Test: Gigabyte Aero 15X V8 – das schöne Biest unter den Gaming-Laptops

Patrick Schulze Fragt sich, wann VR-Brillen endlich so massentauglich werden wie in "Ready Player One".

Mit dem Gigabyte Aero 15X V8 tritt ein weiterer Laptop an, um den stationären Gaming-PC zu ersetzen. Im Test zeigt sich, warum das Power-Notebook sogar noch mehr Potential hat, als man zunächst vermuten würde.

Schlanke, leichte und gleichzeitig schicke Laptops sind seit einigen Jahren voll im Trend und sprechen eine durchaus zahlungskräftige Käuferklientel an. Nicht umsonst erfreuen sich MacBooks und Surface-Geräte großer Beliebtheit bei vielen Kunden, und auch leistungsfähige Gaming-PCs sind nach wie vor schwer angesagt – aber natürlich ebenfalls nicht eben günstig.

Für viele Nutzer, und da schließe ich mich selbst gerne ein, wäre es äußerst attraktiv, beide Geräteklassen in einem Gehäuse zu vereinen. Versuche gab es in dieser Richtung in den letzten Jahren schon einige, doch in den meisten Fällen sind die Hersteller dabei an die Grenzen der technischen Machbarkeit gestoßen. So ließen sich schlanke Designs und Power-Hardware bislang nie so wirklich vereinen. Mit dem Aero 15X tritt Gigabyte an, das zu ändern.

Der Formfaktor: Fast so schlank wie ein MacBook

Ich war dementsprechend gespannt, ob die Fusion diesmal gelingen kann. Vom  Formfaktor unterscheidet sich der 15,6-Zoll-Laptop nicht grundsätzlich vom aktuellen MacBook Pro oder vergleichbaren Notebooks. Mit seinen Maßen von 356 x 250 x 18 Millimetern fällt das Gaming-Notebook nur minimal größer aus, bietet aber unter der mattschwarzen Aluminium-Haube ungleich mehr Hardware-Power.

Das Gehäuse besteht aus schwarzem Aluminium. fullscreen
Das Gehäuse besteht aus schwarzem Aluminium. (©TURN ON 2018)
Mit einer Höhe von 18 Millimetern ist der Aero 15X ziemlich schlank. fullscreen
Mit einer Höhe von 18 Millimetern ist der Aero 15X ziemlich schlank. (©TURN ON 2018)
Das Äußere ist dezent, überzeugt aber mit netten Akzenten. fullscreen
Das Äußere ist dezent, überzeugt aber mit netten Akzenten. (©TURN ON 2018)
Das Gehäuse besteht aus schwarzem Aluminium.
Mit einer Höhe von 18 Millimetern ist der Aero 15X ziemlich schlank.
Das Äußere ist dezent, überzeugt aber mit netten Akzenten.

Gigabyte Aero 15X (i7-8750H): Technische Daten unseres Testgeräts

  • Intel Core i7-8750H (Coffee-Lake-Architektur)
  • 16 GB DDR4-RAM (maximal 32 GB möglich)
  • GeForce GTX 1070 Max-Q mit 8 GB VRAM
  • 512-GB M.2-SSD (zweiter noch unbelegter M.2-Steckplatz vorhanden)

Beim beinahe randlosen Display handelt es sich um ein entspiegeltes IPS-Panel mit Full-HD-Auflösung. Bemerkenswert ist vor allem die für Gamer besonders attraktive, hohe Bildwiederholrate von 144 Hz. Die Webcam sitzt aufgrund des kaum vorhandenen Randes übrigens nicht über dem Display, sondern ähnlich wie beim Dell XPS13 darunter.

Als mobiler Multimedia-Laptop ein Gewinner

Dank seiner Hardware-Ausstattung ist der Gigabyte Aero 15X V8 für das Arbeiten unterwegs in fast jeder Hinsicht qualifiziert. Selbst das Rendern von hochauflösenden Videos oder aufwändige Bildbearbeitung sind dank der leistungsfähigen Prozessor- und Grafikleistung kein Problem. Am ehesten sehe ich da noch das Display als Flaschenhals: Das ist zwar entspiegelt, löst aber wie beschrieben nur in Full-HD auf. Wer 4K-Material nativ bearbeiten möchte, muss dazu folglich einen externen Monitor anschließen.

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Auf der Chiclet-Tastatur lässt sich hervorragend tippen.

Auch für Schreibarbeiten ist der Aero 15X dank seiner farblich anpassbar hintergrundbeleuchteten Tastatur geradezu prädestiniert. Das Chiclet-Keyboard verfügt aber auch über einen vollständigen Ziffernblock und besitzt meiner Meinung nach einen nahezu perfekten Druckpunkt. Lediglich die Tatsache, dass sich die Befehle "Einfg" und "Entf" sowie "Pos1" und "Druck" jeweils eine Taste teilen müssen, fiel mir im Test negativ auf. 

