8 Retro-Gaming-Begriffe, die vom Aussterben bedroht sind

Disketten sind nicht das einzige Relikt, das im Gaming mal wichtig war und heute fast vergessen ist.
Disketten sind nicht das einzige Relikt, das im Gaming mal wichtig war und heute fast vergessen ist. (©CC: PublicDomainPictures.net/Nintendo of Europe/TURN ON 2017)
David Albus Überbrückt Ladepausen in PC-Games an der Nintendo Switch – und umgekehrt.

Die Zeiten ändern sich – vor allem für Liebhaber von Retro-Games: Insider-Wörter, die früher jeder Interessierte wissend abnickte, sorgen bei neueren Generationen von Videospiel-Fans nur für Fragezeichen. Hier sind acht Gaming-Begriffe, die vom Aussterben bedroht sind, weil sie kaum mehr gebraucht werden.

1. Memory Card, die

Die Erfindung des Gedächtnisses auf der PlayStation: die Memory Card.
Die Erfindung des Gedächtnisses auf der PlayStation: die Memory Card.

Ältere Konsoleros werden sich erinnern: Ein Game durchzuspielen erforderte früher eisenharte Geduld und viel Zeit am Stück – denn es gab keine Speicherstände. Wer im Spiel das Zeitliche segnete oder die Konsole ausschaltete, fing nach dem Neustart ganz von vorne an. Die Memory Card schuf Abhilfe für dieses Problem: Im Grunde war sie eine Festplatte in Modulform mit für heutige Maßstäbe lächerlich winziger Kapazität und erlaubte es, auf Konsolen wie der PlayStation Speicherstände anzulegen, obwohl diese keinen integrierten Speicher für diesen Zweck hatte. Warum das Teil heute keinerlei Relevanz mehr hat, leuchtet ein: Jeder Taschenrechner hat heute mehr integrierten Speicher.

2. Modul, das

Eckiger als eine DVD, trotzdem eine runde Sache: Spielemodule (hier für das SNES).
Eckiger als eine DVD, trotzdem eine runde Sache: Spielemodule (hier für das SNES).

Wer von den Siebzigern bis in die 2000er-Jahre hinein ein Konsolenspiel spielen wollte, kannte das: Zuerst musste eine in hübsch bebildertes Plastik verkleidete Platine in das Gerät gesteckt werden. Dann startete das Game – und zwar fast ganz ohne Ladezeiten! Trotz dieses offensichtlichen Vorteils konnte sich das Modul als Medium für Konsolenspiele nicht gegen Datenträger wie die DVD durchsetzen und viele Gamer holen sich ihre Spiele heute ohnehin komplett digital. Selbst Handheld-Konsolen sind mittlerweile großflächig von Mini-Modulen auf SD-Karten umgestiegen.

3. Pusten ins Modul, das

Apropos Modul: Zum Ritual von Konsolenspielern gehörte viele Jahre lang auch das Pusten auf die Platine, wenn ein Spiel mal wieder nicht starten wollte. Damit sollten kontakthemmende Staubflusen von der empfindlichen Elektronik vertrieben werden – so zumindest die Theorie. In der Praxis war das Pusten ins Modul nicht nur reiner Aberglaube, sondern sogar schädlich, weshalb Nintendo sogar offiziell davon abriet, in NES-Module zu blasen. Schließlich enthält Atemluft immer auch jede Menge Feuchtigkeit und die hat in einem elektronischen Gerät einfach nichts verloren. Gebracht hat es nichts: Heute spielt die Pusterei im Gaming zwar keine Rolle mehr, doch wer mal sein altes NES aus dem Keller kramt, wird sich sicherlich wieder dabei ertappen.

4. Bit, das

Nintendos N64 trug ihren Namen nicht zufällig – sie war eine der ersten 64-Bit-Konsolen.
Nintendos N64 trug seinen Namen nicht zufällig – es war eine der ersten 64-Bit-Konsolen.

