Test

"Stardew Valley": Dieses Pixel-Spiel schlägt alle Blockbuster

Das Pixel-Spiel "Stardew Valley" ist derzeit der Renner bei Steam.
Das Pixel-Spiel "Stardew Valley" ist derzeit der Renner bei Steam. (©ConcernedApe 2016)

Wie kann ein kleines Pixel-Spiel, das nur von einem Menschen programmiert wurde, viel mehr aktive Spieler haben als Blockbuster wie "Fallout 4" oder Kracher-Titel wie "Rocket League"? Der Farmsimulator "Stardew Valley" hat es geschafft und zieht gerade haufenweise Fans in seinen Bann. Der TURN ON-Test zeigt, warum.

Das Farmspiel dürfte viele von euch an frühere Versionen des Konsolen-Klassikers "Harvest Moon" erinnern, der es leider nie in einer befriedigenden Version auf den PC geschafft hat. Die Grafik und das Spielprinzip vom Farmen, Ernten, Fischen und Daten sind sich sehr ähnlich, wenn auch "Stardew Valley" notwendige zeitgemäße Verbesserungen vornimmt. So können zum Beispiel im Gegensatz zum Klassiker gleichgeschlechtliche Beziehungen eingegangen werden.

Aller Anfang ist schwer

Nachdem wir im Test unseren Charakter erstellt haben, sind wir schon mittendrin in der Story. Unser Großvater stirbt und überreicht uns auf seinem Totenbett einen Brief. Den dürfen wir erst öffnen, wenn wir bereit sind und eine Veränderung in unserem Leben brauchen. Als unser Charakter Jahre später einen ätzenden Bürojob hat, ist es so weit. Opa hat uns seine alte Farm vererbt. Wir brechen also alle Zelte ab und wandern aus aufs Land. Hier sieht es total chaotisch aus. Das Haus ist heruntergekommen und der Hof der Farm von der Natur überwuchert. Doch dafür sind wir ja hier! Also schnappen wir uns die typischen Werkzeuge wie eine Axt oder Spitzhacke und beginnen aufzuräumen.

Neben unserer Farm befindet das Dorf Stardew Valley. Hier leben viele Singles und Familien, die wir im Laufe des Spiels kennenlernen. Mit einigen freunden wir uns an und verlieben uns vielleicht sogar. Im Ort kaufen wir Samen, die wir dann auf unserer Farm anpflanzen und bewässern. Anfangs müssen wir noch Gießkannen schleppen, später bauen wir uns Sprinkleranlagen. Und genau dieses Prinzip macht "Stardew Valley" zu einem so anziehenden Spiel. Die Suchtspirale heizt uns im Test immer weiter an. Wir wollen etwas verbessern, also brauchen wir mehr Geld. Dafür müssen wir mehr arbeiten. Dadurch bekommen wir ein höheres Level und bessere Fähigkeiten und nun wiederum mehr Möglichkeiten, die wir wahrnehmen wollen. Das ist extrem motivierend und anspornend. Mehr als ein Mal ertappe ich mich abends um 22 Uhr bei dem Gedanken "Ach komm, einen Tag schaffst du noch" – und plötzlich ist es 2 Uhr nachts.

Der Retro-Charme von "Stardew Valley" entzückt sofort. fullscreen
Der Retro-Charme von "Stardew Valley" entzückt sofort. (©ConcernedApe 2016)
Auch Fischen kann man in dem Spiel. fullscreen
Auch Fischen kann man in dem Spiel. (©ConcernedApe 2016)
Höhlen und Minen sind zufällig generiert. fullscreen
Höhlen und Minen sind zufällig generiert. (©ConcernedApe 2016)

Ein Rollenspiel mit vielen Möglichkeiten

"Stardew Valley" macht im Test so viel Spaß, weil wir extrem viel machen können. In den zufällig generierten Höhlen und Minen wagen wir uns beispielsweise Stockwerk für Stockwerk tiefer hinab und bekämpfen schleimige Monster. An Flüssen und dem Ozean können wir hingegen recht entspannt angeln. Auf der Farm kümmern wir uns um die Ernte und die Tiere, in der Stadt beschenken wir unsere neuen Freunde mit Dingen, die sie lieben, um unsere Beziehung zu verbessern. Oder wir feiern besondere Dorffeste. Zusätzlich gibt es zwischendurch jede Menge Quests und Herausforderungen, denen ihr euch stellen könnt. Mal muss die Unterhose des Bürgermeisters gefunden werden oder jemand braucht unbedingt ein Stück Quarz. Belohnt werden wir dafür mit Gold. Außerdem gibt es für den Ausbau eines großen Gemeindezentrums jede Menge Sammelaufträge.

