Meinung

Unser Gaming-Jahr 2017: Das war super, das hat tierisch genervt

Assassinen, Halb-Handhelds, Indie-Hits und Powerkonsolen – so war unser Spielejahr 2017!
Assassinen, Halb-Handhelds, Indie-Hits und Powerkonsolen – so war unser Spielejahr 2017! (©Ubisoft / Turn On / Bluehole / Microsoft 2017)

Gaming hatte 2017 ein echt gutes Jahr: Innovative und leistungsstarke Konsolen eroberten den Markt, grandiose Spiele fesselten uns stundenlang. Aber natürlich gab es nicht nur Highlights, sondern auch ein paar Fehlentwicklungen und langweilige Rohrkrepierer. Wir ziehen Bilanz.

Mit Bayek kommt ein neuer Held – aber Freeman bleibt verschollen

Kai Lewendoski

Das war super: "Assassin's Creed: Origins"

Für mich die positive Überraschung in Sachen Neuerscheinungen hat Ubisoft mit Held Bayek in Ägypten gelandet. Seien wir mal ehrlich: "Assassin's Creed" war praktisch hirn- oder wenigstens scheintot. Selbst der Hersteller hatte der einst so innovativen und erfolgreichen Serie eher maue Erfolgsaussichten eingeräumt und Prognosen nach unten korrigiert. Und dann das: Mit dem Ägypter Bayek meldete sich die Marke fulminant zurück. Die actionlastige Abenteuerreise durchs alte Ägypten inklusive Cäsar und Cleopatra ist so detailliert und liebevoll gemacht, dass die Zukunft der Reihe nach "Assassin's Creed: Origins" wieder rosig aussieht.

Bayek rettet die "Assassin's Creed"-Reihe.
Bayek rettet die "Assassin's Creed"-Reihe. (© 2017 Ubisoft)

Das hat genervt: Wieder kein "Half-Life 3"

Was denken sich die Valve-Leute um Milliardär und Firmenchef Gabe Newell eigentlich? Seit "Half-Life 2" im Jahr 2004 erschienen ist, herrscht Funkstille was die Fortsetzung mit Teil Drei betrifft. Auch auf der E3 2017 war von Valve wieder nicht viel zu sehen. Ich persönlich finde es fast schon frech, dass das Unternehmen anscheinend so viel Geld mit der Games-Plattform Steam verdient, dass die Entwickler es nicht mehr nötig haben, Nachschub für den wohl berühmtesten Shooter der Games-Geschichte zu liefern. So geht man nicht mit einem wertvollen Erbe um. Ich bin wirklich sauer!

Tragbare Konsole vs. untragbare Geschäftspraktiken

David Albus

Das war super: Nintendo Switch

Konsolen haben mich jahrelang kaum interessiert. Ich habe einen einigermaßen ordentlich ausgestatteten PC, wozu brauche ich also eine PlayStation oder eine Xbox (von den paar Exklusivtiteln abgesehen)? Mit der Switch hat Nintendo bei mir aber ins Schwarze getroffen: Ob als Handheld auf dem Weg zur Arbeit, im Zug und im Bett oder doch auf dem optional anschließbaren großen Bildschirm – das Tablet mit angepapptem Controller bringt einfach Spaß! Dass auch noch das Spieleangebot stimmt, macht die Switch endgültig zu meinem Jahreshighlight.

Geniales Konzept, grandios umgesetzt: die Nintendo Switch.
Geniales Konzept, grandios umgesetzt: die Nintendo Switch. (© 2017 TURN ON)

Das hat genervt: "Star Wars: Battlefront 2" 

Bitter, wie Dice und EA hier eine der besten Games-Lizenzen überhaupt verpulvert haben. "Star Wars: Battlefront 2" sieht blendend aus und spielt sich ordentlich. Das verkorkste Fortschrittssystem erstickte bei mir aber jede Langzeitmotivation im Keim – selbst mit abgeschalteten Mikrotransaktionen. Immerhin eines haben die Macher mit ihrem Game geschafft: Es wurde zum Sinnbild einer Debatte um Lootboxen in Vollpreistiteln, die uns wohl auch 2018 weiter nerven wird.

Innovation beim Zubehör, nicht bei Games

Andreas Müller

Das war super: Innovative Gaming-Mäuse

Ja, ernsthaft: Bei Gaming-Mäusen sind 2017 einige wirklich nützliche Innovationen geglückt. Dazu gehört Logitechs Powerplay-Technologie: Kabellose Mäuse werden vom Mauspad aufgeladen und so musst Du keinen Gedanken mehr an die Akkulaufzeit verschwenden. Angetan war ich auch auch von der Razer Naga Trinity, die dank magnetischer Seitenteile schnell und unkompliziert in drei verschiedene Gaming-Mäuse verwandelt werden kann. So ist für jedes Genre sofort die passende Maus parat.

