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"Rage 2" angespielt: Es ist schnell, es ist hart, es ist geil!

Apokalypse und Spaß dabei: In "Rage 2" steht durchgeknallte Baller-Action im Vordergrund.
Apokalypse und Spaß dabei: In "Rage 2" steht durchgeknallte Baller-Action im Vordergrund.

Du magst knallharte, schnelle Action? Du liebst die virtuelle Postapokalypse, fette Wummen und haarsträubend überzogene Bildschirm-Gewalt? Dann wirst Du "Rage 2" lieben! Im ausführlichen Preview verrate ich Dir, warum der neon-bunte Open-World-Shooter auf meiner persönlichen "Muss ich zocken!"-Liste ganz nach oben geschossen ist.

Die letzten Monate waren sicherlich nicht ganz einfach für Bethesda: Das groß angekündigte "Fallout 76" hat sich zum wohl größten PR-Debakel in der Geschichte des Publishers entwickelt, das Vertrauen vieler Fans ist nachhaltig erschüttert. Da muss ein richtig gutes Spiel her, um die Hiobsbotschaften der letzten Zeit vergessen zu machen. Und ich kann voller Erleichterung sagen: "Rage 2" ist dieses Spiel! Nach dem ausführlichen Probespiel konnte ich mich kaum vom Bildschirm lösen und hätte am liebsten den ganzen Tag weitergezockt. Hier kommt was Großes auf uns zu!

Rage 2 fullscreen
Dieses Bild fasst "Rage 2" eigentlich schon ganz gut zusammen.

Du hast den ersten Teil nicht gespielt? Macht nix!

"Rage 2" ist, wenig überraschend, die Fortsetzung von "Rage" aus dem Jahr 2011.  Das hatte sich immerhin zwar so gut verkauft, dass wir uns nun, satte acht Jahre später, über ein Sequel freuen dürfen, ein wirklicher Blockbuster war der Shooter aber nicht: Nicht zuletzt wegen technischer Beschränkungen der damaligen Hardware-Generation konnten die Entwickler von id Software ihre Version eines offenen Shooters in einer zerstörten Welt nicht zufriedenstellend umsetzen.

Zeitsprung ins Jahr 2019: "Rage 2" spielt 30 Jahre nach den Geschehnissen des ersten Teils und versetzt Dich in die Rolle des Protagonisten Walker, der als letzter Ranger gegen das Chaos und die Anarchie einer zerstörten Spielwelt kämpft. Zwar triffst Du auf einige aus Teil 1 bekannte Gesichter, sonderlich viele Anknüpfungspunkte zum Vorgänger bietet "Rage 2" aber nicht, sodass auch Neulinge ohne zu zögern die Waffen durchladen dürfen.

Ach ja: Diesmal kann Dein Walker übrigens auch eine Frau sein! Nur eines von vielen Beispielen, wie Du "Rage 2" Deinen ganz persönlichen Vorlieben anpassen kannst.

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Halb elf, ein Wüstenkaff im Nirgendwo, alles voller Mutanten – die Frisur sitzt.

"Rage 2" in Kurzform: "Doom" meets "Mad Max"

Wenn man ein Spiel ganz kurz und knapp zusammenfasst, tut man ihm meistens ein wenig Unrecht. Im Fall von "Rage 2" ist meine Mini-Beschreibung aber ausdrücklich als Kompliment gemeint: Es spielt sich in der Vorab-Version so flott, flüssig und brachial wie das 2016er "Doom" – und das in einem "Mad Max"-artigen Ödland-Setting. Das müsste eigentlich schon reichen, um den meisten von uns ein blutrünstiges Funkeln in die Augen zu zaubern! Aber zum Glück überzeugt "Rage 2" in der Preview nicht nur auf dem Papier, sondern auch in der Praxis.

Und das ist kein Wunder, denn "Rage 2" ist eine Gemeinschaftsarbeit der "Doom"-Väter id Software und der Avalanche Studios, die sich mit ihrer "Just Cause"-Reihe als große Fans von weitläufigen, offenen Spielwelten geoutet haben. So konnte jedes Team seine Expertise einfließen lassen, um uns ein mitreißendes Actionspektakel zu präsentieren, das die Stärken der offensichtlichen Vorbilder in der Preview gekonnt kombiniert. Hey: Besser gut geklaut als schlecht selber erfunden, oder?

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Auch dieser Kollege sieht aus wie der uneheliche Sohn einer Big Sister aus "Bioshock 2" und einem "Killzone"-Helghast.

