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"Mafia 3" im Test: Packende Gangster-Story mit Na-ja-Grafik

Ist "Mafia 3" der erwartete Kracher geworden?
Ist "Mafia 3" der erwartete Kracher geworden? (©2K Games/Hangar 13 2016)

Es sollte der Action-Knaller im Herbst werden! "Mafia 3" ist nach fünf Jahren die langersehnte Fortsetzung des Gangsterspiels rund um die Mafiosi in den USA. Das Spiel wurde auf den Gaming-Messen im Vorfeld mit coolen Trailern und heftigem Gameplay angekündigt – das machte extrem Lust auf mehr! Jetzt ist das Gangster-Epos erschienen. Neben einer großartigen Inszenierung fallen aber vor allem einige Baustellen auf, bei denen sich der Entwickler mehr Mühe hätte geben können und müssen. Der Test.

Die Grafik

Allem voran steht die Grafik von "Mafia 3". Während bei den Demos im Vorfeld alles sehr gut ausgeleuchtet war, die Kontraste für eine optimale Stimmung gesorgt haben, die Farben intensiv waren und das Spiel super flüssig lief, ist das Endprodukt vor allem auf dem PC extrem enttäuschend. Denn hier lief das Spiel zum Release nur mit einer Framerate von 30 fps – wie auf den Konsolen. Im Internet hatten sich sehr viele Käufer beschwert und siehe da, ein Patch hat die Framebegrenzung ein paar Tage später aufgehoben. Spieler berichten trotz Update aber immer noch von plötzlichen, unerklärlichen Abstürzen von "Mafia 3". In unserem Test hatten wir allerdings zu keiner Zeit einen Absturz des Spiels und können das nicht bestätigen.

Leider ändert die bessere Framerate nichts an den Grafik-Problemen des Spiels. Immer wieder gibt es seltsame Artefakte durch falsche Kontraste oder Sprünge in der Helligkeit. Manchmal ist der Bildschirm total hell überstrahlt oder komplett dunkel unterbelichtet. Auch wenn die Wolken über uns hinweg ziehen, wird es plötzlich hell und dunkel. Das hat leider eher den Effekt wie in einem Zeitraffer, weil die Schattierungen keinen langsamen Übergang bekommen, sondern hart zwischen "Wolke da, also dunkel" oder eben andersherum umspringt. Auch versinken einige Menschen beim Gehen oder Autos beim Fahren halb im Boden oder hängen irgendwo fest und zuckeln verrückt. Dazu kommen zahlreiche Spawning-Fehler oder gar fehlende Markierungen auf der Karte. Bei einem Spiel, das eine Grafikbombe hätte sein können, sehr unbefriedigend.

Die gerenderten Zwischensequenzen sehen aber im Gegensatz dazu richtig gut aus und trumpfen mit ihrer cineastischen Erzählweise auf. Auch die Schatten von Gegenständen wie Lampen auf der Straße oder die Reflexionseffekte im Wasser gefallen uns sehr gut.

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Die Nebenmissionen laufen in "Mafia 3" meist gleich ab. (©2K Games 2016)

Die Story

In "Mafia 3" spielen wir den Waisen Lincoln Clay. Er ist gerade aus dem Vietnam-Krieg zurückgekehrt und gibt sich sofort wieder der Kriminalität hin. Denn das hat er auch vor seinem Einsatz tagein tagaus gemacht. Blöderweise werden er und seine Partner bei einem Deal reingelegt. Seine gesamte Ersatzfamilie wird ausgelöscht, er selbst geht ebenfalls fast drauf. Ein guter Grund um Rache zu schwören und sich nach und nach die gesamte Stadt unter den Nagel zu reißen, um den gegnerischen Mafiosi Marcano aus der Welt zu schaffen.

Das Spiel erschafft sich dafür die große, fiktive Stadt New Bordeaux, die aber an das echte New Orleans angelehnt ist. Besonders die Inszenierung der Umgebung und der Story sind mitreißend und machen total viel Spaß. So landen wir zum Beispiel während einer Flucht mitten in der typischen "Mardi Gras"-Parade (zu Deutsch: „fetter Dienstag“), einer Art Karnevalsumzug.

Ein bisschen mehr Geschichte rund um den Protagonisten wäre noch wünschenswert gewesen, um ihn besser verstehen zu können. Wobei sich wahrscheinlich sowieso nur wenige Spieler mit dem brutalen Kriegsveteranen auf Blutrache-Kurs identifizieren können.

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Die Gegner in "Mafia 3" sind nicht gerade schlau. (©2K Games/Hangar 13 2016)

Das Gameplay

Das Gameplay in "Mafia 3" besteht aus Action-Passagen, die Du per Schleichen oder Kämpfen und Schießen absolvieren kannst, einem Open-World-Teil zum Erkunden und der großen Geschichte, bei der wir nach und nach die Stadt übernehmen. Dafür müssen wir jedes Mal gleich vorgehen. In einem neuen Stadtteil bekommen wir von einem Informanten Wissenswertes über den Boss. Dann finden wir auf der Map einige Ziele, die wir abarbeiten. Hier legen wir entweder jemanden um oder verhören jemanden oder zerstören irgendwas. Wie wir jeweils vorgehen, bleibt uns überlassen. Enttäuschend war nur immer wieder die KI der Gegner. Die kriegen kaum mit, dass wir vor ihren Augen einen ihrer Leute ausschalten und kommen stattdessen total überrascht an, wenn wir von unserem Versteck aus pfeifen.

Nachdem wir den Unterboss dann finanziell durch besagte Aktionen geschwächt haben, können wir ihn uns vorknöpfen und entweder töten oder rekrutieren (siehe Tipps und Tricks in "Mafia 3" für mehr Infos). Haben wir uns um alle Unterbosse gekümmert, wartet eine Boss-Mission – und die sind immer richtig cool und abwechslungsreich. Haben wir schließlich ein Gebiet erobert, weisen wir es einem unserer Partner zu, die wir im Laufe des Spiels freischalten. Das ist unter anderem Vito, der Protagonist aus "Mafia 2". Die Partner belohnen uns dann mit Gefallen und sind auch sonst sehr nützlich. Bei Anruf schicken sie uns zum Beispiel einen Waffenhändler vorbei, oder kommen gleich mit einem ganzen Schlägertrupp zur Verstärkung um die Ecke.

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In Sachen Story trumpft das Spiel ganz groß auf. (©2K Games/Hangar 13 2016)

Das Fazit

Es ist so schade, dass "Mafia 3" die grafischen Erwartungen und auch die Performance-Ansprüche nicht so recht erfüllen konnte. Denn ansonsten ist das Spiel sehr gut gelungen. Wer auf Story-Games steht, wird mit dem Gangster-Epos auf jeden Fall auf seine Kosten kommen. Ab und zu ist das Gameplay recht eintönig und repetitiv, aber zwischendrin blüht es immer mal wieder auf. "Mafia 3" zieht uns durch seine Story in den Bann. Schade nur, dass die Gegner von einer ziemlich beschränkten KI gesteuert werden und das Spiel so in einigen Passagen viel zu leicht wird.

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