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20 Jahre "X-Men" in den Kinos: Über Einfluss und Zukunft der Mutanten

X-Men 2000
Seit ihren Filmanfängen im Jahr 2000 haben die X-Men einen langen Weg hinter sich. Bild: © picture alliance/United Archives 2020

Wer sich für alt hält, sollte sich jetzt festhalten: Der erste "X-Men"-Film feiert in diesem Jahr bereits seinen 20. Geburtstag! In zwei Jahrzehnten haben die Marvel-Mutanten das Genre der Comicverfilmungen maßgeblich verändert – weg von kitschigen Strumpfhosen, hin zu düsteren Charakterstudien und spektakulär choreografierten Actionszenen. Aber wie geht es nach dem Fox-Disney-Deal weiter? Und was können die Marvel Studios aus den Tops und Flops der "X-Men"-Reihe lernen?

Die X-Men ebnen den Weg: Comicverfilmungen mutieren zum Kassenschlager

Heutzutage brechen Comicverfilmungen wie "Avengers: Endgame" und "Joker" regelmäßig Kinorekorde. Vor rund 20 Jahren sah das ganz anders aus: 1999 lockten vor allem Blockbuster mit Star-Besetzung wie "Fight Club" und "Matrix" die Massen in die Kinos. Die Superhelden-Filme dieser Zeit waren entweder düster-brutale Nischen-Produktionen wie "Blade" von 1998 oder totale Flops wie "Batman & Robin" von 1997.

Als 2000 der erste "X-Men"-Kinofilm von Bryan Singer in den Startlöchern stand, waren die Erwartungen der Kinogänger dementsprechend gering. Selbst Hugh Jackmans Freunde in Hollywood und seine Ehefrau Deborra-Lee Furness glaubten nicht an einen Erfolg der Comicverfilmung und warnten den Wolverine-Darsteller gar vor einem möglichen Flop (via CinemaBlend und DigitalSpy).

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Glücklicherweise sollte alles ganz anders kommen: "X-Men" wurde ein Erfolg, und Jackmans Wolverine eine Ikone der Popkultur. Mit einem bescheidenen Budget von 75 Millionen Dollar spielte "X-Men" rund 300 Millionen Dollar weltweit ein. Zum Vergleich: Die Produktion von "Avengers: Endgame" kostete 356 Millionen Dollar.

Mehr noch: "X-Men" stellte das damalige Genre der Comicverfilmungen gekonnt auf den Kopf und legte den Grundstein für die Super- und Antihelden-Filme von heute. Statt auf alberne Slapstick-Einlagen und wilde Kampfszenen setzte "X-Men" vor allem auf nahbare Charaktere, die sich im Laufe des Films weiterentwickeln, zudem auf einen interessanten, nicht beliebig austauschbaren Schurken (Magneto) und ernste Themen wie Fanatismus und Diskriminierung von sozialen Minderheiten.

Natürlich gab es auch einige Actionsequenzen, aber die waren Mittel zum Zweck, um den eigentlichen Plot voranzutreiben. Trotz Spezialeffekten und Mutanten ging es in "X-Men" um das Menschliche. Kurzum: "X-Men" zeigte, wie viel innerhalb des Superhelden-Genres tatsächlich möglich ist.

Zusammen mit Sam Raimis "Spider-Man" von 2002 läutete "X-Men" die Ära des modernen Superhelden-Genres ein, das vom witzigen Familienfilm à la "Shazam!" über spektakuläre Actionkracher wie "Avengers: Infinity War" bis hin zu brutalen Charakterstudien à la "Joker" und "Logan – The Wolverine" reicht. Mittlerweile erscheinen mehrere Comicverfilmungen pro Jahr – das haben wir auch den "X-Men" zu verdanken.

Wolverine Logan Hugh Jackmanfullscreen
Danke, "X-Men"-Filme: Hugh Jackmans Wolverine wurde zur Popkultur-Ikone! Bild: © Twentieth Century Fox Home Entertainment 2016

Zukunft ist Vergangenheit: Der Disney-Fox-Deal

Ab Ende 2017 zeichnete sich der nächste Umbruch rund um die "X-Men" ab: Disney zeigte Interesse an der Übernahme von 21st Century Fox – und damit an Fox-Inhalten wie den "X-Men"-Filmen, "Fantastic Four" und "Deadpool". Im März 2019 wurde der Mega-Deal schließlich besiegelt.

