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Warum "Mafia: Definitive Edition" für mich ein perfektes Remake ist

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"Mafia: Definitive Edition" holt ein 18 Jahre altes Spiel in die Gegenwart. Bild: © 2K Games 2020

Mit "Mafia: Definitive Edition" kehrt ein echter Klassiker unter den Gangster-Spielen runderneuert zurück. Im Vergleich zu weiteren Remakes älterer Spiele macht "Mafia" einiges anders – und besser.

Neuauflagen von mehr oder weniger bekannten Spielen vergangener Tage liegen voll im Trend. In diesem Jahr erschienen bislang Remakes und Remasters von "Warcraft 3", "Resident Evil 3", "Final Fantasy 7", "Tony Hawk’s Pro Skater", "Crysis" und "Kingdom of Amalur" – und vermutlich noch einige mehr. Neuerdings reiht sich mit "Mafia" auch ein Spiel in diese Liste ein, das als Klassiker unter den PC-Spielen gilt. Meiner Meinung nach gehört die neue "Mafia: Definitive Edition" zu den besten Remakes, die je veröffentlicht wurden.

"Mafia" war 2002 ein zukunftsweisendes Spiel

Als "Mafia" 2002 erschien, schlug das Spiel wie eine Bombe ein. Die mit Liebe zum Detail gestaltete Spielwelt einer amerikanischen Großstadt in den 1930er-Jahren, die unübersehbaren Gangsterfilm-Anleihen, der starke narrative Ansatz und nicht zuletzt die für die damalige Zeit bombastische Grafik machten den Titel des tschechischen Entwicklerstudios Illusion Softworks zu einem unheimlich atmosphärischen Spiel. Hinzu kam, dass "Mafia" auch erzählerisch einiges auf dem Kasten hatte. Zugegeben, die Story um den Taxifahrer Tommy Angelo, der zunächst unfreiwillig in die organisierte Kriminalität abrutscht, ist weder originell noch Oscar-reif, war 2002 für ein Videospiel jedoch ziemlich ordentlich.

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Tommy Angelo in "Mafia: Definitive Edition". Bild: © 2K Games 2020

Bis heute hat "Mafia" kaum ernstzunehmende Nachahmer gefunden

Open-World-Spiele und -Großstädte gibt es mittlerweile wie Sand am Meer. Dennoch ist das Setting von "Mafia" bis heute einzigartig. Die von den Entwicklern erschaffene fiktive Großstadt Lost Heaven baut glaubhaft die Illusion einer US-Metropole aus der Zeit der Prohibition auf, inklusive Elemente von realen Städten wie New York, Chicago und San Francisco. Die Schauplätze und Charaktere könnten direkt aus einem Gangsterfilm stammen. Ein entscheidender Faktor ist, dass "Mafia" eigentlich gar kein Open-World-Spiel ist. Es besitzt zwar eine große offene Spielwelt, aber die ist nur Kulisse für ein ansonsten recht linear erzähltes Action-Adventure. Nebenquests gibt es in der Spielwelt nicht.

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Die Spielwelt von "Mafia" ist unheimlich atmosphärisch. Bild: © 2K Games 2020

Auch in der "Definitive Edition" verzichtet "Mafia" auf unnötige Ablenkung abseits der Hauptstory. Stattdessen haben sich die Entwickler bemüht, den Kern des Spiels, also die Geschichte, noch zu verdichten. Es gibt erweiterte und leicht überarbeitete Szenen und Missionen, die das Originalspiel perfekt ergänzen und an keiner Stelle aufgesetzt oder unpassend wirken. Anders als beispielsweise im Remake von "Final Fantasy 7" wird hier die Spielzeit nicht mit neuen Inhalten gestreckt, sondern die neuen Inhalte dienen vor allem dazu, den Charakteren mehr Tiefe zu verleihen.

