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Neuer Shooter "Crucible": Wenn Stärke zugleich ein Schwachpunkt ist

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Von hart bis smart: neuer Hero-Shooter "Crucible". Bild: © Amazon Games 2020

Noch ein Gratis-Hero-Shooter? Das wäre kaum berichtenswert. "Crucible" ist allerdings der erste Release von Amazon Games, und nicht nur das: Das Gratisspiel kommt mit zwei wirklich interessanten Mehrspieler-Modi – die allerdings auch die Achillesferse des Free-to-play-Games darstellen könnten.

Um genau zu sein, zum Launch am 20. Mai stehen sogar drei Modi zur Verfügung, in denen man sich in "Crucible" kostenlos messen kann. Der Hero-Shooter erinnert visuell an einen Mix aus "Overwatch" und "Fortnite", was kein Zufall ist: Beide Games sind von der USK ab 12 Jahren freigegeben, Amazon Games wildert in der gleichen Zielgruppe. Die erfolgreichen Free-to-play-Shooter "Call of Duty: Warzone" und "Apex Legends" sind dagegen erst ab 18 Jahren zugelassen, "Valorant" und "Counter-Strike: Global Offensive" ab 16 Jahren.

Während einer "virtuellen" Preview durfte ich alle drei Spielmodi von "Crucible" zusammen mit den Entwicklern des Studios Relentless ausprobieren. Wie sich herausgestellt hat, sind zumindest zwei der Spielvarianten interessanter, als der erste Blick auf "Crucible" vermuten ließ.

Frische Ideen trotz vertrauter Atmosphäre

"Erntemaschinenkommando" ist der gewöhnlichste der drei Modi. Es handelt sich um ein Acht-vs.-Acht-Gefecht nach dem Capture-the-Flag-Prinzip. Die Erntemaschinen erzeugen Punkte und sind auf der Karte verstreut. Aber mit jeder Maschine, die ein Team kontrolliert, wird eine der gegnerischen Mannschaft neutralisiert. Auch Abschüsse liefern eine geringe Menge Punkte, das erste "Crucible"-Team mit 100 Punkten gewinnt.

In "Herzstück der Schwärme" treten zwei Viererteams gegeneinander an. Auf der Map spawnen nach dem Zufallsprinzip gigantische Knollen, genannt Schwärme, die tödliche Drohnen aussenden. Erledigt man einen Schwarm, lässt er ein Herz zurück – das erste Team, das drei davon einsammelt, gewinnt die Partie. Hier ist Taktik gefragt, denn niemand will beim Kampf gegen Schwarmdrohnen plötzlich den Gegner im Nacken haben. Teamwork steht im Mittelpunkt, während es gilt, den richtigen Moment abzuwarten oder einfach schnell zu sein.

Der Modus "Alphajäger" hat das Zeug zum Publikumsliebling. Es handelt sich um eine Battle-Royale-Variante mit interessantem Twist: 16 Spieler starten jeweils im Duo, das Spielgebiet verkleinert sich stetig. Verlierst Du Deinen Partner, kannst Du mit jedem anderen, ebenfalls "verwitweten" Spieler ein Bündnis eingehen. So entsteht ein neues Duo, das jederzeit wieder aufgelöst werden kann – etwa, wenn ein potenziell stärkerer Partner auftaucht. Kämpfst Du also mit einem neuen Mitstreiter gegen einen einzelnen Jäger, kann es passieren, dass die beiden sich als neues Team plötzlich gegen Dich stellen. Sind nur noch drei Spieler übrig, heißt es jeder gegen jeden.

Die beiden letztgenannten Modi von "Crucible", vor allem "Alphajäger", wirken innovativ und frisch. Die flexiblen Bündnisse geben der gewohnten Battle-Royale-Mechanik neue Würze: Im Gefecht erwische ich mich dabei, nicht nur den Gegner, sondern auch meinen Partner genau im Blick zu behalten – man weiß ja nie! Außerdem will ich keine Schwäche zeigen – nicht, dass meinem Mitstreiter eine Allianz mit dem Feind plötzlich interessanter erscheint. Gleichzeitig wäge ich selbst ab, ob ein Seitenwechsel Vorteile bieten könnte. Dieser Kniff von "Crucible" eröffnet eine neue und spannende Dimension, die vielen Spielern gefallen könnte.

Bereit machen für die Übernahme!

Ein Spielmodus ist heutzutage allerdings nicht genug, um sich gegenüber Konkurrenten wie "Fortnite" zu behaupten – im Gegenteil. Das gigantische Spiel von Epic Games hat seine Größe erreicht, indem es den Battle-Royale-Spielmodus von "Playerunknown's Battlegrounds" und anderen Shootern übernahm. Als die Gaming-Welt später das Ping-System von "Apex Legends" lobte, führte "Fortnite" es kurzerhand auch ein, ebenso wie die Wiederbelebung ausgeschiedener Teammitglieder an bestimmten Stationen. Auch thematisch greift "Fortnite" gern Trends auf und macht sie sich zu eigen, zumindest eine Zeit lang – wie etwa den Piraten-Look von "Sea of Thieves".

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Best practice auf Twitch, aber nicht von Amazon: "Valorant". Bild: © Riot Games 2020

"Crucible" ist deswegen natürlich nicht automatisch dem Untergang geweiht: Cleveres Marketing, etwa durch eine Verzahnung mit der Livestreaming-Plattform Twitch (ebenfalls ein Amazon-Unternehmen), könnte den Erfolg bringen. Immerhin macht "Valorant" das gerade vor: Nur wer anderen beim Spielen zusieht, erhält selbst Zugang zu dem Shooter. Die "Crucible"-Macher müssen allerdings mittelfristig mehr bieten als knuffige Figuren oder interessante Spielmodi und sich auf die Adaption ihrer beliebtesten Spielelemente durch die Konkurrenz vorbereiten. Ideen soll es bereits geben: Jede Season in "Crucible" wird acht Wochen andauern, nach jedem Wechsel soll ein neuer Modus oder Held ins Spiel kommen. Bleibt zu hoffen, dass die Neuzugänge ähnlich originell sind wie "Alphajäger".

"Crucible" steht ab dem 20. Mai kostenlos für PC zur Verfügung.

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