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10 ziemlich peinliche Werbeaktionen für Videospiele

Auch Ziegen mussten schon für Games-Werbeaktionen herhalten.
Auch Ziegen mussten schon für Games-Werbeaktionen herhalten. (©Pixabay 2016)

Vom blutigen Frauentorso bis hin zu bedrohten Kneipengästen und einer Bombenattrappe – Games-Publisher kommen auf die seltsamsten Ideen, um ihre Spiele zu bewerben. Weißt Du, dass Sony sogar einmal eine Ziege opfern ließ? Die 10 peinlichsten Werbekampagnen für Videospiele haben wir hier zusammengestellt.

Auch Spielehersteller haben es schwer in unserer Aufmerksamkeits-Ökonomie. Irgendwie muss man lauter schreien als die anderen, um auf sein Produkt aufmerksam zu machen. Das geht, indem man ein hervorragendes Spiel macht, das tolle Reviews und haufenweise kostenfreie Mund-zu-Mund-Werbung für sich verbuchen kann. Oder man macht durch medienaffine Aktionen rund um Sex und Gewalt auf sich aufmerksam – und muss unter Umständen den Preis dafür bezahlen. Das sind die 10 peinliche Werbeaktionen für Videospiele...

1. Luftballons für einen Ego-Shooter

Wie bewirbt man einen Shooter? Nun, man könnte Leute mit einer Waffe bedrohen – aber mehr dazu später. THQ kam 2011 auf eine harmlosere Idee: Tausende mit Helium gefüllte Luftballons auf die Straßen von San Francisco loslassen. Die roten Luftballons symbolisieren die kommunistische Propaganda Nordkoreas. Im beworbenen Ego-Shooter "Homefront" wehrt man nämlich in den USA eine nordkoreanische Invasion ab. Die Aktion erzürnte allerdings Umweltschutzgruppen, als die meisten der Luftballons in der angrenzenden Bucht landeten. Auch das Spiel war mit falschen Versprechungen aufgeblasen und nach dem Release ging schnell die Luft raus.

2. Kneipengäste mit Waffenattrappe bedroht

 "Splinter Cell: Conviction" warf die Frage auf: Wie weit würdest Du gehen, um ein Videospiel zu bewerben? fullscreen
"Splinter Cell: Conviction" warf die Frage auf: Wie weit würdest Du gehen, um ein Videospiel zu bewerben? (©YouTube / Ubisoft 2016)

Und bist Du nicht willens, so brauch ich Gewalt. In Neuseeland bedrohte ein Mann mit bandagierten Händen die Gäste der Kneipe "Viaduct Basin" in Auckland im Jahr 2010 mit einer Waffenattrappe. Ungefähr 20 Kneipengäste zogen den Kopf ein und versteckten sich hinter ihren Tischen, als jemand schrie "Er hat eine Waffe". Der NZ Herald berichtete damals über das Ereignis. Die Polizei traf ein und entwaffnete den Mann.

Erst dann entdeckten die Polizeibeamten, dass der Mann nur eine Waffenattrappe in der Hand gehalten hatte. Er war als Promoter für Ubisoft unterwegs, wobei der Spiele-Publisher wiederum die Monaco Corporation mit dem Marketing beauftragt hatte und die Monaco Corporation engagierte eine externe Agentur dafür. War am Ende ein Praktikant schuld? Dabei war "Splinter Cell: Conviction" ein gutes Spiel, das solche Maßnahmen gar nicht nötig hatte. Und was wollte man überhaupt mit der Aktion bezwecken?

3. "Mass Effect 3" fällt vom Himmel

Ubisoft ließ 2012 mehrere Kopien des Sci-Fi-Spektakels "Mass Effect 3" vom Himmel fallen. Sie waren in Wetterballons untergebracht, die in verschiedenen Ländern landen sollten. Die Fans konnten die GPS-Signale der Ballons über das Internet nachverfolgen und sollten sich die Spiele vor allen anderen holen können, um zu erfahren, wie die Saga ausgeht. Allerdings konnte nicht genau kontrolliert werden, wo die Ballons landen und so endeten viele an unzugänglichen Orten und auf Privatgrundstücken. Außerdem nutzten einige Spielemagazine wie IGN die Aktion für ihre eigene Werbung und holten sich die Kopien, obwohl sie ohnehin Testmuster bekommen hatten.

