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E3 2017: Das sind die High- und Lowlights der TURN-ON-Redaktion

War die neue Xbox One X ein Highlight der E3 2017?
War die neue Xbox One X ein Highlight der E3 2017? (©Casey Rodgers / Invision for Microsoft / AP Images 2017)

Die E3 2017 in Los Angeles ist vorbei und hat eine wahre Lawine an neuen Games losgetreten, die in den kommenden Monaten ihren Release feiern. Hier erfährst Du, welche Neuerscheinungen die TURN-ON-Redaktion umgehauen haben – und welche uns eher kaltgelassen haben.

1. Weirdo-Mario, Pokémon auf der Nintendo Switch – und ein paar Grafikkracher

(David Albus)

Highlights: "Super Mario Odyssey", "Pokémon Switch", "Anthem", "Far Cry 5"

Der schiere Irrwitz, den "Super Mario Odyssey" abfeiert, lässt mich das Spiel bereits jetzt ins Herz schließen. Per Hutwurf Pilze, Dinosaurier und andere Gegner übernehmen und als schnauzbärtige Klempner-Versionen durch eine offene Welt steuern? Wer könnte da widerstehen? Neugierig macht das etwas schluderig angekündigte "Pokémon"-RPG für die Switch. Von einem grafisch aufgeputzten Remake bis zum Monster-MMO kann sich dahinter ja alles verbergen. Ich hoffe optimistisch auf Letzteres.

"Anthem" sieht vor allem atemberaubend aus und hat hoffentlich tatsächlich die von BioWare angekündigte epische Story an Bord, um auch im Singleplayer zu überzeugen. Und selbst wenn nicht: Im Iron-Man-Anzug durch postapokalyptische Dschungel zu heizen, macht im Koop sicher auch ohne Handlung Spaß – genau wie VR-Streifzüge durchs Ödland in "Fallout 4 VR". "Far Cry 5" verspricht dagegen in erster Linie ein interessantes Setting und einen fantastischen Country-Soundtrack. Ob der Shooter auch spielerisch überzeugt, muss sich zeigen.

2. Russische Postapokalypse und ein neues Traumspiel von Quantic Dream

(Kai Lewendoski)

Highlights: "Metro: Exodus", "Detroit: Become Human", "Beyond Good & Evil 2"

Selten hat mich ein Trailer so spontan vom Hocker gehauen wie der von "Metro: Exodus", dem neuen Sequel aus der "Metro"-Reihe. Die gezeigten Gameplay-Szenen vom Start des Spiels sind zwar heftig gescriptet – aber warum nicht? Die Monster fletschen grimmigst die Zähne und haben im wahrsten Sinne des Wortes "Biss". Dass es nicht darum geht, sie alle wegzuschnetzeln, sondern dass man abhauen kann – und muss – bringt Stimmung. Die dystopische und apokalyptische Außenwelt erschaffen vom Studio 4A Games aus der Ukraine wirkt glaubwürdig verstrahlt.

Ein weiteres Highlight war für mich ohne Frage auch "Detroit: Become Human" des französischen Studios Quantic Dream. Seit "Heavy Rain" aus dem Jahr 2010 bin ich ein Fan des Teams um David Cage. Das Spiel sieht mit seinen Entscheidungsbäumen und der Story um Roboter und Menschen mega-spannend aus. Schräg und schön könnte die lange erwartete Fortsetzung "Beyond Good & Evil 2" werden. Der Trailer sieht herrlich wild und sehr filmisch aus und das Gameplay war im ersten Teil sehr stark.

Lowlight: Die Präsentation der Neuigkeiten von Nintendo

Ein wenig zu schräg und schade fand ich – wieder mal – die Präsentation der Neuheiten von Nintendo per Video-Stream. Dass Nintendo keine Pressekonferenz vor Publikum machen will, wie die anderen "Großen", finde ich an sich schon nicht klug und zu bescheiden. Dass dann aber Kracher wie "Metroid 4" mit einem Schriftzug knapp abgefeiert werden und ein "Pokémon"-Rollenspiel praktisch versteckt wird, wirkt einfach stoffelig.

