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Angespielt! Warum "Cyberpunk 2077" völlig anders ist als "The Witcher"

Das Team von CD Projekt Red hat mich "Cyberpunk 2077" bereits anspielen lassen, trotz der erneuten Verschiebung. Das neue Rollenspiel der "The Witcher 3"-Schöpfer ist eines der Games, auf die ich mich dieses Jahr am meisten freue – ich ließ mich also nicht zweimal bitten. Was das Sci-Fi-Spiel anders macht, was mir daran gut und weniger gut gefällt, liest Du in dieser Preview.

Neon, Metall und der Dreck der Megacity: "Cyberpunk 2077" entführt mich in eine düstere Zukunftsvision, die ständig zwischen knallig buntem Disneyland und brutaler Dystopie schwankt. Ich bin als Glücksritter in Night City unterwegs, einem grellen Moloch im Westen der USA in der nahen Zukunft. Meine Spielfigur V will mehr sein als Spielball von skrupellosen Konzernmanagern und mächtigen Straßendealern und sucht ihren Weg von der Straße nach oben.

Rollenspiel statt Roman – das wirkt

Der auffallendste Unterschied zu "The Witcher" ist, dass ich meine Spielfigur und ihren Weg durch die Story von "Cyberpunk 2077" selbst forme. Die preisgekrönte Fantasy-Reihe von CD Projekt Red basierte auf der Romanvorlage von ‎Andrzej Sapkowski. Ihr Held, Geralt von Riva, war als fertiger Charakter vorgegeben. "Cyberpunk 2077" dagegen ist auf der Grundlage eines Pen-and-Paper-Rollenspiels entstanden. Ein Rollenspiel "mit Zettel und Stift" gewährt fast unendliche Freiheit, da es sich nur in der Fantasie von Spielern und Spielleiter abspielt. Level-Designer Miles Tost sagte mir, dass "Cyberpunk 2077" genau diese Freiheit einfangen soll, und das spürt man im Spiel.

Das Game stellt dafür viele Möglichkeiten bereit: Die fünf Haupteigenschaften Stärke, Reflexe, Intelligenz, Technik und Coolness werden mit Punkten gesteigert und verfügen jeweils über mehrere untergeordnete Skill-Bäume, die ich zusätzlich auflevele. Bei Verwendung meiner Fertigkeiten schalte ich darüber hinaus Perks frei – nutze ich zum Beispiel hauptsächlich Schwerter, verschafft mir das mit der Zeit zusätzliche Boni.

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Vom Cybersoldaten bis zum Sci-Fi-Influencer, "Cyberpunk 2077" lässt viele Möglichkeiten.

Die vielseitigen Möglichkeiten, meinen Charakter äußerlich und in seinen Fähigkeiten zu gestalten, wirken auf den ersten Blick fast unübersichtlich, geben mir aber sehr viele Freiheiten. Für Spieler, die gerne stundenlang am eigenen Build schrauben, sind das herrliche Aussichten. Level-Designer Tost hofft, dass "Cyberpunk 2077" durch diese Auswahlmöglichkeiten "zu einer sehr intimen Story wird, die einem wirklich personalisiert vorkommt".

Trotz der Wahl eines Lifepaths zu Spielbeginn, also einer Biografie, setzt "Cyberpunk 2077" auf ein klassenloses Charaktersystem. Ich bin durch die Auswahl zwischen Nomad, Corpo oder Street Kid also nicht eingeschränkt. Dafür eröffnet mir jeder Lebensweg einen anderen Prolog und unterschiedlichste Dialogbäume, die mir in der Preview ausgeprägt erschienen. Als Corpo konnte meine V sich ewig lang in einem Gespräch über einen Konzern-Manager verlieren, bis sogar mein NPC-Gegenüber sichtlich die Lust am Plaudern verlor.

Noch nicht alles drin

Das Crafting-System und die Möglichkeit, Ausrüstung und Waffen zu modden, konnte ich in meiner Preview-Version noch nicht ausprobieren.

Das vielseitige Spielsystem fördert den eigenen Spielstil. Ich habe die Preview mit Controller gespielt und hatte direkt das Bedürfnis, mich auf wirkungsvolle Nahkampfangriffe zu konzentrieren. Bei mehr Präzision durch Maus und Tastatur hätte ich wahrscheinlich eher auf Schießeisen gesetzt. Außerdem lässt mir das Kampfsystem immer die Wahl, ob ich aggressiv in eine Situation gehe oder mein Glück mit Schleichtaktiken versuche.

