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Indizierte Spiele: 15 Games, die auf der BpjM-Liste standen

Kaum zu glauben: Der Shooter-Klassiker "Doom" stand einst auf dem Index.
Kaum zu glauben: Der Shooter-Klassiker "Doom" stand einst auf dem Index. (©Bethesda 2017)

Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BpjM) in Bonn erstellt regelmäßig die BpjM-Liste mit indizierten Spielen. Diese Titel sind nach Ansicht der Behörde jugendgefährdend und es soll verhindert werden, dass Jugendliche mit ihnen in Berührung kommen. Manchmal werden aber auch Titel wieder von dieser Liste gestrichen. Wir stellen 15 davon vor.

Um gleich eine Sache klarzustellen: Richtig verboten waren diese indizierten Spiele nie, sie waren nur mit erheblichen Verkaufseinschränkungen belegt. Sprich: Man durfte keine Werbung dafür machen, das Game musste quasi unterm Ladentisch verkauft werden und die Spiele-Presse durfte nicht testen oder positiv über den Titel berichten, wenn er einmal indiziert war. Für viele Spiele kam dies einem Verbot sehr nahe, weshalb die Hersteller in der Regel versuchten, einer Indizierung durch Schnitte zu entgehen. Aus rotem Blut wurde dann zum Beispiel eine grüne Flüssigkeit und Menschen wurden zu Robotern.

Kopfschütteln, Staunen und Lachkrämpfe

Welche Spiele aus welchen Gründen früher indiziert wurden, löst heute Kopfschütteln, ungläubiges Staunen und auch mal Lachkrämpfe aus. Der bunte Pixelbrei aus dem Game "River Raid", in dem die Bundesbeamten realistische Gewaltdarstellung und Kriegsverherrlichung sehen wollten, nimmt sich neben modernen Titeln etwa ziemlich harmlos aus.

Die Situation besserte sich deutlich, als die Alterskennzeichnungen für Spiele durch die USK eingeführt wurden. Dadurch war klar, welche Titel für Jugendliche gedacht waren und welche nicht. Die USK-Kennzeichnung "schützt" gleichzeitig vor der Indizierung. Das ist wichtig für die Spielefirmen, die dadurch etwas mehr wirtschaftliche Sicherheit bekommen. Die Debatte um Gewalt in Spielen flammt dennoch regelmäßig wieder auf – etwa anlässlich einer ZDF-Dokumentation über "Killerspiele".

Die folgenden 15 Games standen alle einmal als indizierte Spiele auf der BpjM-Liste und wurden aus verschiedenen Gründen wieder gestrichen. Darunter sind auch echte Klassiker.

1. Resident Evil geht immer –  "Biohazard 3: Last Escape"

In Deutschland wurde "Biohazard 3: Last Escape" unter dem Namen "Resident Evil 3: Nemesis" in den Handel gebracht, weil die Original-Versionen sofort indiziert wurden – wie danach auch "Resident Evil Code: Veronica". Um den deutschen Jugendschützern möglichst aus dem Weg zu gehen, wurde das Spiel stark geschnitten, das Blut wurde grau gefärbt und besiegte Gegner verschwinden nach kurzem Aufblinken von der Bildfläche. Andere Änderungen beeinträchtigten die Punktevergabe, was von den Fans stark kritisiert wurde. Das Spiel wurde im März 2016 von der Liste gestrichen und erhielt eine Altersfreigabe "ab 16 Jahren".

2. Der Shooter-Klassiker: "Doom"

"Doom" gilt als der Meilenstein der Spielgeschichte in Sachen Ego-Shooter. Die für das Jahr 1993 ungemein realistische Grafik und die gruselige Stimmung dürften es gewesen sein, die die Prüfer veranlasst haben, den Titel auf den Index zu setzen. Heutzutage sind die Darstellung und die Gegner im Comic-Stil von "Doom" kein Grund mehr für Grusel und Gänsehaut. Seit 2011 sind die deutschen Versionen nicht nur nicht mehr indiziert, sondern von der USK auch ab 16 Jahren freigegeben.

