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Gamescom 2016: Unser Survival-Guide für den Messebesuch

Gamescom
Gamescom (©Facebook/Gamescom 2016)

Die Gamescom ist die weltgrößte Videospielmesse und zählte zuletzt gut 350.000 Besucher. Auch an ausdauernde Großevent-Fans stellt die Reise nach Köln immer wieder neue Herausforderungen. Wir geben Dir 10 praktische Tipps aus erster Hand, damit Du die Gamescom 2016 trotz der Menschenmassen in vollen Zügen genießen kannst.

Jeden August pilgern Gamer aus der ganzen Welt nach Köln, um auf der Gamescom die neuesten Spiele hautnah erleben zu können. Mit den Jahren wurde die Messe aber nicht nur zu einem Kult-Event für Nerds, Cosplayer und Gamer – Videospiele sind in der Mitte der Gesellschaft angekommen, weswegen nun auch jede Menge “Normalos” vorbeischauen. Die ganze Stadt Köln verfällt im August also kollektiv für eine Woche dem Videospiele-Wahnsinn. 

Als regelmäßiger Besucher musste ich selbst über Jahre die harte Schule der größten Messe-Fails durchlaufen. Vom Tagesticket über den Fachbesucher- bis hin zum Ausstellerausweis durfte ich dabei schon alle Stufen des Gamescom-Nirvanas erleben. Zerschlissene Sneaker, durchgeschwitzte Nerd-Shirts und geplatzte Goodiebags sind als stille Zeugen dieses Werdegangs in die Geschichte eingegangen. Nun, mein lieber Padawan, ist der Zeitpunkt gekommen, das Nähkästchen zu öffnen und mein Wissen mit Dir zu teilen. Mögen diese Überlebenstipps Dein nächstes Gamescom 2016-Erlebnis etwas erleichtern!

Die Planungsphase

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Menschenmassen soweit das Auge reicht: Gut 350.000 Besucher kamen allein 2015. (©Youtube / Adison 2016)

Spontan ins Auto setzen, Ticket am Counter holen und gemütlich über die Messe spazieren. Ein paar neue Games vor Release anzocken und nebenbei noch coole Freebies von charmanten Messe-Hostessen zugesteckt bekommen – so wäre die Gamescom wohl das perfekte Freizeitvergnügen im Spätsommer. Die Realität ist allerdings oft rau und gemein. Mit ein wenig Planung lässt sich Frust jedoch ganz einfach vermeiden.

1. Eintrittskarten vorher besorgen

Kauf Dir das Ticket zur Gamescom 2016 auf jeden Fall im Vorverkauf. Zwar ist das theoretisch auch vor Ort möglich, aber man sollte so vielen Schlangen wie möglich aus dem Weg gehen. Darüber hinaus bist Du so auf der sicheren Seite, falls der Messetag plötzlich doch ausverkauft ist. Andernfalls drückst Du Dir eventuell die Nase an den Scheiben im Eingangsbereich platt, während Deine Freunde drinnen schon die neuesten Games zocken. Es gibt jeweils am Nachmittag zwar noch Wildcard-Tickets für Nachrücker, für diese sollte man sich aber frühzeitig so an der Kasse positionieren, als gäbe es dort Gratis-iPhones und Freibier.

2. Meide das Wochenende!

Wenn es irgendwie möglich ist, besuche die Gamescom 2016 nicht am Wochenende, sondern an den Tagen davor. Erfahrungsgemäß ist der Besucherandrang dann deutlich geringer und die meisten Goodies sind auch noch nicht vergriffen. All denen, die nicht auf schwitzige Menschenmassen stehen, sollte das schon den einen oder anderen Urlaubstag wert sein.

3. Anreise per Bus und Bahn...

Selbstverständlich empfiehlt sich die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Zu den gängigen Zeiten ist es zwar auch in Bussen und Bahnen sehr voll und man muss am Messegelände einige Fußwege in Kauf nehmen. Wer nicht gerne läuft, hat auf der weitläufigen Gamescom aber sowieso nicht viel Spaß. Das Messeticket beinhaltet immerhin eine kostenfreie Fahrkarte für den öffentlichen Nahverkehr, gültig für die Länge des Aufenthaltes – äußerst praktisch! Man sollte aber unbedingt einen gültigen Personalausweis dabei haben, der zum Namen auf der Eintrittskarte passt. Die Kölner Kontrolleure sind nach nunmehr sieben Jahren Gamescom Vollprofis und haben schon alles gehört, was man an kreativen Entschuldigungen vortragen kann.

