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Sony killt die PS Vita: 6 Gründe, warum sie kein Erfolg war

Nach acht Jahren stoppt Sony offiziell die Produktion der PS Vita. Ruhe in Frieden.
Nach acht Jahren stoppt Sony offiziell die Produktion der PS Vita. Ruhe in Frieden.

Schluss! Aus! Ende! Das Schicksal der PS Vita ist endgültig besiegelt. Sony hat die Produktion des Handhelds nach acht Jahren offiziell eingestellt. Die tragbare Konsole konnte sich leider auf dem Markt nie richtig durchsetzen. Wir haben 6 Gründe ausgemacht, warum Sony bei der Eroberung des mobilen Gaming-Markts scheiterte.

1. Die Umbruchphase beim Mobile Gaming

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Der 3DS und Smartphones waren für die PS Vita eine zu starke Konkurrenz.

Würde man Sony nach den Gründen fragen, warum sich die PS Vita nie richtig durchsetzen konnte, würden die Japaner bestimmt die starke Konkurrenz durch Smartphones nennen. Damit hätten sie gewiss nicht Unrecht. Sonys Handheld kam nämlich zu einem ungünstigen Zeitpunkt auf den Markt.

Zum einen erschien die PS Vita knapp zehn Monate nach dem Nintendos 3DS, mit dem Nintendo bereits einen Großteil der mobilen Zocker für sich gewinnen konnte. Zum anderen hatten sich Smartphones zum Launch der PS Vita schon zu einer starken Konkurrenz im Mobile-Gaming-Bereich entwickelt. Warum sollten Gamer sich also noch einen teuren Handheld holen, wenn es sich auch bequem auf dem Smartphone zocken ließ?

2. Tolle Technik, aber viel zu teuer

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In der PS Vita steckt leistungsfähige Hardware, was aber für einen teuren Preis sorgt.

Bei den verbauten Komponenten konnte man Sony nichts vorwerfen: Die PS Vita kam mit einer CPU und GPU, die jeweils vier Rechenkerne besaßen, und einem hochwertigen OLED-Display auf dem Markt. Der Handheld brachte genügend Leistung für grafisch aufwendige Titel mit, von denen der 3DS nur träumen konnte. Allerdings hatte die Power ihren Preis.

Zum Release kostete die Wifi-Variante der PS-Vita satte 250 Euro. Für die 3G-Version waren sogar 300 Euro fällig. Eine Preissenkung kam für Sony – im Gegensatz zu Nintendo – für eine sehr lange Zeit nicht in Frage. Dabei ließen die Absatzzahlen zu wünschen übrig. Bei solchen Preisen konnten Gamer noch ein wenig für eine PS3, Xbox 360 oder ein Smartphone sparen.

Nintendo hatte hingegen bei der Strategie den richtigen Riecher. Der 3DS erschien ursprünglich ebenfalls für 250 Euro und die Verkaufszahlen waren nicht gerade berauschend. Die schwachen Absatzzahlen bewegten Nintendo dazu, den Preis des Handhelds drastisch zu reduzieren, und plötzlich boomte das Geschäft. Sony blieb stur und konnte nur noch dabei zusehen, wie sie vom Erfolg des 3DS überrollt wurden.

3. Innovation an der falschen Stelle

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Das Touchpad auf der Rückseite der PS Vita kam selten zum Einsatz und war bei einigen Spielen sogar störend.

Beim Design der PS Vita zeigte sich Sony innovativ. Leider haben nicht alle neuen Features bei den Gamern gezündet. Gegen den OLED-Bildschirm ließ sich nichts sagen, zu diesem schielen 3DS-Besitzer bis heute neidisch hinüber. Das Touchpad auf der Rückseite der PS Vita hat sich hingegen nicht gerade als Killer-Feature herausgestellt.

Die Funktion wurde von Spielen zu selten genutzt und wenn sie kompatibel waren, dann wurde das Touchpad oft nur als eine nette Spielerei eingesetzt. Beispielsweise diente es in "Uncharted: Golden Abyss" vor allem zum Durchpausen eines Reliefs auf ein Blatt Papier mit Zeichenkohle. In anderen Fällen wurde die Steuerung so schlecht umgesetzt, dass Spieler die Funktion sofort in den Optionen ausschalteten – sofern möglich.

Die Möglichkeit, über das 3G-Netz online zu gehen, war grundsätzlich eine gute Idee. In Europa und selbst in den USA war das Netz zum Release der PS Vita aber noch unausgereift und mobiles Online-Gaming blieb weiterhin ein ferner Traum.

