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"Quantum Break" im Test: Action-Hammer für PC und Xbox One

"Quantum Break" ist ein wahres Action-Feuerwerk.
"Quantum Break" ist ein wahres Action-Feuerwerk. (©Microsoft 2016)

Der Zeitreise-Shooter "Quantum Break" für PC und Xbox One entpuppte sich im Test als echte Überraschung. Wie gut gelingt Microsoft und Remedy die Kombination aus Spiel und TV-Serie?

Zugegeben, als "Quantum Break" im Mai 2013 zum ersten Mal für die Xbox One angekündigt wurde, war ich wenig begeistert. Ein Shooter, in dem sich die Zeit einfrieren lässt und der seine Handlung in Form von Filmsequenzen erzählt? Das klang für mich nach einem ausgelutschten Konzept, dass krampfhaft mit einigen unpassenden Zutaten gewürzt wird. Diese Skepsis wich erst mit dem Release der ersten Gameplay-Demos etwas und sollte sich im Laufe des Tests schließlich ganz in Luft auflösen. Aber der Reihe nach...

Zeitreisen und Videospiele sind schon lange zwei Themen, die scheinbar hervorragend miteinander funktionieren. In zahlreichen Titeln wie "Timesplitters", "The Legend of Zelda: Ocarina of Time" oder "Prince of Persia: The Sands of Time" spielt die Zeit eine zentrale Rolle sowohl für das Gameplay als auch für die Handlung. Noch nie wurde allerdings das Thema Zeit in einem Spiel so intensiv thematisiert und so beeindruckend umgesetzt wie in "Quantum Break", dem neuen Titel der "Max Payne"- und "Alan Wake"-Entwickler Remedy.

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Zeitreisen spielen in "Quantum Break" eine zentrale Rolle. (©Screenshoot MIcrosoft/ TURN ON 2016)

Ein gescheitertes Experiment

So bildet ein Zeitreise-Experiment auch den Ausgangspunkt der Handlung. Der Hauptprotagonist Jack Joyce wird von seinem alten Bekannten Paul Serene an die Universität nach Riverport gerufen. Er soll seinem Freund dort bei einem wichtigen Versuch zur Hand gehen. Schon nach kurzer Zeit wird klar, dass Paul ein Zeitreise-Experiment plant.

Bereits in diesen ersten Minuten übernimmt der Spieler die Kontrolle über Jack und assistiert bei den Vorbereitungen für die Zeitreise. Dabei erinnert diese ganze Einleitungssequenz stark an den Einstieg in "Half Life". Und genau wie in dem Genre-Klassiker nimmt das Experiment auch in "Quantum Break" einen unerwarteten und ziemlich verehrenden Ausgang.

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Für Jack läuft es nicht so wie geplant. (©Screenshoot MIcrosoft/ TURN ON 2016)

Noch während Paul dabei ist, in die Zeitmaschine zu steigen, taucht Jacks Bruder William mit vorgehaltener Waffe in der Forschungskammer auf und versucht die beiden von ihrem Vorhaben abzuhalten. Kurze Zeit später stürmen bewaffnete Söldner des dubiosen Großkonzerns Monarch Solutions herein. Es kommt zu einem Gefecht und anschließend zu einer Fehlfunktion der Zeitmaschine. Diese verschluckt Paul und sorgt dafür, dass Jack plötzlich besondere Kräfte erhält, mit denen er fortan die Zeit beeinflussen kann. Kurze Zeit später betritt auch Paul wieder die Bühne, allerdings scheint er deutlich gealtert zu sein und ist dem Protagonisten plötzlich alles andere als wohlgesonnen.

Eine komplexe Geschichte, clever erzählt

Dieser rasante Einstieg bildet lediglich den Auftakt für eine wirklich intensive und auch recht komplexe Handlung. Diese schickt den Spieler durch verschiedene Zeitebenen und lässt ihn lange Zeit im Unklaren, was eigentlich genau los ist. Erst in der zweiten Hälfte des Spiels beginnt sich das komplizierte Handlungsgeflecht langsam zu entknoten. Bis dahin heißt es jedoch: gut aufpassen und jedes noch so kleine Informationsdetail beachten.

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Lange bleibt unklar, warum die geheimnisvolle Beth unserem Helden hilft. (©Screenshoot MIcrosoft/ TURN ON 2016)

Und Informationen werden dem Spieler in "Quantum Break" auf vielen Wegen vermittelt. Neben klassischen Zwischensequenzen kommuniziert Jack auch während des eigentlichen Spiels häufig mit anderen Charakteren, wie etwa der geheimnisvollen Undercover-Agentin Beth Wilder. Zudem gibt es immer wieder Dokumente und Laptops mit gespeicherten E-Mails zu finden, in denen sich einzelne Details der Handlung entfalten.

Insgesamt fallen Story und Erzählweise in "Quantum Break" wirklich stark aus, sodass ich als Spieler stets wissen wollte, wie es weitergeht. Ein paar Minuspunkte gibt es allerdings, weil am Ende nicht alle Fragen beantwortet und nicht alle Handlungsstränge geschlossen werden. Hier wird offensichtlich, dass die Entwickler bereits auf eine Fortsetzung oder einen Story-DLC schielen.

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Viele Story-Details werden subtil über E-Mails und andere Hinweise vermittelt. (©Screenshoot MIcrosoft/ TURN ON 2016)

Verschmelzung von Videospiel und TV-Serie

An einigen Schlüsselstellen des Spiels übernimmt der Spieler sogar die Rolle des Antagonisten Paul Serene. In Pauls Rolle gilt es dabei jedes Mal, eine wichtige Entweder-oder-Entscheidung zu treffen, die den weiteren Verlauf der Handlung beeinflusst. Weil die Handlung in "Quantum Break" generell einen recht großen Part einnimmt, hat sich Entwickler Remedy entschieden, diese nicht nur in Zwischensequenzen, sondern auch in Form von TV-Episoden zu erzählen.