4. ...oder mit dem Auto

Die Verkehrsführung in Köln ist für Touristen zumindest gewöhnungsbedürftig. Wer mit dem Auto anreist, sollte sich daher darüber im Klaren sein, dass der Kölner an sich offenbar ungern links abbiegt. Zumindest wird uns diese Option oft gar nicht gegeben. Wer da einmal nicht aufpasst, findet sich ganz schnell auf der jeweils anderen Rheinseite wieder und dreht eine Extrarunde. Hinzu kommt, dass Köln mit Blitzern gespickt ist – gerade auf den Rheinbrücken sollte auf gar keinen Fall die Höchstgeschwindigkeit überschritten werden. Genau wie die Hoteliers wittern die städtischen Ordnungshüter während der Gamescom anscheinend Hochkonjunktur und packen daher ganz gern auch mal spontan die Laserpistole aus. Immerhin kann man den Strafzettel mittlerweile ganz bequem per EC-Karte vom Fahrersitz aus zahlen, da sind die Kollegen technisch gut ausgestattet.

5. Gemischte Anreise geht auch

Wer es dann zu einem der gebührenpflichtigen Parkplätze geschafft hat, muss mit ungefähr 10 Euro pro Tag rechnen. Um auf das Messegelände zu kommen, ist zudem meist noch ein mittelschwerer Gewaltmarsch zu absolvieren. Zu empfehlen ist daher das Park & Rail-System der Kölner Verkehrsbetriebe. Einfach eine entsprechende Station heraussuchen, bequem parken und das letzte Stück Weg ohne Stau genießen. Die Eintrittskarte ist wie beschrieben gleichzeitig ein Ticket für die öffentlichen Verkehrsmittel.

6. Was Du auf jeden Fall mitbringen solltest

Ein geräumiger Rucksack ist für den erfahrenen Gamescom-Besucher unerlässlich. Souvenirs, Verpflegung und Kleidung können darin am bequemsten transportiert werden und man braucht keine sperrigen Riesentüten, die einem die Promoter oft andrehen wollen, damit man als wandelnde Werbefläche über die Messe taumelt.

Update vom 15.08.2016, 12:30 Uhr: Die Gamescom hat aus nachvollziehbaren Gründen die Sicherheitsbestimmungen für die Messe angepasst. Besucher werden gebeten, so weit es geht auf Taschen und Rucksäcke zu verzichten. An den Eingängen werden bereits ab 7 Uhr Sicherheitskontrollen durchgeführt, wer auf Gepäck verzichtet, spart sich und anderen also eine Menge Wartezeit.

Wer unbedingt die großen Blockbuster anzocken will, wird um lange Warteschlangen an den Messeständen nicht herumkommen. Ein gutes Buch oder eine Handheld-Konsole sind also mit Sicherheit keine schlechte Idee. Wer hat, packt auch einen Zusatz-Akku fürs Smartphone mit ein.

Unbedingt empfehlenswert ist ein Ersatz-Shirt und insgesamt bequeme Kleidung, im Sommer ist es schließlich oft sehr warm in Köln. Wer noch Platz hat, sollte auch ein zweites Paar Schuhe mitbringen – ein Wechsel des Schuhwerks nach der Hälfte des Messetages kann bei schmerzenden Füßen wahre Wunder bewirken. Hierzu ein Tipp für die Damen: High Heels nur anziehen, wenn Dein Cosplay auf keinen Fall ohne funktioniert!

Am besten packst Du so viel Verpflegung wie irgend möglich ins Gepäck. Die Messe verbietet mitgebrachtes Essen und Getränke nicht (Achtung: keine Glasbehälter!), und ganz ehrlich: Perfide Preise und teils mittelmäßige Qualität sprechen nicht gerade für die Messegastronomie. Wer auch noch gern etwas halbwegs Gesundes zu sich nehmen möchte, hat es auf der Gamescom ohnehin schwer. So steht man gern eine halbe Stunde für fettige Bratnudeln oder ein matschiges Stück Pizza an und zahlt um die zehn Euro für eine Portion in Kindergröße. Zwar verfallen Tagestickets mit dem Verlassen des Geländes, aber wer sowieso länger da ist, sollte sich eher an den Schlangen der Fressbuden am Deutzer S-Bahnhof anstellen und so etwas Geld sparen.

