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Darum muss Negan das Finale von "The Walking Dead"-Staffel 8 überleben

Negan sollte das Finale von Staffel 8 unbedingt überleben.
Negan sollte das Finale von Staffel 8 unbedingt überleben. (©Gene Page/AMC 2018)

Schon seit mehreren Staffeln ist Negan der erklärte Oberbösewicht in der Welt von "The Walking Dead". Viele Fans (inklusive mir) würden den Anführer der Saviors (eigentlich) nur zu gerne tot sehen – während andere ganze Petitionen zur Rettung der Figur starten. Warum Negan das Finale von Staffel 8 auf jeden Fall überleben sollte, habe ich mir mal ganz genau überlegt.

Achtung, Spoiler!
Der folgende Text ist voll von Spoilern zu "The Walking Dead". Du liest also auf eigene Gefahr weiter.

(Fast) alle wollen Negan tot sehen

Es sieht derzeit wirklich nicht gut aus für Negan. Rick Grimes hat seit der Premiere von Staffel 7 bereits mehrfach geschworen, dem Anführer der Saviors persönlich das Lichtlein auszublasen. Und er ist längst nicht die einzige Figur, die es auf den aktuellen Oberbösewicht von "The Walking Dead" abgesehen hat.

Auch bei vielen Zuschauern kommt Negan nicht gut an. In den sozialen Netzwerken und diversen News-Artikeln wird immer wieder betont, dass die Serie die Figur am besten so schnell wie möglich beseitigen sollte – und die Fans werden nicht müde, sich die blumigsten Todesarten für Negan auszumalen.

Auf der anderen Seite gibt es aber auch eine regelrechte Pro-Negan-Bewegung von Fans, die ein Überleben der Figur fordern und dieser Forderung auch online in Foren und Co. Ausdruck verleihen. Sogar die Kritiker lieben Negan und feiern Darsteller Jeffrey Dean Morgan für seine Darbietung. Hier wird gerne und oft die seltsam charismatische Ausstrahlung des Oberbösewichts zitiert – sowohl in den zugrunde liegenden Comics als auch in der Serie. Ist es vielleicht wirklich so, dass Negan der Bösewicht ist, "den zu hassen wir lieben", wie IGN schreibt?

Eine (psychopathisch-)charismatische Ausstrahlung kann man dem "The Walking Dead"-Bösewicht wirklich nicht absprechen. (© 2017 Gene Page/AMC)

Die "The Walking Dead"-Comics

Tatsächlich sind die "The Walking Dead"-Comics einer der gewichtigsten Gründe dafür, dass Negan das Finale von Staffel 8 überleben sollte. Die Handlung der Vorlage ist inzwischen bereits weit über den All-out-war gegen die Saviors vorangeschritten – und Negan ist nach wie vor quietschfidel. Nicht nur das: Nach mehreren Jahren in der Gefangenschaft der Alexandrianer entwickelt sich die Figur zu einer Art "Anti-Helden" und steht den vereinten Communitys gegen die Whisperers bei.

Negan das Finale von Staffel 8 überleben zu lassen wäre daher mehr als wichtig für die Kontinuität der Handlung zwischen Serie und Comics. Zwar ist "The Walking Dead" dafür bekannt, sich gewisse Freiheiten im Umgang mit der Vorlage zu genehmigen. Doch zuletzt waren die Macher mit dem unvorhergesehenen Tod von Carl Grimes weiter von der kreativen Grundlage der Serie abgewichen, als viele Fans hinzunehmen bereit sind.

Mehr noch: Das Schema good-guy-turned-bad kennen wir bereits aus früheren Staffeln von "The Walking Dead" (ich denke da etwa an Dich, Shane ...!). Das Ganze einmal umzudrehen und Negans Transformation vom absoluten Oberbösewicht der Serie zu einem – naja, nicht mehr ganz so psychopathischen "Anti-Helden"-Verschnitt zu zeigen, könnte sich als potenziell starke Storyline herausstellen.

Ganz so fröhlich würde es wohl nicht werden, aber wer weiß ...? (© 2017 Gene Page/AMC)

So wichtig ist Negan für die weitere Handlung der Serie (und Carls Tod)

Apropos Storyline: Für die soll der vorzeitige Tod von Carl Grimes weiterhin sehr wichtig sein, wie unter anderem Noch-Showrunner Scott M. Gimple und diverse andere an der Serie Beteiligte nicht müde werden zu betonen. Damit der Tod der Figur wirklich an Gewicht gewinnt/behält, muss Negan allerdings unbedingt weiterhin Teil der Geschichte von "The Walking Dead" bleiben.

Die potenzielle Kehrtwende von Rick, zurück aus seinem aktuellen Berserker-Modus und wieder hin zu dem moralischen Leben, das Carl sich für seinen Vater gewünscht hat, braucht Negan als Gegenstück, an dem sich die Figur (und die Zuschauer) reiben und emotional wachsen kann/können. Immerhin bittet Carl seinen Vater im Brief ausdrücklich, dem Anführer der Saviors die Hand zum Frieden zu reichen. Eine Erfüllung der positiven Zukunftsvision des Juniors ist ohne den Aktuell-noch-Antagonisten aus dramaturgischer Sicht somit schlicht nicht möglich.