Die einzelnen Folgen wurden mit einem durchaus hochkarätigen und breiten Cast gedreht und erreichen beinahe die visuelle und erzählerische Qualität wie aktuelle Serien von HBO oder Netflix. So wird Paul Serene etwa von Aiden Gillen gespielt, der vielen durch seine Rolle als Petyr Baelish in "Game of Thrones" bekannt sein dürfte. In den vier Episoden konzentriert sich die Handlung größtenteils auf Charaktere, die in den Spielsequenzen selbst nur am Rande vorkommen. Dadurch erfährt der Spieler, wie die Geschichte auf mehreren Handlungsebenen voranschreitet.

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Guter Shooter mit spaßigen Superkräften

Das Spiel selbst ist in seinem Kern letztlich trotzdem "nur" ein Deckungs-Shooter, in dem der Spieler die Hauptfigur aus der Third Person-Perspektive durch die Level steuert. Die reine Shooter-Mechanik funktioniert dabei hervorragend. Beim Anvisieren profitiert das Spiel zumindest auf der Xbox One von einer leichten Zielhilfe.

Anders als in vergleichbaren Spielen sucht Jack allerdings nicht auf Knopfdruck Deckung, sondern macht dies automatisch, sobald er sich hinter Objekten befindet, die ihm Schutz bieten. Wirklich verschanzen kann sich der Spieler in "Quantum Break" jedoch nicht, denn de KI geht recht aggressiv vor und versucht Jack nach allen Regeln der Kunst zu umzingeln.

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Jack Joyce hat die Zeit im Griff. (©Microsoft 2016)

Das beeindruckende Spiel mit der Zeit

Wirklich spaßig wird das Gameplay jedoch erst durch die Superkräfte zur Zeitmanipulation, die Jack im Laufe des Spiels immer weiter entwickelt. So ist es auf Knopfdruck möglich, sich blitzschnell durch die Level zu bewegen, während die Gegner nur in Zeitlupe zu agieren scheinen. Auch lässt sich die Zeit in bestimmten Bereichen des Levels einfrieren. Das ist besonders nützlich, um Gegner kurzzeitig kaltzustellen. Die Kräfte fügen sich nahtlos in die Feuergefechte ein und verleihen dem Spiel eine ganz eigene Dynamik.

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In einer Zeitanomalie friert das gesamte Geschehen mitten in der Action ein. (©Screenshoot MIcrosoft/ TURN ON 2016)

Allerdings gibt es auch Feinde mit sogenannten Chrono-Anzügen, die Jacks Fähigkeiten gewachsen sind. Diese besitzen die gleichen Fähigkeiten wie Jack und erfordern dadurch eine völlig andere Vorgehensweise im Kampf. Später im Spiel tauchen zudem Gegner auf, die in der Lage sind, Jack seine Kräfte kurzzeitig zu rauben. Durch die Kombination der verschiedenen Gegnertypen hält "Quantum Break" die Herausforderung bis zum Schluss aufrecht.

Technisch ein echter Hammer

Grafisch und technisch ist "Quantum Break" fast durchgehend eine Wucht. So wirken die Level dank der sehr guten Beleuchtungseffekte und vieler Details sehr stimmungsvoll und die Charaktere im Spiel sind ihren Schauspieler-Vorbildern wie aus dem Gesicht geschnitten. Selbst typische Mimik und Gestik lässt sich bei den virtuellen Figuren wiedererkennen. Hinzu kommt eine funktionierende Physik-Engine, die dafür sorgt, dass sich Objekte bewegen und zerstören lassen. Lediglich einige Texturen wirken bei näherem Hinsehen etwas grob aufgelöst.

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Grafisch kann sich "Quantum Break" sehen lassen. (©Screenshoot MIcrosoft/ TURN ON 2016)

Das eigentliche Highlight sind jedoch die extrem beeindruckenden Zeiteffekte. Diese treten nicht nur auf, wenn Jack seine Kräfte nutzt, sondern auch innerhalb sogenannter Zeitanomalien, die in der Handlung eine zentrale Rolle spielen. Betritt der Spieler eine solche Anomalie bewegt sich die komplette Umgebung in Zeitlupe. Das ist besonders in Gefechten beeindruckend, wenn sich Jack und seine Gegner mit einer viel höheren Geschwindigkeit bewegen als die zum großen Teil zerstörbare Umgebung. Dass Effekt-Feuerwerk, das Quantum Break in solchen Momenten auf den Bildschirm zaubert, ist absolut atemberaubend und sucht seinesgleichen.

Fazit: Remedy gelingt erneut ein Hit

Im Kern mag "Quantum Break" nur ein weiterer Shooter sein. Was Remedy jedoch in Bezug auf Story, Erzählweise, Gameplay und Technik aus der Grundformel macht, ist beeindruckend. In fast jedem Bereich bewegt sich der Titel auf höchstem Niveau und dort wo das nicht gelingt, überzeugt das Spiel als stimmiges Gesamtpaket. Allein das technische Feuerwerk, dass die Entwickler durch die Kombination aus Zeit- und Physik-Effekten abfeuern, ist einen Blick wert. Hinzu kommt die clever erzählte Story mit ihren sympathischen und glaubhaften Charakteren. All diese Faktoren machen "Quantum Break" zu einem Pflichttitel für Xbox One und PC und zu einem der ersten großen Gaming-Highlights des Jahres 2016.

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