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"World War Z" angespielt: Solide Zombie-Action mit eindeutigem Vorbild

Ist "World War Z" der neue Geheimtipp für Zombie-Koop-Fans?
Ist "World War Z" der neue Geheimtipp für Zombie-Koop-Fans?

"World War Z" will der Happen sein, den Koop-Fans einschmeißen, wenn ihnen der Sinn nach massenhafter Zombie-Meuchelei steht. Dabei schlägt sich das Game solide, verlässt sich aber auch unverhohlen auf die gute Vorarbeit eines bekannten Genre-Hits. Wir haben es angespielt.

Machen wir uns nichts vor: Ein kooperativ gespielter Zombie-Shooter kommt eh nicht ohne den Vergleich mit "Left 4 Dead" aus, also nennen wir den Elefant im Raum doch gleich beim Namen. Bei "World War Z" ist der Verweis besonders unumgänglich, denn in weiten Teilen ist das Spiel eine Third-Person-Variante von Valves beliebtem Untoten-Schlachtfest: Im Vierer-Team bahnst Du Dir mit Schuss-, Hieb- und Explosionswaffen einen Weg durch Horden von Zombies. Die Story ist minimal, der Wiederspielwert dank verschiedener Schwierigkeitsgrade dafür hoch. Schön und gut – aber da kann man dann doch auch einfach weiter "L4D" oder "L4D2" spielen, oder?

Fast allein gegen viele – für Zombie-Fans ein vertrautes Bild. fullscreen
Fast allein gegen viele – für Zombie-Fans ein vertrautes Bild.

Frische Zombies für Teamplayer

Könnte man machen. Machen laut Steamcharts auch eine ganze Menge Leute. Doch auch beim Zombie-Meucheln möchte man ja vielleicht mal was Frisches sehen, und hier kommt eben "World War Z" ins Spiel. Was Entwickler Saber Interactive als Alternative zum etablierten Koop-Hit anbietet, ist zwar nicht innovativ und sticht weder in Sachen Gameplay noch grafisch besonders hervor. Was es macht, macht es aber ordentlich – und klar, ein paar Besonderheiten gibt es auch.

Gewaltige Zombie-Massen sind das wichtigste Alleinstellungsmerkmal von "World War Z". fullscreen
Gewaltige Zombie-Massen sind das wichtigste Alleinstellungsmerkmal von "World War Z".

Die augenfälligste Eigenheit sind die gewaltigen Horden, die Dir das Game entgegen wirft. Bis zu 500 geifernde Untote soll ein Schwarm zusammenfassen – sagen die Entwickler. Ich habe nicht nachgezählt, aber nach Augenmaß kommt das schon hin und sieht beeindruckend aus: Wenn eine Zombie-Hundertschaft an Zäunen oder Wänden emporbrandet, sorgt das in kritischen Momenten für Spannung am Rande der Panik. Die Welle mit vereinten Kräften, Schusswaffen und Explosionen nach und nach zu dezimieren fühlt sich dafür auch ziemlich befriedigend an und gerät dank abtrennbarer Gliedmaßen angemessen eklig.

Mit Schrotflinte und Kettensäge: Das Waffenarsenal bedient klassische Zombiefilm-Konventionen. fullscreen
Mit Schrotflinte und Kettensäge: Das Waffenarsenal bedient klassische Zombiefilm-Konventionen.

Vier Schauplätze bieten Abwechslung

Im Zusammenspiel mit den vier stimmig und vor allem unterschiedlich gestalteten Schauplätzen New York, Jerusalem, Moskau und Tokio generiert "World War Z" aus seinen Schwärmen immer wieder  Bilder, die trotz der insgesamt nicht sonderlich prächtigen Optik regelrecht kinoreif aussehen. Wenn die Untoten zu Hunderten durch eine russische Eiswüste heranstürmen, sich vor einem verriegelten Gebäude mitten in New York auftürmen oder den Innenhof einer Militäranlage fluten, möchte man dem Treiben der Swarm-Engine beinahe andächtig zusehen. Das ist allerdings keine gute Idee.

Rüsten gegen die Horde

Wer unachtsam ist und nicht strategisch sinnvoll gegen die Gegnermassen vorgeht, wird nämlich schnell überrannt. Zombie-Massenangriffe gibt es in den elf spielbaren Szenarien von "World War Z" zwar vor allem an speziellen Punkten, an denen Du eine kurze Vorbereitungszeit hast und Barrikaden gegen die Horde errichten kannst. Auch abseits der ganz großen Flut sind die Untoten aber zahlreich und vor allem schnell genug, um den Adrenalinspiegel hoch zu halten.

Neben dem klassischen Wiedergänger-Modell gibt es dabei auch noch ein paar Spezial-Gegner, die besonders viel Ärger machen: Der Bulle trägt etwa Motorradhelm und Panzerung und rennt alles nieder. Der Schreier ruft neue Zombies herbei, bis er ausgeschaltet wird. Andere Zombies verströmen giftiges Gas oder ringen Dich aus dem Hinterhalt nieder.