3. Nazis in Amerika, das virtuelle Ödland und die Piraten

(Patrick Schulze)

Highlights: "Wolfenstein 2: The New Colossus", "Fallout 4 VR", "Sea of Thieves"

Am meisten habe ich mich zur E3 2017 über die Ankündigung von "Wolfenstein 2: The New Colossus" gefreut. Warum? Weil der direkte Vorgänger von 2014 der vielleicht beste Singleplayer-Shooter seit "Half-Life 2" ist. Außerdem haben die Entwickler schon damals den Beweis erbracht, dass sie in einem völlig abstrusen Setting eine packendere, logischere und ernsthaftere Geschichte erzählen können als jedes "Call of Duty".

Das zweite Highlight war für mich als großen Fan der HTC Vive ganz klar "Fallout 4 VR". Bethesda möchte das Mega-Rollenspiel anscheinend eins zu eins in die virtuelle Realität übertragen – mit seinen über 100 Stunden Spielzeit, Unmengen an Quests, Gegenständen und Charakteren sowie einem umfassenden Crafting-System . Das kann einfach nur großartig werden.

Die beste noch jungfräuliche IP der Messe war für mich hingegen "Sea of Thieves". Viel zu lange wurden Piraten von der Spiele-Industrie stiefmütterlich behandelt – und was würde sich denn besser eignen, um die sieben Weltmeere zu erobern, als ein Team-basiertes Mutiplayer-Spiel, bei dem jede Menge Chaos praktisch schon vorprogrammiert ist?

Lowlight: "Starlink: Battle for Atlas"

Eigentlich ist es ja immer gut, wenn große Publisher neue Marken etablieren wollen – und anfangs sah das Ubisoft-Spiel "Starlink: Battle for Atlas" auch ziemlich spannend aus. In dem Moment, als die Plastikraumschiffe gezeigt wurden, die zum Zocken offenbar benötigt werden, war der Ofen bei mir allerdings aus. Amiibos, Skylanders und Co. sind für mich nur eine andere Form von Mikrotransaktionen, mit denen Publisher versuchen, mit fragwürdigen Bonusinhalten noch mehr Geld aus ihren Spielen zu pressen. Und so fällt auch "Starlink" bei mir leider durch.

4. Auf der E3 nichts Neues

(Andreas Müller)

Highlight: "Uncharted: The Lost Legacy"

Die große Scheu vor Risiko und Innovation hat nach Hollywood nun auch die Games-Industrie erreicht. Bekannte Serien wie "Assassin's Creed" und "Forza" erhalten also weitere Ableger und "Skyrim" von 2011 kommt für Virtual Reality. Doch es ist wohl die 4K-Version des ersten "Age of Empires" von 1997, die als Symbol für eine eingefrorene Risikofreude gelten darf.

Ich weiß, mit der Xbox One X wurde eine High-End-Konsole vorgestellt. Aber welche Spiele erscheinen dafür, die es für PC und andere Konsolen nicht schon gibt oder noch geben wird? Keine. Ich darf also "Minecraft" auf meiner Superkonsole in 4K spielen. Ernsthaft? (An die größeren Spiele-Publisher geht dieselbe Botschaft wie an Hollywood: Wenn ihr nicht mehr wollt, dann will ich als Spieler bald auch nicht mehr.) Zugegeben: Als großer Fan der Serie hole ich mir "Uncharted: The Lost Legacy" trotzdem. Noch ist für die großen Publisher Zeit, aus ihrem Schlummer zu erwachen.

