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"The Walking Dead: Season 3" im Test: Telltales "Spiel"-Film

Telltales "The Walking Dead": Neben Clementine ist Javi der neue Hauptcharakter.
Telltales "The Walking Dead": Neben Clementine ist Javi der neue Hauptcharakter. (©Telltale Games 2016)

Telltale Games geht mit seiner Umsetzung von "The Walking Dead" nun schon in die dritte Staffel und stellt darin wieder eine neue Hauptfigur vor – im Test zeigen wir, ob sich der Season-Pass für die Adventure-Reihe lohnt.

Fortsetzungen sind meist mit Vorsicht zu genießen, aber obwohl sich Telltale bei "The Walking Dead" eher an den Comics und weniger an der beliebten TV-Show orientiert,  kommt bei Season 3 schnell wieder Serien-Feeling auf. Im Test konnte ich bereits die ersten beiden Folgen der Staffel mit dem sperrigen Titel "The Walking Dead: The Telltale Series - A New Frontier" durchspielen und so einen soliden Eindruck davon gewinnen, was sich bei Handlung und Gameplay getan hat.

Für Telltale-Neulinge: Das Spielprinzip

Wer das Telltale-Konzept kennt, weiß zumindest, was in Sachen Spielprinzip zu erwarten ist. Die Entwickler aus dem sonnigen Kalifornien haben sich darauf spezialisiert, bekannte Stories in Adventure-Games zu verwandeln und diese dann in Serienform zu veröffentlichen. Das klingt zwar nach Zweitverwertung, ist aber in den meisten Fällen äußerst gut gelungen und hat bereits eine große Fangemeinde gewonnen. Neben "The Walking Dead" und einem eigenen Michonne-Spin-off hat Telltale so bereits Adventures zu "Batman", "Game of Thrones" oder "Zurück in die Zukunft" veröffentlicht. Als nächstes ist eine Umsetzung von Marvels Superhelden-Film "Guardians of the Galaxy" geplant.

Die Adventures konzentrieren sich in erster Linie stark auf die jeweilige Story. Im Spiel geht es also vor allem um die Entscheidungen der Charaktere, die ihren Weg durch die Handlung bestimmen. So stehen in Dialogen mit anderen Figuren meist einige Antworten zur Verfügung und man muss in kurzer Zeit seine Auswahl treffen. Vereinzelt darf der Spieler außerdem in Action-Sequenzen seine Reaktion im Stile von Quick-Time-Events auf die Probe stellen: Beispielsweise erscheint plötzlich ein Zombie und es muss schnell die eingeblendete Taste gedrückt oder der Analog-Stick in die richtige Richtung bewegt werden, damit die Figur sich verteidigt.

 Selbstverständlich kommt auch Telltales "The Walking Dead" nicht ohne Zombies aus. fullscreen
Selbstverständlich kommt auch Telltales "The Walking Dead" nicht ohne Zombies aus. (©Telltale Games 2016)

Spielstände aus den vorherigen "The Walking Dead"-Staffeln von Telltale kann man recht einfach importieren. Mit einem Online-Account funktioniert dies sogar von unterschiedlichen Plattformen. Mit dem äußerst nützlichen "Story Generator"-Feature lässt sich über eine Reihe von Fragen aber auch der ehemalige Ausgangspunkt wiederherstellen, wenn man keinen Zugriff mehr auf alte Spielstände hat. So werden in der neuen Season vor allem Clementines bisherige Erlebnisse in die neue Handlung eingebaut.

Die Staffeln bestehen aus mehreren Episoden, die jeweils gut zwei Stunden Spielzeit bieten und entweder einzeln oder per Season-Pass erworben werden können. Jede der bisherigen Seasons besteht aus fünf Folgen, bisher sind die ersten beiden Episoden von Staffel 3 erhältlich. Telltales "The Walking Dead" ist für iOS und Android, für PC und auch für PS4 und XBox One verfügbar.

Für Telltale-Kenner: Was bringt Season 3 Neues?

Fans der bisherigen Staffeln dürfen sich auch in Season 3 von Telltales "The Walking Dead" wieder auf Clementine freuen – die Story der jungen Heldin zieht sich als roter Faden durch die Adventure-Serie. Allerdings ist das Mädchen mit dem Baseball-Cap bis zur zweiten Episode der neuen Staffel lediglich eine Nebenfigur, Hauptprotagonist in der Geschichte um die Gruppe namens "New Frontier" ist Javi – ein junger Mann, der als ehemaliger Profi-Baseballspieler aufgrund seiner Unbeständigkeit immer das schwarze Schaf seiner Familie war und in Ungnade gefallen ist.