7. Los geht's: Ab ins Getümmel

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Schon am Eingang der Gamescom ist in jedem Fall mit Wartezeit zu rechnen. (©Twitter / Frau Schattenspiel 2016)

Um den Gamescom-Tag optimal auszunutzen, wollen viele Besucher möglichst früh an der Messe aufschlagen. Bei Einlass gibt es dann meist tumultartige Szenen und Wettläufe um die vordersten Plätze in den Warteschlangen an den großen Ständen. Wer nicht als Erster in den Hallen sein muss, kann sich nach dem Frühstück aber auch gerne etwas Zeit lassen. So oder so kommt man um lange Schlangen meist nicht herum – einmal drin, gibt es trotzdem einige Strategien, mit denen man das Messe-Erlebnis tweaken kann.

Die größten Menschenmassen strömen durch den Eingang Süd am S-Bahnhof Deutz, hier gibt es mittlerweile auch einen zweiten Eingang ohne Kassen um den Andrang etwas abzufangen. Trotz der vermeintlichen Fast-Lane kann es aber hilfreich sein, lieber den Eingang Nord hinter dem Messekreisel zu nutzen. Hier muss man auch nicht erst am Business-Bereich vorbeiwandern, sondern kommt direkt auf den zentralen Messe-Boulevard, von dem alle Hallen abgehen.

Wichtig: Vor der Messe werden verschiedenfarbige Bändchen verteilt, mit denen man je nach Alter in die entsprechenden FSK-Bereiche gelangt. Stell Dich dort nicht an – auch in den Hallen gibt es genügend Ausgabestellen dafür, diese sind meistens viel weniger ausgelastet.

8. Erste Hilfe für Cosplayer

Du bist als Cosplayer auf der Gamescom unterwegs? Auf der Messe gibt es mittlerweile einen Bereich, der Dir und Deinen Gleichgesinnten thematisch komplett gewidmet ist – aber das weißt Du ja sicher schon. Vor Ort gibt es aber auch eine Reparaturwerkstatt für Kostüme mit erfahrenem Personal, das Dir gern mit Rat und Tat zur Seite steht. Bei dem Andrang fällt es schließlich schwer, Deine wertvolle Handarbeit vor Verschleiß zu schützen. Ach so: Weibliche Cosplayer sollten sich vor zwielichtigen Fotografen in Acht nehmen, die die gute Stimmung als Vorwand nehmen, um Fotos von jungen Mädchen zu sammeln. Hier handelt es sich allerdings wirklich nur um Einzelfälle.

Update vom 15.08.2016, 12:30 Uhr: Auch in Sachen Cosplay wurden die Sicherheitsbestimmungen der Gamescom angepasst. Waffennachbildungen aller Art sind nun verboten und werden bereits am Eingang einbehalten. Auch im gesamten Stadtgebiet von Köln wird darum gebeten, auf waffenähnliche Elemente bei Kostümen zu verzichten um die Bevölkerung nicht unnötig zu beunruhigen.

9. Morgen ist auch noch ein Tag...

Nimm Dir nicht zu viel vor: Der Andrang an den Ständen ist nicht zu unterschätzen und auch zwischendurch gibt es vieles zu entdecken, für das es sich lohnt, kurz stehen zu bleiben. Eine gute Strategie ist es, am ersten Besuchstag erstmal die Hallen zu erkunden und sich die wichtigsten Wegpunkte für später zu merken. So kann man besser abwägen, wofür es sich am Ende lohnt die eine oder andere Stunde anzustehen.

