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"Stranger Things: Das Spiel" im Test: The Legend of Hawkins

Kurz vor dem Start der zweiten "Stranger Things"-Staffel bekommt die Mystery-Serie ein eigenes Mobile-Spiel.
Kurz vor dem Start der zweiten "Stranger Things"-Staffel bekommt die Mystery-Serie ein eigenes Mobile-Spiel. (©Facebook/BonusXP 2017)

Da kommt zusammen, was zusammengehört: Die Erfolgsserie "Stranger Things" hat endlich ein offizielles Videospiel – und natürlich ist es von vorne bis hinten retro. Wir haben uns das Gratis-Game für iOS und Android angeschaut und festgestellt, dass es mehr kann als zunächst gedacht.

Was soll man schon von einem kostenlosen Smartphone-Spiel erwarten, das kurz vor dem – zugegebenermaßen mit Spannung erwarteten – Start der zweiten Staffel der Mystery-Serie erscheint? Ein nettes Werbe-Gimmick, mehr nicht. "Stranger Things: Das Spiel" so einfach abzuurteilen wäre aber vorschnell und ein bisschen unfair.

Ja, natürlich ist dieses Spiel eine Promo-Maßnahme von Netflix in Zusammenarbeit mit dem Indie-Entwickler BonusXP. Die zweite "Stranger Things"-Staffel, die Ende Oktober startet, will ja schließlich angemessen beworben werden. Es ist aber auch immer noch ein vollwertiges Spiel – und als solches tatsächlich ziemlich gelungen.

Das fängt schon bei der niedlichen Pixel-Optik an, die den Retro-Charme der Serie gekonnt einfängt, auch wenn es sie so im Serien-Jahr 1984 sicher noch nicht gab. Dafür aber wenige Jahre später so ähnlich auf dem SNES, für das "Stranger Things" im Gefolge von Spielen wie "The Legend of Zelda: A Link to the Past" locker hätte erscheinen können. An die Abenteuer von "Zelda"-Held Link erinnert hier nämlich so einiges – auch wenn wir uns hier nicht durch Hyrule, sondern durch das Städtchen Hawkins bewegen, das als Oberwelt fungiert und zahlreiche abzweigende Dungeons bereithält.

Mit dem "Stranger Things"-Cast durch Hawkins und das Upside Down

Natürlich steuern wir auch nicht Link, sondern eine ganze Reihe von Haupt- und Nebenfiguren aus der Mystery-Serie. Das Abenteuer beginnen wir als bärbeißiger Polizeichef Hopper, der damit beauftragt wird, die verschwundene Clique um Will Byers, Lucas Sinclair und Co. wiederzufinden. Statt die bekannte Handlung der ersten Staffel nachzuspielen, finden wir uns also in einem brandneuen Abenteuer wieder, das zwischen den beiden Seasons angesiedelt ist – ein cleverer Schachzug der Entwickler, die dadurch jede Menge Verweise auf die Serie einbauen und trotzdem nicht zu viel verraten können.

Point-and-Click mit Echtzeit-Kämpfen

Die erste Spur führt trotzdem erst einmal ins aus der Serie bekannte geheime Regierungslabor, wo wir erste Gegner verprügeln, Schalterrätsel lösen, Schlüsselkarten einsammeln und am Ende – wie sich das gehört – einen Endboss in die Schranken weisen. Später besuchen wir auch noch weitere bekannte Schauplätze: etwa die Schule, Haus und Pool von Nancys Freund Steve (Ruhe in Frieden, Barb!) und natürlich das gruselige Upside Down. "Stranger Things" beschwört dabei klassisches SNES-Adventure-Feeling, nur dass die Steuerung eben nicht mit Steuerkreuz und Aktionsbuttons erfolgt, sondern per Tippen auf dem Smartphone-Display. Das geht meist gut von der Hand und erinnert ein wenig an Point-and-Click-Adventures wie "Monkey Island". Nur die Echtzeit-Kämpfe geraten gelegentlich etwas fummelig und arten dann in hektischem Gehacke auf dem Bildschirm aus.

Gesteuert wird – trotz Retro-Optik – per Tippen auf dem Touchscreen. fullscreen
Gesteuert wird – trotz Retro-Optik – per Tippen auf dem Touchscreen. (©TURN ON 2017)
"Stranger Things"-Fans entdecken an jeder Ecke bekannte Schauplätze aus der Serie – zum Beispiel die Holzhütte "Schloss Byers" ... fullscreen
"Stranger Things"-Fans entdecken an jeder Ecke bekannte Schauplätze aus der Serie – zum Beispiel die Holzhütte "Schloss Byers" ... (©Netflix/BonusXP/TURN ON 2017)
... oder den Swimmingpool in der Sporthalle. fullscreen
... oder den Swimmingpool in der Sporthalle. (©Netflix/BonusXP/TURN ON 2017)
Charaktere wie Joyce Byers sind natürlich ebenfalls dabei. fullscreen
Charaktere wie Joyce Byers sind natürlich ebenfalls dabei. (©Netflix/BonusXP/TURN ON 2017)
Manche Orte besuchen wir erst in der normalen Welt ... fullscreen
Manche Orte besuchen wir erst in der normalen Welt ... (©Courtesy Netflix 2017)
... und dann noch einmal im schummrigen Upside Down. fullscreen
... und dann noch einmal im schummrigen Upside Down. (©Netflix/BonusXP/TURN ON 2017)