Die Geschichte von Rick und Negan ist noch längst nicht am Ende angekommen – zumindest in den Comics. (© 2017 Gene Page / AMC)

Nur nicht weiter Schema F!

Auch, wenn wir das Ganze einmal aus der anderen Richtung betrachten, spricht quasi alles für ein Überleben von Negan. Mal angenommen, Rick Grimes und Co. würden im Finale von Staffel 8 über die Saviors triumphieren und der wild gewordene Anführer der "Guten" würde sein Versprechen wahr machen, Negan zu töten. Dann würde die Serie einfach nur einmal mehr eine Handlung nach Schema F abarbeiten, die wir inzwischen in acht Staffeln (etwa am Governor oder den Menschenfressern aus Terminus) mehr als genug vorgeführt bekommen haben.

Dass die Zuschauer keine Lust mehr auf den immer gleichen Trott haben, zeigen die seit einiger Zeit beständig sinkenden Einschaltquoten von "The Walking Dead" auf ziemlich eindrucksvolle Weise. Selbst mich als weiterhin treue Zuschauerin würde es tatsächlich freuen, mal mit einer neuen, bisher noch nicht da gewesenen Plotentwicklung überrascht zu werden.

Außerdem könnte das Finale von Staffel 8 wohl kaum dramatischer gestaltet werden, als wenn Rick im entscheidenden Moment innehalten, sich der Worte seines verstorbenen Sohnes erinnern und Negan leben lassen würde. Richtig inszeniert wäre das Gänsehaut pur für die immer noch Millionen Zuschauer der Serie.

Und jetzt "Cut!", bitte. (© 2017 Gene Page/AMC)

"The Walking Dead" braucht Negan noch!

Nach dem Finale ist vor der Premiere. Klar. Sobald Staffel 8 sich mit Episode 16 in die Sommerpause verabschiedet hat, geht unweigerlich das große Rätselraten um den weiteren Verlauf der Handlung von "The Walking Dead" los. Dass in Staffel 9 alles anders werden soll, versprach Noch-Showrunner Scott M. Gimple erst kürzlich im Interview.

Aber: Alles anders heißt nicht ohne neue Feinde. In den Comics steht den vereinten Communitys wie bereits erwähnt als Nächstes das wenig erfreuliche Zusammentreffen mit den Whisperers bevor. Ganz zu schweigen vom kürzlich in Heft #175 eingeführten Commonwealth. Beides Gegner, die die Saviors schon beinahe wie harmlose Nachbarschaftsrabauken erscheinen lassen.

Dass Rick und Co. alleine gegen diese neuen Feinde bestehen könnten, scheint zum jetzigen Zeitpunkt mehr als fraglich. Weshalb die Unterstützung eines relativ skrupellosen Haudraufs wie Negan mehr als willkommen käme.

Gewisse "Qualitäten" von Negan dürften die Figuren aus "The Walking Dead" in Staffel 9 und danach vermutlich noch gut gebrauchen können. (© 2018 Gene Page/AMC)

Fazit: Wir lieben es wirklich, Negan zu hassen!

Fassen wir noch einmal zusammen:

  • Negan ist ein erschreckend charismatischer Antagonist und absolut kontrovers
  • In den Comics ist Negans Geschichte längst noch nicht abgeschlossen
  • Die Kontinuität zwischen Vorlage und Serie wurde von den Machern zuletzt mit Carls Tod bereits mehr als über Gebühr strapaziert
  • Die weitere (Comic-)Entwicklung der Figur in der Serie zu verbauen, hat großes Potenzial für einen interessanten Plotverlauf
  • Negans Überleben würde Carls Tod (größere) Bedeutung verleihen
  • Rick braucht Negan, um glaubhaft noch mal die Kurve zu bekommen
  • "The Walking Dead" braucht Negan, um nicht wieder in Schema F zu verfallen
  • Gegen zukünftige Feinde wäre Negan eine wertvolle Verstärkung

Letztlich ist es wohl wirklich so, dass Negan einfach eine der kontroversesten Figuren ist, die uns die Macher von "The Walking Dead" bisher beschert haben – und dass wir es tatsächlich lieben, ihn zu hassen. Die in den Comics von Robert Kirkman noch für die Figur vorgesehene Handlung hat definitiv das Potenzial dazu, der mit Staffel 8 langsam etwas aus der Puste geratenen Serie neuen Pepp zu verleihen.

Und selbst ich, als eine der Zuschauerinnen, die Negan (theoretisch) absolut zum Teufel wünschen, bin gleichzeitig ziemlich neugierig auf die weitere Dynamik und Spannungen, die mit einem gefangenen Ober-Savior im wiederaufgebauten Alexandria einziehen würden.

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