Test

"Playerunknown's Battlegrounds" im Xbox-One-Test: Zu früh gefreut

Was kann "PUBG" auf der Xbox One?
Was kann "PUBG" auf der Xbox One? (©Bluehole 2017)

Zum Ende des ereignisreichen Gaming-Jahres 2017 kommt mit "Playerunknown's Battlegrounds", alias "PUBG", eines der aufsehenerregendsten Spiele der letzten Zeit auf die Xbox One. Die überaus erfolgreiche PC-Version hat bereits zahlreiche Rekorde in Sachen Spielerzahlen geknackt, im Test schauen wir uns den Survival-Shooter auf der Konsole mal genauer an.

Wer sich halbwegs für Multiplayer-Shooter interessiert und die letzen Monate nicht gerade unter einem Stein verbracht hat, wird zumindest mitbekommen haben, dass viel über "PUBG" gesprochen und berichtet wurde. Das Spiel des irischen Designers Brendan "PlayerUnknown" Greene, das dieser zusammen mit dem südkoreanischen Studio Bluehole entwickelt hat, funktioniert nach dem "Battle Royale"-Prinzip – einem Spielmodus, der dem gleichnamigen japanischen Manga und Film aus dem Jahr 2000 entliehen ist. Der hat auch schon "Die Tribute von Panem" inspiriert.

Early-Access-Status
Kann und soll man einen Test zu einem Spiel schreiben, das sich sowohl auf PC als auch auf Xbox One noch immer im Early-Access-Stadium befindet? Wir finden: Ja. Denn: Ob Xbox-Spielvorschau oder nicht – Games werden in der heutigen Zeit sehr häufig unfertig veröffentlicht und nach dem Release laufend per Update verbessert. Aus Early Access ist mittlerweile also fast "das neue Fertig" geworden. Sollte man mögliche Veränderungen also bei einer Review im Hinterkopf behalten? Auf jeden Fall! Dennoch wollen wir zum Verkaufsstart zumindest einschätzen, ob eine Kaufempfehlung abzugeben ist oder eben nicht – Early Access hin oder her.

Gameplay: Puristisch und genial

Der Reiz von "Playerunknown's Battlegrounds", kurz "PUBG", entfaltet sich über das konsequent simple Spielprinzip: Hundert Spieler werden mit Fallschirmen über einer Insel ausgesetzt. Sie verfügen zu Beginn jeder Runde über keinerlei Waffen und Ausrüstung, können diese aber in den verlassenen Gebäuden der Insel finden. Auch Fahrzeuge stehen in der Landschaft herum und können zur Fortbewegung verwendet werden.

Ab da gilt: Jeder gegen jeden! Wer als Letzter überlebt, gewinnt das Spiel. Damit eine Runde "PUBG" aber nicht in langweiligem Versteckspiel ausartet, verkleinert sich der Spielbereich in regelmäßigen Intervallen – man muss also in Bewegung bleiben und kann sich nicht lange aus dem Weg gehen. Zusätzlichen Stress verursachen zufällig aufpoppende rote Zonen, die vorübergehend unter Artilleriebeschuss genommen werden.

 Vorsicht: Artilleriebeschuss! Aus den roten Zonen sollte man sich möglichst schnell entfernen. fullscreen
Vorsicht: Artilleriebeschuss! Aus den roten Zonen sollte man sich möglichst schnell entfernen. (©TURN ON Screenshot 2017)

Per Flugzeug werden darüber hinaus immer wieder Versorgungskisten abgeworfen, die Premium-Items beinhalten. Wer also übermütig ist oder sich einfach nur für den Größten hält, begibt sich, entgegen dem Überlebensinstinkt, zu dem Punkt, an dem die rot rauchende Kiste am Fallschirm landet. Dass dort höchstwahrscheinlich jede Menge Konkurrenten lauern, die ihr Interesse am Loot ebenfalls vehement durchsetzen wollen, sollte klar sein.

Tot ist tot: Permadeath Royale

Der Spieler oder das Team, das zuletzt noch am Leben ist, gewinnt vor allem eines: Ehre und Stolz. Auf dem Bildschirm erscheint lediglich die Meldung "Gewinner Gewinner Hühnchen-Dinner" – gefundene oder von erledigten Gegnern ergatterte Gegenstände können nicht in die nächste Runde mitgenommen werden. Somit startet man jedes "PUBG"-Match erneut von Null. Kosmetische Aufwertungen wie Kleidung können mit Erfahrungspunkten, die man für Kills und Überlebensdauer erhält, lediglich im Spielmenü erworben werden. Zumindest bei der PC-Version sind solche Items extrem begehrt und werden über Steam für horrende Summen gehandelt.

