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Microsoft killt Kinect: 7 Gründe, warum das niemanden überrascht

Tschüß, Kinect! Microsofts Xbox-Kamera sollte der groß0e Wurf werden, blieb aber hinter den Erwartungen zurück. Nun wird die Produktion eingestellt.
Tschüß, Kinect! Microsofts Xbox-Kamera sollte der groß0e Wurf werden, blieb aber hinter den Erwartungen zurück. Nun wird die Produktion eingestellt. (©Microsoft 2017)

Microsoft stellt die Produktion seiner Kinect-Kamera endgültig ein und manch einer wird sich zu Recht fragen: "Die gab's noch?" Der erhoffte Durchbruch war das Zubehörteil für Xbox 360 und Xbox One nämlich nie – und dafür gibt es mindestens sieben gute Gründe.

1. Kinect machte zu große Versprechungen

"Du bist der Controller", versprach Microsoft in der Werbekampagne für Kinect und lehnte sich damit ganz schön weit aus dem Fenster. Schließlich weckte dieser Satz die Vorstellung, man könne das Gamepad bald ganz aus der Hand legen und Spiele einfach per Körpersprache steuern. Als sich die Erkenntnis durchsetzte, dass das aus mannigfaltigen Gründen (siehe unten) so gar nicht der Realität entsprach, nahm das Interesse an der Kamera trotz eines explosiven Verkaufsstarts rapide ab.

2. Kinect war ein "Ich auch!"-Produkt ohne gute Spiele

Der Elefant im Kinect-gescannten Raum: Die Kamera hatte keine guten Spiele und war vor allem Microsofts schlecht als Innovation getarnter Versuch, ein Stück vom großen Familienunterhaltungs-Kuchen abzubekommen. Blöd nur, dass der Konzern in Sachen Sachen Qualität einfach nicht an Nintendo herankam, die mit der Wii die deutlich coolere Konsole mit Bewegungserkennung und vor allem die besseren Spiele dafür hatten. Im Grunde bestand der Spielekatalog für Kinect vorrangig aus gesichtslosen bunten Minigames, die mehr Tech-Demo als immersives Spielerlebnis waren. Das war dann selbst für Familien und Gelegenheits-Spieler zu wenig, während die echte Zocker-Zielgruppe das Gerät – nicht ganz zu Unrecht – ohnehin schon höchstens als Gimmick und nicht als ernstzunehmende Gaming-Technologie wahrnahm.

3. Kinect funktionierte nur mäßig gut

Kinect hatte nicht nur zu wenig gute Spiele, selbst die paar existenten Games ließen sich häufig nicht präzise genug steuern, um Spaß zu machen. "Kinect Star Wars" etwa hatte jede Menge dämliche Ideen an Bord (zum Beispiel ein grottenpeinliches galaktisches Dance-Off), versprach aber immerhin vollmundig actionreiche Lichtschwert-Duelle vor dem TV. Tatsächlich war die Bewegungserkennung dafür viel zu träge und ungenau. Die Kämpfe fühlten sich deshalb mehr nach ziellosem Rumgefuchtel an, das dann in zufällige Schwertkampf-Bewegungen umgerechnet wurde. Als sich die technischen Unzulänglichkeiten einmal herumgesprochen hatten, waren die paar interessierten Spieler verständlicherweise noch skeptischer. Das führte zu weniger Spieleverkäufen, weniger neuen Spielen und weniger interessierten Spielern – ein Teufelskreis, der Kinect letztlich mit zum Verhängnis wurde.

4. Kinect sah albern aus

Für ein Tanzspiel wie "Just Dance" war die controllerlose Steuerung per Bewegung ein echter Gewinn. Das ist aber eine absolute Ausnahme. In den allermeisten Fällen war die Kinect-Steuerung nicht intuitiv und hochgradig albern. Schon in den Werbeclips, die Microsoft für seine Kamera drehen ließ, sah es einfach nur bescheuert aus, wenn euphorisierte Erwachsene vor dem Fernseher unsichtbare Tennisschläger und Skistöcke schwangen. Die Krönung der Unsinnigkeit war wohl die Kinect-Version von "Forza 4": Möchte wirklich jemand ernsthaft Rennspiele zu spielen, indem er vor dem TV steht (!) und ein imaginäres Lenkrad (!!!) dreht?

5. Kinect brauchte zu viel Platz

Konsole an, Fernseher, an, losspielen: Das war die Vision, mit der Kinect bei den Spielern punkten sollte. Die Realität war deutlich ernüchternder: Wer das Gehampel vor dem TV unfallfrei über die Bühne bringen wollte, musste in der Regel erst einmal Möbel rücken, um eine ausreichend große Spielfläche zu schaffen. Das ging natürlich auch nur, wenn das Wohnzimmer überhaupt groß genug war, um eine derart große Fläche zu schaffen. Wer Kinect in einer kleinen Wohnung oder im Studentenwohnheim-Zimmer spielen wollte, konnte sich also auf Prellungen und zerdeppertes Mobiliar einstellen. Dann doch lieber wieder mit dem Controller auf die Couch ...

6. Kinect war ein Klotz am Bein der Xbox One

Microsoft beließ es nicht dabei, die Xbox 360 mit Kinect auszustatten. Auch die Xbox One bekam die Kamera in einer geupdateten Version. Bis 2014 wurde die Konsole sogar in einem Bundle mit Kinect verkauft, das dadurch natürlich teurer wurde und effektiv verhinderte, dass die Xbox One mit der günstigeren PS4 mithalten konnte. Erst als Microsoft nachgab und die Konsole für einen deutlich günstigeren Preis ohne die ungeliebte Kamera verkaufte, verbesserte sich die Situation. Da ist es dann auch kein Wunder, dass Kinect in den vergangenen paar Jahren regelrecht totgeschwiegen wurde.

7. Kinect verschenkte sein Potenzial

 Sonys PlayStation VR erkennt Kopf- und Controllerbewegungen präzise mit einer Kinect-ähnlichen Kamera – eine Idee, auf die Microsoft nie gekommen ist. fullscreen
Sonys PlayStation VR erkennt Kopf- und Controllerbewegungen präzise mit einer Kinect-ähnlichen Kamera – eine Idee, auf die Microsoft nie gekommen ist. (©TURN ON 2017)

Die Kinect war nicht einfach nur eine Webcam, sondern hatte Features an Bord, die zur Markteinführung durchaus High Tech waren: So konnte sie etwa den Raum in 3D scannen, Gesichter erkennen und Bewegungen tracken. Kein Wunder, dass vor allem Modder und Hacker ziemlich schnell Gefallen an dem Teil fanden und allerlei verrückte Videos in Umlauf brachten, in denen sie sich mit der Technik austobten. Was die Anwendung als Konsolenzubehör betraf, zeigte sich Microsoft aber weitgehend ideenlos und schaffte es nicht, die Kamera wirklich zum Glänzen zu bringen. Was mit der Technik alles möglich gewesen wäre, zeigt heute etwa Konkurrent Sony mit der PS4-Kamera, die zum Herzstück der PSVR-Technologie wurde. Aber Xbox und VR, das ist noch einmal ein ganz anderes Thema ...

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