Plane unbedingt großzügige Pausen in den Messebesuch ein, Dein ganzer Körper wird es Dir danken. Hierzu eignen sich besonders etwas abgelegene Teile der Messe, überall sind dafür entsprechende Ruhezonen vorgesehen. Gut zu wissen: Einige Hallen haben zwei Etagen, im unteren Stockwerk ist es mitunter deutlich leerer. Natürlich kann man auch gern unter freiem Himmel pausieren und dabei die vermeintlich frische Luft genießen – Raucher, fehlender Schatten und schwer zu findende Sitzgelegenheiten machen Pausen in den klimatisierten Hallen jedoch durchaus attraktiv.

Der Zustand der Toiletten ist auf der Gamescom immerhin passabel, wer ein besonders stilles Örtchen sucht, sollte sich in Richtung der am Rande gelegenen Messehallen orientieren. Dort ist es unter Umständen ein wenig sauberer und wer Glück hat, muss auch nicht anstehen. Trotzdem: Schieb den Gang zum Klo nicht zu lange hinaus, sonst stehst Du eventuell trotz größter Not noch eine Viertelstunde an. Wer Zugang zum Business-Bereich hat, geht aufgrund des geringeren Andrangs ohnehin lieber dort aufs Töpfchen (sauberer ist es da aber übrigens auch nicht).

10. Prioritäten setzen: Was wollen wir hier eigentlich?

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Bitte recht freundlich: Für kostenlose Goodies muss kräftig gejubelt werden. (©Youtube / CentiXo 2016)

Wichtige Grundregel: Nicht blind an einem Stand anstellen. Auch wenn hier der neueste Blockbuster angekündigt wird, stehen mitunter unzählige Leute an, ohne überhaupt zu wissen, was konkret geboten wird. Niemals blind der Masse folgen, gerade auf der Gamescom merkt man immer wieder, was für Herdentiere wir Menschen sind. Wer nach vier Stunden Schlangestehen nicht lediglich einen gerenderten Trailer ansehen will, fragt vorher freundlich am Stand nach.

Stattdessen lassen sich an den Ständen vieler kleinerer Studios auch ohne langes Anstehen oft tolle Titel anspielen. Hier ist es auch viel einfacher, mit den Entwicklern ins Gespräch zu kommen oder sich Features erklären zu lassen. Da die Mitarbeiter sich oft tagelang an ihren Ständen die Beine in den Bauch stehen müssen, freuen sie sich manchmal sogar über eine freundliche Konversation mit angenehmen Besuchern.

Einige Gamer widmen ihren Besuch tatsächlich größtenteils dem Abgreifen von Goodies und Give-Aways. Hiervon gibt es auf der Gamescom zugegebenermaßen recht viele Möglichkeiten. Vor den entsprechenden Show-Bühnen muss man sich dafür aber meist ziemlich zum Affen machen und dann auch noch gut fangen können. Infos darüber, wann sich die Mühe an welchem Stand lohnt, gibt es am besten über die kostenlose Gamescom-App fürs Smartphone, die es für iOS und Android gibt.

Wer anstatt Zeit und Nerven lieber Geld investiert, kann die Goodies auch einfach käuflich erwerben: In einer eigenen Halle findet der Merchandise-Verkauf statt, hier gibt es alles Mögliche an Kuriositäten. Günstige Preise sind dabei allerdings nicht unbedingt zu erwarten! Thematisch ist das Angebot dafür nicht ausschließlich auf Games beschränkt, ein geekiges Mitbringsel für die Daheimgebliebenen findet sich also bestimmt. Tipp: Fast alle Stände akzeptieren Kartenzahlung, spar Dir das Bargeld also lieber für wichtigere Gelegenheiten.

Damit Dir die Gamescom auch in diesem Jahr in guter Erinnerung bleibt, abschließend noch ein gut gemeinter Rat: Trotz der tollen Stimmung und den vielen netten Leuten treiben sich auch manchmal schwarze Schafe unter den Messebesuchern herum. Achte daher immer gut auf Deine Sachen, damit Taschendiebe leer ausgehen.

Übrigens: Auch TURN ON wird sich 2016 in das Messegetümmel stürzen. Alex & Jens werden vor Ort sein und bei einer Live-Show am 20. August das Gamer Girl 2016 suchen. Willst Du dabei sein, wenn die beiden Gaming-PCs testen und Gewinne verteilen? Dann sei pünktlich ab 16 Uhr bei der Social-Media-Bühne!

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