Nach wie vor hält sich der Grafik-Stil an die Comicvorlage und schafft es, trotz seiner Einfachheit die richtige Stimmung zu erzeugen. Fans von "The Walking Dead" fühlen sich in der post-apokalyptischen Welt schnell zuhause, die Spielfiguren und ihre Motivationen erscheinen schlüssig und nachvollziehbar. Telltale traut sich aber, die Bilder von "A New Frontier" etwas dynamischer zu gestalten als bisher – etwa durch eher filmische Perspektiven anstelle der klassischen Comic-Optik. Trotzdem bleibt die Kamera zum Beispiel bei Szenen, in denen wir die Umgebung erkunden, wie schon zuvor seltsam starr.

 Auf einem Schrottplatz nehmen die Ereignisse ihren Lauf. fullscreen
Auf einem Schrottplatz nehmen die Ereignisse ihren Lauf. (©Telltale Games 2016)

Im Mittelpunkt: Die Story

Javis Geschichte unterscheidet sich leicht von den vorherigen Staffeln der "The Walking Dead"-Adventures. Zwar ging es auch in Season 1 und 2 darum, dass unterschiedliche Figuren sich aus der Not zu einer Gemeinschaft zusammenschließen müssen. Die Ausgangssituation von "A New Frontier" ist jedoch etwas anders – Javi ist mit der Ehefrau seines verschwundenen Bruders und deren Stiefkindern unterwegs – als Spieler habe ich mich bei den Dialog-Entscheidungen eher mit Javis Rolle als Familienoberhaupt beschäftigt: Kann er dafür sorgen, dass die Gruppe zusammenbleibt und die Hoffnung auf eine bessere Zukunft überlebt?

Wie sich schnell herausstellt, ist auch Clementines Verwicklung in die Handlung ein wichtiger Bestandteil von Season 3. Gerade weil ich sie aus dem Verlauf von Telltales "The Walking Dead" bereits kannte, war es äußerst befriedigend zu sehen, wie ihr Charakter im Serienverlauf erwachsen geworden ist. Clementine ist nun kein kleines Mädchen mehr und meine Entscheidungen haben sie zu einer Persönlichkeit gemacht, die wichtig für die Handlung des Adventures ist.

 Clementine ist in Season 3 deutlich erwachsener geworden. fullscreen
Clementine ist in Season 3 deutlich erwachsener geworden. (©Telltale Games 2016)

Trotzdem: Vielen Gamern, die bereits einige Telltale-Titel gespielt haben, wird mit der Zeit auffallen, dass nur wenige Entscheidungen den vorgesehenen Spielverlauf wirklich deutlich ändern. Schon nach Episode 2 wird klar, dass der ein oder andere Charaktertod mit kaum einer Entscheidung wirklich hätte verhindert werden können. Die Antworten, die ich Javi bei den Dialogen in den Mund lege, verändern meist nur Nuancen und sein Verhältnis zu den anderen Figuren – die Haupthandlung lässt sich kaum in andere Bahnen lenken. Der Cliffhanger zu Episode drei wird so oder so durch den Spieler erreicht.

Spannend, einsteigerfreundlich aber wenig herausfordernd

Mein Urteil zu "The Walking Dead: The Telltale Series – A New Frontier" fällt entsprechend gemischt aus: Ohne Frage, auch wenn es anfangs etwas schwer fällt, eine Beziehung zu Javi als neuem Hauptcharakter aufzubauen – wir erfahren nur wenig über seinen Hintergrund und seine Bezugspersonen sind Kinder und Ehefrau eines anderen – die Story des Games ist gefühlvoll und gut geschrieben. Spielerisch bietet das Adventure aber nicht viel Neues und kaum echte Herausforderungen. Der Zugang zur Spielreihe scheint bewusst sehr einsteigerfreundlich gehalten. Für einigermaßen erfahrene Gamer fühlt es sich nach wie vor an, als ob man einem Animationsfilm zuschaut, in den man nur vereinzelt eingreifen darf. Zurecht ist "The Walking Dead" aber eine der beliebtesten Telltale-Serien mit fesselnder Story – Liebhaber der Adventure-Reihe sollten in jedem Fall zum Season-Pass greifen, anstatt die Episoden einzeln zu erwerben: Wie die TV-Serie bietet "The Walking Dead" von Telltale mit echten Cliffhangern eine gewisse Sucht-Garantie – ich für meinen Teil will auf jeden Fall wissen, wie es mit Javi und Clementine weitergeht.

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