Lädt von selber: Logitech Powerplay.
Lädt von selber: Logitech Powerplay. (© 2017 TURN ON)

Das hat genervt: Wenig Innovation bei Games

Die Games haben mich 2017 eher kalt gelassen. Das Problem: Die Publisher trauen sich nichts mehr – und viele Gamer fordern auch keine Innovation mehr ein. Es gab eine Neuauflage der Uralt-Konsole SNES und eine Xbox One X, die Spiele für ältere Xbox-Konsolen grafisch aufmöbelt. Ansonsten waren da noch Nachfolger von Nachfolgern wie "Wolfenstein 2" (keineswegs der zweite Teil der Serie) und der millionste Ableger von "Assassin's Creed", auch wenn Kai das Ägypten-Setting fesselt. Nächstes Jahr kommt wohl eine Mini-Dreamcast und der tausendste Teil von "God of War" ...

Die Kleinen werden größer & Power ist nicht alles

Meru Klee

Das war super: Neue Impulse von kleineren Entwicklern

Keine Innovation bei Videospielen? Da muss ich widersprechen: Gaming hat sich vom Rand der Gesellschaft längst so weit entwickelt, dass sich auch abseits der Blockbuster ein bunter Strauß an innovativen Spielen entwickeln kann. Spätestens 2017 hat sich gezeigt, dass die Mainstream-Publisher Indie-Entwickler mit guten Ideen nicht mehr ignorieren können. Dass Games wie "PUBG" oder "A Way Out" auf den großen Gameshows prominent vertreten waren, ist für mich eine der positiven Entwicklungen des Jahres. Auf allen etablierten Plattformen lassen sich mittlerweile Perlen mit tollen Spielideen finden. Ebenso finde ich, dass viele Innovationen im Gameplay auch immer öfter ihren Weg in vermeintlich bekannte Genres finden. Und sind nicht die besten Neuerungen die, die sich nicht in den Vordergrund drängen?

"A Way Out" wurde 2017 angekündigt und könnte 2018 ein echtes Highlight werden.
"A Way Out" wurde 2017 angekündigt und könnte 2018 ein echtes Highlight werden. (© 2017 Electronic Arts)

Das hat genervt: Der Xbox One X fehlt der "System-Seller"

Ich habe mich im Vorfeld sehr auf den Release der Xbox One X gefreut. Was vor dem Launch im November über die leistungsstarke Konsole berichtet wurde, hat mich wirklich gepackt – würde Microsoft es diesmal tatsächlich schaffen, die Xbox ganz nach vorne zu bringen? Nun ja, mittlerweile steht das Ding bei mir zu Hause, oft schmeiße ich die Kiste trotzdem nicht an. Klar, technologisch haben die Ingenieure ein Meisterstück abgeliefert. Allein: Die Inhalte, die ich nicht auch auf anderen Plattformen in toller Qualität spielen kann, fehlen. Insgesamt hat mich die Xbox One X also leider enttäuscht, zumal alle Spiele dafür auch auf der alten Xbox One laufen (müssen).

Tolle Gruselmomente, keine Zeit zum Zocken

Franziska Schütze

Das war super: "Resident Evil 7" für PlayStation VR

Eigentlich bin ich kein Gamer. Bei uns zu Hause gibt es tatsächlich keine andere Konsole als die Nintendo Wii U – das sagt vielleicht schon alles. Für den Test von "Resident Evil 7" durfte ich dann aber PlayStation VR mitnehmen und war begeistert! Natürlich kommt die Grafik nicht an die einer HTC Vive heran. Aber das braucht sie meiner Meinung nach auch gar nicht. Gerade bei Grusel-Games wie "Resi 7" kann das System seine Stärken ausspielen. Unterirdische Gänge zu erkunden oder im Gruselhaus um die nächste Ecke zu gehen hat mich einiges an Überwindung gekostet.Und Jacks Angriffe mit der Schaufel habe ich auch nicht so schnell wieder vergessen ...