Wer heute über die Leistung von Konsolen spricht, erwähnt in der Regel die mögliche Framerate, die Auflösung oder den verfügbaren Festplattenspeicher. Niemand aber käme wohl auf die Idee, eine Xbox One hinsichtlich ihrer Bit-Zahl mit einer PS4 zu messen. Einst war diese Zahl aber eine echte Messlatte, die Konsolen überspringen mussten. Wer mehr Bit hatte, konnte längere Zahlenkolonnen verarbeiten, was im Endeffekt bedeutete: mehr Farben anzeigen, besseren Sound abspielen und allgemein höhere Leistung erbringen. Kein Wunder, dass Nintendo die Bit-Zahl beim N64 sogar in den Namen aufnahm – das war damals, als würde Microsoft seine neueste Konsole heute "Xbox 4K 60FPS" nennen. Mit der Zeit wurden fürs Gaming aber andere Faktoren entscheidender – etwa das Tempo des Speichers oder die Taktfrequenz von Prozessoren und Grafikkarten.

5. Joystick, der

Der Joystick holte das Spielgefühl von Arcade-Spielhallen auf die heimische Konsole.
Der Joystick holte das Spielgefühl von Arcade-Spielhallen auf die heimische Konsole.

Retro-Gamer und Flugsimulator-Fans kennen ihn noch, für alle anderen ist er ein Relikt: der Joystick. Der Steuerknüppel ist als Eingabegerät für Videospiele zur Ikone geworden, doch gegen Maus, Tastatur und Controller hatte er im Massenmarkt keine Chance. Immerhin haben die einzelnen Bestandteile dieses Gaming-Begriffs als Komponenten anderer Wörter überlebt: Die Joy-Cons der Nintendo Switch etwa borgen sich die erste Hälfte, der Analog-Stick die zweite.

6. Pappschachtel, die

Wer heute Spiele kauft, kauft sie digital oder in Plastikhüllen, die an DVDs erinnern. Module passen da aber nicht rein, weshalb Games früher in großen Pappschachteln verlauft wurden, die mit bunten Covermotiven bedruckt waren. Mal erinnerten diese Artworks an schräge Heavy-Metal-Albumcover, mal sahen sie aus wie Groschenromane vom Tankstellenkiosk. Zwischen allerlei Geschmacklosigkeiten gab es in der Ära der Pappschachtel auch einige künstlerisch sehr wertvolle Grafik-Perlen. Original verpackte und verschweißte Games aus dieser Zeit erzielen heute unter Sammlern natürlich absolute Mondpreise.

7. Anleitung, die

Heute gibt's ausführliche Tutorials, früher lagen Videospielen dagegen oftmals ausführliche Anleitungsbücher bei, die gut und gerne mal die 100-Seiten-Marke sprengen konnten. Viele davon enthielten nicht nur Infos zu Story, Gegnern und zur Steuerung, sondern boten etwa Karten der Levels und oft sogar noch ein paar Extraseiten mit Platz für Notizen. Abgesehen davon waren der Anleitung oft kuriose Kopierschutz-Codewheels oder -Tabellen beigelegt. Wer ein Game "richtig" spielen wollte, legte die Anleitung deshalb selbst mittendrin im Spielgeschehen nur selten aus der Hand.

8. Cheat-Code, der

Cheats sind natürlich nicht komplett aus dem Gaming verschwunden. Wer heute darüber redet, meint aber meist nervige Schummelprogramme und Aimbots in Online-Games, die allen den Spaß vermiesen. Cheat-Codes wie der berühmte Konami-Code sind dagegen geradezu unschuldig und harmlos: Sie brachten bahnbrechende Vorteile, aber taten dabei niemandem weh. Entsprechend war es auch keine Schande, über viele Cheat-Codes Bescheid zu wissen – im Gegenteil: Das zeichnete schließlich den wahren Gaming-Kenner aus.

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