"They Are Billions" im Test: Was macht das Zombie-Game so gut?

Survival-Strategie zwischen Untoten: "They Are Billions" wird gerade immer beliebter.
Survival-Strategie zwischen Untoten: "They Are Billions" wird gerade immer beliebter. (©Numantian Games 2018)
David Albus Überbrückt Ladepausen in PC-Games an der Nintendo Switch – und umgekehrt.

"They Are Billions" mischt Zombie-Survival, Tower-Defense, Steampunk-Optik und Echtzeitstrategie und klettert damit derzeit die Topseller-Liste bei Steam hoch. Zu Recht? Ich habe den Early-Access-Titel ein Wochenende lang ausprobiert – und dabei ordentlich gelitten.

Dafür, dass meine aus dem Boden gestampfte Basis der letzte menschliche Außenposten in der Postapokalypse ist, sieht sie eigentlich ganz hübsch aus: Steinerne Mauern ragen rundherum empor, Geschütze und mit Soldaten besetzte Türme stehen schussbereit dahinter, Patrouillen sichern das Gelände ab. In Wohngebieten im viktorianischen Baustil, zwischen niedlichen Sägemühlen, Kraftwerken und Steinbrüchen, wuseln meine Einwohner friedlich umher. Doch die Idylle trügt.

Noch herrscht Frieden in der Siedlung ...
Noch herrscht Frieden in der Siedlung ...

"Sie kommen von allen Seiten! Es sind Milliarden!" verkündet plötzlich eine panische Off-Stimme – und wenig später branden riesige Horden von grauen Untoten an meine pittoreske Siedlung. Meine Soldaten stemmen sich dagegen, Bogensehnen und Gewehre knallen, fast behalten meine Truppen die Oberhand – da dringt ein kleines Grüppchen Zombies durch die Mauer, greift ein Wohnhaus an und infiziert alle Einwohner mit dem Untoten-Virus.

Ab da geht es Schlag auf Schlag: Haus um Haus wird infiziert, aus drei Zombies werden acht, aus acht 30, aus 30 werden 100 und ehe ich mich versehe ist mein Hauptgebäude von einer Hundertschaft umstellt. Game Over. Schon wieder.

Zombies stürmen die Mauern. fullscreen
Zombies stürmen die Mauern. (©Numantian Games/TURN ON 2018)
Die grünen Wolken zeigen an: Dieses Gebäude wurde infiziert – und die Bewohner haben sich dem untoten Schwarm angeschlossen. fullscreen
Die grünen Wolken zeigen an: Dieses Gebäude wurde infiziert – und die Bewohner haben sich dem untoten Schwarm angeschlossen. (©Numantian Games/TURN ON 2018)
Zombies stürmen die Mauern.
Die grünen Wolken zeigen an: Dieses Gebäude wurde infiziert – und die Bewohner haben sich dem untoten Schwarm angeschlossen.

"They Are Billions" steigt zum Early-Access-Hit auf

Situationen wie diese, in denen oft mehrere Spielstunden und scheinbar gut funktionierende Strategien in Nullkommanix vor die Hunde gehen, habe ich in "They Are Billions" ständig erlebt – und trotzdem immer wieder ein neues Spiel gestartet, um mit einem einsamen Hauptgebäude, ein paar Militäreinheiten und einer in schwarzen Fog of War gehüllten Map erneut der Apokalypse zu trotzen.

Damit bin ich nicht alleine: Seit Herbst 2017 ist "They Are Billions" bei Steam im Early-Access-Programm und in den letzten paar Wochen hat das Echtzeitstrategiespiel vom Studio Numantian Games mächtig Fahrt aufgenommen. Mittlerweile ist es in der Topseller-Liste angekommen und wird auch bei Streamern immer beliebter. Das hat – natürlich – gute Gründe, denn "They Are Billions" verpasst dem altehrwürdigen Echtzeitstrategie-Genre ein paar echt spannende Neuerungen.