Auch das Crafting-System macht so einiges her. So können wir unser angebautes Gemüse auch zu schmackhaften Menüs verarbeiten – vorausgesetzt wir haben unser Haus verbessert und eine Küche angebaut. Der Fernseher liefert uns ab und zu leckere neue Rezepte, an denen wir uns versuchen können. Außerdem bauen wir einen Hochofen, um unsere in den Minen gesammelten Erze einzuschmelzen, damit wir unsere Werkzeuge und das Schwert verbessern. Besondere geologische Funde aus den Höhlen spenden wir dem Museum. Oder wir gestalten unsere Farm mit Wegen und Beeten einfach zu jeder Jahreszeit um. Im Frühling gibt es andere Pflanzen als im Sommer oder Herbst, der Winter liefert uns vor allem schneebedeckte Landschaften. Das Spiel arbeitet auch mit einem Tag/Nacht-Wechsel und manche Fische oder Dinge fangen und finden wir nur in der Dunkelheit.

Unsere Möglichkeiten sind so umfangreich, dass wir nicht vergessen dürfen, auf unsere Energie-Anzeige am rechten unteren Bildschirmrand zu achten. Ist die leer, haben wir uns überarbeitet und landen im Krankenhaus.

Der eigene Charakter kann umfangreich individualisiert werden. fullscreen
Der eigene Charakter kann umfangreich individualisiert werden. (©ConcernedApe 2016)
In der Stadt bekommen wir neue Quests. fullscreen
In der Stadt bekommen wir neue Quests. (©ConcernedApe 2016)
Auf der Farm kümmern wir uns um die Ernte und die Tiere. fullscreen
Auf der Farm kümmern wir uns um die Ernte und die Tiere. (©ConcernedApe 2016)

Ein Mann, vier Jahre

Es ist fast nicht vorstellbar, aber hinter dem Spiel steckt nur eine Person: Seit 2012 entwickelt Eric Barone komplett im Alleingang an diesem Farmsimulator-Rollenspiel. Über die letzten vier Jahre hat er viele Schritte der Entwicklung auf seiner Webseite dokumentiert. Seit Release Ende Februar 2016 ist seine Fangemeinde explosionsartig gewachsen. In der Liste der meistverkauften Spiele bei Steam steht es fast ganz oben – nur Ubisofts aktueller Action-Hit "The Division" verkauft derzeit mehr Lizenzen über diese Plattform. Auch wenn "Stardew Valley" nur mit einem Einzelspielermodus erschienen ist, wird laut dem Entwickler bald eine Mehrspielervariante folgen! Dabei sollen dann bis zu vier Spieler kooperativ zusammen säen, bewässern, ernten, fischen, bergbauen, erkunden, sammeln, daten und craften. "Stardew Valley" gibt es für PC auf Steam oder DRM-frei auf GoG für 13,99 Euro.

Fazit: Wir. Können. Nicht. Aufhören.

"Stardew Valley" ist ein großartiges Spiel, das uns wie viele andere Gamer auch zurzeit gar nicht mehr loslässt. Es gibt so viel zu entdecken und durch die Pixelgrafik bekommt das Spiel eine riesige Portion Retrocharme, der uns auch ein bisschen in unsere Kindheit zurückversetzt. Lange habe ich bei Free-to-Play-Farmspielen versucht, die Leidenschaft zu erhalten – doch die Warterei hat genervt. "Stardew Valley" schließt diese große Lücke. Das Spiel wurde gebraucht! Und nun sind wir digitalen Hobby-Farmer endlich glücklich.

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