4. Sony opfert Ziege für Kriegsgott

 Sony bewahrte die uralte Tradition des rituellen Tieropfers für den Kriegsgott noch im Jahr 2007. fullscreen
Sony bewahrte die uralte Tradition des rituellen Tieropfers für den Kriegsgott noch im Jahr 2007. (©Pixabay 2016)

Das Opfern von Ziegen für Götter war in der Antike an der Tagesordnung. Und welcher Gott sollte ein größeres Interesse an einer rituell getöteten Ziege haben als ein Kriegsgott? Das dachte sich allerdings kein gottesfürchtiger Grieche vor ein paar Tausend Jahren, sondern Sony im Jahr 2007.

Als Werbeaktion für das erste "God of War" für die PlayStation 2 legte Sony bei einem britischen Event eine geköpfte Ziege auf einen Tisch. Darüber berichtete damals die Daily Mail, bei der es auch ein Foto zu sehen gibt. Die Gäste sollten aus anderer Quelle stammendes Fleisch aus den Innereien der Ziege essen. Außerdem gab es eine Herausforderung, bei der man Messer werfen und eine weitere, bei der man lebende Schlangen aus einer Grube ziehen sollte. Leicht bekleidete Damen pressten Früchte in den Mund williger Gäste aus. Sony entschuldigte sich später für die Aktion.

5. Doritos- und Mountain Dew- Schleichwerbung für "Halo 4"

 Der Spiele-Journalist Geoff Keighley wollte hier journalistisch-objektiv über "Halo 4" sprechen. fullscreen
Der Spiele-Journalist Geoff Keighley wollte hier journalistisch-objektiv über "Halo 4" sprechen. (©Microsoft 2016)

"Ethik im Videospiele-Journalismus" wurde mit dem Gamergate-Skandal von 2014 zu einem großen Thema. Tatsächlich trieben es manche Journalisten mit ihrer Liason zur Werbeindustrie sehr weit. Der kanadische Videospiel-Journalist Geoff Keighley machte sich etwa im Jahr 2012 zum Gespött, als er nebst Reklame für den Ego-Shooter "Halo 4" vom Softdrink-Macher Mountain Dew und Doritos-Chips sprach. Später wurden Journalismus und Marketing oft entweder deutlicher getrennt oder man machte zumindest für die Leser transparent, wer die Rechnungen bezahlt.

6. Bombenattrappe an Journalisten geschickt

 Ubisofts PR-Aktion für "Watch Dogs" mit einer Bombenattrappe ging nach hinten los. fullscreen
Ubisofts PR-Aktion für "Watch Dogs" mit einer Bombenattrappe ging nach hinten los. (© 2016)

Journalisten können es der Spiele-Industrie schwer machen, wenn sie schlechte Wertungen vergeben. Aber muss man ihnen gleich eine tickende Bombe schicken, um sie davon abzuhalten? Nein, so düster war Ubisofts Motivation nicht, als der Publisher im Jahr 2014 anonym ein mysteriöses Paket an das australische Büro von Ninemsn versandte.

Im Paket war neben einem kleinen, schwarzen Safe auch ein Brief enthalten, der den zuständigen Journalisten aufforderte, sich seine Voicemail anzuhören – aber er hatte keine neue Voicemail bekommen. Er versuchte den Safe zu öffnen, bis er zu piepen anfing. Sicherheitshalber wurde das Büro evakuiert und ein Bombenentschärfungskommando gerufen. Das Kommando entdeckte im Safe eine Kopie des Spiels "Watch Dogs" und ein paar Goodies. Ubisoft entschuldigte sich dafür, dass die PR-Aktion nicht wie geplant abgelaufen sei, so Mumbrella damals. Aber grundsätzlich war sie eine gute Idee...

