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Test: Nvidia GeForce Now – So gut ist Raytracing aus der Cloud

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Aktuelle PC-Spiele auf (fast) allen Geräten? Cloud-Gaming verspricht die Lösung.

Nach mehrjähriger Betaphase ist Nvidia GeForce Now endlich öffentlich verfügbar. Wir sind schon seit der Probephase mit dabei und haben genau hingesehen: Ist der Cloud-Gaming-Dienst des Grafikkarten-Herstellers besser als Google Stadia? Funktioniert das Spielen per Livestream gut? Das und mehr erfährst Du in unserem Test.

Zunächst scheint der Gedanke abwegig: Warum sollte ein Grafikkartenhersteller Interesse daran haben, die Leistung seiner Chips über das Netz zu liefern, anstatt Hardware zu verkaufen? Auf den zweiten Blick ergibt die Strategie aber Sinn: Im Interview erklärte uns ein Sprecher von Nvidia, dass viele Menschen ohnehin nie eine teure GPU kaufen werden. Andererseits werden Spieler, die sich High-End-Grafikkarten, wie eine RTX 2080 Ti kaufen zunächst auch nicht auf Cloud Gaming umsteigen. Nvidia erweitert mit GeForce Now also lediglich die Zielgruppe und investiert in die Zukunft.

Nvidia GeForce Now im Überblick
  • Nutzbar auf: PC, Mac, Android, Shield TV, demnächst Chromebook (alle Hardware-Anforderungen findest Du hier)
  • Über 30 kostenlose Spiele im Premium-Abo enthalten, Zugriff auf gekaufte PC-Spiele bei Steam, Uplay, Origin und Epic Games Store
  • Internetanforderungen: 15 Mbit/s für 720p bei 60 FPS, 25 Mbit/s für 1080p bei 60 FPS
  • Premium-Mitgliedschaft: Vorrangiger Zugang zu GeForce-Now-Servern, RTX-Features, sechsstündige Spiele-Sitzungen, 3 Monate gratis, danach 5,49 Euro monatlich (Sonderangebot 2020)
  • Gratis-Mitgliedschaft: Beliebig viele einstündige Spiele-Sitzungen

Damit das klappt, muss der Service aber gut funktionieren – nur dann fließen langfristig Einkünfte durch Abos und rechtfertigen die Investition in die Cloud-Struktur. Nvidia hat seit 2017 ausgedehnte Betatests zu GeForce Now durchgeführt und sich mit dem Launch viel Zeit gelassen. Die richtige Entscheidung – das zeigt auch der mäßige Start des Konkurrenzprodukts Google Stadia: Der Cloud-Service des Suchmaschinen-Konzerns wirkt auch ein Vierteljahr nach dem Start noch unfertig und muss dafür öffentlich büßen.

So gut funktioniert GeForce Now im Test

Am liebsten nutze ich Cloud Gaming an meinem 2013er MacBook Pro. Apple-Nutzer mit Interesse an Videospielen sind für Streaming-Dienste ohnehin die passende Zielgruppe: Ich bin völlig zufrieden mit Mac OS und meinem Gerät, der weitgehende Verzicht auf aktuelle PC-Games wäre für mich der einzige Grund, einen zusätzlichen Windows-Rechner anzuschaffen. Als Großstadtbewohner mit einer 200-Mbit/s-Internetleitung ist das aber gar nicht mehr nötig. GeForce Now erlaubt mir Zugriff auf Tausende Spiele.

Die Qualität beim Cloud Gaming hängt von vielen Faktoren ab: Internetprovider, lokales Netzwerk, verwendete Hardware und Entfernung zum nächsten Rechenzentrum haben Einfluss auf Bildqualität und Eingabeverzögerung. Mein persönliches Spielerlebnis kann daher stark von dem anderer Nutzer abweichen. Zur besseren Einordnung vergleiche ich die Servicequalität von Nvidia GeForce Now im Test mit aktuellen Konkurrenten: Neben Google Stadia stehen mir PlayStation Now und Shadow von Blade zur Verfügung.

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So gut kann "Metro Exodus" auch per GeForce Now aussehen – wenn die Leitung stimmt.

Dabei schlägt sich Nvidias Cloud-Angebot recht gut. In meinem Vergleich war die Eingabeverzögerung geringfügig höher als bei PlayStation Now, aber etwas niedriger als bei Google Stadia. Ich empfehle eine tatsächliche Verbindungsgeschwindigkeit von mindestens 20 Mbit/s, um im Full-HD-Betrieb mit 60 FPS ein gutes Ergebnis zu erzielen, das sich vom lokalen Betrieb wenig unterscheidet und auch Details wie Nvidias RTX-Effekte gut aussehen lässt.