Daran müssen wir uns gewöhnen, denn kämpfen lässt sich nicht vermeiden. Nach und nach retten wir so die Kinder-Gang, deren Mitglieder jeweils eigene nützliche Fähigkeiten mitbringen: Lucas hat etwa seine "Handgelenk-Rakete" genannte Steinschleuder und legt damit auf Entfernung Gegner und Schalter um, Nancy Wheeler drischt mit ihrem Baseballschläger Hindernisse kaputt, Will Byers kann durch Rohre kriechen und so weiter. Je mehr Figuren wir einsammeln, desto mehr Gebiete stehen uns in der Oberwelt und in den Dungeons offen und desto besser müssen wir ihre Fähigkeiten zum Lösen der teils durchaus kniffligen Rätsel kombinieren. Manche Geheimnisse lösen wir nur, wenn wir mit neuen Charakteren in frühere Gebiete zurückkehren.

Ein Fest für Rätselfreunde, Sammelfüchse und Kinder der Achtziger

Nach und nach erschließt sich so die Spielwelt, die tatsächlich recht umfangreich ausfällt und mehrere Stunden Spielspaß verspricht, zumal auch noch Sammelobjekte darin versteckt sind: Herzcontainer verbessern die Gesundheit, Ausrüstungen machen die Figuren stärker, Gartenzwerge, Eggo-Waffeln und VHS-Kassetten können eingeheimst werden, um am Spielende neue Trailer für die zweite Serienstaffel freizuschalten.

Nebenaufgaben gibt es auch noch – und hier leben die Entwickler den Eighties-Hype ganz ungeniert aus: Die Einwohner von Hawkins sind verrückt nach den Questitem gewordenen Kuriositäten der Epoche, die "Stranger Things: Das Spiel" hemmungslos abfeiert – von Transformers-Spielzeugen über Haarspray mit extra viel FCKW bis hin zu heute längst vergessener Unterhaltungselektronik.

Ein typisches Rätsel aus "Stranger Things: Das Spiel": Wie müssen die Projektoren geschubst werden, damit sie alle drei Schalter betätigen? fullscreen
Ein typisches Rätsel aus "Stranger Things: Das Spiel": Wie müssen die Projektoren geschubst werden, damit sie alle drei Schalter betätigen? (©Netflix/BonusXP/TURN ON 2017)
Verfolgungsjagden auf dem Fahrrad dürfen natürlich nicht fehlen. fullscreen
Verfolgungsjagden auf dem Fahrrad dürfen natürlich nicht fehlen. (©Netflix/BonusXP/TURN ON 2017)
Das Game watet knietief in der Popkultur der Achtziger. fullscreen
Das Game watet knietief in der Popkultur der Achtziger. (©Netflix/BonusXP/TURN ON 2017)
Gartenzwerge und andere kuriose Gegenstände lassen sich einsammeln ... fullscreen
Gartenzwerge und andere kuriose Gegenstände lassen sich einsammeln ... (©Netflix/BonusXP/TURN ON 2017)
... und werden im Inventar gehortet. fullscreen
... und werden im Inventar gehortet. (©Netflix/BonusXP/TURN ON 2017)

Fazit: "Stranger Things: Das Spiel" huldigt der Vergangenheit und der Serie

Unterm Strich ist "Stranger Things: Das Spiel" damit eine Game gewordene Liebeserklärung ans Gestern, in der es sogar Platz für einen höheren Schwierigkeitsgrad namens "Klassisch" ("Wie 1984, nur härter") gibt. Pixelgrafik, Gameplay und die Retro-Atmosphäre überzeugen und trösten darüber hinweg, dass die teils ziemlich düstere Stimmung der Serie einer eher niedlichen, nostalgischen Umsetzung Platz machen muss. Einen Sympathiebonus bekommt das Game dann noch dadurch, dass es wirklich in jedem Sinne ein Gratis-Spiel ist – ohne nervende Werbung (außer für "Stranger Things" natürlich), In-App-Käufe oder sonstige moderne "Errungenschaften". Vielleicht ist es also gar nicht so schlecht, dass ein Streaming-Konzern mit einem dicken Marketingbudget dahinter steckt ...

TURN ON-Wertung: 4/5

Download für iOS und Android
"Stranger Things: Das Spiel" steht als kostenloser Download im App-Store und im Google Play Store bereit.

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