7. Blutiger Frauentorso fürs Wohnzimmer

 Dieser "Zombie-Köder" zu "Dead Island: Riptide" macht sich bestimmt gut auf dem Esstisch. fullscreen
Dieser "Zombie-Köder" zu "Dead Island: Riptide" macht sich bestimmt gut auf dem Esstisch. (©YouTube / David Echo Guild 2016)

Damit den "Sexismus in Videospielen"-Kritikern nicht das Material ausgeht, veröffentlichte der Publisher Deep Silver diesen "Zombie-Köder" zusammen mit dem Spiel "Dead Island: Riptide" in einer Special Edition. Welche Art von Spieler will sich einen blutigen, entstellten Frauentorso mit "sexy Bikini" ins Wohnzimmer stellen? Auch wenn das Thema "sexualisierte Gewalt gegen Frauen in Videospielen" oftmals reichlich überzogen problematisiert wird – dieser Torso stellt ein abschreckendes, echtes Beispiel dar.

8. Publisher scheffelt Kohle mit Crowdfunding

 Vorbestellungen nahm Square Enix für "Deus Ex: Mankind" gerne entgegen – oder sonst. fullscreen
Vorbestellungen nahm Square Enix für "Deus Ex: Mankind" gerne entgegen – oder sonst. (©Square Enix 2015)

Crowdfunding, etwa via Kickstarter, ist aus Sicht der Öffentlichkeit mutigen Indie-Entwicklern, individuellen Künstler, Gründern und Erfindern in Vaters Garage vorbehalten. Von einem größeren Unternehmen wird hingegen erwartet, dass es das finanzielle Risiko für neue Produkte wie Computerspiele selbst trägt. Das hat der Skandal um das Vorbesteller-Programm zum Agenten-Spiel "Mankind Divided" gezeigt. Und nicht nur das.

Square Enix ließ sich durch ein Vorbesteller-Programm für "Deus Ex: Mankind Divided" Geld überweisen. Je mehr Fans das Spiel vorbestellten, desto mehr zusätzliche Spielinhalte wie Extra-Missionen würde Entwickler Eidos in das Spiel einbauen. Außerdem sollte das Spiel, falls genügend Vorbesteller zusammenkamen, vier Tage früher erscheinen. Was bedeutet, dass der Publisher den Titel künstlich zurückhielt. Schließlich stellten Square und Eidos unter zunehmendem Druck der Fans das Crowdfunding-Stufensystem vorzeitig ein und ließen alle Vorbesteller in den Genuss aller Boni des Programms kommen, ohne eine weitere Bindung an zu erreichende Vorbesteller-Ziele.

9. Die sexy Miss Pacman

 Ob man auch mit einem zweidimensionalen Kreis peinliche Spiele-Werbung machen kann? fullscreen
Ob man auch mit einem zweidimensionalen Kreis peinliche Spiele-Werbung machen kann? (©Midway 2016)

Miss Pacman sollte ursprünglich mehr Mädchen für Videospiele begeistern, die sich eine weibliche spielbare Figur wünschen könnten. Man könnte aber auch die bereits existierenden männlichen Gamer mit einer weiblichen Figur ansprechen, wenn man ihr mehr Sex-Appeal verpasst, dachte Publisher Midway. Aus diesen Gedankengängen entstand eine "sexy" Miss Pacman mit Schmollmund und langen Beinen. Das Problem besteht nur darin, dass sich ein zweidimensionaler Kreis – und das sind die Pacman-Figuren im Spiel letztlich nur – einfach nicht für eine Sex-Appeal-betonende peinliche Werbung eignet. Vielleicht hätte Midway bei der ursprünglichen Idee bleiben sollen und es gäbe heute mehr weibliche Gamer.

10. Sexy Nonnen für "Hitman: Absolution"

Man könnte fast meinen, dass manche Games-Publisher noch immer glauben, ihre Zielgruppe bestehe nur aus pubertierenden Jungs, obwohl Gamer inzwischen durchschnittlich älter geworden sind und ein vielfältigeres Profil aufweisen. Keuschheit symbolisierende Nonnen als sexy darzustellen und sie mit Waffen auszurüsten – vielleicht war das mal irgendwann skandalös, aber noch nie sonderlich intelligent. Trotzdem lässt Publisher Square Enix einige "sexy Nonnen" im "Hitman: Absolution"-Trailer aufmarschieren und ein Gebäude sprengen. Doch Agent 47 tötet sie alle problemlos. Der Action-betonte Trailer hat nichts mit dem Spiel zu tun, aber zumindest kombiniert er alle denkbaren Männerfantasien und demonstriert, wie Square Enix seine Zielgruppe einschätzt.

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