3. Einer der wenigen 16er: "Command & Conquer: Generäle"

Als im Februar 2003 nur kurz nach dem Release die Nachricht die Runde machte, dass  "Command & Conquer: Generäle" auf dem Index gelandet ist, war die Überraschung groß. Seit langem geschah dies wieder bei einem "großen" Strategiespiel, zudem ein Titel, der eine USK-Freigabe "ab 16" hatte. Damals war es noch möglich, dass auch Titel mit einer USK-Altersfreigabe auf die BPjM-Liste kamen – das geht nach einer Gesetzesänderung am 1. April 2003 nicht mehr. "Generäle" ist also eines der letzten Games, das trotz Freigabe indiziert wurde. Zu der Zeit bereiteten sich die USA und andere Länder gerade auf den Krieg im Irak vor, für den Deutschland seine Beteiligung strikt verweigert hatte. Den Beamten galt das Spiel damals als "kriegsverherrlichend" und man wollte erreichen, dass der Titel so schnell wie möglich wieder aus den Läden verschwindet. Kritisiert wurde vor allem, dass es möglich war, die Biowaffe Anthrax einzusetzen. Hersteller Electronic Arts änderte dies in einer späteren Version, in der auch alle Menschen durch Cyborgs ersetzt wurden. Am 30. September 2013 wurden die "Generäle" aus ihrer Index-Gefangenschaft entlassen.

4. Keine Chance für den Auftragskiller: "Hitman – Codename 47"

Gleich das erste Spiel der Hitman-Serie namens "Hitman – Codename 47" landete im Jahr 2000 kurz nach dem Erscheinen prompt auf dem Index. Klar, dass die Möglichkeit einen Auftragskiller zu spielen, die Prüfer geradezu elektrisiert haben muss. Umso größer dann die Überraschung, als die Prüfstelle auf Antrag den Titel 2012 von der Liste strich. Offensichtlich gilt das Spiel nun nicht mehr als jugendgefährdend – wie auch, ist es doch von der USK seit Oktober 2012 mit dem roten 18er-Logo ausgestattet und darf daher nur an Erwachsene verkauft werden.

5. "Max Payne": Ist das Kunst oder kann das weg?

"Max Payne" erschien 2001 und es war schon vorher klar, dass auch die entschärfte deutsche Version den Segen der Prüfer nicht bekommen würde – deshalb wurde sie schon vor dem geplanten Release-Termin wieder gestoppt. Die Prüfstelle fragt sich in ihrem Bericht zwar noch, ob das Spiel am Ende Kunst sein könnte, erklärt dann aber, dass die Gefährdung der Jugend so gravierend sei, dass das keine Rolle spielt. Gründe für die Indizierung waren, "dass hier das unreflektierte Erschießen vermeintlicher Gegner in realistischer Grafik und Geräuschuntermalung zur Verrohung des kindlichen oder jugendlichen Konsumenten beitrage," wie es in dem Bericht der BPjM heißt. 2012 dann, nachdem "Max Payne" international auch als Kunstform viel Anerkennung bekam, flog der Titel auf Antrag von der Liste und erschien dann sogar für iOS und Android  – für Erwachsene.

6. Natürlich auch der Doom-Nachfolger: "Quake"

Während in "Doom" nur die Umgebung räumlich dargestellt war und Monster und Waffen nicht, kam "Quake" im Jahr 1996 kurz nach dem Erscheinen natürlich in Windeseile auf den Index. Obwohl sowohl Umgebung wie auch Gegner komplett comicartig und völlig unrealistisch waren, mochte die Prüfstelle das Spiel in Deutschland nicht im freien Verkauf sehen. Offenbar auf Antrag wurde der Titel dann aber 2011 vorzeitig von der Liste gestrichen. "Quake" konnte besonders im Mehrspieler-Bereich Maßstäbe setzen und viele heute übliche Spielmodi gab es damals zum ersten Mal.

7. Selbst "Fallout 3" verschwindet wieder von der Liste

In Deutschland konnte im Jahr 2008 nur eine heftig geschnittene Version des Endzeit-Rollenspiels erscheinen, die internationale Fassung wurde von der BPjM als jugendgefährdend eingestuft und indiziert. In der deutschen Fassung wurden die Namen von realen Drogen wie Morphin durch Fantasienamen ersetzt, und es gab auch keine platzenden oder abtrennbaren Körperteile. Jetzt hat Publisher Bethesda mitgeteilt, dass die internationale Version von "Fallout 3" mit dem Datum 26. Februar von der Liste gestrichen wird. Dabei handelt es sich um einen Sonderfall, denn auf Antrag ist so etwas normalerweise erst frühestens nach zehn Jahren möglich. Aber die Prüfstelle hat erklärt, dass die Voraussetzungen für einen Verbleib auf der Liste weggefallen seien – was auch immer damit gemeint ist. Vermutlich handelt es sich um ein von Bethesda geplantes HD-Remake, das nach heutigen Maßstäben ein 18er-Rating bekommen würde. Und dann wäre dieses inhaltsgleich mit der indizierten Version, wodurch der Indizierungsgrund wegfiele.

