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"Gran Turismo Sport": 8 Probleme, die Sony sofort beheben sollte

"Gran Turismo Sport" wird von vielen Gamern heftig kritisiert.
"Gran Turismo Sport" wird von vielen Gamern heftig kritisiert. (©Sony Computer Entertainment Europe 2017)

Zahlreiche Reaktionen auf das neue "Gran Turismo Sport" klingen vernichtend für den Titel, der eigentlich ein Rennsport-Kracher für die PlayStation 4 sein sollte. "Das ist nur ein halbes Spiel, der Singleplayer fehlt" und "Das ist kein Rennspiel mehr, das ich genießen kann", lauten einige Urteile. Aber: wenn Sony jetzt schnell handelt, lässt sich das Spiel vielleicht noch retten.

Das haben sich Sony und die Entwickler bei Polyphony Digital bestimmt anders vorgestellt: Das neue "Gran Turismo Sport" sollte in Zusammenarbeit mit dem Welt-Motorsport-Verband FIA echte Rennatmosphäre in die Wohnzimmer bringen. Mit regelmäßigen Online-Rennen und knallharten Regeln sollte es für perfekte PS4-Piloten am Ende sogar möglich sein, sich um eine "echte" FIA-Lizenz zu bewerben, um reale Rennwagen zu fahren. So suggerieren es jedenfalls das Sony-Marketing und Kazunori Yamauchi, Chef des Entwicklers Polyphony Digital und selber Inhaber einer FIA-Lizenz.

 Eine echte Rennlizenz als Top-Fahrer bei"Gran Turismo Sport" bekommen – geht das wirklich? fullscreen
Eine echte Rennlizenz als Top-Fahrer bei"Gran Turismo Sport" bekommen – geht das wirklich? (©Screenshot TURN ON/Sony 2017)

Aber: Durch die harschen Reaktionen der ersten Käufer von "Gran Turismo Sport" etwa auf Twitter und Facebook wird klar, dass eine große Gruppe offensichtlich weniger Wert auf eine digitale Motorsportkarriere mit eher zweifelhaftem Ausgang legt, als auf frühere Qualitäten von "Gran Turismo" – wie etwa einen handfesten Karriere-Modus. Wenn Sony die Enttäuschungen stoppen will, muss der Hersteller einige Kritikpunkte schnell angehen.

1. Problem: Online-Zwang

Speichern ist nur möglich, wenn man online ist? Fotos schießen im neuen Scapes-Modus auch? Dass Sony fast alle Kernfunktionen des Spiels mit einem Online-Zwang verknüpft hat, ist kaum zu verstehen. Hintergrund kann sein, dass durch die Integration der FIA-Regeln die Spielstände objektiv nachprüfbar in der Cloud gespeichert sein müssen. Aber: Das lässt sich ja auch auf den Online-Modus begrenzen und muss nicht etwa auch beim Scapes-Modus gelten, wo es nur darum geht, nette und harmlose Bilder der eigenen virtuellen Autos zu machen. Viele Käufer sind durch die Internet-Pflicht zu recht verärgert, weil es immer noch viele Haushalte mit einer mangelhaften Online-Anbindung gibt – etwa in ländlichen Gegenden.

 Selbst für den Foto-Modus Scapes muss man online sein. fullscreen
Selbst für den Foto-Modus Scapes muss man online sein. (©Screenshot TURN ON/Sony 2017)

2. Problem: Keine Kampagne mit Karriere-Modus

Was mag Sony und Polyphony Digital dazu gebracht haben, auf einen Karriere-Modus zu verzichten? Für viele "Gran Turismo"-Fans war die eigene Rennfahrer-Karriere immer das absolute Highlight des Spiels: Hier konnten sie sich einen kleinen Opel kaufen und sich dann per Tuning und Training weiter hoch bis an die Spitze arbeiten. Sony hat das Fehlen des beliebten Modus zu allem Überfluss auch noch ziemlich unklar kommuniziert. So hat Polyphony-Boss Yamauchi in einem Interview im August erklärt, der Online-Part des Spiels umfasse nur 15 Prozent und 85 Prozent sollten auf den Solo-Modus entfallen. Um die enttäuschten Gamer zu besänftigen, sollte also eine Karriere nachgerüstet werden.

3. Problem: VR-Modi enttäuschen

Vermutlich ist die Zahl der VR-Rennfahrer, die das Spiel per PlayStation VR zocken, nicht besonders groß. Dennoch sind auch hier anscheinend falsche Erwartungen geweckt worden. In der finalen Version ist es lediglich möglich, Zwei-Runden-Rennen gegen die schwächste Form der Gegner-KI zu absolvieren. Damit ist der VR-Modus in "Gran Turismo Sport", den andere Renn-Titel durchaus komplett für das gesamte Spiel zur Verfügung stellen, laut dem Magazin TheSixthAxis nicht mehr als eine Tech-Demo. Um die VR-Spieler zu gewinnen, muss hier dringend nachgebessert werden – wobei unklar ist, ob es dabei womöglich technische Hürden gibt.

