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Xbox Scarlett: Alles, was wir über die Xbox Series X wissen

Im Sommer 2019 hat Microsoft neue Xbox-Hardware angekündigt, im Dezember wurde die Xbox Series X vorgestellt. Viele Details sind allerdings noch nicht offiziell bekannt. Was genau ist bereits klar und wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Vermutungen stimmen? Wir klären auf.

Eigentlich ist es noch nicht lange her, dass Microsoft mit der Xbox One X die bisher stärkste Spielekonsole überhaupt veröffentlicht hat. Dennoch wird bald neue Hardware erscheinen und damit die nächste Konsolen-Generation einläuten. Microsoft selbst will sich eigenen Angaben zufolge aber vom Konzept der Hardware-Generationen verabschieden: Bisher folgten neue Konsolen stets in Intervallen von etwa sieben Jahren aufeinander.

Wird die Xbox Series X kompatibel zur Xbox One sein?

Microsoft arbeitet bereits darauf hin, so viele ältere Spiele wie möglich auf der Xbox One zum Laufen zu bringen. Bereits zum Release der Xbox One X betonte das US-Unternehmen, dass es keine Games geben werde, die ausschließlich auf der neuesten Hardware spielbar sind. Microsoft stellt sich die Zukunft der Xbox eher als universelle Plattform über Hardware-Grenzen hinweg vor, nicht als alleinstehende Konsolen-Generation. Auf der E3 2019 verkündete Xbox-Chef Phil Spencer, dass "Tausende von Spielen aus allen vier Konsolengenerationen auf der kommenden Hardware spielbar" sein werden. Abwärtskompatibilität bleibe "Top-Priorität".

Angeblich soll die kommende Generation mit dem Codenamen Xbox Scarlett über die gleiche Abwärtskompatibilität verfügen wie die aktuelle Generation. Spiele mit dynamischer Auflösung und entsperrter Bildwiederholrate sollen von der stärkeren Leistung der beiden Modelle namens Anaconda und Lockhart profitieren können. Außerdem wird der SSD-Speicher die Ladezeiten auch bei alten Spielen ohne besondere Updates reduzieren.

Welche Leistung wird die nächste Xbox-Konsole bringen?

Ursprünglich gab es Gerüchte darüber, dass sich hinter "Project Scarlett" gleich zwei verschiedene Xbox-Modelle verbergen: eine High-End-Konsole mit dem Codenamen "Anaconda" und eine abgespeckte Variante namens "Lockhart". Nach der Spielemesse E3 2019 gingen viele Beobachter davon aus, dass Microsoft die Arbeit an der schwächeren Konsole eingestellt hat. Ein Bericht aus dem Dezember 2019 verwies allerdings auf anonyme Quellen, die behaupteten, dass auch weiterhin eine günstigere Next-Gen-Xbox in Planung sei.

Zu den Game Awards 2019 wurde Anaconda unter dem Namen Xbox Series X offiziell vorgestellt. In einem Interview sprach Xbox-Chef Phil Spencer über die Specs der neuen Konsole:

  • Der Grafikprozessor der Xbox Series X ist mit etwa 12 Teraflops Leistung über acht mal so stark wie die GPU der Xbox One und doppelt so stark wie die der Xbox One X.
  • Der Hauptprozessor soll dagegen "viermal so stark" sein – allerdings gab Spencer nicht an, ob er sich dabei auf die Xbox One (acht Kerne, 1,75 GHz) oder die Xbox One X (acht Kerne, 2,3 GHz) bezieht.
  • Anstatt einer Festplatte wird deutlich schnellerer NVMe-SSD-Speicher verbaut.

Auf der E3 2019 im Juni zählte das Xbox-Team bereits einige Specs von Project Scarlett auf, wobei unklar ist, ob diese Angaben für beide Konsolen gelten oder nur für die Xbox Series X:

  • Angepasster Prozessor mit Zen-2- und Radeon-RDNA-Architektur von AMD
  • GDDR6-RAM mit hoher Bandbreite
  • SSD-Laufwerk, das auch als virtueller Arbeitsspeicher eingesetzt wird
  • Raytracing mit Hardware-Beschleunigung
  • Variable Bildwiederholrate bis 120 FPS
  • Bis zu 8K-Auflösung

Ein neuer AMD-Chip, der bereits in Benchmark-Datenbanken entdeckt wurde, könnte für die kommende Xbox vorgesehen sein.

Die Xbox Series X erhält also eine GPU mit etwa 12 Teraflops an Leistung, das Doppelte von dem, was die Xbox One X an Grafikpower schafft. Ein Leak, der von Digital Foundry als glaubhaft eingestuft wird, weist sogar auf 12,2 Teraflops hin. Eine PC-Grafikkarte wie die Nvidia RTX 2080 kommt etwas über 10,1 Teraflops hinaus.