Vertrautes Terrain für Echtzeitstrategen

Bevor man von denen groß etwas mitbekommt, ist das Game aber vor allem eines: Zugänglich. Wer in seinem Leben auch nur mal bei einer Runde "Age of Empires" oder "Die Siedler" zugeschaut hat, wird sich in "They Are Billions" sofort heimisch fühlen. Hier sind Deine Soldaten, hier ist Deine Karte, hier ist Dein Baumenü – Du weißt, was Du zu tun hast! Zunächst ungewohnt aber bald extrem hilfreich ist die Möglichkeit, das Spiel jederzeit zu pausieren und in Ruhe zu bauen – Einheitenbewegungen und Rohstoffnachschub laufen dabei natürlich nicht weiter. In Sachen Basenbau und Ressourcen-Management ist sonst aber alles so klassisch wie möglich und die einladende Comic-Optik mit Einflüssen von Steam- und Cyberpunk tut ein Übriges, damit sich Strategen sofort zurecht finden.

Am Anfang sieht die Basis noch sehr provisorisch aus.
Am Anfang sieht die Basis noch sehr provisorisch aus.

Bis die Zombies ins Spiel kommen. Anders als bei "AoE" und Konsorten gibt es in "They Are Billions" keine gegnerische Fraktion, die mit annähernd den gleichen Einheiten und Technologien hantiert und ebenfalls eine Basis baut. Entsprechend gibt es übrigens auch keinen Multiplayer-Modus. Stattdessen bevölkern vom Computer gesteuerte Untote die Karte: In Horden mit gern mal mehreren hundert Einheiten sind sie auf allen Seiten meiner Basis zu finden und schlurfen gemächlich durch die Gegend. Wer sich ihnen nähert, wird attackiert – und wer nicht aufpasst, hat bald einen ganzen Schwarm am Hals, denn die Zombies neigen zur Grüppchenbildung und reagieren sehr empfindlich auf Lärm.

Das Ziel: Überleben zwischen Zombie-Horden

Das Ziel in "They Are Billions" ist nun nicht, klassisch alle Gegner aus dem Weg zu räumen. Stattdessen wird vor jeder Runde eine Anzahl von (Spiel-)Tagen festgelegt, die für einen Sieg durchgestanden werden müssen. Die einfachste Variante sind dabei 150 Tage, die schwerste 90, was nur anfangs seltsam erscheint: Es gibt nämlich nicht nur die gemächlich umherschlurfenden Untoten auf der Karte, sondern auch Zombie-Wellen, die in regelmäßigen Abständen aus unterschiedlichen Richtungen vom Kartenrand aus über die Map stürmen und die Basis angreifen. Jede Welle besteht aus mehr und stärkeren Zombies als die vorhergehende (laut den Entwicklern kann die Engine bis zu 20.000 Einheiten gleichzeitig darstellen), jedes Spiel hat die gleiche Zahl von Wellen und die letzte (und heftigste) Welle kommt immer von allen Seiten zugleich. Mehr Tage bedeutet also: mehr Vorbereitungszeit auf den nächsten Ansturm.

Wenn die Horde (links im Bild) anrückt ... fullscreen
Wenn die Horde (links im Bild) anrückt ... (©Numantian Games/TURN ON 2018)
... muss die Verteidigung dicht sein. fullscreen
... muss die Verteidigung dicht sein. (©Numantian Games/TURN ON 2018)
Sonst ist das Spiel schnell vorbei. fullscreen
Sonst ist das Spiel schnell vorbei. (©Numantian Games/TURN ON 2018)
Erst spät im Spiel gibt es Spezialeinheiten wie den Flammenwerfer-Krieger Lucifer. fullscreen
Erst spät im Spiel gibt es Spezialeinheiten wie den Flammenwerfer-Krieger Lucifer. (©Numantian Games/TURN ON 2018)
Wenn die Horde (links im Bild) anrückt ...
... muss die Verteidigung dicht sein.
Sonst ist das Spiel schnell vorbei.
Erst spät im Spiel gibt es Spezialeinheiten wie den Flammenwerfer-Krieger Lucifer.