Die Wüste bebt

Blicken wir zunächst aufs Gunplay – denn wenn sich das Ballern nicht gut anfühlt, nutzt auch das ganze abgedrehte Drumherum wenig. Und hier gibt's schon mal den ersten abgerissenen Daumen nach oben: id Software weiß einfach, wie man Schießereien so herrlich derbe und saftig inszeniert, dass man den Bildschirm danach beinahe abwischen möchte. Selbst die handelsübliche und vergleichsweise schwache Handfeuerwaffe hat angenehm viel Wumms, die Bedienung der Schießprügel funktionierte im Probespiel einwandfrei.

Doch natürlich ist das nur Kinderkram für die ersten Spielminuten – so richtig interessant wird's doch erst mit den größeren Knarren. Das Maschinengewehr durchsiebt Deine Feinde auch auf große Entfernung, aber den meisten Spaß hatte ich mit der dicken Shotgun: Sich an einen nichtsahnenden Ödland-Lumpen anzuschleichen und ihm aus nächster Nähe den rasierten Schädel wegzupusten, verschafft einem eine so wohlige Befriedigung, dass man das wahrscheinlich nur noch tiefenpsychologisch erklären kann.

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...und, mal ganz ehrlich: Vögel wie diese haben auch nichts Anderes verdient.

Ziemlich cool ist auch der dreiarmige Wurfstern, der ein wenig an das Fünfklingenschwert aus dem Science-Fiction-Klassiker "Krull" erinnert: Ein gut platzierter Wurf, und schon steht auch der nächste Gegner im wahrsten Sinne kopflos da. Ist das realistisch? Nein, natürlich nicht. Dass "Rage 2" für Realismus so viel übrig hat wie Max Rockatansky für verkehrsberuhigte Zonen, macht das Spiel von der ersten Sekunde an klar.

Das klingt alles ziemlich brutal und das ist es auch, aber trotzdem verkommt "Rage 2" nicht zur plump-gewaltgeilen Splattershow: Die Spielwelt glänzt in Neonfarben, andere Charaktere haben immer wieder mal einen blöden Spruch parat und Leichen fliegen so übertrieben durch die Luft, dass hier kein Zweifel besteht: "Rage 2" richtet sich ganz klar an Erwachsene, nimmt sich selber aber zu keiner Sekunde wirklich ernst. Das hier ist eine lupenreine Machtfantasie zum Spielen – nicht mehr. Aber auch auf gar keinen Fall weniger.

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Macht's im Spiel laut "Bumm", grinse ich wie dumm!

Nanu? Noch schöner killen mit Nano!

Doch Du verlässt Dich nicht nur auf die zahlreichen Schießprügel (von denen ich beim Anspiel-Termin übrigens nur einen Bruchteil sehen durfte), Walker verfügt zudem über pfiffige Superfähigkeiten: Mittels so genannter Nanotrites erzeugst Du einen mächtigen Energiestoß, der Gegner meterweit zurückschleudert, krachst nach kurzem Sturzflug mit einem alles erschütternden Aufprall auf den Boden oder heftest den Wüsten-Psychos einfach eine Energiegranate an die zerschlissenen Kutten. Und sobald Deine Bonusleiste ganz aufgeladen ist, drückst Du die beiden Schultertasten und schaltest damit in den Overdrive, der Dich für ein paar Sekunden nahezu unverwundbar und noch tödlicher macht.

Der Schlüssel zum Überleben in "Rage 2" ist Mobilität – wie schon in "Doom" kannst Du auch die kniffligsten Kämpfe überstehen, wenn Du immer in Bewegung bleibst und Dich nicht einkreisen lässt. Und die Kombination aus Wummen und Superfähigkeiten zwingt Dich, immer wieder zu improvisieren. Anfangs ist das Wechseln zwischen Waffen und Nano-Fähigkeiten noch ein wenig fummelig, aber schon nach ein paar Minuten vollführst Du ein atemberaubendes Todes-Ballett: Aus vollen Rohren ballernd in ein Gegnernest springen, einen Energiestoß vom Stapel lassen, aus der Schusslinie sprinten, mit dem Wurfstern den gut verschanzten Scharfschützen erledigen, flink zur Shotgun wechseln und den kümmerlichen Feindesrest zu Kleinholz verarbeiten – wer hier keinen Adrenalinkick bekommt, sollte ganz dringend mal checken, ob er überhaupt noch einen Puls hat.

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Der Energiestoß rettet Dir mehr als einmal den Pelz, wenn Du von Gegnern umzingelt bist.

Anarchie ist machbar, Herr Nachbar!

