"L.A. Noire": Darum fällt das Rockstar-Game aus dem Rahmen

"L.A. Noire" ist in vielerlei Hinsicht ein andersartiges Rockstar-Game.
"L.A. Noire" ist in vielerlei Hinsicht ein andersartiges Rockstar-Game. (©Rockstar Games 2018)
Meru Klee Bezeichnet Games als 'durchgespielt' sobald er die Kampagne durch hat – auch "Black Ops 4".

"L.A. Noire" sticht aus dem Katalog von Rockstar Games heraus – dabei war die Spielidee, mit der Entwickler Team Bondi 2011 endlich seinen ersten und einzigen Titel veröffentlichte, grandios und die Umsetzung mehr als aufwändig. Das im vergangenen Jahr veröffentlichte Remaster macht Hoffnung, dass das Vermächtnis des Spiels dessen Schicksal positiv beeinflussen kann.

Als der australische Entwickler Team Bondi "L.A. Noire" 2011 auf den Markt brachte, war das Spiel bereits gute sieben Jahre in Arbeit gewesen. Immer wieder musste das aufwändig umgesetzte Game verschoben werden – bis Publisher Rockstar Games den Release-Termin ein Jahr nach "Red Dead Redemption" festlegte. Das "GTA"-ähnliche Western-Spiel wurde von Fans und Kritikern enorm gefeiert und entsprechend hoch waren die Erwartungen auch an "L.A. Noire", einen Krimi-Thriller, der in den 1940er-Jahren in Los Angeles angesiedelt war. Die Fans erwarteten also eine Art "Red Dead" im Los Angeles des Jahres 1947, und bekamen dann etwas völlig anderes vorgesetzt.

"L.A. Noire" war seiner Zeit voraus

Mit erheblichem Zeitaufwand baute Team Bondi ein sehr teures und großes Adventure-Spiel. Die Grundidee: Als Detektiv soll der Spieler in Verhören die Emotionen seines Gegenübers an der Mimik ablesen und durch die Kombination von gefundenen Hinweisen und Aussagen Kriminalfälle lösen. Die Gesichtsausdrücke von etwa 400 Schauspielern wurden per Animation-Capturing in "L.A. Noire" übertragen, das Stadtbild von Los Angeles wurde anhand von Luftaufnahmen aus den späten 1940er Jahren detailgetreu nachgebildet. Technisch wurde das Spiel seinem eigenen Anspruch damals jedoch leider kaum gerecht: Bugs und Performance-Probleme trübten den Spielspaß – trotz (oder wegen?) der jahrelangen Entwicklung.

Statt Open-World-Adventure gab es für die Fans Krimi-Rätsel

Die Spielwelt war schön gestaltet, aber leider größtenteils leer: "L.A. Noire" war trotz Open-World eben kein Spiel wie "GTA" oder "Red Dead Redemption" und die Straßen von L.A. waren nur vereinzelt mit Leben gefüllt. Der Schwerpunkt lag ganz klar auf dem Lösen von Fällen, die jeweils abgeschlossene Episoden einer eingleisigen Handlung darstellten. Action-Szenen, in denen Detective Phelps Verdächtige verfolgen und stellen muss,  gibt es zwar auch. Sie sind allerdings lediglich holpriges Beiwerk, denn "L.A. Noire" ist eben kein Action-Spiel. Trotzdem bietet das Game einen ganz eigenen Charme und gibt sein Bestes, den Charakteren Tiefe zu verleihen, auch wenn dafür während der Episoden meist nur wenig Platz bleibt.

Kritik an Arbeitsbedingungen wurde Team Bondi zum Verhängnis

Nach dem Release von "L.A. Noire" brachten ehemalige Mitarbeiter des Entwicklers verschiedene Anschuldigungen vor. So sollen laut IGN an die Hundert Namen aus den Credits des Spiels entfernt worden sein, später kam ans Licht, dass teils horrende Arbeitszeiten vorgegeben wurden und das Verhältnis zwischen Team Bondi und Rockstar Games völlig zerrüttet gewesen sein soll. Der Publisher hatte das Projekt inmitten des jahrelangen Entwicklungszeitraumes von Sony übernommen. Nun beschwerten sich immer mehr angebliche Mitarbeiter des Entwicklers im Internet, dass das Spiel unter schlechten Arbeitsbedingungen entstanden sei. Das Resultat der Negativ-Presse: Das Studio fand keinen Publisher für Nachfolgeprojekte und etwa drei Monate nach dem Release von "L.A. Noire" musste Team Bondi den Betrieb einstellen.

Das Remaster: Altes Spiel, neuer Glanz

Mit 4K- und HDR-Effekten sieht der aufpolierte Klassiker nun auf PS4 und Xbox One deutlich besser aus als noch 2011. Selbst auf der Nintendo Switch scheinen viele Bugs der Originalversion ausgemerzt und das Spiel wirkt um einiges detailreicher, zudem bietet die Touch-Steuerung ein nettes Zusatz-Feature. Die Steuerung hat sich zwar nicht entscheiden verbessert, jedoch wurde die Gesprächsführung etwas angepasst: Anstatt "Wahrheit", "Lüge" oder "Anzweifeln" heißen die Auswahlmöglichkeiten in den Verhören nun "Guter Cop", "Böser Cop" und "Beschuldigen", was hier und da etwas einfacher zu deuten ist. Spielentscheidende Verbesserungen sehen aber anders aus. Trotzdem kommt die sehr gute Idee hinter "L.A. Noire" – diesem in jeder Hinsicht außergewöhnlichen Rockstar-Game – schön zur Geltung.

Kommerzieller Erfolg: Schielt Take-Two auf ein Sequel?

Trotz seiner Schwächen war "L.A. Noire" bei den Kritikern ein Erfolg, auch die Verkaufszahlen waren zum Release 2011 durchaus ansehnlich. Damals sah Publisher Take-Two das Spiel als mächtiges neues Franchise, für das man sich eine erfolgreiche Zukunft vorstellen könne, so berichtete damals Gamasutra. Mit dem nun erschienenen Remaster und der Virtual-Reality-Version "L.A. Noire: The VR Case Files" für HTC Vive scheint der Weg geebnet, diesen Plänen neues Leben einzuhauchen. Das Spiel hat zumindest versucht, neue Wege zu gehen – es wäre interessant zu sehen, wie diese heutzutage weitergeführt würden.

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