Mein größter Feind: Die Ruhe vor dem Sturm

Wie in einem Tower-Defense-Game ist Vorbereitung das A und O in "They Are Billions". Weil mir in den ersten Spielen noch nicht ganz klar ist, wann die nächste Welle anrollt, sitzen mir daher ständig die Zeit und unangenehme Fragen im Nacken: Läuft's grad wirklich so gut, oder vergesse ich, die verwundbarste Stelle meiner Basis abzusichern? Was, wenn die nächste Horde aus dem Westen anrollt – stehen da genug Türme? Und sollte ich nicht mal meine Siedlung erweitern, um mehr Platz für Kraftwerke und Forschungsgebäude zu haben?

Neben Vorbereitung ist Expansion das andere große Stichwort in "They Are Billions", denn Bauplatz ist knapp. In den ersten Minuten jeder Runde kratze ich noch mühsam Ressourcen zusammen, um eine Mauer um meine Stadt zu ziehen. Sobald die Verteidigung einigermaßen steht, muss ich aber schon darüber nachdenken, wie ich die Zombies vor den Toren möglichst effektiv wegräume, um meine Grenzen zu vergrößern – sonst trete ich bald auf der Stelle und das rächt sich spätestens beim nächsten Untoten-Ansturm. Weil die Maps im Survival-Modus, dem bislang einzigen spielbaren Modus, zufallsgeneriert sind, läuft jedes Spiel ein kleines bisschen anders ab – ein großer Pluspunkt für die Wiederspielbarkeit.

Mit Tesla-Türmen wird das bebaubare Gebiet erweitert – und dann schnell mit Mauern gesichert. Unten links im Bild: Der aktuelle Spieltag und der Pause-Knopf.
Mit Tesla-Türmen wird das bebaubare Gebiet erweitert – und dann schnell mit Mauern gesichert. Unten links im Bild: Der aktuelle Spieltag und der Pause-Knopf.

"They Are Billions": Ein Spiel für leidenschaftliche & hartnäckige Verlierer

Apropos: Der Wille zum Immer-Wieder-Spielen muss für "They Are Billions" auch beim Spieler vorhanden sein. Eine Runde zu gewinnen ist nämlich alles andere als einfach. Das bisher einzige Spiel, aus dem ich an meinem Testwochenende als Sieger hervorgehen konnte, war auf dem absolut minimalen Schwierigkeitsgrad – und selbst hier hatte ich noch das pure Glück, dass Tag 150 knapp erreicht war, bevor die Zombiehorde nach dem Mauerdurchbruch mein Hauptgebäude zerstören konnte. Ein bisschen Frustresistenz schadet also nicht, zumal eben ein einziger verirrter Zombie eine ganze Runde ruinieren kann.

Am Spielende gibt's eine Statistik. fullscreen
Am Spielende gibt's eine Statistik. (©Numantian Games/TURN ON 2018)
Vorher wurde – zumindest bei mir – meist die Siedlung zerlegt. fullscreen
Vorher wurde – zumindest bei mir – meist die Siedlung zerlegt. (©Numantian Games/TURN ON 2018)
Am Spielende gibt's eine Statistik.
Vorher wurde – zumindest bei mir – meist die Siedlung zerlegt.

"They Are Billions" zu erlernen und zu meistern macht aber einen großen Teil seines Reizes aus. Runde für Runde immer ein paar Tage länger zu überleben und die ganz eigene Dynamik des Games zu verstehen – das bringt einfach unglaublich viel Spaß. Selbst Verlieren hat irgendwie etwas Faszinierendes, denn die exponenziell wachsende Zombiehorde fräst sich immer höchst bildgewaltig durch die Wohngebiete – wer den "Domino Day" mochte, kommt hier voll auf seine Kosten!

Wie es sich für einen Early-Access-Titel gehört, hat natürlich auch "They Are Billions" noch seine kleinen technischen Schwächen und soll in Zukunft auch noch deutlich mehr Inhalte bekommen. Die Grundidee des Gameplays – Zombie-Survival als Echtzeitstrategie – ist aber jetzt schon vorbildlich herausgearbeitet. Ich werde mich deshalb gerne noch viel öfter von der Zombie-Horde zerfleischen lassen!

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