Vor dem Start ins "PUBG"-Match warten alle 100 Spieler in der Lobby. fullscreen
Vor dem Start ins "PUBG"-Match warten alle 100 Spieler in der Lobby. (©TURN ON Screenshot 2017)
Im Flugzeug werden die Spieler dann über die Map geflogen. fullscreen
Im Flugzeug werden die Spieler dann über die Map geflogen. (©TURN ON Screenshot 2017)
Schon vor der Landung ist also strategisches Denken gefragt. fullscreen
Schon vor der Landung ist also strategisches Denken gefragt. (©TURN ON Screenshot 2017)
Am Boden verkleinert sich regelmäßig der Spielbereich. fullscreen
Am Boden verkleinert sich regelmäßig der Spielbereich. (©TURN ON Screenshot 2017)
Wer sich traut, begibt sich zu abgeworfenen Versorgungskisten. fullscreen
Wer sich traut, begibt sich zu abgeworfenen Versorgungskisten. (©TURN ON Screenshot 2017)

Gameplay fesselnd, Präsentation fürchterlich

Die PC-Version von "Playerunknown's Battlegrounds", die im Early Access von Steam bereits seit März 2017 erhältlich ist, hat seitdem viele Fortschritte gemacht. Bis vor Kurzem war es nicht einmal möglich zu klettern und zuletzt wurde erstmals eine zweite Map verfügbar. Auf der Xbox One ist die Performance der nun veröffentlichten Version 0.5.24 noch nicht so weit, im Gegenteil: Die Xbox-Spielvorschau – so nennt Microsoft den Konsolen-Early-Access – von "PUBG" beginnt nun erst. Technisch ist das auch bitter nötig: Die Grafikqualität des Spiels, von mir auf einer Xbox One X getestet, erinnert an 15 Jahre alte Games und läuft nicht nur gefühlt mit der gleichen Anzahl von Bildern pro Sekunde.

Auch die Texturen erinnern von der Qualität her eher an Spiele der vorletzten Konsolengeneration – man darf sich also durchaus fragen, womit "Playerunknown's Battlegrounds" die Kennzeichnung als "Xbox One X Enhanced" eigentlich verdient hat. Dazu kommt die miese Performance: Ständiger Lag und die ewig nachladende Umgebung, abstürzende Spiele-Sessions und Bildsprünge durch den nervigen Gummibandeffekt können einen im Game zur Verzweiflung bringen. Selbst für einen Early-Access-Titel ist die Präsentation des Spiels zum jetzigen Zeitpunkt eine Katastrophe.

Steuerung: Zeit ist Loot!

Besonders stark fällt der Unterschied zur PC-Version in Sachen Steuerung auf: Klar, einen Shooter per Controller zu steuern ist immer etwas gewöhnungsbedürftig. Aber vor allem das Organisieren des Inventars geht mit Maus und Tastatur deutlich zügiger von der Hand – auf der Xbox One ist das Navigieren durch Items, Waffen und Zubehör vor allem zeitaufwändiger, man muss seinen Spielstil also darauf einstellen und sich gegebenenfalls erstmal an einen sicheren Ort begeben. Auch beim Looten gefallener Gegner muss deutlich mehr Zeit eingeplant werden. Im Unterschied zur PC-Version kann man auf der Konsole übrigens per rechtem Bumper zwischen First-Person- und Third-Person-Kamera umschalten – es gibt hierfür also keine getrennten Spielmodi.

Fazit: "PUBG" jetzt schon kaufen oder nicht?

Konsoleros, die "PUBG" bisher nicht selbst gespielt haben und durch die Rekordzahlen von über 2,5 Millionen gleichzeitig aktiven PC-Spielern bei Steam neugierig geworden sind, sollten ihre Erwartungen erst einmal herunterschrauben. Das Spielprinzip ist zwar auch auf der Xbox One faszinierend und durch seine spartanische Einfachheit auch noch immer unerreicht. Grafisch und spielerisch ist "Playerunknown's Battlegrounds" jedoch zu diesem Zeitpunkt der Preview-Version eine reine Zumutung.

 Im Spiel und beim Kauf von "PUBG" gilt: Geduldig warten zahlt sich aus ... fullscreen
Im Spiel und beim Kauf von "PUBG" gilt: Geduldig warten zahlt sich aus ... (©Screenshot TURN ON 2017)

Mir persönlich bringt das Original zwar aufgrund seines entschleunigten Tempos weitaus mehr Spaß als etwa das von "PUBG" inspirierte Free-to-play-Spiel "Fortnite Battle Royale". Trotzdem lässt sich das Gefühl einfach nicht abstellen, dass der Early-Access-Release hier überstürzt stattgefunden hat. Immerhin: Der dennoch hohe Spielspaß und die Tatsache, dass Bluehole auch die PC-Version mit der Zeit stark verbessert hat, lassen hoffen, dass die etwa 30 Euro für "Playerunknown's Battlegrounds" am Ende ein angemessener Preis sein werden.

TURN-ON-Wertung: 3,1/5

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