Und die Spielwelt? Auch hier hatte mich "Rage 2" in der Preview ganz schnell am Haken: Verschiedene Biome, von der kargen Wüstenlandschaft bis zum fauligen Sumpfgebiet, sorgen für optische Abwechslung, in den schön abgeranzten Siedlungen wuseln jede Menge skurriler Gestalten herum und wenn ich am Horizont eine Rauchsäule entdecke, kann ich sowieso nicht mehr klar denken – ich MUSS einfach wissen, was da brennt! Zum Glück kann Walker jedes Vehikel steuern, so lassen sich kilometerlange Gewaltmärsche in Windeseile bewältigen.

Sehr gut gefallen hat mir, dass sich die Welt zwar angemessen karg und rau, aber nicht leer anfühlt – im Gegenteil: Alle paar Meter findest Du Banditenstützpunkte, zusammengezimmerte Wellblech-Kolonien oder sonstige Sehenswürdigkeiten, misst Dich in halsbrecherischen Straßenrennen oder lootest einfach nur, was da so rumliegt. Ich hatte sogar schon einen kleinen Magic Moment: Gedankenversunken schlenderte ich den Highway entlang und genoss einfach nur die Atmosphäre – nur um in letzter Sekunde einem Autokonvoi auszuweichen, der plötzlich um die Ecke raste und mit heulenden Motoren hinter der nächsten Hügelkuppe verschwand. Es war nur ein völlig irrelevanter Zufall, aber für ein paar Sekunden fühlte ich mich in eine echte, lebendige Welt versetzt – in der nun mal die Anarchie herrscht!

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Typischer Postapokalypse-Look: Staub und Dreck gemischt mit grellen Neonfarben.

So winzig, so wichtig: Die Details

Wofür ich die Entwickler aber wirklich knutschen könnte, sind die kleinen Details, die die Spielwelt erst zum Leben erwecken: Manche Banditen haben sich den Hintern einer Katze auf den Bauch tätowiert (wobei der Bauchnabel genau in der Mitte des Katzenhinterns ist, wenn Du verstehst, was ich meine...) oder springen mitten im wüstesten Feuergefecht wie Capoeira-Kämpfer durch die Gegend, was absoluter Quatsch ist, aber es ist nun mal einfach so schweinecool!

Und: Hier sehen erledigte Gegner wirklich mal tot aus. Ich möchte nicht morbide klingen, aber wenn besiegte Feinde in anderen Spielen einfach nur umkippen und doof in der Gegend rumliegen, als wären sie alle mit offenen Augen eingeschlafen, dann stört mich das tierisch. Nicht so bei "Rage 2": Nach einem Feuergefecht blickst Du in Gesichter, aus denen wirklich gerade das Leben gewichen ist – hängende Augenlider, halboffene Münder. Das ist nur ein winziges Detail, das das Spiel an sich kein Stück besser macht. Aber irgendwie halt eben doch.

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Nein, der Kollege links leidet nicht an der Modekrankheit Kartoffelkopf, sondern trägt einfach nur eine Maske.

Nur zwei Sachen haben mir in der Anspiel-Version nicht gefallen: Manchmal war die Sound-Abmischung sehr unpräzise, so dass es klang, als wäre ein Gegner direkt hinter mir – auch wenn er in Wahrheit meterweit entfernt war, manchmal sogar ein ganzes Stockwerk über oder unter mir. Außerdem war das Fahrverhalten der Autos unterirdisch, man muss es leider so sagen. Da wiegen die waffenstarrenden Killer-Karren gefühlt 'ne Tonne, fliegen bei jeder Bodenwelle aber durch die Luft, als wären sie mit Helium gefüllt. Ein absoluter Atmosphäre-Killer, der hoffentlich bis zum Release ausgemerzt wird.

Fazit: Ich will es. Jetzt!

Ihr merkt es schon: Ich bin ganz hingerissen von "Rage 2". Und dabei habe ich so viel noch gar nicht sehen können: Die coolsten Waffen, das Crafting, die ganzen Upgrades. Aber ich lege mich schon jetzt fest: "Rage 2" wird ein vollkommen übertriebenes Baller-Spektakel, bei dem ich mich mal wieder so richtig austoben kann. Sollen andere Spiele doch depressiv durch die Gegend schlurfen und euch mit anstrengendem Pseudo-Realismus nerven: "If it's not fun, why bother?", fragte schon Nintendo-Geschäftsführer Reggie Fils-Aimee. "Rage 2" stimmt da aus tiefstem Herzen zu.

"Rage 2" erscheint am 14. Mai für PS4, Xbox One und PC.

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"Was ist das ? Ich muss da hin!" – Wer gerne auf Erkundungstour geht, hat mit "Rage 2" wochenlangen Spielspaß.
Das sagt Wolf:
Alleine das kernige Kampfsystem ist ein Grund, warum ich mich auf "Rage 2" mehr freue als auf das ähnlich veranlagte "Far Cry New Dawn" von Ubisoft. Wie ist es bei Dir?
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