Raytracing, DLSS & Co. beherrscht GeForce Now bisher als einziger Cloud-Gaming-Anbieter. Kein Kunststück, wenn man selbst Hersteller der entsprechenden RTX-Hardware ist. Microsofts angekündigter Dienst xCloud könnte ebenfalls fotorealistische Lichteffekte durch Hardware-Raytracing bieten – wie die Spielekonsole Xbox Series X, die Ende des Jahres erscheint. Bestätigt ist das jedoch nicht. Cloud-PC-Anbieter Shadow wird Raytracing per Nvidia-Hardware erst ab 2021 zur Verfügung stellen.

Wer 4K-Auflösung benötigt, sollte dafür mindestens über einen Internetanschluss mit tatsächlichen 40 bis 60 Mbit/s verfügen. Auch im 5-GHz-WLAN erzielte GeForce Now ein gutes Ergebnis. Familienmitglieder sollte man während des Spielens allerdings von Bandbreiten-intensiven Angeboten wie Netflix fernhalten.

Internetgeschwindigkeit & Cloud Gaming
  • Ein stabiler Internetanschluss mit ausreichend Bandbreite ist für Cloud-Gaming unerlässlich. Wichtig: Wer beim Provider zum Beispiel einen 20-Mbit/s-Anschluss zahlt, wird in der Regel mit deutlich geringerer Geschwindigkeit auskommen müssen. Abhängig ist das von vielen Faktoren, wie der Verkabelung des Wohnhauses oder der aktuellen Auslastung in der Umgebung. Ein Speedtest zur "Hauptverkehrszeit" im Internet, etwa am Freitagabend, verschafft Klarheit.
  • Neben der allgemeinen Verbindungsgeschwindigkeit ist auch die Ping-, beziehungsweise Latzenzzeit ausschlaggebend. Sie beschreibt die Geschwindigkeit, in der die Datenpakete zwischen den beteiligten Servern hin- und zurückwandern – nicht die Downloadrate, die in der Werbung meist von Providern angegeben wird. Die Ping-Zeit sollte möglichst niedrig sein und wird ebenfalls bei gängigen Speedtests ermittelt. Es kann durchaus sein, dass ein Anschluss mit hoher Downloadrate über langsame Pingzeiten verfügt, die Cloud Gaming beeinträchtigen.

Aufgeräumte Software, wenig Schnickschnack

Die Software, über die ich mich bei Nvidia GeForce Now einlogge, ist auf den ersten Blick simpel gehalten. In einer Übersicht wähle ich mein Spiel aus, beim ersten Mal wird meine Online-Verbindung getestet. Nach dem Login beim Spiele-Launcher, etwa Steam oder EA Origin, öffnet sich bei GeForce-Now-optimierten Titeln direkt das Game. Ansonsten muss ich das Spiel im jeweiligen Launcher erneut anwählen. Im Grunde öffnet sich dabei ein Desktop, auf dem ich keinerlei Rechte habe, außer mein Spiel auszuführen. Das klingt komplizierter als es ist und funktioniert in der Regel gut.

In der GeForce-Now-Software lassen sich detailreiche Einstellungen zur Streaming-Qualität vornehmen. Neben Voreinstellungen, wie "Datensparmodus" oder "Wettbewerbsorientiert" kann ich Werte wie die maximale Bitrate, Framerate, Auflösung oder VSync einstellen. Ebenfalls lässt sich manuell der Cloud-Serverstandort wählen. Aufgrund der vielen Faktoren, die das Spielerlebnis beim Zocken über das Internet beeinflussen können, sind diese Optionen bei Problemen sehr nützlich.

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Der Stream lässt sich in der GFN-Software mit Einstellungen optimieren.

Dank der ausladenden Testphase vor dem Launch gibt es beim Spielen mit GeForce Now selten Probleme. Während der Beta konnten einzelne Games über Steam nicht ausgeführt werden, etwa weil ihnen der Zugriff auf Anti-Cheat-Programme verwehrt war. GeForce Now verbessert den Service allerdings laufend und Probleme dieser Art nehmen stetig ab.

Darum ist GeForce Now besser als Google Stadia

Das Killer-Feature gegenüber Konkurrenten wie Stadia oder PlayStation Now ist die Spieleauswahl. Per Steam, Uplay, Epic Games Launcher oder EA Origin gekaufte PC-Games kann ich über GeForce Now spielen und bin weder auf eine spezielle Bibliothek angewiesen, noch muss ich Games neu kaufen, um sie über die Cloud zu nutzen. Die bekanntesten Free-to-play-Titel, wie etwa "Fortnite", sind ebenfalls über GeForce Now spielbar.

Die kostenlose Basis-Mitgliedschaft von Nvidia GeForce Now ist zwar auf Sitzungen von maximal einer Stunde und Full-HD-Auflösung beschränkt. Außerdem erhalten zahlende Kunden vorrangigen Zugang zu den Servern und dürfen sechs Stunden am Stück online sein. Dafür zocke ich Multiplayer-Games zusammen mit anderen PC-Spielern – "Destiny 2"-Fans die Google Stadia nutzen, haben dagegen nicht selten mit leeren Servern zu kämpfen. Nvidia macht den Einstieg damit für Menschen, die Cloud Gaming mit ihrem Lieblingsspiel ausprobieren wollen, deutlich einfacher.

