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"Trials Rising" angespielt: Motocross für Hirnchirurgen

"Trials Rising" lässt Motorrad-Artisten wieder abheben.
"Trials Rising" lässt Motorrad-Artisten wieder abheben.

Motorradfans mit fanatischem Ehrgeiz und viel Fingerspitzengefühl frohlocken: "Trials Rising" bringt neue verrückte Herausforderungen mit, in denen Du auf zwei Rädern gegen die Physik und jegliche Logik bestehen musst. Wir haben's schon gespielt und verraten, was der neue Teil der "Trials"-Reihe drauf hat.

Mein Motocross-Fahrer brettert mit Schmackes in ein Baustellenklo. Mein Motocross-Fahrer wird von einem explosiven Fass in die Luft gejagt. Mein Motocross-Fahrer klatscht mit dem Gesicht voran auf eine Rampe. Und nochmal. Und nochmal. Und nochmal. Willkommen bei "Trials Rising", wo der Reset-Knopf die beste Schutzkleidung ist.

Bewährtes Prinzip im hübscheren Gewand

Auf den ersten Blick sind die "Trials"-Games Rennspiele – schließlich spielen Motorräder die Hauptrolle. Aber eigentlich geht es hier um etwas ganz anderes als darum, möglichst schnell im Ziel zu sein: Um das geduldige Erklimmen komplexer Hindernis-Kurse auf zwei Reifen. Um das perfekte Feingefühl und Timing beim Bewegen des Analog-Sticks. Ums spektakuläre Scheitern. Und ums Immer-Wieder-und-Wieder-Probieren.

Beim Anspiel-Event in Berlin präsentierte das finnische Studio RedLynx, angeführt von Gründer Antti Ilvessuo, kürzlich den neuesten Ableger "Trials Rising", der am 26. Februar für PC, PS4, Xbox One und Nintendo Switch erscheint. Die Prämisse ist klar: Mehr vom beliebten Gleichen mit ein paar wohldosierten Neuerungen.

Zuerst ins Ziel kommen und dabei möglichst selten hinfallen – gar nicht so einfach. fullscreen
Zuerst ins Ziel kommen und dabei möglichst selten hinfallen – gar nicht so einfach.

Ins Auge springt zunächst die, im Vergleich zu "Trials Fusion" von 2014, doch deutlich aufgehübschte Grafik. Die neuen Strecken sind auffallend detailliert gestaltet und profitieren davon, dass die Entwickler sich in Sachen Irrwitz keinerlei Limitierungen gesetzt haben: "Trials Rising" schreibt sich zwar auf die Fahnen, ein Geschicklichkeitsspiel zu sein, das seinen Reiz aus der realistischen Physik-Engine zieht, die alle Parameter von Sprunghöhe und -weite, über das Handling der Motorräder, bis hin zur Geschwindigkeit steuert. Darüber hinaus ist Realismus aber ausdrücklich Nebensache.

Weltreise über verrückte Strecken

Die Parcours, über die ich mein Bike mit wohldosiertem Gas und per Analog-Stick gesteuerten Neige-Bewegungen lenke, sind größtenteils völlig durchgedreht. Die Großbaustelle mitten in der City, auf der neben umgekippten Stahlträgern und Abrissbirnen auch explosive Fässer den Weg versperren, werden wohl weder ich noch der Sachverständige von der Bauaufsicht je vergessen.

Wer hat das bitte genehmigt? fullscreen
Wer hat das bitte genehmigt?

Zu den Highlights zählt auch die wilde Jagd durch ein Hollywood-Filmstudio, bei der ich gleich mehrere Filmsets – vom Western bis zum Sci-Fi-Schinken – crashe, während ich von Rampe zu Rampe balanciere. Eine im Inneren des Eiffelturms aufgehängte Strecke, die mich mit raketenbetriebenen Plattformen durch die Gegend katapultiert, und eine Strecke in einem fliegenden Flugzeug gibt's ebenfalls.

Wem das alles noch nicht reicht, der kann sich im Strecken-Editor auch seine eigenen Frankenstein-Tracks zusammenheften. Ein bisschen Einarbeitungszeit in das komplexe System sollte man aber wohl einplanen.