Das günstigere Lockhart-Modell soll einem Bericht zufolge dagegen mit einer GPU ausgestattet sein, die mit 4 Teraflops etwa so stark ist wie die der PS4 Pro. Durch SSD-Speicher und eine neue CPU soll Lockhart allerdings weitaus stärker sein als die Sony-Konsole und Hardware-Raytracing bieten.

Lockhart und Xbox Series X (alias Anaconda) werden demnach eine Acht-Kern-CPU mit einer Taktung von etwa 3,5 GHz erhalten, was Spencers bisherigen Angaben widerspricht. Project Scarlett soll zudem über 16 Gigabyte RAM verfügen, von denen zumindest die Xbox Series X 13 GB für Spieldaten verwenden kann. Wenn nötig, sollen Teile des SSD-Speichers als virtueller RAM verwendet werden können.

Die Leistungsdifferenz zwischen Lockhart und Series X soll in etwa der zwischen Xbox One S und Xbox One X entsprechen. Einer Quelle zufolge peilt Microsoft an, dass Spiele auf Xbox Series X optimal mit 4K-Auflösung bei 60 FPS laufen sollen, auf der Xbox Lockhart sei eine 1440p-Auflösung bei 60 FPS angepeilt.

Phil Spencer auf der E3 2019. fullscreen
Phil Spencer auf der E3 2019.

Wird die nächste Xbox auf Cloud-Streaming setzen?

Cloud-Gaming ist das "nächste große Ding" in der Spiele-Industrie. Microsoft hat sein Projekt xCloud im Herbst 2018 offiziell vorgestellt. Dabei wird dem Kunden eine Xbox One in der Cloud per Abonnement zur Verfügung gestellt, Bild und Steuerung werden dabei zwischen Server und Client über das Internet übertragen.

Eine physische Konsole wäre damit theoretisch nicht mehr nötig, um die Xbox-Plattform zu nutzen. Auf der E3 2019 hat Microsoft erstmals öffentliche Tests von xCloud durchgeführt, seit Herbst 2019 läuft in den USA, Großbritannien und Korea eine öffentliche Beta. Das entsprechende Preismodell oder der Deutschland-Start wurden noch nicht verraten.

Außerdem hat das Unternehmen verkündet, dass die eigene Xbox One via xCloud später kostenfrei als privater Cloud-Gaming-Server verwendet werden kann – eine interessante Idee, die das Streaming-Prinzip vielen Menschen näher bringen wird, die bisher noch skeptisch sind. Diese Funktion wird mit ziemlicher Sicherheit auch bei der neuen Xbox wieder an Bord sein.

Weiterhin ist die Rede davon, dass während des Downloads in den lokalen Speicher bereits per xCloud begonnen werden kann, ein entsprechendes Game zu spielen. Zusammen mit reduzierten Ladezeiten durch SSD-Speicher könnte so ein fast nahtloses Spielerlebnis ermöglicht werden.

Wann ist die Xbox Series X erhältlich?

Der Release von Project Scarlett wurde auf der E3 2019 für Weihnachten 2020 angekündigt. Weitere Infos zur Xbox Series X werden wahrscheinlich im Frühjahr veröffentlicht, mit einer Vorstellung und dem Start der Vorbestellungen ist zur E3 2020 zu rechnen.

Welche Spiele wird es für die nächste Xbox geben?

Um attraktivere Spiele für die Xbox Series X auf den Markt zu bringen, wurden die Xbox Game Studios zuletzt erweitert: Die Entwickler von Double Fine, Obsidian Entertainment, Ninja Theory, Compulsion Games, InXile Entertainment, Playground Games und Undead Labs entwickeln seit 2018 unter dem Dach von Microsoft Spiele für die Xbox-Plattform. Insgesamt bestehen die Xbox Game Studios nun aus 15 Unternehmen.

Damit will Microsoft dem Eindruck entgegenwirken, dass es zu wenige Exklusivspiele gibt, die den Kauf einer Xbox-Konsole attraktiver machen. Vor allem Sony und Nintendo verkaufen ihre Hardware vor allem über exklusiven Content, der nur auf den eigenen Konsolen spielbar ist.

Neben einem brandneuen Teil der "Forza"-Rennspiele wurden mit "Senua's Saga: Hellblade 2" und "Halo Infinite" erste exklusive Spiele angekündigt, die für die Xbox Series X optimiert werden.

Kommt die Xbox Series X mit Virtual-Reality-Support?