 Der Blick aus dem Cockkpit wird mit VR erst richtig interessant. fullscreen
Der Blick aus dem Cockkpit wird mit VR erst richtig interessant. (©Screenshot TURN ON/Sony 2017)

4. Problem: Wie geht das mit der FIA-Lizenz?

Was Sony sich mit der erspielbaren FIA-Lizenz leistet, ist entweder ziemlich dreist oder schlicht Unvermögen. Polyphony-Chef Yamauichi hat gegenüber Gamespot auf der E3 2016 erklärt, dass es möglich sein soll, mit "Gran Turismo Sport" eine echte FIA-Rennlizenz für echte Rennwagen zu erhalten. "Wir haben auch die digitale Lizenz der FIA in 'Gran Turismo Sport'. Das ist ein Programm, das eine echte Motorsport-Lizenz anbietet, nachdem man einen bestimmten Fahrerlevel erreicht hat", so Yamauchi. "Ich besitze eine Motorsport-Lizenz, aber es ist sehr schwer, eine zu bekommen. Es dauert lange und ist sehr teuer – und weltweit gibt es immer weniger Menschen, die neu in den Motorsport einsteigen. Mit diesem Programm soll die Popularität des Motorsports in der echten Welt gesteigert werden." Zu den Bedingungen sagte der "Gran Turismo"-Entwickler: "Man muss den Rennmodus Netikette geschafft haben, immer mindestens silberne oder bessere Resultate erreichen und entsprechende Fahrerlevel und Fairness-Punkte haben."

Das australische Magazin Finder hat allerdings herausgefunden, dass Sony es anscheinend nicht geschafft hat, die Gespräche mit dem Rennsportweltverband so abzuschließen, dass bei den zuständigen lokalen Verbänden Klarheit über das Vorgehen besteht. Was Deutschland betrifft, nimmt der Deutsche Motor Sport Bund (DMSB) derzeit nicht teil. Sony sollte also dringend Klarheit herstellen, was von den Aussagen des Entwickler-Chefs genau zu halten ist – und für welche Länder sie eigentlich gelten.

5. Problem: Kein Schadensmodell & keine Wettereffekte

Dass in "Gran Turismo Sport" nach wie vor ein Schadensmodell fehlt und die Wagen auch nach schlimmen Crashs keinen Kratzer haben, wird regelmäßig mit der Abneigung der lizenzgebenden Autohersteller gegen geschrottete Wagen erklärt. Aber mal ehrlich: Es gab und gibt inzwischen auch Renntitel mit Schadensmodell, und Sony sollte eigentlich genug Einfluss haben, das endlich einzubauen. Viele Fans jedenfalls wünschen es sich. Dass die komplexen Wettersimulationen früherer Versionen aus "Gran Turismo Sport" verschwunden sind, verstehen viele Spieler auch nicht mehr. Also: Wenn es schon kein Schadensmodell gibt, bitte wenigstens das Wetter wieder ins Spiel einbauen! Das braucht schließlich keine Lizenz.

 Die Autos sehen schick aus, aber viele Fans wünschen sich ein Schadensmodell. fullscreen
Die Autos sehen schick aus, aber viele Fans wünschen sich ein Schadensmodell. (©Screenshot TURN ON/Sony 2017)

6. Problem: Kein richtiges Tuning

Dass das Tuning von Wagen gegenüber den Vorgängern in "Gran Turismo Sport" teils extrem eingeschränkt wurde, macht viele Spieler ebenfalls regelrecht wütend. Kein Wunder: In "Gran Turismo 5" etwa konnte man seinen Boliden sogar mit verschiedenen Luftfiltern pimpen. Jetzt kann man an ein paar Reglern drehen – mehr ist nicht drin. Will Sony Vertrauen zurückgewinnen, muss auch an der Tuning-Front dringend etwas passieren. Wie detailliert das Tuning bei "Gran Turismo 5" ist, lässt sich in diesem Video gut nachvollziehen.

7. Problem: Online-Multiplayer an PS Plus gekoppelt

Ist eine PS-Plus-Mitgliedschaft für "Gran Turismo Sport" notwendig? Sony sagt ganz klar: "Wie bei allen anderen Titeln für PlayStation auch, ist eine PS Plus-Mitgliedschaft nur für den Online-Multiplayer erforderlich." Im Spiel ist es aber so – das hat auch unser Test von "Gran Turismo Sport" gezeigt –, dass das Spiel ohne PS-Plus-Mitgliedschaft im Grunde wertlos ist, da der Online-Multiplayer den klaren Löwenanteil davonträgt. Für einen Vollpreis-Titel ist das schon eine Zumutung und bei vielen Käufern scheint es dazu Missverständnisse zu geben, ob und wofür man nun PS Plus braucht. Hier sollte Sony deutlich offener kommunizieren.

8. Problem: Wenige Strecken im Arcade-Modus

Im Arcade-Modus, der auch offline spielbar ist, warten mit Einzelrennen, Zeitfahren und Drift immerhin einige Klassiker auf den Spieler. Aber: Erstens muss man sehr lange fahren, um bestimmte Strecken freizuschalten, und zweitens gibt es nur eine begrenzte Anzahl von Strecken, die im Arcade-Modus überhaupt zur Verfügung stehen. So ist man als Anfänger nicht in der Lage, die Rennkurse wenigstens kennenzulernen. Viele Spieler empfinden das als Gängelung und wünschen sich, dass Sony hier nachbessert.

 Im Arcade-Modus gibt es für viele Fans zu wenig Strecken. fullscreen
Im Arcade-Modus gibt es für viele Fans zu wenig Strecken. (©Screenshot TURN ON/Sony 2017)

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