Verbessert wurde dort, wo Verbesserung nötig war

Während das Fundament von "Mafia" also auch 2020 noch sehr solide ist, sind andere Dinge schlechter gealtert. Da wäre zuallererst natürlich die Grafik, die deshalb komplett überarbeitet wurde. Die Entwickler von Hangar 13 haben das komplette Spiel von Grund auf neu gebaut – in der gleichen Engine, die auch in "Mafia 3" von 2016 zum Einsatz kam. Im Ergebnis sieht "Mafia: Definitive Edition" wie ein modernes Spiel mit Licht- und Wettereffekten aus, die sich wirklich sehen lassen können. Im Vergleich zu Genre-Schwergewichten wie "Red Dead Redemption 2" und "Assassins Creed Odyssey" setzt der Titel zwar keine grafischen Maßstäbe, er fällt allerdings auch nicht merklich ab.

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Vor allem die Licht- und Wettereffekte sehen toll aus. Bild: © 2K Games 2020

Hand angelegt haben die Entwickler auch an der Steuerung und dem Gameplay. Aus heutiger Sicht wirkt das Original-"Mafia" in diesen Bereichen etwas ungelenk. 2002 gab es beispielsweise noch keine nennenswerten Deckungssysteme, und auch das Handling der Waffen war eher sperrig. Mit der "Definitive Edition" wurde nun nicht nur ein Deckungssystem eingeführt, sondern auch die komplette Steuerung wunderbar an aktuelle Gamepads angepasst.

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Die Fahrzeuge steuern sich auf Wunsch Simulations-lastig. Bild: © 2K Games 2020

Beim Handling der Fahrzeuge bieten die Entwickler die Auswahl zwischen zwei Modi. Während sich die Fahrzeuge im normalen Modus in etwa so Arcade-mäßig steuern, wie man es aus anderen aktuellen Spielen gewohnt ist, sind die Autos der 1930er-Jahre im Simulationsmodus um einiges schwerer zu lenken. Unterm Strich macht der zweite Modus mehr Spaß, denn er vermittelt sehr gut, dass es sich eben nicht um moderne Flitzer mit komfortabler Federung und perfekter Straßenlage handelt. Mit ein bisschen Übung geht das Fahren auch im Simulationsmodus locker von der Hand.

Nur eine Schwäche wurde anscheinend übersehen oder ließ sich nicht fixen: die Gegner-KI. In Schusswechseln agieren die Kontrahenten teilweise wie Lemminge, die blind ins Verderben laufen. Das war auch in "Mafia 3" schon ein Problem und ist daher eine Baustelle, an der Hangar 13 dringend arbeiten muss.

Ein neuer Cast, der den alten würdig ersetzt

Auch wenn die Figuren im Spiel die gleichen sind wie im Original von 2002, wurden die Sprecher für das Remake neu gecastet. Tommy, Paulie, Sarah und Co. haben für die "Definitive Edition" durch die Bank neue Stimmen bekommen, die den Originalen jedoch in nichts nachstehen. Auch die Gesichtsmodelle der Charaktere im Spiel wurden angepasst und verändert. Daher wirkt es fast so, als würde ein komplett neuer Cast die altbekannten Rollen spielen – ein feiner Kniff, der zeigt, dass die Entwickler das Erbe des Originals ehren, es aber gleichzeitig schaffen, der Neuauflage einen frischen Anstrich zu verpassen.

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Der Cast von "Mafia: Definitive Edition". Bild: © 2K Games 2020

Fazit: Eine meisterhafte Neuauflage

Die Entwickler von Hangar 13 haben mit "Mafia: Definitive Edition" beinahe alles richtig gemacht. Was im Original gut funktioniert hat, ist unangetastet geblieben. Und was schlecht gealtert ist, wurde zum Teil grundlegend überarbeitet. Als einziger echter Kritikpunkt bleibt die mangelnde Intelligenz der Computergegner – nicht genug, um den wirklich guten Eindruck merklich zu stören.

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