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"New World" angespielt: Tausende Spieler, Rätsel & ebenso viele Fragen

"New World": Was kann das Sandbox-MMO von den Amazon Game Studios?
"New World": Was kann das Sandbox-MMO von den Amazon Game Studios?

In "New World" kämpfen koloniale Kompanien auf einem neu entdeckten Kontinent um die Vorherrschaft. Das Sandbox-MMO im Fantasy-Setting soll durch Cloud-Berechnungen bis zu 10.000 Spieler gleichzeitig auf einem Server beheimaten. Ich habe mir das Online-PvP-Game in einer neuen Preview-Version angesehen und bin hin und her gerissen.

"New World" könnte das größte MMO-Game sein, das sich derzeit in Entwicklung befindet. Tausende von Spielern sollen auf den Spiele-Servern gleichzeitig entdecken, kämpfen, sammeln und craften können. Forts, Burgen, Städte – alles in "New World" soll von den Spielern selbst hergestellt werden. Die große Spielwelt wird sich über mehrere Server erstrecken, die durch mächtige Cloud-Technologie verbunden sind.

Die Entwickler haben äußerst ambitionierte Pläne und bei vielen Studios würde man wohl mit den Augen rollen, wenn man die Versprechungen zu "New World" hört. Aber: Hinter dem Survival-PvP-Spiel stecken die Amazon Game Studios, den Machern stehen also mächtige Server-Kapazitäten zur Verfügung. Das US-Unternehmen versucht seit Jahren auf dem Gaming-Markt Fuß zu fassen, war damit aber bisher erfolglos. Entsprechend lose könnte der Geldbeutel sitzen, wenn es um den langen Atem beim Support eines Spiels wie "New World" geht.

Story: Worum geht es in "New World"?

Das Szenario von "New World" ist erfrischend interessant: Koloniale Kompanien stechen in einer alternativen Version des 17. Jahrhunderts in See, um einen neuen Kontinent zu erschließen, der irgendwo im Atlantik gefunden wurde. Allerdings merken die Entdecker schnell, dass sie gar nicht die ersten Menschen sind, die ihren Fuß an Land setzen: Offenbar ist bisher nur noch niemand wieder aus der neuen Welt zurückgekehrt – von Menschen erschaffene Strukturen und mysteriöse Anzeichen von Zivilisation sind überall auf dem Kontinent zu finden. Außerdem sind übernatürliche Kräfte am Werk: Vor allem in der Nacht sollte man sich nicht alleine in die Wildnis wagen.

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Mit Musketen gegen Untote: Das Szenario von "New World" ist nicht uninteressant.

Kompanien als Fraktionen: "New World" ist vor allem PvP

In dieser fremden Welt, in der mit Schwert und Muskete, aber auch mit Hexerei und Beschwörungen gekämpft wird, streiten sich die Spielerfraktionen, genannt Kompanien, um große Territorien in einer Sandbox-Open-World à la "Ark Survival". Das Spiel ist vor allem ein PvP-Titel und daher auf Kampf gegen andere Spieler ausgelegt. Allerdings erlaubt das klassenlose Charakter-System es auch, als Schmied oder Alchemist sein Glück zu finden und so zu großer Macht zu kommen. Aus so gut wie jedem Stein oder Strauch können Ressourcen für das ausgeklügelte Crafting gewonnen werden, die Jagd nach wilden Tieren verspricht weitere Beute.

Auch Solo-Spieler sollen in "New World" Beschäftigung finden, allerdings wollen sich die Entwickler nicht der Erzählstruktur eines MMORPG wie "World of Warcraft" unterwerfen, in der Spieler die Handlung durch das Erledigen von Quests vorantreiben. Die Spielwelt, von der ich beim Anspiel-Termin nur einen schmalen Ausschnitt zu sehen bekam, erscheint riesig und hält wohl auch ohne Quest-Reihen viele Geheimnisse bereit, die entdeckt werden wollen.

Jeder Baum und jeder Stein kann verwertet werden. fullscreen
Jeder Baum und jeder Stein kann verwertet werden.
Anfangs crafte ich grundlegende Werkzeuge. fullscreen
Anfangs crafte ich grundlegende Werkzeuge.
Das klassenlose System ermöglicht das Spielen verschiedener Charaktertypen durch Ausrüstungs-Sets. fullscreen
Das klassenlose System ermöglicht das Spielen verschiedener Charaktertypen durch Ausrüstungs-Sets.
Für Mikromanagement-Fans: Jedes Item hat detaillierte Statistiken zu bieten. fullscreen
Für Mikromanagement-Fans: Jedes Item hat detaillierte Statistiken zu bieten.
Jeder Baum und jeder Stein kann verwertet werden.
Anfangs crafte ich grundlegende Werkzeuge.
Das klassenlose System ermöglicht das Spielen verschiedener Charaktertypen durch Ausrüstungs-Sets.
Für Mikromanagement-Fans: Jedes Item hat detaillierte Statistiken zu bieten.

"New World" ist ein Sandbox-MMO mit territorialen PvP-Kriegen

"New World" erfindet als Sandbox-MMO mit starkem PvP-Fokus und Spieler-gesteuerter Wirtschaft auf keinen Fall das Rad neu. Vor allem "Albion Online", das mein Kollege David vor längerer Zeit getestet hatte, erinnert mich stark an das, was Amazon hier im Sinn hat. Trotz mäßiger Originalität hatte ich aber viel Spaß beim Spielen.