Grenzenlose Spiele? Keinesfalls

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Außer "Wolfenstein Youngblood" hat Bethesda alle seine Spiele von GeForce Now entfernt.

Die schöne neue Cloud-Gaming-Welt bringt allerdings auch neue Probleme. Activision Blizzard etwa hat seine Spiele nach der Beta von GeForce Now entfernt, große Reihen wie "Call of Duty", "Overwatch" oder "Diablo" lassen sich damit nicht mehr über den Dienst spielen. Auch Publisher Bethesda hat Spielemarken wie "Doom", "Fallout" oder "The Elder Scrolls" von Nvidias Streaming-Dienst zurückgezogen. Über Steam gekaufte Bethesda-Games lassen sich aber vorerst noch starten. Grund für den Content-Schwund könnten Exklusivitäts-Deals mit anderen Cloud-Anbietern sein.

Das Dilemma, dass bestimmte Games exklusiv nur auf einer Plattform spielbar sind, kannten in der Vergangenheit vor allem Konsolen-Fans. Auf dem PC ist der Erwerb von Games in der Regel höchstens auf einen bestimmten Onlineshop, wie Steam oder den Epic Games Store, limitiert. Aber das Prinzip Cloud Gaming mischt die Karten für Hersteller und Spieler neu. Die verfügbaren Inhalte sind für einige Nutzer künftig wohl der wichtigste Faktor bei der Auswahl ihres Cloud-Gaming-Dienstes.

4K & HDR: Taugt Shield TV als Konsolen-Ersatz?

Nvidia GeForce Now ist auf Mac und PC, auf Android und auf Shield TV verfügbar. Mit verbundenem Controller und dem integrierten Cloud-Dienst wird diese Set-Top-Box zur Spielekonsole. Im Test habe ich versucht, am Shield TV Pro Maus und Tastatur zu verwenden, um aktuelle Shooter auf dem Fernseher zu spielen.

Das lief zunächst nicht gut: Die Tastatur wurde zwar erkannt, ich wusste aber nicht, welches Sprach-Layout verwendet wird – ich fand daher die @-Taste nicht und konnte mich nicht mal einloggen. Durch Herumprobieren fand ich heraus, dass unser Testexemplar des Shield TV Pro das US-Layout verwendet – umstellen konnte ich das nicht. Der Login war aber mit diesem Wissen immerhin möglich und eröffnete mir die Cloud-Gaming-Welt am Shield TV.

Wer seinen Fernseher wie einen Gaming-PC nutzen will und über eine gute Internetverbindung verfügt, kann mit Nvidias Lösung durchaus glücklich werden. 4K-Auflösung und RTX-Effekte wie Raytracing lassen sich dann ganz ohne nervige Lüftergeräusche am TV genießen.

Fazit: Zeitgemäßer als Stadia

Statt einer abgeschotteten neuen Plattform wie Google Stadia bietet Nvidia mit GeForce Now einen weichen Übergang vom traditionellen PC-Spielen zum Cloud Gaming. Der kostenlose Basis-Zugang macht den Dienst auch für Nutzer interessant, die bereits eigene Gaming-Hardware und Spiele besitzen und die Vorteile der Cloud erstmal testen möchten. Technisch funktioniert der Dienst im Vergleich mit Stadia zurzeit besser. Das mag auch daran liegen, dass mehr Optionen zur Streaming-Qualität zur Verfügung stehen. Dennoch ist der Zugriff auf die Einstellungen des Cloud-Rechners begrenzt – wer sich diesbezüglich noch mehr Freiheit wünscht, sollte einen Blick auf den Anbieter Shadow werfen.

Nvidia Shield TV Pro (2019)
Nvidia Shield TV Pro (2019)
  • Datenblatt
  • Hardware und Software
  • Gerätetyp
    Streaming-Gerät
  • Preis (UVP)
    219,99 Euro
  • Release
    28. Oktober 2019
  • Farben
    Schwarz
  • Lieferumfang
    Nvidia Shield TV Pro, Shield TV-Fernbedienung, Netzteil, Kurzanleitung
  • Arbeitsspeicher
    3 GB RAM
  • Speicherkapazität
    16 GB (erweiterbar via USB)
  • Video-Output
    4K, HDR, 60fps
  • Anschlüsse
    DC-Anschluss, HDMI-Anschluss (HDCP 2.2), Gigabit-Ethernet, 2 x USB 3.0
  • Konnektivität
    WLAN, Ethernet, Bluetooth 4.1, Google Cast
  • Besondere Merkmale
    4K-HDR-Wiedergabe, Game-Streaming via GeForce Now, AI-Upscaling
TURN ON Score:
4,3von 5
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