Hacken wie in "Watchdogs", Detektiv spielen wie in "Detroit"

Hier kommt auch das Hacken der elektronischen Umwelt ins Spiel, quasi das Gegenstück zur Magie in Fantasy-Settings. Damit lassen sich zum Beispiel Überwachungskameras, Smartphones oder Robotergeschütze manipulieren. Leider sehe ich diese Mechanik bisher als Schwachpunkt von "Cyberpunk 2077" – sie wird über ein Minispiel gelöst, das nach vielen Spielstunden lästig werden könnte. Immerhin besteht immer die Möglichkeit, diese Mechanik völlig auszulassen und stattdessen rohe Gewalt anzuwenden. Schade, das Spiel schafft es zum jetzigen Stand leider nicht, Hacken kreativer umzusetzen als "Watchdogs" und Co.

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Sind "Braindance" und Hacking die Gameplay-Sorgenkinder?

Ähnlich skeptisch bin ich beim Gameplay-Element "Braindance", aufgezeichnete Erinnerungen, in denen ich im Spiel nach Hinweisen suchen muss. Ich kann die Kamera in diesen Spielabschnitten frei durch die Szenerie bewegen, über einen Zeitstrahl vor und zurück spulen und zwischen verschiedenen Ansichten umschalten, die zum Beispiel Ton- oder Wärmequellen hervorheben. Das erinnert stark an "Detroit: Become Human" und bot in der Preview etwas Abwechslung – kann aber auch zur lästigen Pflichtaufgabe werden, wenn man auf der Suche nach einem bestimmten Detail hängenbleibt.

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Hinsetzen und machen! "Cyberpunk 2077" ist auf den letzten Metern

Aber es bleibt ja noch Zeit. Die ist wohl vor allem nötig, um Bugs auszumerzen, von denen im Preview-Build einige steckten. An den Arbeitsbedingungen zu Zeiten des Social Distancing scheint die neuerliche Verschiebung aber nicht zu liegen: Interne Review-Prozesse fühlen sich laut Tost zwar deutlich anders an, wenn das Team nicht in einem Raum sitzt. Aber dank des kreativen Einsatzes von Tools wie etwa Parsec, das das Streamen einer Spielsession und die virtuelle Weitergabe des Controllers erlaubt, hat man sich bei CD Projekt Red gut an die ungewöhnlichen Gegebenheiten angepasst.

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Hochglanz-Neon: "Cyberpunk 2077" sieht schon toll aus, aber ein paar Bugs müssen noch behoben werden.

"Wir haben Glück im Unglück gehabt", sagt Tost dazu. "So schrecklich diese Pandemie auch ist, trifft es uns in einer Projektphase, in der die meisten Designs schon abgeschlossen sind und die Arbeit übrig geblieben ist, bei der es heißt 'hinsetzen und machen'. Bugs fixen und so – wo man nicht viele Diskussionen führen muss, um Details auszuarbeiten, weil das alles schon geschehen ist."

Übrigens: Vom viel nachgefragten Multiplayer-Modus war in der "Cyberpunk 2077"-Preview erwartungsgemäß nichts zu sehen. Er soll erst später nachgereicht werden. Im Prolog, den ich gespielt habe, waren die Kampf-Tutorials in Form von "Virtual Reality"-Abschnitten angelegt – ich kann mir gut vorstellen, dass der Mehrspieler später hier ansetzt. Laut Tost liegt der Fokus zunächst klar auf dem Singleplayer, es solle keine "Vermischung oder sogar Verwässerung" durch den Multiplayer geben.

Schön, groß und vielseitig: Die Preview macht heiß auf mehr

"Cyberpunk 2077" sieht bereits jetzt toll aus, die gespielte PC-Version geizt nicht mit RTX-Lichteffekten wie Schatten mit Raytracing. Das, was ich von der Open World bereits sehen konnte, wirkt sehr belebt. Night City ist groß, lebendig und vollgestopft mit Dialogen, Figuren und Details zum Entdecken. Ich bin gespannt, wie das fertige Game auf einer PS4 oder Xbox One aussieht. Nach dem, was ich gesehen habe, wäre der PC als Spielgerät meine erste Wahl – oder eine NextGen-Konsole.

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Nicht immer nur düster: Night City ist vor allem vielseitig.

Wer sich ein Action-Rollenspiel mit viel Raum für die ganz eigene Story wünscht, darf sich auf "Cyberpunk 2077" freuen. Hat die Preview mich als Fan der Vorlage persönlich überzeugt? Ja, denn die Atmosphäre stimmt und das Spiel steckt voller Easter-Eggs, die ich entdecken will. Das Hacker-Gameplay ist zwar nicht mein Ding. Aber hey, dann wird meine V eben eine mit Kanonen behangene Kämpferin, im Vollkontakt unbesiegbar und am Steuer ihres Cyber-Sportwagens ein Ass.

Release

"Cyberpunk 2077" soll am 19. November 2020 für PS4, Xbox One und PC erscheinen.

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