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PS4-Game "Vane" im Test: Zwischen Dystopie und Traumwelt

Worum geht's in "Vane"? Keine Ahnung – schön ist es trotzdem.
Worum geht's in "Vane"? Keine Ahnung – schön ist es trotzdem.

Mit "Vane" haben die Entwickler des Indie-Studios Friend & Foe ein wirklich schönes PS4-Exklusivspiel veröffentlicht. Im Test liest Du, ob sich das Spiel lohnt, wo seine Schwächen liegen und womit mich das Studio, das aus einigen ehemaligen "The Last Guardian"-Entwicklern besteht, eindeutig überzeugen konnte.

Visuell macht "Vane" vom ersten Augenblick an klar, dass es ein kleines Stück Videospiel-Kunst sein will. Ein Kind läuft in einem Sturm durch eine fantastische Landschaft mit zerklüfteten Strukturen und polygonen Türmen, ein rätselhafter Wächter verwehrt ihm den Eintritt in ein Gebäude. Schließlich wird es vom Wind mitgerissen und ich setze "Vane" in Gestalt eines Vogels fort – es dämmert mir, dass Kind und Vogel ein und dieselbe Figur sind. Das ganze Spiel fühlt sich ein wenig an wie Szenen aus einem seltsamen Traum – oder Albtraum?

Story: "Vane" will ein schwer zu deutendes Kunstwerk sein

"Vane" wurde ursprünglich von Rui Guerreiro, dem künstlerischen Leiter von "The Last Guardian" erdacht. Später verließ dieser das Studio Friends & Foes, das Team brachte das Spiel ohne ihn zu Ende. Dennoch ist der Einfluss des ehemaligen Mitglieds von Team ICO auf das Projekt nicht zu übersehen.

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Mysteriös und interessant: "Vane" auf PS4.

Ich habe "Vane" auf der PS4 durchgespielt, aber die Handlung erschließt sich mir auch nach dem Ende der kurzen Story nicht wirklich. Es wird mir nicht mal klar, ob die Geschichte in einer Dystopie oder einer Utopie spielt. Das rechne ich dem Spiel aber nicht zwangsweise negativ an. Genau wie bei einem abstrakten Gemälde, das die Interpretation des Betrachters herausfordert, findest Du als Spieler in "Vane" vielleicht Deine ganz eigene Deutung der Geschehnisse. Aber wer nach dem Abspann auf eine abschließende Erklärung der Handlung hofft, wird aber enttäuscht.

"Vane" ist seltsam und auf seine Art wunderschön. Das Game gibt dem Spieler keinerlei Kontext mit auf den Weg durch seine abstrakte Welt – das hat es mit Spielen wie "Journey" gemeinsam, an die es unverhohlen erinnert. "Vane" verpasst aber, im Gegensatz zu Vorbildern wie "Shadow of the Colossus", "The Last Guardian" oder "ICO" einen wichtigen Punkt: Es liefert mir keinerlei Erklärung für die Motivation seiner Figuren.

Gameplay: Schade, da wäre mehr drin gewesen

Irgendwann spiele ich "Vane" daher nur noch weiter, um zu sehen, was am Ende geschieht und hoffe auf eine Erklärung, die aber nicht erfolgt. Leider ist das Gameplay auch nicht raffiniert genug, um das Spiel zu tragen. "Vane" lässt immer wieder Potenzial durchschimmern, das dann aber oftmals für altbackene Konzepte links liegen gelassen wird – etwa, wenn ich in einem Akt Kinder versammeln muss, damit diese dabei helfen, eine mysteriöse Kugel zum Leuchten zu bringen. Dadurch wird die Spielwelt um sie herum verändert und neue Wege erscheinen, wenn die Kugel an die richtige Stelle rollt.

Kurze Zeit später irre ich aber wieder völlig planlos durch endlos erscheinende Gänge und hoffe, dass sich endlich ein Ausgang auftut. Oft bekomme ich im Spielverlauf sogar das Gefühl, Dinge entgegen meiner Intuition tun zu müssen, um weiterzukommen. Hier hätte ich mir etwas mehr Dichte in der Gameplay-Struktur gewünscht – und weniger scheinbar lose Aneinanderreihungen von Ideen.

Andererseits kann ich mir sehr gut vorstellen, dass die Entwickler in den erkundbaren Arealen Geheimnisse und Easter Eggs versteckt haben, die neugierigen Spielern ein runderes Gesamtbild eröffnen. In Games wie "Shadow of the Colossus" wurden teils noch nach Jahren Geheimnisse von Fans entdeckt – und "Vane" könnte genau in diese Kerbe schlagen. Fündig geworden bin ich aber noch nicht.

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In "Vane" sind ein paar schöne Gameplay-Ideen versteckt.

Fazit: Irgendwie schön – und allein die Musik ist es wert

Dennoch ist "Vane" ein Spiel, das sich als Vorzeige-Exemplar bei Diskussionen darüber anbietet, ob Videospiele wirklich als Kunst durchgehen. Ein Aspekt hat es mir dabei ganz besonders angetan: die Musik. Der Soundtrack ist wundervoll und hörenswert, in einigen Momenten hatte ich sogar das Gefühl, die Klänge seien prozedural an die Ereignisse auf dem Bildschirm gekoppelt. Es kann aber auch sein, dass die Entwickler hier einfach ein besonders gutes Gespür für Timing an den Tag legen.

Der Spieler ist als Vogel und als Kind unterwegs. fullscreen
Der Spieler ist als Vogel und als Kind unterwegs.
Die Rätsel in "Vane" sind nicht allzu schwer. fullscreen
Die Rätsel in "Vane" sind nicht allzu schwer.
Der Spieler ist als Vogel und als Kind unterwegs.
Die Rätsel in "Vane" sind nicht allzu schwer.

Auf der anderen Seite zeigt "Vane" aber auch Probleme auf, mit denen vor allem Indie-Spiele oft zu kämpfen haben: Die Steuerung ist hakelig, die Kamera leidet an Clipping-Fehlern und an allen Ecken und Kanten wirkt das Game fast ein wenig unfertig. Das wird mit Sicherheit nicht an mangelndem Engagement der Entwickler gelegen haben. Ich habe eher den Eindruck, dass das Spiel aus Mangel an Ressourcen und zu wenig Zeit hinter seinen Idealen abfällt – schließlich ist ausführliches Play-Testing und Feintuning sehr teuer.

Wer sich für visuell ansprechende Spiele und Rohdiamanten aus dem Indie-Bereich interessiert, sollte sich "Vane" dennoch ansehen. Vor allem zwischen den vielen Blockbuster-Games auf der PS4 fand ich das kurze aber intensive Adventure auf seine Art erfrischend – allen Problemen zum Trotz.

Das hat mir gut gefallen Das hat mir weniger gut gefallen
+ Künstlerische Ästhetik - Gameplay-Ideen schwanken zwischen raffiniert und langweilig
+ Tolle Musik - Hakelige Steuerung
- Story gibt wenig Motivation

TURN-ON-Wertung: 3,2/5

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