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Das Touchpad könnte etwas genauer sein.

Das Touchpad ist zumindest ordentlich und eignet sich gut zum Bedienen des Laptops ohne Maus. Bei der Präzision ist jedoch noch etwas Luft nach oben: Gerade bei Gesten mit zwei oder mehr Fingern wurden meine Eingaben nicht immer gleich erkannt. Gamer werden aber wahrscheinlich ohnehin immer eine echte Maus dabeihaben.

Hervorragende Akkulaufzeit

Ziemlich angetan bin ich von der Akkulaufzeit, die der Laptop beim Arbeiten an Dokumenten, beim Surfen im Netz oder bei der Wiedergabe von Videos erreicht. Bei letzterem hält das Kraftpaket zwischen 8 und 9 Stunden durch, was für einen Rechner in dieser Leistungsklasse absolut beeindruckend ist. Im Gaming-Betrieb sollte trotzdem dringend das Netzteil angeschlossen sein, da die Leistung sonst automatisch stark gedrosselt wird.

Dieser Laptop findet fast überall Anschluss

Ein Nachteil von besonders schlanken Laptops ist oftmals das Fehlen wichtiger Anschlüsse. Im Extremfall setzen Hersteller mittlerweile komplett auf USB-C-Ports. Diese sind zwar zweifellos zukunftssicher aber für die Gegenwart leider nur bedingt geeignet. Der Gigabyte Aero 15X macht es mit einer Vielzahl unterschiedlicher Ports besser.

An der Anschlussfront lässt Gigabyte laum Wünsche offen. fullscreen
An der Anschlussfront lässt Gigabyte laum Wünsche offen. (©TURN ON 2018)
Durch seine vielen Ports ist der Laptop enorm Alltagstauglich. fullscreen
Durch seine vielen Ports ist der Laptop enorm Alltagstauglich. (©TURN ON 2018)
An der Anschlussfront lässt Gigabyte laum Wünsche offen.
Durch seine vielen Ports ist der Laptop enorm Alltagstauglich.

Gigabyte Aero 15X V8 (i7-8750H): Anschlüsse

  • USB-C mit Thunderbolt 3
  • USB-A 3.1 (2x)
  • USB-A 3.0
  • HDMI 2.0
  • Mini-DisplayPort 1.4
  • SD-Kartenleser
  • 3,5-Millimeter-Kopfhörer-Anschluss
  • Kensington-Lock
  • RJ45-Ethernet-Port
  • Stromanschluss

Ein vollwertiger Gaming-PC?

Kommen wir nun aber zum eigentlich interessanten Aspekt: Gigabyte verspricht nämlich, dass der Aero 15X trotz seiner eher grazilen Form dennoch ein echtes Gaming-Monster ist und die verbaute Nvidia-Grafikkarte vom Typ GeForce GTX 1070 deutet das auch bereits an.

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Die Tastatur-Beleuchtung ist eines der wenigen Elemente, das eine klare Gamer-DNA ausstrahlt.

Doch halt! Eine GTX 1070 in so einem schlanken Gehäuse? Das klingt fast zu schön um wahr zu sein, handelt es sich doch um eine der leistungsstärksten Grafikkarten auf dem Markt. Tatsächlich vollbringen Gigabyte und Nvidia dieses technische Wunder mit einem kleinen Trick: Es handelt sich bei der GTX 1070 nämlich nicht ganz um die Desktop-Version, sondern um die sogenannte Max-Q-Variante der Grafikkarte.

Max-Q verbindet Grafikpower mit Effizienz

Max-Q steht dabei für einen neuen Design-Ansatz, für den Nvidia eng mit den PC-Herstellern zusammenarbeitet. Der Chip selbst ist gegenüber der Desktop-Variante der GTX 1070 leicht in seiner Taktrate gedrosselt und arbeitet dafür besonders energieeffizient. Weil trotz der Drosselung immer noch verdammt viel Grafikpower übrig bleibt, ist auch das gesamte Kühlkonzept des Laptops speziell auf das Max-Q-Design abgestimmt.

Aber das ist alles nur graue Theorie. Viel interessanter ist, wie sich der Gigabyte Aero 15X V8 tatsächlich beim Gaming schlägt. Und kurz gesagt: Die Performance kann sich sehen lassen.

Beeindruckende Performance in aktuellen Games

Im internen Benchmark-Test von "Far Cry 5" erreichte der Rechner bei Ultra-Settings immerhin eine durchschnittliche Framerate von 76 Bildern pro Sekunde. Im Vergleich dazu kommt mein eigener Desktop-PC mit Intel Core i5-6600K und einer AMD Radeon R9 390 nur auf durchschnittlich 60 Bilder pro Sekunde. Und auch wenn meine eigene Hardware schon einige Jahre auf dem Buckel hat, ist dieser Leistungsunterschied bemerkenswert. Nochmal zur Erinnerung: Hier geht es um einen 18 Millimeter dünnen Laptop.

