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Darum haben neue Serien bei mir nur zwei Folgen, um sich zu beweisen

"Dogs of Berlin" auf Netflix? Hab ich schon nach zwei Folgen abgesägt!
"Dogs of Berlin" auf Netflix? Hab ich schon nach zwei Folgen abgesägt!

Egal, ob "Stranger Things" oder "Games of Thrones": Auf Netflix, Sky und Co. erscheinen jede Woche Unmengen an neuen Serien. So viele, dass zumindest ich einfach nicht mehr hinterherkomme. Darum habe ich inzwischen ein recht radikales System entwickelt, das neuen Serien nur noch sehr wenig Spielraum einräumt. Warum ich damit ganz gut fahre, will ich im folgenden Text erklären.

Das "Walking Dead"-Problem

Früher habe ich Serien oft sehr lange angeschaut, obwohl ich ehrlicherweise an vielen gar kein rechtes Interesse mehr hatte. Ein gutes Beispiel dafür ist "The Walking Dead". Die Zombie-Show hatte ich seit der ersten Folge gesehen – im Laufe der Jahre aber mit nachlassender Begeisterung und oftmals allein aus "alter Verbundenheit".

Spätestens ab Staffel 7 war zumindest für mich dann aber in Sachen "Walking Dead" endgültig die Luft raus. Das wöchentliche Anschauen der neuesten Episode fühlte sich immer mehr wie Arbeit und nicht mehr wie Unterhaltung an. Die Folge: Ich musste mich regelrecht dazu zwingen, die neueste Episode zu starten. In diesen Wochen drängte sich mir eine Frage immer mehr ins Bewusstsein: Ist das wirklich der Sinn von TV-Shows? Sollte ich mich nicht einfach endgültig von Serien verabschieden, die mir keinen Spaß mehr bringen?

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Nach jahrelanger Treue habe ich "The Walking Dead" den Laufpass gegeben – die Serie war mir schlicht zu langweilig geworden.

Immer mehr Serien buhlen um meine Screen Time

Natürlich könnte man nun einwenden, dass "The Walking Dead" sich in späteren Staffeln wieder gefangen hat und vielleicht sogar wieder richtig gut geworden ist. Außerdem ist eine Folge immer nur rund 45 Minuten lang und dafür wird man doch wohl einmal in der Woche Zeit finden?

Diesen Argumenten kann ich ein paar Antworten entgegenstellen: Zum einen ist mir mein Privatleben abseits des Fernsehbildschirms inzwischen deutlich wichtiger als noch vor ein paar Jahren. Zudem ist das Angebot an tollen Serien und Filmen durch immer mehr Streaming-Dienste seit dem Start von "The Walking Dead" im Jahr 2010 immer größer geworden.

In Kombination mit meinem Arbeitsalltag reduziert sich die mögliche Screen Time für die Zombie-Serie somit schon automatisch – was irgendwann in Staffel 7 zum endgültigen Abschied von Rick Grimes und Co. führte.

Ein radikaler Schnitt

Und damit wären wir auch schon bei meiner vergleichsweise radikalen Methode, die ich beim Anschauen einer neuen Serie inzwischen anwende: Zwei Folgen, hopp oder top. Das heißt schlicht und einfach: Wenn eine neue Serie mich nicht innerhalb der ersten beiden Folgen begeistern kann und ich mich stattdessen beginne zu langweilen, wird sie gnadenlos abgesägt. Ein paar Beispiele dafür aus der jüngeren Vergangenheit waren etwa "Big Little Lies", "Der Pass", "Dogs of Berlin" oder "Billions".

Gerade bei der letztgenannten Serie dürfte TURN-ON-Kollegin Christin aufschreien und vermutlich einwenden, dass sie erst im Verlauf der ersten Staffel gut wird. Entsprechend meinem neuen Glaubensgrundsatz, meine immer knapper werdende Screen Time nur noch für spannende Serien zu verbrauchen, werde ich hier aber keine Kompromisse eingehen.

Ob "Billions" noch irgendwann Fahrt aufnimmt, werde ich vermutlich nie erfahren.

Was bedeutet das für die Zukunft von Serien?

Falls ich nicht der einzige Streaming-Nutzer sein sollte, der nach zwei langweiligen Folgen einer neuen Serie abschaltet, könnte dies aber umfassende Auswirkungen auf die gesamte TV-Landschaft haben. Wenn immer mehr Dienste mit immer mehr Shows um die begrenzte Aufmerksamkeit der Zuschauer kämpfen, wird dies auch zwangsläufig Konsequenzen für die eigentliche Konzeption von Serien haben.

Eine ähnliche Entwicklung hat es immerhin auch schon bei der Popmusik im Zusammenhang mit Spotify gegeben, wie unter anderem dieser Artikel von Pitchfork erläutert. So habe sich das Songwriting durch Musik-Streaming in den vergangenen Jahren dramatisch verändert: Statt langer Intros kommen viele moderne Lieder heutzutage sofort zum Punkt und starten mit einer Art Zusammenfassung der späteren Refrains und Hooks.

Der Grund dafür ist simpel: Spotify zählt einen Song erst als abgerufen, wenn er 30 Sekunden abgespielt wurde – und mindestens so lange muss der Zuhörer also bei der Stange gehalten werden. Ein gutes Beispiel dafür ist etwa das Lied "It Ain't Me" von Kygo und Selena Gomez, der bereits in der ersten halben Minute Gitarren-Motiv und Strophe etabliert.

Ist eine ähnliche Entwicklung im Serienbereich nun auch möglich – begünstigt durch Zuschauer wie mich? Zumindest bei den größten Serien-Hits der vergangenen Jahre ist meiner Meinung nach schon auffällig, dass sie bereits in der Pilotfolge einen besonderen Hook einbauten, der die Zuschauer einfing und im besten Fall nicht mehr losließ. Paradebeispiele sind hier etwa "Stranger Things", "House of Cards" oder "Orange Is the New Black". Die Serien setzen dabei nicht unbedingt auf platte Cliffhanger, sondern konstruierten bereits in der ersten Folge eine spannende Grundprämisse mit Potenzial für viele weitere Episoden, ohne jedoch zu viel zu verraten oder den Zuschauer zu erschlagen.

Ob man diese Entwicklung nun gut oder schlecht findet, liegt sicherlich im Auge des Betrachters. Manche Streaming-Nutzer mögen vielleicht lieber Serien, die erst nach drei bis vier Folgen so richtig Fahrt aufnehmen. Viele Zuschauer dürften bei langsam erzählten Shows aber längst ausgestiegen sein – was Datensammlern wie Netflix oder Amazon natürlich nicht entgeht. Da diese Anbieter inzwischen immer mehr eigene Formate produzieren (im Hinterkopf immer den von einem Algorithmus errechneten Zuschauergeschmack), dürften TV-Shows im Stile eines Spotify-Songs in Zukunft noch deutlich zunehmen ...

Das sagt Gregor:
Neue Serien nur noch zwei Folgen lang eine Chance geben: Ist Dir mein Ansatz zu radikal oder genau richtig?
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