Zeitlos guter Content: Auf-die-Fresse-fliegen

Nicht alle Levels sind völlig skurril, es gibt auch vergleichsweise "realistische" Szenarien in Stadien, Hallen oder im Gelände. Durchgängig zelebriert "Trials Rising" aber die Freude am Unglaublichen und zieht daraus eine Menge Humor. An schweren Stellen zunächst zu scheitern, per Reset-Knopf zurückzusetzen und es immer wieder zu probieren, gehört dazu – und damit das nicht langweilig wird, fällt mein Biker stets mit armwedelnden Ragdoll-Animationen vom Rad.

Autsch. fullscreen
Autsch.

Am Ende jedes Levels wird er als "Belohnung" außerdem auf andere Art und Weise zerquetscht, gesprengt, einbetoniert oder sonstwie geschädigt – zwar unblutig und heillos überzogen, nach besonders fiesen Strecken verschafft das trotzdem eine gewisse Genugtuung.

Und fiese Strecken gibt es so einige. Selbst Entwickler Antti Ilvessuo quälte sich vor meinen Augen nur mit unzähligen Resets durch einen Parcours der Stufe "Extrem". Ich selbst kam als Ungeübter kaum bis zur Hälfte, bevor ich mir lieber eine leichtere Strecke vornahm. "Trials Rising" schafft dabei den angenehmen Spagat, Erfolgserlebnisse zu bieten, aber selbst in leichten Levels stets Luft nach oben zu lassen. Wer ruhige Finger und viel Ehrgeiz hat, kann Stunden damit verbringen, von dem einen fiesen Nadelöhr-Sprung noch die letzten Millisekunden Sprungzeit abzuzwacken, um schneller wieder mit den Reifen auf dem Boden zu sein und die Bestzeit zu knacken.

Besser werden als oberstes Ziel

Dieser kompetitive Geist durchzieht "Trials Rising" merklich. Zwar gibt es eine Kampagne, bei der auf einer Weltkarte angezeigte Parcours, Stadien und Herausforderungen der Marke "Erreiche das Ziel in unter einer Minute" absolviert werden müssen. Als Belohnung gibt es dann neue Bikes und Lootboxen voller kosmetischer Gegenstände, mit denen sich Rad und Reiter im umfangreichen Editor aufhübschen lassen. Letztlich ist das Ziel aber der Wettbewerb – gegen sich selbst und gegen andere.

Jedes Symbol steht für eine neue Renn- und Balancier-Herausforderung. fullscreen
Jedes Symbol steht für eine neue Renn- und Balancier-Herausforderung.

Im lokalen Mehrspielermodus oder online können Finger-Artisten gegeneinander antreten; wer es richtig ernst meint, nimmt sich die weltweiten Ranglisten vor und konkurriert mit den Besten der Besten aus der "Trials"-Community. Statistiken einzelner Spieler können auf Knopfdruck eingesehen werden, sodass der nächste kompetitive Vergleichs-Partner nie weit weg ist.

Wer das mag und sich gern richtig tief in absolute Feinheiten eines Spiels hineinbeißt, wird an "Trials Rising" vermutlich viel Freude haben. Wer – wie ich – mit nicht ganz so viel sportlichem Ehrgeiz gesegnet (oder geschlagen) ist, kann auf leichteren Strecken trotzdem immer mal wieder ein Ründchen zwischendurch einlegen. Wie groß die Langzeitmotivation hier ist, lässt sich erst anhand der Vollversion richtig abschätzen.

"Tandem-Modus" macht Motocross zum Teamsport

Mehr links! fullscreen
Mehr links!

Selbst für alle, die gar keine Lust haben, sich mit anderen oder den eigenen Leistungen zu messen, hält "Trials Rising" aber noch ein Feature bereit: den neuen "Tandem-Modus", in dem zwei Spieler im Couch-Koop auf einem zweisitzigen Motocross-Rad sitzen und sich die Steuerung teilen. Statt um Bestzeiten geht es hier erst einmal darum, das Konstrukt überhaupt ins Ziel zu manövrieren – allerdings würde es mich wundern, wenn der Wettbewerbsgeist davor Halt macht.

Ob "Trials Rising" bald ähnlich viele Freundschaften auf dem Gewissen hat wie "Mario Kart"? Wir werden sehen.

Release
"Trials Rising" erscheint am 26. Februar 2019 für PC, PS4, Xbox One und Nintendo Switch.

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