8. Für Deutschland zu schlimm: "Resident Evil 2"

Während die Reihe international Erfolg um Erfolg feierte, empfand die Prüfstelle auch "Resident Evil 2" als zu böse für deutsche Läden und setze den Titel ein paar Monate nach Erscheinen im Mai 1998 auf den Index. Obwohl Capcom noch einige zensierte Fassungen auf den Markt brachte, wurden auch diese alle von den Prüfern nicht durchgewunken. Im März 2014 wurde der Titel dann vom Index gestrichen und das Spiel von der USK neu bewertet – und ungeschnitten ab 16 Jahren freigegeben.

9. Seminar für den modernen Luftkampf? "F-15 Strike Eagle"

Als die damalige BPjM das Luftkampf-Spiel "F15 Strike Eagle 1985" in die Finger bekam, landete der 1984 erschienene Titel flugs auf dem Index. Begründung damals: Das Spiel würde sehr realitätsnah die Praxis des hochtechnisierten Luftkrieges darstellen und sei quasi ein Einführungsseminar. Für den Spieler bestehe die Gefahr eines Gewöhnungseffektes und er würde zu Denkstrukturen erzogen und veranlasst, unkritisch mit Menschenleben bis hin zur eigenen Vernichtung umzugehen. Auf Antrag konnte das Spiel schon 1989 wieder von der Liste abheben. Heute ist der Titel laut USK ab 0 Jahren freigegeben.

10. Ein frühes Prüfstellen-Opfer: "River Raid"

Eines der frühen Opfer der Prüfstelle, die 1984 noch "Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften" hieß und für die Videospiele ohnehin vermutlich "Teufelszeug" waren, war "River Raid". In dem Pixel-Game muss der Spieler gegnerische Tanker, Hubschrauber und Treibstofflager angreifen und zerstören. Heute würde niemand auf die Idee kommen, darin eine Jugendgefährdung zu sehen, damals aber kritisierten die Beamten, dass "sich der Spieler in die Rolle eines kompromisslosen Kämpfers und Vernichters hineindenken" solle. "Das Videospiel 'River Raid' hat emotionssteuernde und aggressionssteigernde Eigenschaften. Bei älteren Jugendlichen führt das Bespielen von 'River Raid' zu physischer Verkrampfung, Ärger, Aggressivität, Fahrigkeit im Denken, Konzentrationsschwierigkeiten, Kopfschmerzen u.a. (...) Aggressive Verhaltensmuster werden spielerisch eingeübt." Im Jahr 2002 wurde der hochgefährliche Pixelbrei dann auf Antrag erlöst und nach fast 20 Jahren von der Liste gestrichen. Wer übrigens selber probieren will, welche schwerwiegende Jugendgefährdung von dem Game ausgeht, kann eine dem Original sehr ähnliche Version von "River Raid" im Browser spielen.

11. Auch aus der Games-Frühzeit: "Barbarian"

Das Prügelspiel "Barbarian" kam 1987 auf den Markt, zunächst für die damals populären Heimcomputer C64, C16, Sinclair ZX Spectrum, Atari ST, Amstrad CPC und Acorn BBC. Angelehnt ist das Spiel an Geschichten wie "Conan der Barbar" und es kann sowohl alleine als auch zu zweit gespielt werden. Das Game galt damals im wahrsten Sinne des Wortes als "barbarisch", denn man konnte seine Kontrahenten darin um einen Kopf kürzer machen. Für die BPjM Grund genug, den Titel auf die Liste zu setzen. Im September 2012 wurde die Indizierung nach Ablauf der 25-Jahres-Frist einfach aufgehoben.