Schon für die Xbox One war ein eigenes Virtual-Reality-Headset geplant, das in Konkurrenz zu PlayStation VR hätte gehen sollen. Allerdings konnten die Prototypen die Ansprüche der Microsoft-Entwickler nicht erfüllen, das Projekt wurde eingestellt. Mike Nichols, Chief Marketing Officer von Microsoft Xbox, sagte dazu: "Wir haben keine Pläne mit VR oder Mixed Reality in Hinblick auf die Xbox-Konsolen". Die Pläne könnten sich allerdings seither verändert haben. Zumindest ist denkbar, dass sich die Plattform für die Verwendung mit Headsets von Drittherstellern öffnet.

Noch gar nicht so alt: Die Xbox One X erschien Ende 2017. fullscreen
Noch gar nicht so alt: Die Xbox One X erschien Ende 2017.

Was wird die Xbox Series X kosten?

Über die Preise der nächsten Xbox-Generation können wir bisher nur spekulieren. Die Xbox Series X könnte zum Release das ursprüngliche Preissegment der Xbox One X von etwa 500 Euro anpeilen. Die aktuelle Konsolengeneration könnte dann zu niedrigeren Preisen im Portfolio verbleiben oder wegfallen – vielleicht mit Ausnahme der Xbox One S All Digital Edition.

Dass Microsoft die magische Preisgrenze von 500 Euro mit der nächsten Xbox sprengt, ist nur dann wahrscheinlich, wenn die Konsole über außergewöhnliche neue Features verfügt. Mit außerordentlich teuren Spielekonsolen machten die Hersteller bisher keine guten Erfahrungen – allen voran Sony mit der glücklosen PS3. Analyst Michael Pachter spricht von einer gewissen "Hartnäckigkeit bei Kunden, nicht mehr als 300 bis 400 Dollar für eine Konsole" zahlen zu wollen.

Das renommierte Technikmagazin Digital Foundry bewertet die bisher bekannten Specs der Xbox Series X allerdings als über-proportioniert und zum "normalen" Konsolenpreis schwer realisierbar. Es könnte sein, dass Microsoft die Xbox Series X daher als Premium-Produkt zusammen mit dem schwächeren Modell Lockhart auf den Markt bringt. Verschiedene Analysten gehen von einem Launch-Preis zwischen 400 und 500 US-Dollar für die nächste Xbox aus.

Die Positionierung der nächsten Xbox-Hardware am Markt wird aber auch maßgeblich davon abhängen, was die Konkurrenz vorhat. Es wird vermutet, dass auch Sony seine PS5 in Kürze erstmalig zeigt. Ebenso will Nintendo angeblich weitere Varianten der Nintendo Switch vorstellen. Weiterhin möchten auch andere Anbieter in den Gaming-Markt einsteigen. Vor allem Google scheint mit seinem Dienst Stadia einen ähnlichen Service anzupeilen, wie ihn Microsoft zukünftig mit einer Kombination aus Xbox Game Pass Ultimate und xCloud bieten könnte: eine komplette Gaming-Plattform im Abo-Modell – zum Launch konnte Stadia aber nur wenige Kunden überzeugen.

Xbox Series X: Was passiert auf der E3 2020?

Microsoft wird darauf achten, dass sich die fast traumatischen Ereignisse der E3 2013, auf der sowohl Xbox One als auch PS4 enthüllt wurden, nicht wiederholen. Damals konterte Sony bei der Präsentation der PlayStation 4 die wenige Stunden vorher enthüllte Xbox One aus: Online-Zwang, Beschränkungen beim Weiterverkauf von Spielen und der hohe Preis brachten Microsoft damals viel Kritik ein.

Sony verkündete dagegen, dass die PS4 im Offline-Betrieb nutzbar sein werde, kaum Beschränkungen in Sachen DRM (Digital Rights Management) mitbringe und etwa 100 Euro günstiger als die Xbox One sei. Obwohl Analysten zuvor starke Zweifel am Potenzial der PS4 hatten, war die Einführung der Konsole daraufhin ein großer Erfolg.

Vor diesem Hintergrund könnte Microsoft mit neuen Infos zur nächsten Xbox-Generation vorsichtiger umgehen und Sony vor allem preislich unterbieten wollen. Alternativ könnte das US-Unternehmen versuchen, Spieler in erster Linie mit einem großen Angebot an Zusatz-Services zu überzeugen:  Xbox Game Pass, xCloud und Xbox-Live-Angebote auf firmenfremder Hardware wie der Nintendo Switch könnten am Ende das Zünglein an der Waage sein, um Microsoft am Konsolen-Markt zukünftig wieder besser zu positionieren.

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