Der Gigabyte Aero 15X schafft bei "Far Cry 5" im Schnitt 76fps. fullscreen
Der Gigabyte Aero 15X schafft bei "Far Cry 5" im Schnitt 76fps. (©Screenshot Ubisoft/TURN ON 2018)
Im Vergleich dazu schneidet so mancher Desktop-Gaming-Rechner deutlich schlechter ab. fullscreen
Im Vergleich dazu schneidet so mancher Desktop-Gaming-Rechner deutlich schlechter ab. (©Screenshot Ubisoft/TURN ON 2018)
Der Gigabyte Aero 15X schafft bei "Far Cry 5" im Schnitt 76fps.
Im Vergleich dazu schneidet so mancher Desktop-Gaming-Rechner deutlich schlechter ab.

Auch bei "Fortnite" und "F1 2017" knackte der Rechner mit den Ultra-Settings immer die Marke von 60 Bildern pro Sekunde. Lediglich bei "The Witcher 3" kam es hin und wieder zu leichten Schwankungen unter die 60-Frames-Marke. Bei heruntergeschraubten Grafikeinstellungen lässt sich dank des 144-Hz-Panels zudem ein besonders flüssiger Bildlauf bestaunen, den sonst meistens nur teure Gaming-Monitore hergeben.

Was mir nicht so gut gefällt

Natürlich sind mir bei allen guten Erfahrungen mit dem Gigabyte Aero 15X V8 auch die Schwächen des Laptops nicht verborgen geblieben. Die fallen insgesamt zwar nicht besonders stark ins Gewicht, sollen aber dennoch erwähnt werden:

Zum einen wäre da natürlich die Tatsache, dass der Laptop über keinerlei Wartungsklappen zum Austauschen oder Erweitern von Komponenten verfügt. Gerade aufgrund der Möglichkeiten zum Erweitern von Arbeitsspeicher und Festplatte ist dies schade. Zwar lässt sich das Gehäuse insgesamt schon öffnen, allerdings ist das recht umständlich.

Die internen Lautsprecher des Laptops finde ich außerdem ganz furchtbar. Klar, darf man bei einem derart flachen Gerät nicht viel erwarten. Aber selbst als notdürftiger Ersatz, falls mal keine Kopfhörer oder externen Boxen verfügbar sind, finde ich den Sound ziemlich bescheiden.

Fazit: Die eierlegende Wollmilchsau

Knapp 2500 Euro werden für den Gigabyte Aero 15X V8 inklusive Windows 10 Pro mindestens fällig. Das ist eine riesige Stange Geld und für meinen Desktop-PC, der ebenfalls ganz gut Gaming-tauglich ist, habe ich nur rund die Hälfte bezahlt. Berücksichtigt man allerdings die Tatsache, dass man mit dem Aero 15X gleichzeitig ein wirklich alltagstaugliches Notebook bekommt, relativiert sich der Preis dann schon wieder.

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Der Gaming-Laptop empfiehlt dank seiner dezenten Erscheinung auch für den Business-Einsatz.

Auch dank der Max-Q-Technologie von Nvidia ist es Gigabyte gelungen, einen Laptop zu bauen, der tatsächlich als vollwertiger Ersatz für einen Desktop-Gaming-Rechner durchgehen kann. Gleichzeitig ist das Gerät immer noch portabel genug, um es als Workstation für unterwegs zu nutzen. Mit seiner Hardware-Power, den hervorragenden Eingabegeräten, den vielseitigen Anschlüssen und der für dieses Setup ziemlich guten Akkulaufzeit steckt es dabei auch die meisten Konkurrenten locker in die Tasche.

Insgesamt kann ich nur meinen Hut vor Gigabyte ziehen, denn noch vor zwei Jahren hätte ich es nicht für möglich gehalten, so schnell einen so praktischen Allround-Laptop in den Händen zu halten. Das Max-Q-Design von Nvidia scheint dabei tatsächlich mehr zu sein, als bloßer Marketing-Sprech. Die kleineren Schwächen, die ich beim Testen festgestellt habe, fallen da fast gar nicht mehr ins Gewicht.

Das hat mir gut gefallen Das hat mir weniger gefallen
+ Schlankes Design, hochwertige Verarbeitung - "Nur" gutes Touchpad
+ Entspiegeltes 144-Hz-Display - Schwache interne Lautsprecher
+ Grafikpower auf Desktop-Niveau - Keine Wartungsklappen
+ Hervorragende Tastatur
+ Vielseitige Anschlüsse

 

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