4. Die sündhaft teuren Speicherkarten

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Mehr als 100 Euro für 32 GB? Sony verlangte viel Geld für die Speicherkarten.

Eine Schikane, mit der Sony sich bei Gamern besonders unbeliebt machte, waren die überteuerten Speicherkarten für die PS Vita. Dass sie mit den proprietären Speichermedien zusätzlich Gewinn erzielen wollten, lässt sich nachvollziehen, aber die damaligen Preise waren übertrieben.

Der japanische Hersteller verlangte damals für 32 GB Speicher mehr als 100 Euro. Gewöhnliche SD-Karten in der gleichen Größe waren hingegen bereits für 20 Euro zu haben. Das wäre alles kein Problem gewesen, wenn Sony den Nutzern die Wahl des Speichermediums überlassen hätte. Die PS Vita funktionierte jedoch nur mit den Speicherkarten von Sony. Noch heute sind die Speicherkarten für die PS Vita deutlich teurer als SD-Pendants.

5. Für die PS Vita gibt es kaum (gute) Spiele

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"Uncharted: Golden Abyss" war ein gutes Beispiel dafür, was Sonys Handheld leisten konnte.

Spielekonsolen stehen und fallen mit ihren Spielen und das gilt auch für Handhelds. Während es für den Nintendo 3DS Dutzende geniale Triple-A-Titel gibt, wird es bei der PS Vita schon schwierig, auf eine Handvoll guter Spiele zu kommen. Es gab zwar Games wie "Uncharted: Golden Abyss", "Wipeout 2048" und "Killzone Mercenary", mit denen Entwickler eindrucksvoll demonstrierten, wie viel Power in dem Handheld steckt. "Resistance: Burning Skies" und "Call of Duty: Declassified", PS-Vita-Ableger sehr erfolgreicher Spieleserien, wurden in den Sand gesetzt und gelten heute als die schwarzen Schafe der Serien.

Indie-Games oder Portierungen von PS3-Titeln hätten die PS Vita womöglich retten können, aber auch hier hat Sony geschlafen. Indie-Knaller wie "Shovel Knight" oder "Super Meat Boy" gab es leider viel zu selten und die auch Portierung erfolgreicher Spielreihen hätte dem Handheld wirklich gut getan. Sony war eigentlich mit "God of War" und "Sly Cooper" auf einem guten Weg. Dass eine Konsole auch mit Indie-Games und Portierungen funktionieren kann, stellt Nintendo bis heute mit der Switch unter Beweis.

6. Sony schrieb die PS Vita viel zu früh ab

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Auf größeren Events hat Sony es zu lange versäumt, die PS Vita stärker zu promoten.

Die bisher genannten Faktoren haben wahrscheinlich deutlich dazu beigetragen, dass der Handheld hinter Sonys Erwartungen zurückblieb. Sonys größter Fehler war jedoch, dass die Japaner die PS Vita zu schnell aufgaben. Statt die Vita stärker zu unterstützen und auf Events präsenter zu machen, entschied sich Sony für das genaue Gegenteil.

Das japanische Traditionsunternehmen schien die Existenz des Handhelds weitgehend zu ignorieren. Sony konzentrierte sich fast ausschließlich auf die PS3, während die PS Vita ein Schattendasein fristete. Es hätte nur ein paar Deals mit renommierten Entwicklerstudios für ein paar Blockbuster-Games und eine kleine Preisreduktion gebraucht und die PS Vita wäre womöglich zu einem Selbstläufer geworden. "Uncharted: Golden Abyss" war das beste Beispiel.

Der Launch des Nintendo 3DS verlief ebenfalls alles andere als rosig. Im Gegensatz zu Sony hat Nintendo aber nie am Erfolg des 3DS gezweifelt, den Handheld kontinuierlich gepusht und sogar eine frühe Preissenkung in Kauf genommen. Somit konnte Nintendo bis Dezember 2018 insgesamt 74,3 Millionen Exemplare absetzen, während die PS Vita nur auf 16,1 Millionen Einheiten kam. 

Das sagt Michael:
Da ich selbst Besitzer einer PS Vita bin, macht mich die Nachricht über die Einstellung der Produktion schon ein wenig traurig. Besonders überrascht hat sie mich aber nicht. Ich fragte mich sogar, warum Sony dem Leiden nicht schon vorher ein Ende gesetzt hat. Für mich ist PS Vita nach wie vor ein toller Handheld, zu dem es mich gelegentlich zurückzieht. Schade, dass Sony sein Potenzial nie wirklich erkannt hat.
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