Jack hautnah: "Resident Evil 7" in VR.
Jack hautnah: "Resident Evil 7" in VR. (© 2017 Capcom)

Das hat genervt: Zu viel anderes zum Testen

Da es bei TURN ON natürlich richtige Gamer unter den Redakteuren gibt, war "Resident Evil 7" dieses Jahr mein einziger Ausflug in die Spielewelt. Gerne hätte ich zwar noch mehr Titel angespielt, "Mittelerde: Schatten des Krieges" zum Beispiel. Aber auch außerhalb der Gaming-Welt gab es dieses Jahr viele spannende neue Produkte, die getestet werden wollten: Smartphones, Digitalkameras, Sportuhren, Drohnen ... Darüber will ich mich auch gar nicht beschweren. Aber vielleicht komme ich etwas verspätet ja endlich mal dazu, mit dem untoten Waldläufer Talion ein paar Orks zu killen!

Der Aufstieg eines Underdogs und der Untergang eines Blockbusters

Patrick Schulze

Das war super: Das Phänomen "Playerunknown's Battlegrounds"

Das Spielejahr 2017 war wirklich nicht arm an Blockbustern, die mit gigantischen Produktions- und Werbebudgets auf sich aufmerksam gemacht haben. Und trotzdem ist das Spiel, über das die ganze Welt seit Monaten redet, eines, das quasi aus dem Nichts kam. Ich meine natürlich "Playerunknown's Battlegrounds", das überhaupt nicht meine persönliche Baustelle ist, dessen gigantischer Erfolg für mich aber dennoch eines der Highlights des Jahres ist. In einer Zeit, in der große AAA-Spiele immer mehr zu kommerziell-durchgestylten Cash-Maschinen werden, kommt ein Indie-Shooter als Early-Access-Titel daher und knackt ganz ohne nennenswertes Werbebudget so ziemlich jeden Rekord, den es zu knacken gibt. Das zeigt, dass die Gaming-Szene längst nicht so langweilig und berechenbar ist, wie es die großen Publisher gerne hätten.

PUBG PlayerUnknown's Battlegrounds
"PUBG" kam aus dem Nichts und wurde zum größten Hit des Jahres. (© 2017 Bluehole)

Das hat genervt: Die Versenkung von "Mass Effect"

Wenn es einen Orden für den Publisher gibt, der in diesem Jahr die meisten großen Franchises in den Sand gesetzt hat, dann geht der wohl an EA. Das fing schon im März mit "Mass Effect Andromeda" an. Ich spreche dabei nicht einmal von seltsamen Gesichtsanimationen. Viel enttäuschender war für mich der offensichtliche Stillstand bei Spieldesign und Storytelling, unter dem "Mass Effect" seit seinem Debüt 2007 leidet. Einzig die Shooter-Mechanik wurde merklich verbessert. Bei Dialogen und Dramaturgie bewegen sich Titel wie "The Witcher 3"oder "Assassin's Creed: Origins" aber mittlerweile einfach in völlig anderen Sphären. Nach etwa der Hälfte der Spielzeit war ich so maßlos enttäuscht, dass ich "Andromeda" von meiner Festplatte geschmissen habe.

Zukunftsweisende Obskuritäten und ein enttäuschender Millionenseller

Marc Binder

Das war super: Game-Musik im Rampenlicht

Dieses Jahr standen bei mir gar nicht so sehr die Games selbst im Fokus, sondern vielmehr Game-Soundtracks – dank Menschen wie Mohammed Taher vom Label Brave Wave, Game-Archivar/Journalist Jeremy Parish und vor allem DJ Nick Dwyer mit seiner Show "Diggin' in the Carts" auf Red Bull Radio. Sie rückten obskure, aber oftmals zukunftsweisende Soundtracks zu Spielen aus der "Golden Era" der 1990er und 2000er ins Rampenlicht.  Selten hat es ein Jahr gegeben, in dem ich so viele Wahnsinns-Tracks entdeckt habe wie 2017. Beispiel gefällig?

Das hat genervt: Zu hohe Erwartungen an einen "Mario"-Klassiker

Nach dem Hype um "Super Mario Run" hatte ich Lust auf ein komplett klassisches 2D-Mario, in dem Mario nicht gleich von selbst losläuft. "New Super Mario Bros." für Nintendo DS bot sich hier an. Als alter "Mario"-Fan wollte ich diesen Teil sowieso schon immer mal nachgeholt haben. Immerhin rangiert "New SMB" seit Jahren in den Top 10 der meistverkauften Spiele aller Zeiten. Überraschenderweise kam meine Motivation aber recht bald ins Stottern – wirklich ungewöhnlich für ein 2D-"Mario". Die Welten waren einfach zu gleichförmig, die Neuerungen zu unspannend. Durchgespielt habe ich "New Super Mario Bros." am Ende aber natürlich doch.

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