5. 2D All the Way

(Marc Binder)

Highlights: "Metroid: Samus Returns", "Bloodstained: Ritual of the Night", "Blade Strangers", "Fate/Grand Order"

Als Freund der alten Gaming-Schule schaue ich bei großen Shows wie der E3 2017 immer gerne, was sich zwischen den Triple-A-Kolossen so tummelt. Im Idealfall sind das überschaubare, gerne auch portable Games – so wie das "Metroid 2"-Remake. Wirklich eine sehr gute Idee, Samus' 1991er Ausflug auf den original Game Boy schick zu machen für 2017! Auch wenn ich dem spanischen Entwickerstudio Mercury Steam etwas skeptisch gegenüberstehe. Mal schauen, bei Nintendo haben sie sicher alle wichtigen Punkte abgesegnet.

In eine ähnliche Kerbe wie "Metroid" schlägt bekanntlich auch Koji Igarashi gerne. Kickstarter sei Dank darf er das in "Bloodstained: Ritual of the Night" jetzt endlich wieder tun! Der E3-Trailer seines spirituellen "Castlevania"-Nachfolgers sah jedenfalls super aus. Dürfte ein Day-One-Kauf werden für mich.

Ebenfalls gefreut habe ich mich über den 2D-Fighter "Blade Strangers". Titel aus diesem Genre kann es einfach nie genug geben. Das frühe Gameplay-Video war insgesamt zwar ein bisschen komisch (Warum beachten die die Pizza nicht?). Der erste richtige Trailer dürfte da mehr hermachen. "Blade Strangers" vereint Charaktere aus zahlreichen japanischen Indie-Games wie "Cave Story" oder dem Kultspiel "Umihara Kawase". Und: Entwickler Saizensen hat vorher mit dem "Shining"-Spin-off "Blade Arcus" schon sehr schön vorgelegt. Insofern darf das Ganze gerne ein mega-nischiger Sure Shot werden.

Weiterhin fand ich es schön, dass Aniplex anscheinend das Mobile Game "Fate/Grand Order" in den Westen bringen möchte. Das Teil dominiert in Japan schon so lange die Charts, da war es echt mal an der Zeit. Zu guter Letzt muss natürlich Suda51s Auftritt bei der verrückten Devolver-Keynote erwähnt werden. Schlichtweg genial!

6. Zwischen Fremdscham und Games mit Herz

(Meru Klee)

Highlights: Ubisoft-Lineup, "Call of Duty: WW2"

Am meisten überrascht hat mich, dass Ubisoft die wohl spannendste Präsentation der E3 2017 abgeliefert hat. Im Vorfeld war ich davon ausgegangen, dass entweder Sony – bester Content – oder Microsoft – beste Hardware – die Spielemesse dominieren würden. Stattdessen waren neue Games wie "Skull & Bones" und die Enthüllung von "Beyond Good & Evil 2" oder selbst das überraschend interessante "Mario & Rabbids Kingdom Battle" für mich die Highlights der Messe.

Vor allem hatte ich bei diesen Titeln das Gefühl, dass sie mit Herz entwickelt werden und keine lahmen Fortsetzungen vorhandener Reihen sind. Trotzdem, auch "Call of Duty: WW2" reizt mich – seit Jahren habe ich keinen traditionellen Shooter angefasst, der leise Duft von Entschleunigung weckt in mir die Lust, dem Genre eine neue Chance zu geben.

Lowlights: Xbox One X, Sony-Abwesenheiten, EA Play

Enttäuscht hat mich auf der E3 2017 leider die Präsentation der Xbox One X. Microsoft gab in den letzten Wochen vor, begriffen zu haben, dass guter Content, nicht starke Hardware, der richtige Weg ist. Davon war auf der Präsentation aber nichts zu sehen. Etwas enttäuschend ist für mich auch, dass Sony sowohl "Red Dead Redemption 2", "Death Stranding" als auch "The Last of Us 2" bis zur eigenen Hausmesse PSX im Dezember zurückhält. Von der EA Play, die aufgrund der teils peinlichen Moderationen eher zum Fremdschämen einlud, mal ganz abgesehen.

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