Nachdem mir die Grundlagen von Steuerung und Crafting gezeigt wurden, besuchte ich einen Stützpunkt unserer Kompanie, in dem jedes Haus und jeder Wall von Spielern selbst gebaut war. Dort durfte ich mich mit fortgeschrittenen Items ausrüsten – verschiedene Sets ermöglichten so das Spielen unterschiedlicher Builds. Dann kämpfte ich mich mit einer Gruppe durch die Welt weiter, bis zum Stützpunkt einer rivalisierenden Kompanie. Dort schritten wir zur gemeinsamen Eroberung fort.

Dazu platzierte das Team einige Sprengfässer an der Mauer des feindlichen Forts, damit unser Trupp in das Fort eindringen konnte. Nach einer intensiven, manchmal etwas unübersichtlichen Schlacht, an deren Ende wir ein zentrales Gebäude zerstören mussten, gehörte das entsprechende Territorium dann uns. Für einen gewissen Zeitraum war das eroberte Gebiet geschützt, um den Bau neuer Verteidigungsanlagen zu ermöglichen.

Das Kampfsystem ist Ausdauer-basiert, hat also vor allem im PvE leichte Ähnlichkeiten zu Soulslike-Games: Angriffsmuster identifizieren, Abwarten und im richtigen Moment zuschlagen, beziehungsweise Schilde oder Zauber verwenden ist der Schlüssel zum Erfolg.

Insgesamt war das Scharmützel eine spannende Schlacht, aber auf sehr kleiner Skala – später sollen einmal bis zu 10.000 Spieler gegeneinander in den Krieg ziehen können, die Server sollen dafür stetig erweitert werden. Ähnlich wie in "Eve Online" können dann auch schon mal jede Menge wertvolle Gegenstände zerstört werden.

Wichtig: Gute Anti-Troll-Maßnahmen
Um potenziellen Trollen Einhalt zu gebieten, wird es nicht möglich sein, mehrere Charaktere auf einem Server zu erstellen – so kann man sich nicht selbst mit unterschiedlichen Builds unfair unterstützen. Dennoch kann man als "Verbrecher" auch Spieler der eigenen Kompanie attackieren: Dazu ist nur ein Klick nötig und man wird gleichzeitig zum Ziel aller anderen Spieler. Bis zum Release werden sich die Entwickler hier wohl noch etwas einfallen lassen müssen, damit diese Funktion nicht zu Missbrauch führt.

Eingeschränkter Solo-Spaß und mäßiger Augenschmaus

Nach dem "Mini-Krieg" erkundete ich noch die offene Spielwelt. Richtig Spaß brachten die Kämpfe gegen wilde Tiere, Gegnergruppen und Bosse aber hauptsächlich in der Gruppe mit anderen Spielern – wie in MMOs üblich idealerweise im Verband mit Heilern, Tanks und Support-Spielern. Als Einzelgänger in der weiten Open-World kam mir "New World", trotz schöner Features wie einem Tag-Nacht-Wechsel, der sich auf die Art der Gegner auswirkt, etwas sehr gewöhnlich vor. Auch grafisch hat mich das Spiel in der Preview-Version nicht großartig beeindruckt, der Schwerpunkt liegt wohl auch hier eher auf Funktionalität bei riesigen Servern mit vielen Spielern.

Real-Life-Mysterien: Was ist mit Release, Business-Modell & Launcher?

Klar, die Amazon Game Studios können infrastrukturell aus dem Vollen schöpfen. Der Mutterkonzern gehört zu den größten Server-Betreibern der Welt und "New World" wird auch entwickelt, um die Möglichkeiten der Cloud-Technologie zu demonstrieren. Aber Amazon muss sich als Spiele-Publisher zukünftig auch den Befindlichkeiten der Gamer stellen: Ganz aktuell zeigt sich der Unmut von Spielern gegen die Exklusivität von PC-Games wie "Metro Exodus" im Epic Store – auf meine Nachfrage wollte Patrick Gilmore, Chef der Amazon Game Studios,  sich nicht dazu äußern, wo "New World" überall erhältlich sein würde. Man halte sich da alle Möglichkeiten offen, auch eine physische Edition sei nicht ausgeschlossen.

Zunächst ist das Spiel in der Alpha-Phase allerdings exklusiv über einen eigenen Amazon-Launcher spielbar, der Support wird über die Spiele-Website gestemmt. Ein noch viel größeres Mysterium stellt das eigentliche Geschäftsmodell von "New World" dar: Gegenüber PC Gamer gab man im Sommer 2018 noch an, dass das Spiel nach einmaligem Kauf unlimitiert nutzbar sein würde. Mittlerweile will man sich dazu aber nur noch vage äußern, mir gegenüber hatte man "noch nichts zu verkünden" – von Free-to-play über ein Abo-Modell bis hin zu einmaligem Pay-to-play ist also noch alles drin.

Muss "New World" seinen Platz noch finden?

Das gilt auch für den Release-Termin: Bisher ist die geschlossene Alpha nur auf Einladung für US-amerikanische Amazon-Kunden verfügbar. Lediglich die Tatsache, dass wir überhaupt zum Anspielen eingeladen wurden, spricht dafür, dass es auch hierzulande bald mehr von dem Game zu sehen geben könnte. Bis dahin sind meine Erwartungen vorsichtig gespannt: Das ungewöhnliche Setting finde ich interessant, welche weiteren Alleinstellungsmerkmale "New World" zum Release mitbringen wird, bleibt abzuwarten. Gigantisch große Spiele-Server allein würden mir persönlich jedenfalls nicht genügen.

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