Wie genau die Zukunft der einstigen Fox-Charaktere unter dem Disney-Banner aussieht, ist noch unklar. Theoretisch ist es möglich, "X-Men"-Charaktere auf die Avengers und Spider-Man treffen zu lassen. 2018 vertröstete Marvel-Studios-Boss Kevin Feige die Fans jedoch: Damals soll es noch keine genauen Pläne für ein Aufeinandertreffen im Marvel Cinematic Universe gegeben haben. Das könnte sich nun zeitnah ändern.

X-Men im Marvel Cinematic Universe? Ein Blick in die Kristallkugel

Schließlich wurde kürzlich bekannt, dass Evan Peters in der kommenden "WandaVision"-Serie bei Disney+ zu sehen sein wird. Warum das wichtig ist? Ganz einfach: Evan Peters spielte in mehreren "X-Men"-Filmen von Fox den Mutanten Quicksilver. Pikanterweise tauchte dieser Charakter auch in Disneys "Avengers: Age of Ultron" auf – damals verkörpert durch Aaron Taylor-Johnson. Demnach kann Peters nicht als Quicksilver in "WandaVision" auftauchen, richtig? Falsch!

Die kommende Marvel-Serie soll eine direkte Verbindung zum geplanten Film "Doctor Strange in the Multiverse of Madness" haben. Die Vermutung liegt nahe, dass Protagonistin Wanda alias Scarlet Witch die Tür zum Multiversum aufstößt. Somit könnte sie auch einem alternativen Quicksilver den Weg ebnen – und so die Brücke zwischen dem "X-Men"-Franchise und dem MCU schlagen.

Jennifer Lawrence und Evan Peters als Raven und Quicksilver in X-Men: Apocalypsefullscreen
Aus den "X-Men"-Filmen ins MCU? Quicksilver-Darsteller Evan Peters ist für eine MCU-Serie bestätigt ... Bild: © Twentieth Century Fox Home Entertainment 2018

Darüber hinaus kursiert das Gerücht, dass die Figur Wiz Kid in der kommenden Comicverfilmung "Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings" eine Rolle spielt. Wiz Kid heißt eigentlich Takeshi "Taki" Matsuya – und ist ein Mutant. Die an den Rollstuhl gefesselte Waise war in den Comics unter anderem Mitglied der New Mutants, der Avengers Academy und der X-Terminators. Ihr Auftauchen könnte für weitere Mutanten den Weg ins Marvel Cinematic Universe ebnen.

So oder so dürfte sich Marvel Studios eher langsam an eine Integration der "X-Men"-Charaktere herantasten – und das ist auch gut so. Denn: Trotz einiger Flops haben die "X-Men"-Filme vieles richtig gemacht, dass es zu erhalten gilt!

Aufgepasst, Marvel! Das Beste an den "X-Men"-Filmen ...

... sind ihre aktuellen Bezüge zur modernen Gesellschaft und ihre nahbaren Charaktere, die trotz ihrer Übermenschlichkeit immer menschlich wirken.

Darüber hinaus sind die "X-Men"-Filme immer dann am besten, wenn sie erwachsenere Töne anschlagen. Weg vom jugendfreien PG-13-Rating, weg vom Gedanken, dass die Zielgruppe nur aus nerdigen Teenagern besteht und weg vom simplen "Gut gegen Böse"! Filme wie "Logan – The Wolverine" und "Deadpool" beweisen: Wer wagt, gewinnt. Auch Helden dürfen fluchen. Sie dürfen Schwächen zeigen, verletzlich sein und andere verletzen. Ob sich dieser düstere, aber höchst fesselnde Trend unter dem familienfreundlichen Banner des Maus-Konzerns Disney weiterführen lässt, wird sich zeigen. Wünschenswert wäre es.

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Hauptsache, Disney verbietet Großmaul Deadpool nicht den Mund. Bild: © Twentieth Century Fox 2018

Fazit: Wo wären wir ohne "X-Men"?

Keine Frage: Die "X-Men"-Filme haben in ihren 20 Jahren Hollywood-Geschichte maßgeblich dazu beigetragen, einen neuen Hype um das Genre der Comicverfilmungen auszulösen und die Filmgattung in eine diversere Zukunft zu führen. Bleibt zu hoffen, dass Disney diesem Vermächtnis in Zukunft gerecht wird. Und falls uns doch ein paar Flops ins Haus stehen sollten, halte ich es mit Professor X: "Nur weil jemand stolpert und die Orientierung verliert, heißt das noch nicht, dass er für immer verloren ist!"

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