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"My Friend Pedro" im Test: Tanzstunde mit Knarren & Banane

Eleganz ist alles.
Eleganz ist alles.

"My Friend Pedro" ist das Spiel zur Lieblingsszene vieler Actionfilm-Fans: Der Held betritt mit der Waffe im Anschlag einen Raum voller Feinde und wirbelt feuernd durch die Gegend, bis alle am Boden liegen. Nur eines passt nicht so ganz ins Bild: eine sprechende Banane. Wir haben das Spiel auf der Nintendo Switch getestet.

Wäre "My Friend Pedro" kein Indie-Game von Devolver Digital, sondern eine Produktion mit viel Kohle für Lizenzen, könnte die Hauptfigur auch John Wick heißen und aussehen wie Keanu Reeves. Das ist nicht der Fall, die Moves des Auftragskillers (und die zahlreicher anderer Gun-Fu-Helden) hat mein Hauptcharakter in diesem Laufen-Schießen-Springen-Sidescroller trotzdem drauf.

Drei gegen einen – wie unfair für die drei. fullscreen
Drei gegen einen – wie unfair für die drei.

Er kann Rückwärtssalti schlagen und gleichzeitig mit einer Maschinenpistole in jeder Hand um sich schießen. Auf einem Skateboard in Zeitlupe Pirouetten drehen und dabei einen Kugelhagel entfachen. Mit dem Kopf voran durch Glasscheiben springen, unterwegs drei Kerle eliminieren, zwei weitere ins Jenseits treten und nach der Landung noch ein paar Benzinkanister hochjagen. Erlaubt und möglich ist, was cool aussieht und viele Fieslinge in kurzer Zeit ausschaltet.

Und warum das Ganze? Nun ja ....

Die Story: ein irrer Trip

In "My Friend Pedro" bin ich ein maskierter, namenloser Typ auf einem irrwitzigen Rachefeldzug. Meine Gegner: ein mörderischer Metzger, weihnachtliche Kopfgeldjäger, Gamer in Ritter-Cosplay und "das Internet". Meine Waffen: Pistolen, Uzis, Gewehre und Bratpfannen. Mein einziger Verbündeter: eine sprechende, schwebende Banane namens Pedro.

Skeptisches Obst: Pedro schaut immer mal wieder vom linken Bildrand aus rein. fullscreen
Skeptisches Obst: Pedro schaut immer mal wieder vom linken Bildrand aus rein.

Was die "Story" (Anführungszeichen sind Absicht) angeht, verschreibt sich "My Friend Pedro" von Anfang an dem größtmöglichen Wahnsinn. So richtig zusammen passt hier nichts, aber das ist okay: Schließlich dient die Handlung nur dazu, das Gameplay lose aufzuhängen – und das bindet eh die gesamte Aufmerksamkeit.

Meine Spielfigur hat eine beachtliche Menge an Bewegungsfreiheit und -möglichkeiten. Ich kann an Seilen schwingen und mich von Wänden abstoßen, um in die Höhe zu klettern. Die Richtung, in die ich ziele, steuere ich unabhängig von der Laufrichtung.  Mit einer Waffe in jeder Hand ziele ich auf Wunsch sogar gleichzeitig auf Gegner in unterschiedlichen Richtungen. Per Knopfdruck vollführe ich Ausweich-Drehungen, mit denen ich Kugeln der Gegner entgehe. Ein anderer Button schaltet eine Zeitlupe zu, die das Geschehen für eine gewisse Zeit drastisch verlangsamt.

In irren Action-Momenten wie diesem ist "My Friend Pedro" genial. fullscreen
In irren Action-Momenten wie diesem ist "My Friend Pedro" genial.

Tanzen für den Highscore

Das ultimative Ziel ist in jedem Level dasselbe: In einer fließenden Bewegung von Anfang bis Ende durchtanzen und dabei möglichst viele Feinde ausschalten. Je kürzer die benötigte Zeit, desto höher die Punktzahl am Schluss. Nicht zu sterben, alle Gegner zu eliminieren und höhere Schwierigkeitsgrade zu meistern, gibt Extrapunkte. Besonders coole Kills und Kombos treiben einen Multiplikator hoch.

A wie abgesahnt: Bananenkumpel Pedro ist zufrieden. fullscreen
A wie abgesahnt: Bananenkumpel Pedro ist zufrieden.

Highscore-Jäger legen nach der Story-Kampagne also erst richtig los, meistern den Todestanz und klettern die Ränge empor. An diese Spieler richtet sich das Game auch vorrangig. Grundsätzlich ist "My Friend Pedro" weder sonderlich lang noch besonders schwer und wer nur einen Durchlauf spielt, ist in gut 4 Stunden durch. Da es keine freispielbaren Gegenstände oder Ähnliches gibt, ist das Hinarbeiten auf den Highscore die einzige Motivation – das muss man mögen und vorher wissen.

Und nochmal – diesmal drei Sekunden schneller! fullscreen
Und nochmal – diesmal drei Sekunden schneller!

Kommt Zeit, kommt Eleganz

"My Friend Pedro" zu spielen fühlt sich ein bisschen an wie tanzen zu lernen – nur brutaler, dafür aber ohne Gefahr für die Füße. Am Anfang gehen die vielen Optionen noch recht fummelig von der Hand, wobei die getestete Switch-Version gerade beim Zielen womöglich sogar noch etwas kniffliger ist als die PC-Variante, die mit Maus und Tastatur gesteuert wird. An wilde Aktionsketten ist nicht zu denken, dass ich recht unelegant durch die Level stolpere, ist aber erst einmal egal – Hauptsache, ich komme überhaupt durch.

Manche besonders skurrile Levels finden vermutlich nur im Kopf meines Helden statt ... fullscreen
Manche besonders skurrile Levels finden vermutlich nur im Kopf meines Helden statt ...

Mit etwas Übung löst das Spiel aber das Versprechen des perfekten Todesballetts nach Wick'scher Art ein: Hier ist all das im Handumdrehen möglich, was in Actionfilmen monatelange Stunt-Vorbereitung bräuchte. Das clevere Leveldesign gibt reichlich Gelegenheit, verrückte Moves zu verketten. Die verwinkelten Fabrik- und Kanal-Umgebungen sind zwar optisch nicht allzu kreativ, dafür aber ein toller Spielplatz, auf dem ich mich austoben darf – an Schwungseilen, kleinen Schalterrätseln, herumliegenden Fässern, Skateboards und explodierenden Fässern.

An den gelben Platten prallen Kugeln ab. Wie praktisch! fullscreen
An den gelben Platten prallen Kugeln ab. Wie praktisch!

Fazit: Völlig Banane

Wer sich mit dem recht geringen Umfang und dieser sehr speziellen Form der Langzeitmotivation anfreunden kann, bekommt mit "My Friend Pedro" ein ziemlich durchgeknalltes Spiel, das um einen gut durchdachten Gameplay-Kern herum gebaut ist. Durch die Level zu wirbeln und Schergen im Dutzend zu zerlegen, ist leicht verdaulicher Spaß, den man sich locker zwischendurch genehmigen kann.

Anders gesagt: Wenn dieses Spiel eine Frucht wäre, wäre es eine Banane. Und vermutlich hieße sie Pedro.

My Friend Pedro
My Friend Pedro
  • Datenblatt
  • Genre
    Action
  • Plattform
    PC, Nintendo Switch
  • Release
    20. Juni 2019
  • Entwickler (Publisher)
    DeadToast Entertainment (Devolver Digital)
TURN ON Score:
4,0von 5
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