12. "Red Faction": Gegner wegsprengen führte zu Indizierung

Als der Ego-Shooter "Red Faction" 2001 auf den Markt kam, galt das Spiel als technisch sehr fortschrittlich, da es der erste Titel war, bei dem sich die Umgebung per Waffe verändern ließ. So konnten Türen nicht nur aufgeschlossen, sondern einfach weggesprengt werden. Vermutlich war es nicht dieses eher harmlose Feature, was die Indizierung verursacht hat, sondern die Möglichkeit, auch Gegner effektvoll in die Luft zu jagen. Die 2003 trotz inhaltlicher Schnitte recht spät nach dem Erscheinen erfolgte Indizierung wurde im Oktober 2016 auf Antrag des Publishers THQ Nordic aufgehoben. "Red Faction" ist ebenfalls einer der Titel, die heute eher harmlos wirken. Es könnte sogar sein, dass es bald eine Neuauflage des Shooters gibt.

13. "Gears of War" – Auch der Xbox 360-Knaller landete auf dem Index

Zunächst als Exklusivtitel für die noch relativ neue Xbox 360 im November 2006 auf den Markt gebracht, galt "Gears of War" als einer der härtesten und technisch fortschrittlichsten Third-Person-Shooter. Von dem Spiel von Epic Games ("Unreal") wurden innerhalb weniger Wochen nach Release weltweit drei Millionen Exemplare verkauft – was angesichts der damals noch gar nicht so weit verbreiteten Xbox 360 ziemlich phänomenal war. In Deutschland traute die USK sich nicht, dem Titel eine Altersfreigabe zu geben, und die BPjM setzte das Spiel folglich 2006 kurz nach dem Erscheinen und nochmals 2007 auf die Indizierungs-Liste. Seit Juli 2016 hat sich "Gears of War" im beschleunigten Verfahren von der Liste gekämpft und ist jetzt ab 18 Jahren für Erwachsene freigegeben. Und weil's so schön ist, ist zum Jahreswechsel 2017 auch "Gears of War 2" vom Index gestrichen worden. Das wurde nämlich ebenfalls indiziert. Demnächst kommt "Gears of War 4" – aber die Index-Hüter sind längst nicht mehr so streng.

14. "Duke Nukem 3D": "Problematisch besonders für männliche Jugendliche"

Es war schon länger klar, dass es passiert, offiziell wurde es erst am 13. Februar 2017: Mit "Duke Nukem 3D" ist ein weiterer Spieleklassiker von der Liste gestrichen worden. Das Spiel kam Anfang 1996 heraus und war zwar kein echtes 3D-Game, bot aber etwa gegenüber Doom einige optische Verbesserungen. Ein paar Monate nach Release wurde der Titel auf Antrag der Stadtjugendämter Bochum und Köln auf den Index gesetzt. Besonders, dass nackte Frauen als Geiseln vorkamen, störte die Prüfer laut der Begründung damals:  "In 'Duke Nukem 3D' werden inszenierte Gewalthandlungsmöglichkeiten mit sexistischen Darstellungen verknüpft. Die weiblichen Handlungsfiguren dienen als voyeuristischer Blickfang und nett anzusehende Requisite, derer man sich bei Nichtgefallen auch entledigen kann. Hier werden unterschwellige Normen und Wertvorstellungen in Bezug auf das weibliche Geschlecht transportiert, die als äußerst problematisch und besonders für männliche Jugendliche in ihrer Entwicklung als desorientierend einzustufen sind." Ab 1. März soll der Titel in Deutschland wieder erscheinen.

15. Erstmals ungeschnitten in Deutschland verfügbar: "Resident Evil 4"

"Resi", wie die Horror-Games-Serie von den Zockern liebevoll genannt wird, hatten wir ja schon zweimal. Nachdem die Teile 2 und 3 bereits früher aus dem Reich der Untoten wieder zu neuem Leben erwacht sind, ist im April 2016 auch die internationale Version von Teil 4 vom Index gestrichen  worden. Auf Antrag von Publisher Capcom hatte die BPjM die Zombies laufen und den Titel wieder in den normalen Verkauf gehen lassen. Damit ist in Deutschland erstmals die ungeschnittene komplette Version des Games nicht mehr nur unter der Ladentheke als Bückware zu bekommen. Der Titel ist als Download für Xbox One und PS4 erhältlich und – wie sich das für ordentlichen Zombie-Horror gehört – ab 18 Jahren freigegeben.

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