So sieht es übrigens aus, wenn man vom Giftangriff eines "Gasbag"-Zombies erwischt wird. fullscreen
So sieht es übrigens aus, wenn man vom Giftangriff eines "Gasbag"-Zombies erwischt wird.

Eine Frage der Klasse

Um effektiv "aufzuräumen" stehen sechs Charakterklassen zur Verfügung, die unterschiedliche Fähigkeiten, Startwaffen und Rollen mitbringen – ein weiterer Unterschied zum großen Vorbild "Left 4 Dead". Vom schießwütigen Revolverhelden über den treffend "Höllenfürst" genannten Sprengstoffexperten bis zum Arzt, der vor allem auf das Wohlbefinden der Mitspieler bedacht ist, ist hier für jeden Spielstil etwas dabei. Die Klassen sowie die einzelnen Waffengattungen lassen sich mit erworbenen Erfahrungspunkten leveln, wodurch sie neue Perks bekommen und auf höheren Schwierigkeitsgraden bestehen können – das ist der zentrale Gameplay-Loop von "World War Z".

Sechs Klassen gibt es in "World War Z". Das Aussehen der Spielfigur lässt sich unabhängig davon aus vorgefertigten Charaktermodellen wählen. fullscreen
Sechs Klassen gibt es in "World War Z". Das Aussehen der Spielfigur lässt sich unabhängig davon aus vorgefertigten Charaktermodellen wählen.

Koop mit Bots: Möglich, aber nur halb so schön

Dieser Loop lässt sich auch allein genießen (die drei Teamkollegen werden dann von Bots gesteuert), empfehlenswert ist das aber nicht: Menschliche Mitspieler sind zum einen taktisch gewiefter als die KI und positionieren sich schlauer. Zum anderen sind uninspirierte Aufgaben der Marke "Sammle fünf Versorgungskisten einzeln nacheinander ein und bringe sie zu Punkt X" zu viert in angemessener Zeit erledigt, arten alleine aber in unnötig stumpfsinnige Arbeit aus – die Computer-Kollegen schleppen nämlich nicht mit. Dann schon lieber das Random-Matchmaking mit anderen Spielern. Einen PvP-Teil aus klassischen Shooter-Modi plus Zombies gibt's übrigens auch, so richtig überzeugend oder ausgewogen wirkt dieser Teil von "World War Z" aber nicht.

Große Zombie-Horden hält man am besten mit vereinten Kräfte in Schach. fullscreen
Große Zombie-Horden hält man am besten mit vereinten Kräfte in Schach.

Mit eingespielten Teamkollegen am besten

Wie die meisten Koop-Games macht auch "World War Z" wohl am meisten Spaß mit einer festen Gruppe von Mitspielern, mit der man sich Stück für Stück die Schwierigkeitsgrade emporarbeitet. Wer die nicht hat aber eine kurzweilige Zombie-Metzelei sucht, kann dem Game auch eine Chance geben, allzu viel Inhalt in der Breite sollte man aber nicht erwarten: Eine richtige Kampagne gibt es nicht, die Szenarien sind alle von Anfang an anwählbar und hängen in ihrer Handlung nur lose zusammen. Die Missionen unterscheiden sich zwar in Details und manche Setpieces gehen durchaus als Highlight durch – etwa, wenn Du eine U-Bahn verteidigen oder Dich in einem Haus verbarrikadieren musst. Letztlich läuft aber vieles auch immer sehr ähnlich ab.

Wen die Horde losläuft, sollte jeder im Team an seinem Platz stehen. fullscreen
Wen die Horde losläuft, sollte jeder im Team an seinem Platz stehen.

Das ist aber in Ordnung, denn das Grundgerüst stimmt. Weil "World War Z" zudem kein Vollpreis-Titel ist, verzeiht man ihm auch den insgesamt recht geringen Umfang, ein paar Schönheitsfehler bei Animationen und 3D-Modellen sowie vereinzelte Bugs, die sich zumindest in unserer Zeit mit der PS4-Version aber im Rahmen hielten. Eine Offenbarung ist der Titel sicher nicht, nach dem Total-Flop des erst kürzlich erschienenen "Overkill's The Walking Dead" aber immerhin der Beweis, dass das Jahr 2019 in Sachen Zombie-Games noch solide abliefern kann.

Das hat mir gut gefallen Das hat mir weniger gut gefallen
+ Beeindruckende Zombie-Horden sorgen für Spannung und Herausforderung - Story der Szenarien völlig zu vernachlässigen
+ Atmosphärische Schauplätze mit gutem Leveldesign - Bots als Teamkollegen sind mäßig hilfreich
+ Solides Gunplay - PvP-Modus wirkt unausgewogen
+ Klassen und Fortschrittssystem schaffen Motivation - Spiel macht gelegentlich einen etwas ungeschliffenen Eindruck

 

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