixelzählereien bei jedem Hintergrund-Asset und exakte Aufschlüsselung der Leistungsverteilung auf Rechner-Komponenten können andere viel, viel besser – zum Beispiel das Magazin Digital Foundry.

Dessen Redakteur Alex Battaglia hat einen aufschlussreichen Artikel und ein Video zum PC-Port von "Horizon Zero Dawn" veröffentlicht, in dem er die Portierung als "enttäuschend" kritisiert. Seine Kern-Kritik zielt dabei auf die schlechte Optimierung des Spiels auf dem PC. Und auch, wenn ich seine Beobachtungen im Detail nicht selber hätte machen können – die Auswirkungen sind mir nicht verborgen geblieben.

Tatsächlich fiel es mir relativ schwer, die Balance zwischen Optik und Performance auf konstante 60 FPS auszutarieren. Sicher, das ist auch eine Frage des persönlichen Ehrgeizes und wem das nicht so wichtig ist, der kann im Zweifel einfach die Details niedriger setzen als nötig. Battaglia stellt aber auch fest, dass Features wie die FPS-Limitierung, das eingebaute V-Sync und die dynamische Auflösung ungenau arbeiten und rät von der Verwendung eher ab. Außerdem kritisiert er, dass einige Einstellmöglichkeiten erhebliche FPS-Einbußen mit sich bringen, aber wenig an der Optik ändern.

Ressourcenhunger dank mäßiger Optimierung

Der visuelle Unterschied zwischen "Ultimative Qualität" und "Original" scheint in einem Missverhältnis zu den Performance-Kosten zu stehen – das fällt durchaus auch Laien auf. Da "Horizon Zero Dawn" grundsätzlich gut aussieht, wird das die meisten Spieler nicht allzu sehr stören. Wer es auf maximale Optimierung anlegt oder für ein schwächeres System darauf angewiesen ist, ist aber gewarnt: Das Spiel ist ressourcenhungrig.

Blöd für Besitzer einer RTX-Grafikkarte: Raytracing wird nicht unterstützt, die KI-gestützte Auflösungs-Skalierung DLSS auch nicht. Schade: Bei "Death Stranding" sorgt DLSS für erstaunliche Ergebnisse und einen Performance-Zuwachs, der bei "Horizon Zero Dawn" wirklich sinnvoll wäre.

Kleinere Ärgernisse des PC-Ports sind gelegentliche Bild-Stotterer an nicht wirklich nachvollziehbaren Stellen. Die sind manchmal kurzzeitig störend, schränken das Gameplay aber nicht großartig ein. Gewöhnungsbedürftig ist außerdem, dass das Spiel beim ersten Start gut zehn Minuten lang oder noch deutlich länger die Einstellungen optimiert.

Manche Tester berichten, dass dieser Vorgang nach jedem Aktualisieren des Grafikkartentreibers wiederholt wurde. Ich musste ihn nur einmal durchlaufen, hatte aber bereits den aktuellsten Treiber installiert. Im eigentlichen Spiel sind die Ladezeiten völlig im Rahmen, bei allem anderen hilft hoffentlich irgendwann ein Patch.

Fazit

Trotz Schwächen bei der Optimierung ist "Horizon Zero Dawn" auch auf dem PC sein Geld wert. Voraussetzung ist ein einigermaßen zeitgemäßer Rechner mit einer ausreichend guten Grafikkarte. Gut möglich, dass Du außerdem einige Zeit im Optionsmenü verbringen wirst, bis Du zufriedenstellende Einstellungen gefunden hast.

Wer einen High-End-PC besitzt, sollte sich damit anfreunden, dass "Horizon Zero Dawn" nicht das Optimum aus dessen Leistung herausholt. Besser als auf der PS4 dürfte das Spiel aber auf den meisten Gaming-Rechnern laufen – und über die spielerische Qualität von Aloys Abenteuer ist eh alles gesagt.

Horizon Zero Dawn
Horizon Zero Dawn
  • Datenblatt
  • Release-Datum
    01.03.2017
  • Genre
    Open-World-Adventure
  • Plattform
    PS4
  • Publisher
    Sony Computer Entertainment
  • Entwickler
    Guerrilla Games
  • USK
    12
TURN ON Score:
4,5von 5
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